Entscheidungen treffen: Die 10 besten Methoden

Laut Studien treffen wir rund 35.000 Entscheidungen täglich. Die meisten davon unbewusst und automatisch: Was anziehen? Was frühstücken? Andere Entscheidungen sind komplexer – etwa Berufswahl, Partnerwahl oder Hauskauf. Sie zählen zu wichtigen Lebensentscheidungen mit großer Tragweite und erfordern deshalb mehr Bedenkzeit. Wie aber können Sie besser schwere Entscheidungen treffen? Die besten Methoden zur Entscheidungsfindung aus Psychologie und Praxis…

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Warum ist es so schwer, Entscheidungen zu treffen?

Jeden Tag treffen wir zig Entscheidungen – die meisten intuitiv und aus dem Bauch heraus. Bei anderen wägen wir gründlich ab: das Pro und Contra, ja oder nein? Was diese Entscheidungen so schwer macht, sind jedoch zwei Systeme im Gehirn, die manchmal zusammen und manchmal gegeneinander arbeiten. Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann hat darüber den Bestseller „Schnelles Denken, langsames Denken“ geschrieben und erklärt:

  1. Leichte Entscheidungen

    beruhen primär auf System 1 und damit auf Erfahrungen sowie bewährten Entscheidungsregeln (sog. Heuristiken). Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und leiten daraus sofort Strategien für die Zukunft ab.

  2. Schwere Entscheidungen

    stellen uns dagegen vor eine neue, komplexe Wahl. Wir müssen darüber nachdenken, analysieren, rational bewerten. Kahnemann nennt das „System 2“ – das langsame, anstrengende und schwere Entscheiden.

In den meisten alltäglichen Situationen entscheiden wir schnell und spontan: Der Bauch wählt, der Verstand bestätigt. Bei schweren Entscheidungen aber hat System 2 das letzte Wort und widerspricht mancher Intuition.

Ich kann mich nicht entscheiden! – Woran liegt das?

Jede Entscheidung FÜR eine Sache ist eine GEGEN alle Alternativen. Laut Psychologie achten Menschen jedoch häufiger auf diesen Verlust. Die Folge: Wegen der Verlustängste werden Entscheidungen schwerer. Im Extrem vermeiden wir sie ganz oder treffen eine falsche Entscheidung. Der Verhaltensökonom Dan Ariely konnte in Studien nachweisen: Um zu verhindern, dass sich bei jeder Wahl unsere Optionen verringern, halten sich Menschen möglichst viele Türen offen – und wählen dabei falsch oder gar nicht.

Hinzu kommt: Zu viele Optionen blockieren. Je mehr Wahlmöglichkeiten es gibt, desto schwieriger können wir uns entscheiden (siehe: Marmeladen-Experiment). Das passiert im Alltag genauso wie bei der Partner- und Berufswahl oder bei der Jobsuche.

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Entscheidung treffen: 10 bewährte Tipps und Methoden

Es gibt zahlreiche bewährte Entscheidungstechniken, die Ihnen helfen, schneller und besser zu entscheiden. Welche Methode funktioniert, hängt natürlich von der jeweiligen Situation ab. Die folgenden zehn Strategien verbessern jedoch grundsätzlich Ihre Entscheidungsfindung:

1. Hören Sie auf Ihren Bauch

Vertrauen Sie Ihrer Intuition hauptsächlich in Situationen, in denen Sie bereits viele Erfahrungen besitzen. Das Gehirn erkennt vertraute Muster oft unbewusst und ermöglicht dadurch schnelle Einschätzungen. Studien der Psychologin Sian Beilock zeigen beispielsweise, dass erfahrene Sportler unter bestimmten Bedingungen schlechter abschneiden, wenn sie automatisierte Abläufe zu stark kontrollieren. Das Bauchgefühl ist deshalb kein Gegenteil zum Denken – sondern nutzt unsere Lebenserfahrung oder unsere Menschenkenntnis – und das viel schneller als der Verstand.

2. Reduzieren Sie die Komplexität

Zu viele Möglichkeiten erschweren die Wahl. Die Psychologie unterscheidet unter anderem zwischen zwei Entscheidungstypen: Maximierer suchen möglichst lange nach der besten Option, Genügsame beenden die Suche, sobald eine gute Lösung gefunden ist. Begrenzen Sie deshalb Ihre Auswahl auf wenige realistische Alternativen. Sie müssen nicht jede Möglichkeit prüfen, um gut zu entscheiden.

Test: Welcher Entscheidungstyp bin ich?

