Job ablehnen: Trotzdem in guter Erinnerung bleiben
Ihre Jobsuche ist erfolgreich, gleich mehrere Jobangebote liegen Ihnen vor? Gratulation! Nach der ersten Euphorie könnte jedoch ein wenig Ernüchterung einsetzen, denn die Traumsituation bringt ein Problem mit sich: Sie müssen einen Job ablehnen - und zwar ohne das Unternehmen vor der Kopf zu stoßen. Was nach Luxusproblem klingt, kann in der Praxis eine echte Herausforderung sein. Mit etwas Fingerspitzengefühl können Sie den Job ablehnen und trotzdem in guter Erinnerung bleiben...

Job ablehnen: Risiken und Chancen für Bewerber

In der ersten Euphorie - immerhin liegen Ihnen mehrere Jobangebote vor - mag das Ablehnen eines Jobs einfach klingen. Eine reine Formsache eben. Doch diese Perspektive ignoriert den menschlichen Faktor.

Auch Personaler und Geschäftsführer sind Menschen. Als solche können sie eine flapsig oder missverständlich formulierte Ablehnung falsch verstehen und verärgert reagieren. Darin liegt für Sie als Bewerber ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Geschäftsführer und Personaler sind in den meisten Branchen hervorragend vernetzt und tauschen sich aus. Hinterlassen Sie bei einem Unternehmen verbrannte Erde, schmälert das nicht nur Ihre Bewerbungschancen in der Zukunft, sondern kann sich auch auf bestehende Jobangebote auswirken.

Die werden in der Regel zwar nicht zurückgezogen, doch im neuen Unternehmen werden Sie dann möglicherweise skeptisch empfangen und stehen unter Beobachtung. Keine optimalen Startvoraussetzungen.

Können Sie den Job jedoch diplomatisch ablehnen, eröffnen sich völlig neue Chancen. Durch eine gut gemachte Jobabsage können Sie...

  • Personalern und/oder Geschäftsführern positiv in Erinnerung bleiben.
  • die Grundlage für weitere Bewerbungen oder einen späteren Wechsel zum Unternehmen legen.
  • Ihre Professionalität unter Beweis stellen.
  • sicherstellen, dass Sie später problemlos mit dem Unternehmen - beispielsweise im Rahmen von Projekten - zusammenarbeiten können.
  • viel für Ihre Karriereplanung und spätere Jobsuche lernen.

Letzteres gilt vor allem, weil Sie sich die Ablehnung eines Jobs gut überlegen werden und sich dabei mit einigen essentiellen Fragen befassen müssen. Die wichtigste: Warum wollen Sie den Job ablehnen?

Sicher kann ein anderes Angebot besser sein. Das reicht als Erklärung aber nicht aus. Die eigentliche Erklärung verbirgt sich in dem Wörtchen "besser":

  • Was macht das andere Jobangebot besser?
  • Welche Aspekte passen dort auf Sie?
  • Was fehlt bei dem Job, den Sie ablehnen wollen?

Wenn Sie diese Fragen ehrlich beantworten können, ist eine diplomatische, überzeugende und positive Ablehnung kein Problem. Und Sie können mit den gewonnenen Erkenntnissen Ihre Karriereplanung anpassen und wissen noch besser, welche Jobs und Stellen wirklich zu Ihnen passen.

Andere Jobangebote sind kein Argument!

IVY PHOTOS/shutterstock.comVielleicht wollen Sie einen Job ablehnen weil Sie ein anderes, besseres Angebot haben. Es liegt nahe, die Ablehnung dann einfach mit dem anderen Angebot zu begründen. Fehler.

Die Aussage: "Ich habe ein anderes Jobangebot vorliegen" wird viel zu oft als Vorwand oder, noch schlimmer, als Druckmittel genutzt, um eine bessere Bezahlung herauszuschlagen.

Ihr Gesprächspartner im Unternehmen kann nicht wissen, ob die Begründen real ist oder ob Sie gerade versuchen, die Gehaltsverhandlung einzuleiten. Wenn Sie tatsächlich ein anderes Angebot haben und deshalb absagen, sollten Sie diese Begründung ausführen. Das könnte beispielsweise so aussehen:

... habe ich ein Jobangebot angenommen, in dem ich meine Vorstellungen von XY optimal umsetzen kann. Die Entscheidung ist mir angesichts Ihres hervorragenden Angebots nicht leicht gefallen. Ich hoffe auf Ihr Verständnis und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Entscheidend ist, dass Sie in Ihrer Ablehnung deutlich machen, warum Sie sich für die konkurrierende Stelle entschieden haben. So ist für Ihren Gesprächspartner deutlich erkennbar, dass Sie nicht verhandeln wollen und echte Gründe für Ihre Ablehnung haben.

