IKEA-Imbus-Schlüssel-Effekt
Beim Ikea-Effekt handelt es sich nicht um das Phänomen, dass beim Zusammenbau mal wieder eine wichtige Inbusschraube fehlt, oder dass Ivar und Billy hinterher ganz anders aussehen, als auf dem Bild. Als die Psychologen Mike Norton, Daniel Mochon und Dan Ariely untersuchten, ob der Akt des Zusammenbauens irgendeine mentale Wirkung hat, entdeckten Sie tatsächlich etwas - und tauften es den Ikea-Effekt. Dessen Langfassung: Wer Blut, Schweiß und jede Menge lautstarker Kraftausdrücke in den §(#€!$$-Schrank oder ein anderes physisches Objekt investiert hat, der lädt diesen Gegenstand zugleich mit einer Extra-Portion Mehrwert und Qualität auf...

Was wir selber zusammenbauen, wird sofort wertvoller

Dazu ließen die Forscher ihre Probanden tatsächlich ein paar Ikea-Schränke zusammenbasteln. Anschließend fragten sie die Teilnehmer im Angesicht der teilweise ganz brauchbaren Ergebnisse, was diese denn bereit wären, dafür zu zahlen. Und siehe da: Die Hobby-Bastler waren sofort bereit, mehr für die Schränke zu zahlen, als diese gekostet hatten.

Derselbe Effekte zeigte sich bei einer anderen Gruppe, die Origami-Frösche und -Kraniche bastelten: Für ihre eigenen Papiertiere waren die Probanden bereit, den fünffachen Preis zu bezahlen, als für die Faltfrösche einer anderen Gruppe (selbst wenn die besser aussahen).

Ikea-Effekt: Mehrwert durch Do-it-yourself

Jetzt könnte man sagen, dass das eigentlich eine ziemliche Binse ist. Schließlich spürt jeder, der etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen hat, diesen Schöpferstolz und diese tiefe innere Befriedigung, die sich auch auf das fertige Objekt überträgt. Stimmt.

Aber die Wissenschaftler sahen einen weiteren Effekt: Wenn die Probanden den Ikea-Stuhl, sagen wir, drei Mal zusammenschraubten, bis er schließlich irgendwie aufrecht stand, dann sahen diesen Wert nur sie selbst. Alle anderen sehen nur einen missratenen und wackligen DIY-Versuch.

Und gerade diese unterschiedlichen Wertvorstellungen können ein enormes Konfliktpotenzial bergen.

Vielleicht nicht unbedingt bei Stühlen. Aber übertragen Sie den Ikea-Effekt mal auf ein Projekt im Job: Da haben Sie nun viel Blut, Schweiß und Schimpfe in ein Konzeptpapier oder eine Präsentation gesteckt und führen das Ergebnis nun stolz wie Bolle vor... Doch all die anderen Kollegen sehen nur die Tippfehler und eine rucklige Animation...

Das ist zwar kein Grund, um gleich mit dem Inbusschlüssel nach den Kollegen zu werfen. Umgekehrt dürfen die sich aber ruhig auch bewusst machen, dass häufig mehr Wert in einer Sache steckt, als man auf Anhieb sieht.

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[Bildnachweis: Jochen Mai]