Umzug-Kosten-Job-zahlen
Was denken Sie: Was ist der häufigste Grund für einen Umzug? Richtig: der Jobwechsel. Nahezu jeder Dritte (32 Prozent) Deutsche wechselt aus beruflichen Gründen seinen Wohnort, so einmal das Ergebnis einer Umfrage des Bundesamts für Bau-, Raum- und Stadtforschung. Neben vielen Vorbereitungen und einer Menge Stress kommen auf die Betroffenen dabei vor allem Kosten zu. Diese werden häufig unterschätzt: Reisen für die Wohnungssuche, Speditionsunternehmen und doppelte Mietzahlungen können den kalkulierten Rahmen schnell sprengen. Es sei denn der neue Arbeitgeber springt ein und bietet finanzielle Unterstützung. Aber muss der das überhaupt - und in welcher Höhe?

Umziehen für den Job: Welche Kosten zahlt der neue Arbeitgeber?

Die kurze Antwort: Nein. Der neue Arbeitgeber muss gar nichts, eine Pflicht für Unternehmen Umzugskosten mitzutragen gibt es nicht. Allerdings bieten gerade große Konzerne häufig finanzielle Unterstützung oder Zuschüsse an, insbesondere wenn sie beispielsweise Rahmenverträge mit Umzugsunternehmen haben.

Der Arbeitnehmer hat dann die Chance, diese Spedition für den Umzug verbilligt zu nutzen oder die Kosten für den Umzug ganz zu sparen. Auch bei der Wohnungssuche helfen einige Unternehmen - etwa, indem sie die Kosten für einen Makler zahlen oder entsprechende Zeitungsanzeigen schalten.

Besonders großzügige Arbeitgeber tragen gar die Kosten für ein Hotelzimmer am neuen Arbeitsort für die Zeit der Wohnungssuche. Oder sie bezahlen bei doppelten Mietzahlungen einen Teil der Kosten. Das ist allerdings eher die Ausnahme von der Regel.

Der Ennepetaler Schließtechnikspezialist Dorma ist allerdings ein Beispiel für ein mittelständisches Unternehmen, dass seine neuen Mitarbeiter beim Umzug durchaus unterstützt: Abhängig von der persönlichen Situation des Bewerbers wird ein Zuschuss von bis zu 1000 Euro als Beteiligung an den Umzugskosten gezahlt.

Umzugskostenzuschüsse sind vor allem eins: Verhandlungssache

In den meisten Unternehmen ist die Frage, ob der Arbeitgeber finanzielle Umzugshilfe leistet, jedoch reine Verhandlungssache. Deswegen: Sollten Sie für den neuen Job umziehen müssen, fragen Sie im Bewerbungsgespräch (vorsichtig) nach, ob und welche Unterstützung ihr künftiger Arbeitgeber anbietet - und verhandeln Sie entsprechend.

Fach- und Führungskräfte haben hierbei natürlich einen Vorteil: Da die Unternehmen ohnehin schon bereit sind, in sie mehr Gehalt zu investieren, zeigen sie sich bei den Umzugskosten entsprechend verhandlungsbereiter. Deutlich schwieriger haben es da die Berufseinsteiger und Auszubildenden, insbesondere wenn sie sich mit ihrem Profil noch nicht von der Masse der Bewerber abheben und eine merklichen Mehrwert versprechen können. Hier sind die Unternehmen nur selten bereit, finanzielle Unterstützung zu leisten.

Mit der richtigen Argumentation können aber auch solche Bewerber ihre Verhandlungsposition verbessern: Jeder Personalverantwortliche weiß, dass ein Umzug anstrengend und stressig ist. Diese Faktoren führen dazu, dass man sich zum Berufseinstieg nicht vollständig auf den neuen Job konzentrieren kann und hinter seiner Leistung zurückbleibt. Muss man sich jedoch nicht vollkommen allein um den Umzug kümmern, ist der Kopf freier und die Leistungsbereitschaft höher. Das ist zwar kein allzu starkes Argument, aber besser als gar keins.

Staatliche Unterstützung gibt es auch

Umzug-Kosten-Job-wer-zahltDie Umzugskosten lassen sich aber auch so reduzieren - durch staatliche Unterstützungen und Fördergelder. Steigen Sie beispielsweise von der Arbeitslosigkeit wieder in das Berufsleben ein, kann es eine Kostenerstattung der Arbeitsagentur geben. Ziehen Sie für einen Berufswechsel um, können Sie wiederum die Umzugskosten steuerlich als Werbungskosten absetzten.

Hierbei gilt aktuell eine Pauschale von 679 Euro für Alleinstehende, 1357 Euro für Verheiratete und 299 Euro für jedes weitere Familienmitglied.

Übersteigen die angefallenen Kosten die Pauschalbeträge, sollten Sie auf jeden Fall alle Quittungen und Belege für einen Einzelnachweis aufbewahren. Sichert Ihnen Ihr Arbeitgeber finanzielle Unterstützung zu, ist diese Erstattung von den Kosten abzuziehen.

Vorsicht Rückerstattungs-Falle!

Ist der Umzug geschafft und war Ihr neuer Arbeitgeber überaus großzügig, sollten Sie dennoch vorsichtig sein: Noch ist die Probezeit nicht rum. Überhaupt kann es bei einer frühzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnissen dazu kommen, dass Sie Ihrem Arbeitgeber Teile der Umzugskosten zurückerstatten müssen. Die Gründe für eine solche Rückzahlungspflicht sind:

  • Die Kündigung des Arbeitnehmers.
  • Ein Aufhebungsvertrag auf Wunsch des Arbeitnehmers.
  • Eine arbeitgeberseitige verhaltens- oder personenbedingte Kündigung.

In dem Fall kann der Arbeitgeber Teile seiner Zahlungen zurück verlangen. Nichts erstatten müssen Beschäftigte hingegen bei betriebsbedingter Kündigung oder wenn der Arbeitgeber aus wichtigem Grund kündigt. Als Faustformel für Sie gilt, falls etwaige Unterstützungen des zukünftigen Arbeitgebers beim Umzug in Anspruch nehmen wollen:

  • Informieren Sie sich im Bewerbungsgespräch über mögliche Hilfeleistungen.
  • Nutzen Sie Ihren Verhandlungsspielraum.
  • Achten Sie auf mögliche Rückzahlungspflichten.

Ortswechsel: Wann sich der Umzug für den Job lohnt

Ob sich der beruflich bedingte Umzug auch lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren und zum Beispiel von folgenden Fragen ab:

  • Verkürzt sich durch den Umzug der tägliche Arbeitsweg?
  • Beteiligt sich der Arbeitgeber an den Kosten?
  • Stellt der Umzug generell eine Verbesserung der Wohnsituation dar?

Klar, neben einer Gehaltserhöhung spielen beim Ortswechsel für eine neue Stelle vor allem die beruflichen Perspektiven eine entscheidende Rolle: Selbst wenn sich Ihre finanzielle Lage nicht spürbar verbessert, können sich so bessere Karrierechancen ergeben. Je nachdem, wie weit weg Sie Ihren Wohnsitz dazu verlagern, kann es aber auch sein, dass Sie dann ihr bisheriges privates Umfeld verlassen und möglicherweise auch einige Kontakte und Beziehungen auf der Strecke bleiben. Genau genommen, sind das auch Kosten.

Ob sich der Umzug also lohnt, hängt maßgeblich davon ab, ob die Chancen die Kosten (auch die immateriellen) übersteigen.

Apropos: Welche Erfahrungen haben Sie mit Arbeitgebern und Umzügen gemacht?

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