Weiterbildung Tipps
Mehr Jobsicherheit, bessere Aufstiegschancen, mehr Wissen - das sind, kurz gesagt, die wesentlichen Vorteile der berufsbegleitenden Weiterbildung für Arbeitnehmer. Laut Definition handelt es sich dabei um eine Form des selbstorganisierten Lernens durch entsprechende Weiterbildungsangebote, die parallel zum Job absolviert werden - teils gefördert, oft aber auch selbstfinanziert. Notwendig macht das nicht allein das Diktat des lebenslangen Lernens, sondern vielmehr der schnelle technologische Fortschritt in der Wissensgesellschaft sowie der Arbeitsmarkt, um sich beispielsweise gegenüber Konkurrenten behaupten zu können. In manchen Berufen - etwa im schulischen oder im Therapiebereich - gilt Weiterbildung gar als unumgängliche Pflicht. Worauf aber kommt es dabei an und wie finden Sie seriöse Anbieter? Hier die Antworten dazu...

Weiterbildung fördert Karrierechancen

Extra-Tipp-IconWeiterbildung lohnt sich. Sie fördert Karrierechancen - und erhöht die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung. Das ist das Ergebnis der repräsentativen TNS-Infratest-Studie "Weiterbildungstrends in Deutschland 2016", an der 300 Personalverantwortliche beteiligt waren. 87 Prozent der Personaler sagten, Weiterbildung fördere definitiv den beruflichen Aufstieg, für 78 Prozent war sie Anlass für eine Gehaltssteigerung bei den Arbeitnehmern - allerdings mit einer Einschränkung: Entscheidend sei die Eigeninitiative des Mitarbeiters, sich beruflich weiterbilden zu wollen. Für 83 Prozent der Befragten war das ausschlaggebend. Geht es um die Einstellung neuer Mitarbeiter, schauen gar 77 Prozent auf diese Eigeninitiative.

Weiterbildung: Grundlage der (beruflichen) Entwicklung

Berufsbegleitende WeiterbildungZwar dient die berufliche Weiterbildung Arbeitnehmern oft primär zur beruflichen Entwicklung oder als Auftakt für eine baldige Beförderung. Doch ist das nur eine von mehreren Auswirkungen von Weiterbildungsangeboten. Diese können ebenso der persönlichen Entwicklung und dem Ausbau der eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen dienen.

Dieses Wachstum kommt dem beruflichen Aufstieg indirekt natürlich ebenfalls zugute, legt Fokus aber auf andere, meist langfristige Ziele. Statt sich also nur auf die kurzfristigen beruflichen Chancen einer Weiterbildung zu konzentrieren, könnten Sie sich auch fragen:

  • Bringt mich die Weiterbildung meinen persönlichen Zielen näher?
  • Passt die Weiterbildung zu meinen Interessen und Wünschen?
  • Wirkt sich die Weiterbildung auf meine persönliche Entwicklung positiv aus?
  • Bringen mich die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse auch außerhalb meines aktuellen Jobs weiter?
  • Bietet mir die Weiterbildung die Grundlage für einen späteren Job- oder gar Branchenwechsel?

Weiterbildung versus Fortbildung: Der Unterschied

Die Begriffe Fortbildung und Weiterbildung werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber genau genommen zwei unterschiedlieche Lern- und Qualifzierungsarten:

  • Eine Fortbildung dient dazu, sich im bestehenden Beruf weiterzuqualifizieren. Sie dient daher meist dem beruflichen Aufstieg oder der Vorbereitung neuer, konkreter Aufgaben.
  • Bei einer Weiterbildung geht es darum, sich neue Fähigkeiten, Kenntnisse und Qualifikationen anzueignen - unabhängig von einem konkreten betrieblichen Zweck. Sie dient also eher dazu, das eigene Qualifikationsprofil auszubauen und das (fachliche) Fundament auszubauen.

Weiterbildungsangebote: Alternativen mit Chancen

Zunächst einmal stellt die Berufsausbildung natürlich die erste und wichtigste Grundlage für den Berufseinstieg und -aufstieg dar. Sie bildet das solide Fundament für die berufliche Zukunft.

