Beim Ikea-Effekt handelt es sich nicht um das Phänomen, dass beim Zusammenbau mal wieder eine wichtige Inbusschraube fehlt, oder dass Ivar und Billy hinterher ganz anders aussehen, als auf dem Bild. Als die Psychologen Michael Norton, Daniel Mochon und Dan Ariely untersuchten, ob der Akt des Zusammenbauens irgendeine mentale Wirkung hat, entdeckten Sie tatsächlich etwas - und tauften es den Ikea-Effekt. Dessen Langfassung lautet: Wer Blut, Schweiß und jede Menge lautstarker Kraftausdrücke in den §(#€!$$-Schrank oder ein anderes physisches Objekt investiert hat, der lädt diesen Gegenstand zugleich mit einer Extra-Portion Mehrwert und Qualität auf...

Ikea Effekt DIY Selbstgemacht mehr Wert

Ikea-Effek Definition: Mehr Wertschätzung für Eigenleistung

Ikea-Effek DefinitionLaut Definition beschreibt der IKEA-Effekt eine gesteigerte Wertschätzung für (teilweise) Selbstgemachtes. Wann immer wir durch Eigenleistung einen Gegenstand oder ein Produkt erst vollenden, steigt dessen Wert für uns selbst.

Der in der Verhaltensökonomie inzwischen gut erforschte Effekt (PDF) lässt sich aber nicht beim Zusammenbauen von Möbeln und Schränken des schwedischen Möbelherstellers beobachten. Dasselbe passiert beispielsweise bei Smartphones, der erst durch das persönliche Aufrüsten mit individuellen Apps so richtig smart und wertvoll für uns werden. Oder es passiert beim Kochen - dem Koch schmeckt's, die anderen lügen und würgen wohlwollend.

Das Erstaunliche an dem Ikea-Effekt ist allerdings, dass die gesteigerte Wertschätzung durch die Selbst-Montage oder das persönliche Verfeinern eines Massenartikels nahezu dasselbe Ausmaß annimmt, als hätten wir das Produkt komplett selbst angefertigt oder als exklusives Einzelstück für uns durch einen Handwerker anfertigen lassen.

Die Psychologen um Michael Norton ließen bei den Experimenten seinerzeit zum Beispiel ihre Probanden tatsächlich ein paar Ikea-Schränke zusammenbasteln. Anschließend fragten sie die Teilnehmer im Angesicht der teilweise brauchbaren Ergebnisse, was diese denn bereit wären, dafür zu zahlen. Und siehe da: Die Hobby-Bastler waren sofort bereit, mehr für die Schränke zu zahlen, als diese gekostet hatten.

Derselbe Effekte zeigte sich bei einer anderen Teilnehmer-Gruppe, die Origami-Frösche und -Kraniche bastelten: Für ihre eigenen Papiertiere waren die Probanden bereit, den fünffachen Preis zu bezahlen, als für die Faltfrösche einer anderen Gruppe (selbst wenn die besser aussahen).

Ikea-Effekt: Mehrwert durch Do-it-yourself

Jetzt könnte man sagen, dass der Ikea-Effekt eigentlich eine ziemliche Binse ist. Schließlich spürt jeder, der etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen hat, diesen DIY-Schöpferstolz und eine tiefe innere Befriedigung, die sich auch auf das fertige Objekt überträgt. Stimmt.

Die Wissenschaftler erkannten allerdings noch einen weiteren Effekt, der bis heute nur wenig Beachtung findet.

Wenn die Probanden den Ikea-Stuhl, sagen wir, drei Mal zusammenschraubten, bis er schließlich irgendwie aufrecht stand, dann sahen diesen Wert nur noch sie selbst. Alle anderen sehen nur einen missratenen und wackligen Do-it-yourself-Versuch.

Und gerade diese unterschiedlichen Wertvorstellungen können ein enormes Konfliktpotenzial bergen.

Vielleicht nicht unbedingt bei Stühlen. Aber übertragen Sie den Ikea-Effekt mal auf ein Projekt im Job:

Da haben Sie nun viel Blut, Schweiß und Schimpfe in ein Konzeptpapier oder eine Präsentation gesteckt und führen das Ergebnis stolz vor wie Bolle...

Doch all die anderen Kollegen sehen nur die Tippfehler und eine rucklige Animation...

Das ist zwar kein Grund, um gleich mit dem Inbusschlüssel nach den Kollegen zu werfen. Umgekehrt dürfen die sich aber ebenso bewusst machen, dass häufig mehr Wert in einer Sache steckt, als man auf Anhieb sieht.

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