Namengedächtnis-Vergessen-Peinlich
Schon doof: Da trifft man auf einen alten Bekannten, etwa auf einem Kongress, im neuen Unternehmen, auf einer Party - und so sehr man sich auch anstrengt: Die Hirnwindungen wollen partout nicht den Namen zu dem Gesicht herausgeben. Klassischer Fall von schlechtem Namengedächtnis. Was bleibt, ist ein peinlicher Auftritt begleitet von unsicherem Stammeln: "Wie war doch gleich Ihr Name?". Irgendwie unprofessionell. Gibt es dazu keine Alternativen, Tipps oder Tricks, wie wir uns Namen besser merken können und das Namengedächtnis trainieren? Doch, gibt es...

Tipps und Tricks, um sich Namen besser zu merken

Dazu müssen wir allerdings kurz ausholen: Oft hat es einen simplen Grund, warum wir uns Namen so schlecht merken: Wie nehmen sie als solche gar nicht richtig wahr.

Der Grund dafür ist evolutionär bedingt: Bei Namen handelt es sich um abstrakte Konzepte. Sie sind eine Erfindung der Zivilisation. Evolutionär war die Freund-Feind-Erkennung viel überlebenswichtiger als die Höflichkeit. Wir mussten zuerst feststellen, ob uns unser Gegenüber wohl oder übel gesonnen war. Grüßen war da zweitrangig.

Hinzu kommt: Aus Namen wie Bäcker oder Schmidt kann unser Gehirn noch einen gewissen Sinn ziehen, wie in diesem Fall die Verbindung zu den Berufen. Allerdings gibt es viele Namen, wie beispielsweise Nowitzki, bei denen keinerlei Assoziation in unserer Sprache besteht. Und die sind dann ganz besonders schnell Schall und Rauch.

Wir hören also zu, wenn uns ein Fremder vorgestellt wird. Aber eben nicht aufmerksam und bewusst genug. Womöglich spricht unser Gegenüber seinen Namen auch nicht deutlich genug aus, nuschelt oder murmelt ihn dahin. Und uns ist es irgendwie unangenehm, nachzufragen: Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden: Wie war doch gleich ihr Name?

Dabei wäre das ein wesentlicher und wichtiger Schritt, den Namen bewusster wahrzunehmen. Es ist auch überhaupt nicht peinlich - im Gegenteil: Es drückt echtes Interesse aus. Sie wollen wirklich wissen, wie Ihr Gegenüber heißt.

Also haken Sie ruhig nach, sprechen Sie komplizierte Namen noch einmal selber aus und fragen Sie dann auch gleich, ob das so korrekt war. All das dokumentiert nicht nur Wertschätzung - obendrein lernen Sie den Namen besser, indem Sie ihn wiederholen.

Kompakt: Wann Namen vor allem vergessen werden

  • Wenn Sie sich in einem Vorstellungsgespräch oder in einer ungewohnten Umgebung befinden und aufgeregt sind. Durch die Nervosität kommt es schneller vor, dass Sie Namen vergessen, da Sie emotional aufgewühlter sind als im Normalfall.
  • Wenn Ihr Gegenüber eine leise Stimme hat, undeutlich spricht oder nuschelt. Das alles sind Faktoren, die es Ihnen erschweren, den Namen zu verstehen.
  • Wenn der Name Ihres Gegenübers so kompliziert ist, dass Sie ihn nach erstmaligem hören nicht wiederholen könnten. Hier wird es wahrscheinlich zwei, drei Anläufe brauchen, bis Sie den Namen verstehen.
  • Wenn Sie von unterschiedlichen Sinneseindrücken abgelenkt werden.
  • Wenn Ihr Kopf mit anderen Dingen beschäftigt ist und Sie sich nicht auf die aktuelle Situation konzentrieren können.

Namen besser merken: Tricks und Lerntypen

Im Grunde genommen ist es bei dem Versuch, sich Namen zu merken, nicht anders als bei Telefonnummern: alles eine Frage des Trainings. Für das richtige Training sollten Sie allerdings wissen, welcher Lerntyp Sie sind.

  1. Der auditive Lerntyp

    Wer besonders gut durchs Hören lernt, wird als auditiver Lerntyp bezeichnet. Dieser Lerntyp kann mündlich Weitergegebenes besser abspeichern als Geschriebenes. Ein auditiver Mensch hört beispielsweise lieber ein Hörbuch, als das Buch selbst zu lesen.

    Tipp für diesen Lerntyp:

    • Sagen Sie sich den neuen Namen laut vor, beispielsweise indem Sie nach der Vorstellung erwidern: Schön Sie kennenzulernen, Herr Mustermann. Reicht einmaliges Wiederholen nicht aus, rezitieren Sie den Namen in Gedanken immer wieder.
  2. Der haptische Typ

    Wer am besten dadurch lernt, dass er selbst Erfahrungen sammelt und etwas ausprobiert, gehört zum haptischen Lerntyp. Dieser Typ lernt nach dem Motto: learning by doing.

    Tipps für diesen Lerntyp:

    • Notieren Sie sich in Gedanken den Namen. Stellen Sie sich ruhig vor, diesen auf ein Blatt Papier zu schreiben. Ihr motorisches Gedächtnis wird Ihnen helfen, sich an den Namen zu erinnern.
    • Fragen Sie nach der richtigen Schreibweise. Dies stellt eine zusätzliche Information dar, die Sie mit dem Prozess des Aufschreibens verbinden können.
  3. Der visuelle Lerntyp

    Wer sich Informationen am besten dadurch merken kann, dass er sie als Bild vor sich sieht, gehört zum visuellen Lerntypen. Dieser Lerntyp muss aus neuem Wissen immer irgendeine Art Bild entwerfen.

