Hand aufs Herz: Wie viele Kommunikationsmodelle kennen Sie? Wenn Sie nicht gerade Kommunikationswissenschaften studieren, ist die Antwort wahrscheinlich ein leicht beschämtes Gar keins... Damit sind Sie jedoch keineswegs allein. Die Funktionsweisen der Kommunikation werden oftmals einfach als selbstverständlich und gegeben hingenommen, ohne sich weitere Gedanken darüber zu machen oder diese zu hinterfragen. Es würde zwar zu weit gehen, dies als veritable Bildungslücke zu bezeichnen, doch gibt es gute Gründe, um sich genauer mit einigen Kommunikationsmodellen zu beschäftigen. Allen voran: Sie verbessern Ihre eigene und können Missverständnisse vermeiden. Wir stellen Ihnen deshalb einige Kommunikationsmodelle vor, die jeder kennen sollte, da sie nicht nur sehr bekannt sind, sondern für ein besseres Verständnis untereinander sorgen...

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Was sind Kommunikationsmodelle?

Wissenschaftler interessieren sich seit jeher dafür, wie die Kommunikation zwischen Menschen funktioniert, welche Faktoren dabei eine Rolle spielt und wie so es dabei so oft zu Problemen kommt. Trotz zahlreicher Forschungsergebnisse ist es jedoch kaum möglich, zu einem endgültigen Schluss zu kommen und eine umfassende und perfekte Beschreibung der Kommunikation festzulegen.

Um das komplexe Thema dennoch zugänglich und verständlich zu machen, gibt es Kommunikationsmodelle. Ziel dabei ist es, die Zusammenhänge, Ebenen und Prozesse der Kommunikation möglichst einfach und in kleinerem Rahmen darzustellen.

Kommunikation wird auf Grundpfeiler herunter gebrochen, die zeigen, wie wir mit anderen kommunizieren und welche Probleme wir für eine erfolgreiche Kommunikation überwinden müssen. Mit den Jahren haben sich dabei diverse Kommunikationsmodelle entwickelt, die teilweise aufeinander aufbauen oder auch unterschiedliche Ansätze nutzen, um die Verständigung zu erklären.

4 Kommunikationsmodelle, die Sie kennen sollten

Viele Köche verderben den Brei und viele Wissenschaftler entwickeln viele Kommunikationsmodelle. Wir haben ein kleines Best Of von vier Kommunikationsmodellen zusammengestellt, die jeder kennen sollte - auch wenn Sie sich nicht hauptberuflich mit Kommunikation beschäftigen.

Missverständnisse kennt schließlich jeder und wer würde nicht gern die eigene Kommunikation verbessern? Diese Kommunikationsmodelle zeigen, wie wir miteinander kommunizieren und wo wir dabei auf Probleme stoßen:

  • Das Eisbergmodell

    Die Entwicklung des Eisbergmodells geht auf zwei große Namen zurück: Sigmund Freud, von dem die Grundidee des Unterbewussten stammt und zudem Paul Watzlawick, der dieses Konzept in den Bereich der Kommunikation übertragen hat. Der Eisberg dient dabei als Bild, dass die unterschiedlichen Bereiche der Kommunikation verdeutlicht.

    Kommunikationsmodelle Eisbergmodell Sachebene Beziehungsebene

    Nur ein vergleichsweise geringer Anteil des Eisbergs von knapp 20 Prozent ist Sichtbar, der Rest verbirgt sich unterhalb des Wassers, bleibt auf den ersten Blick unsichtbar für das menschliche Auge. Ähnliches gilt laut Eisbergmodell für die Kommunikation. Die sogenannte Sachebene, wie Zahlen, Fakten und andere Daten oder rationale Informationen, machen den kleinen Teil der Kommunikation aus - etwa 10 bis 20 Prozent eben.

    Größer und oftmals noch wichtiger ist die Beziehungsebene mit bis zu 90 Prozent Anteil an der zwischenmenschlichen Kommunikation. Es sind Gefühle, Erfahrungen, Ängste, aber auch Triebe des Menschen. Während die Sachebene verbal kommuniziert wird, ist die Beziehungsebene Teil der nonverbalen Kommunikation, durch Körpersprache, Mimik und Gestik.

    Die beiden Ebenen dieses Kommunikationsmodell unterscheiden sich von einander, stehen aber dennoch in Zusammenhang. So kommt es häufig zu Konfliktsituationen, wenn Sach- und Beziehungsebene nicht in Einklang gebracht werden. Das zeigt sich schon in einem einfachen Beispiel: Gibt es Probleme auf Beziehungsebene, beispielsweise durch negative Gefühle zwischen den beiden Seiten der Kommunikation, wird auch die Sachebene gestört und Aussagen werden falsch verstanden.