Job ablehnen: Darauf bitte achten

Goran Bogicevic/shutterstock.comIn der zwischenmenschlichen Kommunikation gilt ein uralter Grundsatz: "Der Empfänger macht die Botschaft." Wenn Sie einen Job ablehnen, ist dieses Prinzip von enormer Bedeutung.

Sie können in noch so guter Absicht kommunizieren: Wenn Ihre Aussagen beim Gesprächspartner falsch ankommen, haben Sie ein Problem. Ein potenziell schädliches Missverständnis können Sie am besten vermeiden, wenn Sie Ihre Ablehnung offen und ehrlich angehen.

Kommunizieren Sie klar Ihre Gründe für die Ablehnung, suchen Sie keine Ausreden und kommen Sie auf den Punkt. Darüber hinaus gibt es einige bewährte Strategien, mit denen Sie trotz Ablehnung in guter Erinnerung bleiben:

  • Lehnen Sie den Job zeitnah ab.

    Viele Unternehmen sagen anderen Bewerbern erst ab, wenn der ausersehene Kandidat das Jobangebot annimmt. Je länger Sie mit Ihrer Ablehnung warten, desto länger müssen andere Bewerber warten. Außerdem benötigt das Unternehmen den neuen Mitarbeiter meist dringend. Daher ist es nur fair, wenn Sie den Job zeitnah ablehnen. Auch wenn das Unternehmen sich im Bewerbungsprozess vielleicht Zeit gelassen hat.

  • Lehnen Sie telefonisch ab.

    Sicher, eine E-Mail wäre der einfachste Weg und oft müssen Sie Ihre Ablehnung auch schriftlich vornehmen, damit das Unternehmen den Vorgang dokumentieren kann. Doch initial sollten Sie mit dem zuständigen Personaler telefonieren und ihm oder ihr persönlich mitteilen, warum Sie den Job ablehnen. So wirkt die Ablehnung nicht nur persönlicher, Sie können eventuell auftretende Missverständnisse auch sofort klären und spüren, ob Sie einen guten Eindruck hinterlassen.

  • Zeigen Sie Ihre Wertschätzung für das Unternehmen.

    Um einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen, sollten Sie den Job nicht nur ablehnen, sondern auch auf das Unternehmen eingehen. Wenn Sie deutlich machen, was Sie am Unternehmen schätzen - und zeigen, dass Ihnen die Ablehnung nicht leicht fällt - wirkt sich das meist positiv aus. Positive Aspekte des Unternehmens sollten Sie problemlos finden können, immerhin haben Sie sich initial auch dort beworben.

  • Bieten Sie weiteren Kontakt an.

    Dieser Tipp ist ein wenig situationsabhängig. Für manche Unternehmen ist das Gespräch nach Ihrer Ablehnung recht schnell beendet. Andere interessieren sich jedoch weiterhin für Sie. Bei Letzteren können Sie anbieten, trotz Ablehnung in Kontakt zu bleiben und sich möglicherweise auch mit Ihrem Gesprächspartner auf Xing oder LinkedIn vernetzen. Dieser Schritt ist natürlich nur sinnvoll, wenn Ihr neuer Arbeitgeber nichts dagegen einzuwenden hat und zwischen den Unternehmen keine Rivalität besteht.

Wenn Sie einen Job professionell und respektvoll ablehnen, eröffnen sich Ihnen oft neue Möglichkeiten und Chancen. Schaffen Sie es, durch eine solche Ablehnung beim Unternehmen positiv in Erinnerung zu bleiben, steht einem späteren Wechsel - und einer guten Beziehung - nichts im Wege.

Haben Sie konkrete Fragen zur Bewerbung?

Karrierefragen-Logo-KastenFalls Sie konkrete Fragen für Ihre berufliche Laufbahn haben, dann nutzen Sie bitte unser kostenloses Ratgeber-Portal Karrierefragen.de. Dort finden Sie bereits zahlreiche Fragen und Antworten rund um die Bewerbung. Vielleicht helfen Ihnen die dortigen Antworten der Community und Experten auch schon weiter:

Das könnte Sie auch interessieren:

[Bildnachweis: OPOLJA, IVY PHOTOS, Goran Bogicevic by Shutterstock.com]