Dauerhaft reicht das aber nicht - zumal Karrierewege immer seltener geradlinig verlaufen und sogenannte Kaminkarrieren, bei denen man in einem Unternehmen anfängt, aufsteigt und schließlich in Rente geht, zunehmend exotische Ausnahmen sind:

WieKarrierenverlaufen-Grafik

Nicht wenige Arbeitnehmer sind daher gezwungen, sich im Laufe des Berufslebens neu zu orientieren oder sich beruflich weiter sowie neue Kompetenzen zu entwickeln. Schon allein um Arbeitslosigkeit im erhöhten Alter zu vermeiden.

Ob sich eine Weiterbildung lohnt, müssen Arbeitnehmer natürlich immer noch individuell entscheiden und beurteilen, was allerdings - angesichts eines stetig steigenden Angebots - nicht unbedingt leicht ist. Wir haben für Sie daher eine Liste mit alternativen Weiterbildungsmöglichkeiten zusammengestellt, die weithin akzeptiert und anerkannt sind. Darüber hinaus finden Sie HIER eine Übersicht guter Weiterbildungsangebote und Seminare, die Sie auch direkt buchen können.

Typische Weiterbildungsangebote:

  • Weiterbildung durch IHK Seminare

    Das wohl bekannteste Angebot stellen Aus- und Weiterbildungen der Industrie- und Handelskammern (IHK) dar. Diese sind in Deutschland in fast allen Branchen anerkannt und akzeptiert und werden vor allem in handwerklichen und technischen Berufen geschätzt. Ein Grund dafür ist die konsequente Ausrichtung auf die Berufspraxis, die Arbeitnehmern eine schnelle Anwendung des Erlernten ermöglicht.

  • Weiterbildung durch das Arbeitsamt

    Auch die Arbeitsagenturen fördern die berufliche Weiterbildung - und das nicht nur für Arbeitslose. Für die berufliche Qualifizierung Beschäftigter stehen den Agenturen für Arbeit verschiedene Fördermöglichkeiten und -programme zur Verfügung. Ansprechpartner für diesbezügliche Fragen ist immer die für den jeweiligen Wohnort zuständige Arbeitsagentur. Beschäftigte können sich allerdings auch an die Agentur für Arbeit am Betriebssitz ihres Arbeitgebers wenden. Entsprechende Weiterbildungskurse lassen sich im Portal Kursnet finden.

  • Wissenschaftliche Zertifikate

    Diese Alternative ist noch recht neu, wird jedoch von immer mehr Hochschulen angeboten. Wissenschaftliche Zertifikatskurse vermitteln den Teilnehmern akademisches Wissen zu speziell ausgewählten Themen. So können Arbeitnehmer tief in ein Thema eintauchen, ohne dafür gleich ein komplettes Studium zu absolvieren. Zertifikatskurse können, müssen aber nicht berufsbezogen sein und decken oft eine große thematische Bandbreite ab.

  • Unternehmensinterne Weiterbildungen

    Bei Arbeitgebern sind die im Unternehmen selbst durchgeführten Weiterbildungen außerordentlich beliebt, schließlich sind diese Seminare explizit auf die Bedürfnisse und Anforderungen des Unternehmens zugeschnitten und bieten so einen extrem hohen Nutzen für die praktische Anwendung. Wollen Sie als Arbeitnehmer länger in dem Unternehmen bleiben, sind diese Weiterbildung meist hilfreich beim Aufstieg. Wer jedoch einen Arbeitgeberwechsel plant, sollte sich parallel nach anderen Weiterbildungsmöglichkeiten umschauen. Womöglich werden diese Zertifikate später nicht vom neuen Arbeitgeber anerkannt.

  • Kurse der Berufsverbände

    Auch die Berufsverbände bieten verschiedene Weiter- und Fortbildungen an. Diese sind in der jeweiligen Branche oft akzeptiert und können mit umfangreichem Fachwissen und einer starken Branchenorientierung punkten. Für einen möglichen Branchenwechsel oder den Erwerb völlig neuer Kompetenzen und Fähigkeiten sind solche Kurse allerdings auch nur bedingt zu empfehlen.