  • Das Vier-Seiten-Modell

    Das sogenannte Vier-Seiten-Modell (manchmal auch als Vier-Ohren-Modell oder Nachrichtenquadrat bezeichnet) stammt von dem deutschen Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schultz von Thun. Dieses Kommunikationsmodell unterscheidet in jeder Nachricht vier verschiedene Ebenen:

    • Die Sachebene. Hier geht es um die Frage: Was genau wird gesagt? Dabei handelt es sich um Daten, Fakten, und Informationen.
    • Die Selbstoffenbarung. Mit jeder Kommunikation gibt der Sprecher etwas von sich selbst preis. Das geschieht oftmals unbewusst, doch ermöglicht einen Einblick in die Gefühlswelt und Persönlichkeit des Senders einer Nachricht.
    • Die Beziehungsebene. Auch über das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger einer Nachricht werden durch die Nachricht Informationen übermittelt. Wertschätzung und Respekt, Abneigung, ein enge Beziehung oder Distanz. Sowohl Wortwahl als auch Körpersprache und Mimik zeigen, wie die beiden Kommunikationsseiten zueinander stehen.
    • Der Appell. Der Sender möchte mit seiner Aussage immer auch etwas bewirken und eine Reaktion des Empfänger hervorrufen. So kann direkt aufgefordert werden, etwas zu tun oder weniger offensichtlich eine Handlung (oder deren Unterlassung) angeregt werden.

    Konflikte entstehen laut diesem Kommunikationsmodell, wenn die vier Seiten einer Nachricht von Sender und Empfänger unterschiedlich gedeutet oder gewichtet werden. Auf Seiten des Empfängers spricht man deshalb auch vom Vier-Ohren-Modell, wobei mit jedem Ohr eine der Ebenen gedeutet wird.


  • Die Transaktionsanalyse

    Bereits vor rund 60 Jahren entwickelte der amerikanische Psychologe Eric Berne die Transaktionsanalyse. In seiner Arbeit unterteilte er das menschliche Verhalten bei der Kommunikation in drei Zustände.

    • Das Eltern-Ich
    • Das Erwachsenen-Ich
    • Das Kind-Ich

    Als Eltern-Ich bezeichnet Berne Kommunikationsverhalten, wie es häufig in der Erziehung zu beobachten ist. Insbesondere Zurechtweisung, Korrektur oder das Umsorgen. Das Kind-Ich zeigt sich durch albernes, verspieltes, spontanes oder auch trotziges Verhalten. Im Gegensatz dazu ist das Erwachsenen-Ich durch respektvolle, sachliche, rational durchdachte und reflektierte Kommunikation geprägt.

    Dabei ist die Kommunikation nicht grundsätzlich auf einen Ich-Zustand begrenzt. Jeder Mensch ist dazu in der Lage, zwischen den verschiedenen Bereichen hin- und herzuwechseln. Entscheidend dafür, welcher Ich-Zustand in der Kommunikation zum Tragen kommt, sind Erfahrungen, die Vorgeschichte zur aktuellen Kommunikation, Gefühle und Wünsche.

    Welcher Ich-Zustand in der Kommunikation im Vordergrund steht, kann eine Menge über das Verhältnis zwischen den beiden Parteien verraten. Auch zeigt dieses Kommunikationsmodell, dass Konflikte dann auftreten, wenn unterschiedliche Zustände aufeinandertreffen. Parallele Kommunikation auf einer Ebene führt zu Verständnis dem anderen Gegenüber und bedeutet häufig erfolgreiche Kommunikation.

    Trifft aber beispielsweise eine Erwachsenen-Ich auf ein Kind-Ich, prallen sehr unterschiedliche Formen aufeinander, die sich kaum vereinen lassen. Um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, muss dann eine der beiden Seiten den eigenen Ich-Zustand hinterfragen und ändern.

    Das Kommunikationsmodell kann auch Ihre eigene Kommunikation verbessern. Sollte Ihnen beispielsweise vorgeworfen werden, sich über andere zu stellen und diese zu bevormunden oder herumzukommandieren, befinden Sie sich zu häufig im Eltern-Ich. Werden Sie hingegen nicht ernst genommen, sollten Sie das Kind-Ich verlassen und versuchen, im Erwachsenen-Ich zu kommunizieren.


  • Das Sender Empfänger Modell

    Die beiden Mathematiker Claude Shannon und Warren Weaver wollten lediglich die telefonische Kommunikation verbessern, als diese noch sehr störungsanfällig war. Herausgekommen ist nach einiger Überarbeitung ein Kommunikationsmodell, dass die Interaktion zwischen Menschen relativ simpel deutlich macht und dabei zeigt, wo Probleme auftauchen können - das Sender Empfänger Modell.

    Kommunikationsmodelle Sender Empfänger Modell

    Die Idee: Jede Kommunikation besteht aus zwei Seiten, einem Sender, der eine Nachricht oder Information weitergeben möchte und einem Empfänger, der diese erhält. Um die Nachricht zu übermitteln, wird diese vom Sender kodiert, was kompliziert klingt, eigentlich aber nur bedeutet, dass diese in Sprache oder Körpersprache zum Ausdruck gebracht wird.

    Der Empfänger seinerseits muss diesen Code verstehen und entschlüsseln, also die gleiche Sprache sprechen oder die Signale des Körpers richtig deuten und verstehen können. Vollständig wird die Kommunikation, wenn der Empfänger ein Feedback zurücksendet, dass er die Nachricht verstanden (oder eben falsch verstanden) hat. Zu Missverständnissen kommt es nach diesem Kommunikationsmodell, wenn auf einer der beiden Seiten ein Fehler gemacht wird.

    Treffend formulierte diese Möglichkeit Paul Watzlawick, der sich ebenfalls Gedanken zu diesem Kommunikationsmodell machte: Gedacht ist nicht gesagt, gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht gewollt, gewollt ist nicht gekonnt, gekonnt und gewollt ist nicht getan und getan ist nicht beibehalten.

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