In der Psychologie werden vor allem zwei Entscheidungstypen unterschieden: Maximierer oder Genügsamer. Absolvieren Sie unseren kurzen Test und finden Sie heraus, welcher Typ Sie sind:

Zu den Entscheidungstypen

3. Legen Sie klare Kriterien fest

Definieren Sie vor jeder Entscheidung, was Ihnen wirklich wichtig ist! Welche Bedingungen muss eine Option unbedingt erfüllen? Welche Kriterien sind wünschenswert, aber verzichtbar? Ordnen und gewichten Sie Ihre Prioritäten. Dadurch vergleichen Sie Alternativen anhand eines festen Maßstabs und lassen sich weniger von spontanen Eindrücken oder unwichtigen Details beeinflussen.

4. Wechseln Sie die Perspektive

Gewinnen Sie Abstand und betrachten Sie die Situation aus einer anderen Perspektive. Fragen Sie sich beispielsweise: Was würde ich einem guten Freund in derselben Situation empfehlen? Oder: Welche Wahl würde mein zukünftiges Ich bevorzugen? Der Perspektivwechsel reduziert emotionale Verzerrungen und hilft Ihnen, das große Ganze zu erkennen.

5. Denken Sie an die langfristigen Folgen

Kurzfristige Vorteile können langfristig teuer werden – und umgekehrt. Prüfen Sie deshalb nicht nur, was eine Entscheidung heute bedeutet, sondern welche Folgen sie in einigen Monaten oder Jahren haben könnte. Hilfreich ist hierbei die 10-10-10-Methode von Suzy Welch: Wie denken Sie über Ihre Wahl in 10 Minuten, 10 Monaten und 10 Jahren?

6. Nehmen Sie sich Bedenkzeit

Unter Zeitdruck gewinnen spontane Emotionen häufig an Einfluss. Bei wichtigen Entscheidungen kann deshalb eine bewusste Pause helfen. Gehen Sie spazieren, beschäftigen Sie sich mit etwas anderem oder schlafen Sie eine Nacht darüber. Abstand bedeutet allerdings nicht endloses Aufschieben: Setzen Sie sich unbedingt einen Zeitpunkt, an dem Sie entscheiden!

7. Filtern Sie relevante Informationen

Eine gute Entscheidung benötigt Informationen – aber nicht möglichst viele. Trennen Sie Fakten von Meinungen, Vermutungen und unbegründeten Ängsten. Fragen Sie bei Ihrer Recherche: Welche Information könnte meine Entscheidung tatsächlich verändern? Alles andere erzeugt womöglich nur zusätzliches Rauschen und neue Zweifel.

8. Hinterfragen Sie Ihre Einschätzung

Zu viel Selbstsicherheit kann dazu führen, Risiken zu unterschätzen und die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Suchen Sie deshalb bewusst nach Argumenten gegen Ihre bevorzugte Option: Was könnte ich übersehen haben? Welche meiner Annahmen könnte falsch sein? So reduzieren Sie Selbstüberschätzung und typische Denkfehler.

9. Prüfen Sie den Worst Case

Angst vor einer falschen Entscheidung entsteht häufig durch diffuse Vorstellungen möglicher Folgen. Machen Sie diese konkret: Was ist das Schlimmste, das realistisch passieren könnte? Wie wahrscheinlich ist dieses Worst-Case-Szenario? Und könnten Sie die Folgen bewältigen oder die Entscheidung später korrigieren? Oft verliert eine Wahl dadurch einen großen Teil ihres Schreckens.

10. Akzeptieren Sie Kompromisse

Kaum eine Entscheidung erfüllt sämtliche Wünsche. Fragen Sie deshalb nicht nur, welche Option die meisten Vorteile bietet, sondern auch, welche Nachteile Sie akzeptieren können. Ein guter Kompromiss berücksichtigt Ihre wichtigsten Ziele, ohne Perfektion zu verlangen. Entscheidend ist, dass Sie sich nicht mit einer Notlösung zufriedengeben, die Ihren zentralen Bedürfnissen widerspricht.

Versuchen Sie nicht, immer „richtig“ zu entscheiden. Der Begriff suggeriert, dass es für jede Situation genau eine optimale Lösung gibt. Die kennen wir jedoch meist erst im Rückblick – wenn überhaupt. Eine gute Entscheidung ist vielmehr eine Wahl, die auf Ihren Zielen, den verfügbaren Informationen und einer realistischen Einschätzung der Folgen basiert. Wer diese Unsicherheit akzeptiert, löst sich leichter aus Entscheidungsblockaden und kommt ins Handeln.