  • Seminare privater Träger

    Auf dem Markt der beruflichen Weiterbildung tummeln sich alleine in Deutschland hunderte große und kleine Anbieter. Das Angebot an Weiterbildungskursen und -seminaren ist daher ebenso groß wie die Qualitätsunterschiede. Arbeitnehmer sollten sich von Zertifizierungen nicht täuschen lassen: Auch davon gibt es Dutzende, die über die Qualität eines Anbieters nur wenig ausssagen. Als Ausgangspunkt für die Recherche empfehlen wir Ihnen die Webseite des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Hier finden Sie grundlegende Informationen zur beruflichen Weiterbildung und hilfreiche Tipps.


Statistik: Berufliche Weiterbildung in Zahlen

Tatsächlich ist es so, dass die Beteiligung an Weiterbildungsmaßnahmen umso höher ausfällt, je höher das Qualifikationsniveau des Arbeitnehmers ist (siehe Infografik weiter unten). Laut dem BMBF hat allein im vergangenen Jahr rund jeder zweite Erwerbstätige zwischen 18 und 64 Jahre (insgesamt 51 Prozent) an mindestens einer Weiterbildungsveranstaltungen teilgenommen. Davon entfielen...

  • 70 Prozent auf die betriebliche Weiterbildung
  • 13 Prozent auf individuelle berufsbezogene Weiterbildung

In 60 Prozent der Fälle wurden die Kosten dafür vom Arbeitgeber übernommen.

Infografik-Weiterbildung-Bildungsniveau

Autodidaktische Weiterbildung: Mentoren und Erfahrungswerte

Weiterbildung - Angebote, Kurse, SeminareDarüber hinaus stehen Ihnen - neben diesen formalen Weiterbildungsmöglichkeiten - autodidaktische Wege des Lernens offen. Diese Weiterbildungswege sind nicht standardisiert und das Lernen findet hier oft in der Freizeit statt. Das hat einerseits den großen Vorteil, dass die so erworbenen Kenntnisse praxisnah und direkt anwendbar sind. Der Nachteil ist - zumindest in Deutschland - jedoch ebenso offensichtlich: Autodidaktisch erworbene Kenntnisse lassen sich nicht nachweisen und sind in der Bewerbung daher nur bedingt hilfreich.

Falls Sie sich dennoch für autodidaktisches Lernen interessieren, sollten Sie sich hierzu Experten und Mentoren suchen. Diese finden Sie entweder in Ihrem beruflichen Umfeld oder in Fachforen, auf Messen, bei Vorträgen und anderen Events. Nur gehen Sie bei der Kontaktaufnahme bitte behutsam vor. Diese Menschen sind in der Regel ebenso gefragt wie beschäftigt und Zeit ihr knappstes Gut. Haben Sie daher im Blick, wie auch diese Person von Ihnen profitieren kann.

Dann allerdings kann diese Partnerschaft enorm weiterbringen: Handelt es sich bei dem Mentor um eine Person mit einer ausgeprägter Reputation, können deren Empfehlungen fast so gut - in manchen Branchen sogar besser - als offizielle Zertifikate sein.

Weiterbildungsmöglichkeiten: Warnzeichen für unseriöse Anbieter

Weiterbildung Checkliste für unseriöse AnbieterWählen Sie den formalen Weiterbildungsweg, werden Sie bei der Suche nach passenden Kursen auf eine fast unüberschaubare Zahl an Angeboten stoßen. Leider gibt es darunter einige schwarze Schafe und unseriöse Anbieter - die Sie jedoch an einigen Warnzeichen erkennen können. Keines der folgenden Warnzeichen reicht für sich genommen aus, um einen Anbieter als unseriös abzustempeln. Falls sich die Warnzeichen aber häufen, ist der Anbieter vielleicht nicht die beste Wahl...

  1. Niedrige Preise

    Qualifizierte und kompetent durchgeführte Weiterbildungen haben ihren - teilweise hohen - Preis. Bei Ihrer Recherche sollten Sie daher auf jeden Fall verschiedene Anbieter miteinander vergleichen. Tut sich einer davon mit signifikant niedrigeren Preisen hervor und handelt es sich dabei nicht um ein Aktionsangebot, sollten Sie misstrauisch werden. Umgekehrt gilt der Schluss allerdings nicht: Hohe Preise garantieren leider keine hohe Qualität.