    Tipps für diesen Lerntyp:

    • Achten Sie auf die körperlichen Merkmale Ihres Gegenübers. Hat er besonders große Ohren? Ein schiefes Lächeln? Auffallend blaue Augen?
    • Überlegen Sie sich ein imaginäres Bild für die Ihnen gegenüberstehende Person. Beispielsweise bei dem Namen Lauterbach könnten Sie an einen Bach denken, der laut vor sich hinplätschert.

Die besten Tipps und Tricks für alle Typen

  • Namen besser merken: In die Augen sehen

    Der zweite Trick ist, unserem Gegenüber dabei tief in die Augen zu sehen. Kein Witz! Das ist auch kein überambitionierter Flirtversuch.

    Britische Psychologen um Charlie D. Frowd haben erst kürzlich in ihren Untersuchungen zeigen können, dass das Gesicht, speziell die Augen, entscheidend sind, wenn es darum geht, sich einen Namen zu merken. Merkmale wie Haare, Frisur, Figur oder Kleidung hatten kaum einen Effekt.

    Hinzu kommt: Frisuren und Moden wechseln, Gesichter altern, aber die Augen bleiben mehr oder weniger immer gleich. Wenn wir uns beim bewussten Memorieren von Namen zugleich auf die Augen konzentrieren, schenken wir unseren grauen Zellen eine verlässliche Konstante und weitere Synapse, die uns später den Namen umso leichter wieder einfallen lässt.

  • Namen besser merken: Eselbrücke nutzen

    Den dritten Trick kennen Sie sicher schon: Bauen Sie sich eine Eselsbrücke. Namen sind etwas Abstraktes, unser Gehirn tut sich regelmäßig schwer damit, solche Dinge zu lernen.

    Ganz anders bei Bildern, Geschichten, Emotionen und anderen sinnlichen Eindrücken. Der Trick ist, sich künstlich zum Namen solche sinnlichen Assoziationen zu schaffen.

    Ein Beispiel: Angenommen, Ihre neue Bekanntschaft heißt Peter Schneider. Ein Allerweltsname - und damit meist wieder schnell vergessen (Falls Sie Peter Schneider heißen: Entschuldigung, aber ist so). Wenn Sie bei Peter aber jetzt etwa an den Geißenpeter, den Ziegenhirten und Alm-Freund von Heidi denken und wie dieser mal wieder zum Schneider muss, weil seine Hosen so abgewetzt sind, haben Sie eine nette kleine Geschichte zum Namen geschaffen, die Sie so schnell nicht mehr vergessen.

  • Namen besser merken: Namen aussprechen und nutzen

    Es gibt Trainer, die empfehlen, den neuen Namen mindestens drei Mal aktiv zu benutzen und im Gespräch zu verwenden, damit man ihn wirklich lernt.

    Wir können nicht verifizieren, ob man sich unbedingt auf die Zahl Drei versteifen sollte. Das kann auch ganz schnell aufdringlich wirken, wenn Ihr Gegenüber den Namen in jedem zweiten Satz einbaut. Aber das Prinzip dahinter ist richtig: Je öfter Sie den Namen im Zusammenhang mit dieser Person benutzen, desto besser prägt er sich ein.

Bonus-Trick: Smartphone nutzen

Aufschreiben (aber mit der Hand) ist ebenfalls hilfreich. Was in der Moderne aber auch sehr gut funktioniert: Fragen Sie den neuen Kontakt, ob Sie seine Nummer und E-Mail gleich in Ihr Smartphone eintragen dürfen. Falls Ihr Gegenüber das bejaht, machen Sie dazu noch ein Foto.

Der Trick: Haben Sie an einem Abend mehrere Menschen und Namen kennengelernt, können Sie so tags darauf noch einmal alle bequem am Smartphone durchgehen, deren Namen lernen und sich die Gesichter dazu einprägen.

Was tun, wenn Sie den Namen vergessen haben?

Und dann passiert es doch: Trotz aller Bemühungen haben Sie den Namen einer Person vergessen und treffen diese jetzt wieder. Da nützen keine Ausreden mehr. Es bleiben Ihnen drei Auswege:

  • Humor.

    Zitieren Sie lustige Aussprüche wie den des deutschen Schauspielers Curt Goetz: Drei Dinge kann ich mir nicht merken. Das eine sind Namen, das andere Zahlen, und das dritte habe ich vergessen.

  • Ehrlichkeit.

    Geben Sie auf eine liebenswerte Art und Weise zu, dass Ihnen der Name leider nicht mehr einfallen mag und entschuldigen Sie sich formvollendet.

  • Ablenkung.

    Zeigen Sie, dass Sie sich sehr wohl an Ihr Gegenüber erinnern, auch wenn Sie den Namen vergessen haben. Verweisen Sie beispielsweise auf das letzte Gespräch, das Sie beide geführt haben.

Es ist zwar nicht leicht, sich Namen auf Anhieb zu merken, aber Sie können Ihre Fähigkeiten bewusst trainieren und beim nächsten Wiedersehen mit Ihrem Wissen glänzen, denn der Mensch hört nichts so gerne wie seinen eigenen Namen.

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