Psychologie: 12 kuriose Fakten über Entscheidungen

  1. Im Dunklen treffen wir rationalere Entscheidungen

    Wenn Sie vor einer wichtigen Entscheidung stehen, dimmen Sie das Licht! Kein Scherz: Wissenschaftler um Alison Jing Xu von der Rotman School of Management konnten zeigen, dass helles Licht unsere Emotionen – positive wie negative – verstärkt.

  2. Mit voller Blase treffen wir bessere Entscheidungen

    Nicht lachen! Wissenschaftler der niederländischen Universität von Twente fanden heraus: Je voller die Blase, desto eher entscheiden wir uns für langfristige Ziele. „Harndrang-Effekt“ heißt das in der Fachsprache. Begründung: Wer es schafft, seinen Harndrang zu unterdrücken, der kann auch Versuchungen leichter widerstehen.

  3. Stress führt zu riskanteren Entscheidungen

    Das betrifft vor allem Manager. Kanadische Wissenschaftler um Theodore Noseworthy von der Universität von Guelph konnten nachweisen, dass Stress emotional korrumpiert und uns von negativen Konsequenzen distanziert. Bei Stress gehen wir lieber in den Angriffsmodus, statt gründlich zu reflektieren.

  4. Wir entscheiden uns meist für die erste Option

    Wer schnell zwischen mehreren Alternativen wählen muss, entscheidet sich oft für die erste Option, so das Ergebnis einer Studie von Dana R. Carney von der Universität von Kalifornien in Berkeley. Die Gefahr dieses Reihenfolgeeffekts: Einmal gelernt, bleiben wir diesem Muster auch bei späteren Entscheidungen treu.

  5. Die Mehrheit entscheidet sich für Bekanntes

    Die Qual der Wahl ist zuweilen keine. Eher bevorzugen wir Bekanntes. Was uns dabei manipuliert, ist das starke Vertrautheitsgefühl. Die sogenannte Rekognitionsheuristik verleitet aber zu Fehlurteilen. Etwa am Aktienmarkt: Bekannte Unternehmen werden oft besser bewertet, als sie sind.

  6. Wer sich nicht entscheiden kann, benötigt eine Alternative

    Das Phänomen wird Decoy-Effekt genannt: Wenn wir uns zwischen zwei Optionen nicht entscheiden können, brauchen wir eine dritte – den Köder (englisch: „decoy“). Er bildet eine Art Entscheidungs-Krücke. Schon sieht eine der anderen Optionen besser aus.

  7. Gut Gelaunte entscheiden großzügiger

    Obacht, wenn Sie gerade gute Laune haben und eine Wahl treffen müssen! Wer positiv gestimmt ist, akzeptiert schneller das erstbeste Angebot, so eine Studie an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel.

  8. Schlecht Gelaunte sehen klarer

    Wie der australische Psychologe Joe Forgas von der Universität von New South Wales herausfand, profitieren Miesepeter von gesteigerter Aufmerksamkeit. Effekt: Sie fallen seltener auf urbane Legenden oder Marketing-Tricks herein.

  9. Ärger macht Entscheidungen rationaler

    Studien von Wissenschaftlern um Maia Young von der Anderson School of Management in Kalifornien zeigen: Wer sich ärgert, trifft rationalere Entscheidungen, weil Wut klassische Wahrnehmungsfehler (Fachbegriff: confirmation bias) unterdrückt.

  10. Wer besser entscheiden will, sollte aufstehen

    Glaubt man einer Studie des Psychologen Frank Fischer von der Münchner LMU, können Sie durch simples Aufstehen bessere Entscheidungen treffen. Wer in den Experimenten aufstand, hatte 24 % mehr Ideen und traf in 25 % der Fälle bessere Entscheidungen als die Sitzenbleiber.

  11. Ausgeschlafene wählen klüger

    Schon eine Stunde Schlafmangel führt zu schlechteren Entscheidungen. Betroffene gehen dann höhere Risiken ein, so eine Studie von Virginie Godet-Cayré vom Centre for Health Economics and Administration Research in Frankreich.

  12. Entscheidungen machen müde

    Wer viel entscheiden muss, büßt geistige Kapazitäten ein. Das hat die Psychologin Kathleen Vohs herausgefunden. Kurz: Entscheidungen machen müde und powern uns aus. Wer vor wichtigen Entscheidungen steht, sollte deshalb nicht am Ende eines entscheidungsreichen Tages seine Wahl treffen.


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