  2. Fehlende Referenzen

    Ein seriöser Weiterbildungsanbieter wird im Normalfall Aussagen und Beurteilungen von ehemaligen Absolventen und Seminarteilnehmern vorweisen können. Sind die nicht vorhanden und kann der Anbieter dafür keine schlüssige Erklärung liefern, ist das ein deutliches Warnsignal.

  3. Fehlerhafte Unterlagen

    Tippfehler und kleinere Ungenauigkeiten können auch bei den besten Unternehmen und Weiterbildungen vorkommen. Sind die im Vorfeld ausgehändigten Unterlagen oder Werbematerialien jedoch übermäßig voller Fehler, sollte Sie das misstrauisch machen.

  4. Keine Vorabinformation

    Seriöse Weiterbildungsanbieter erlauben einen Teil der Unterlagen im Vorfeld einzusehen. Solche Musterexemplare stehen zwar nicht bei allen Unternehmen zum Download bereit, auf Nachfrage sollten diese jedoch verfügbar sein. Ist das nicht der Fall, ist Vorsicht geboten.

  5. Erster Eindruck

    Bei der Entscheidung für oder gegen eine Weiterbildung sollte auch Ihre Intuition eine Rolle spielen. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl und achten Sie vor allem auf Ihren ersten Eindruck beim Beratungs- oder Gesprächstermin. Ist dieser negativ, muss das zwar nicht zwingend gegen die Seriosität des Anbieters sprechen, kann aber auf Missstände hindeuten.

  6. Schlechte Bewertungen

    Finden Sie bei Ihrer Recherche im Internet hauptsächlich schlechte Bewertungen des Anbieters, sollten Sie kritisch nachhorchen oder die Finger davon lassen. Lesen Sie die Erfahrungsberichte aber bitte vollständig durch und achten Sie auch auf das Erstellungsdatum. Vielleicht hat sich seitdem viel verändert und verbessert.

  7. Kein Konzept

    Seriöse und qualifizierte Weiterbildungen beruhen immer auf einem schlüssigen und fachlich begründeten Konzept. Dieses müssen die Mitarbeiter des Trägers vermitteln können und es sollte auch in den Werbe- und Informationsunterlagen schlüssig dargestellt werden. Ist ein solches Konzept nicht ersichtlich, verschwenden Sie bei einer Weiterbildung vermutlich Zeit und Geld.

  8. Keine Testsitzung

    Viele Weiterbildungsträger bieten Interessenten die testweise Teilnahme an einem Seminar an. Das ist zwar nicht unbedingt Standard, doch sollte für das Fehlen eines solchen Angebotes eine nachvollziehbare Erklärung geliefert werden. Fehlt diese, kann das ein Alarmsignal sein.

  9. Unsichere Antworten

    Ein im Vorfeld stattfindender Beratungstermin dient in erster Linie der Information. Kritische Nachfragen sind bei der Gelegenheit daher zulässig. Können die Mitarbeiter des Trägers diese nicht oder nur unsicher beantworten, ist Misstrauen berechtigt.

  10. Wenig Inhalte

    Zum Standard jedes Weiterbildungsangebotes gehört die Möglichkeit, die Themen und Lehrpläne im Vorfeld - zumindest als Übersicht - einzusehen. Stellen Sie dabei jedoch fest, dass im Verhältnis zu Preis und Zeit nur wenig Inhalte vermittelt werden, sollten Sie von einer Teilnahme Abstand nehmen.

  11. Garantierter Erfolg

    Wirklich seriöse Weiterbildungsangebote betonen im Vorfeld eines Seminars die Mitwirkungspflicht der Teilnehmer. Eine Erfolgsgarantie geben sie in der Regel daher nicht ab. Ist eine solche jedoch vorhanden, sollten Sie sich den Rest des Angebotes mit einer gesunden Portion Misstrauen näher anschauen.

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