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Das Thermometer zeigt frostige Minustemperaturen, die Straßen sind glatt und der zusätzliche Schnee bringt das Vorankommen auf den Straßen fast vollkommen zum Erliegen. Die aktuelle Wetterlage bringt jeden Tag neue Herausforderungen für den Arbeitsweg mit. Das Auto ist am Morgen mit einer Eisschicht überzogen, auf den Autobahnen staut es sich kilometerlang und öffentliche Verkehrsmittel fallen aus. Wetterbedingte Verspätungen sind da keine Seltenheit, besonders wenn der Wintereinbruch plötzlich kam. Zusätzlich zur Frustration kommt bei vielen Arbeitnehmern dann noch die Sorge, wie der Chef auf die Verspätung reagiert. Wir erklären, worauf Arbeitnehmer achten sollten und welche Konsequenzen eine wetterbedingte Verspätung haben kann...

Wetterbedingte Verspätung: Wer ist verantwortlich?

Legt das Wetter den Verkehr lahm, beispielsweise durch glatte Straßen oder Bahnverbindungen, die ausfallen oder auf unbestimmte Zeit verspätet sind, stehen Arbeitnehmer regelmäßig vor einem großen Problem. Der Chef erwartet einen pünktlichen Arbeitsbeginn, die Wetterlage macht diesem Vorhaben allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Nun könnte man meinen, dass wetterbedingte Verspätungen nicht in die Verantwortung eines Mitarbeiters fallen können, da der Arbeitnehmer keinen Einfluss auf das aktuelle Wetter, verstopfte Autobahnen und vereiste Gleise bei der Bahn hat. Das Arbeitsrecht beurteilt diesen Sachverhalt allerdings anders und sieht das sogenannte Wegerisiko auf Seiten des Arbeitnehmers. Will heißen: Es liegt in der Verantwortung des Mitarbeiters, pünktlich an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen.

Verankert ist diese Pflicht in § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Hier heißt es, dass ein Arbeitnehmer nur dann Anspruch auf seine Vergütung hat, wenn er durch einen in seiner Person Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert war. Wetterbedingte Verspätungen, ein Stau oder auch ein Streik sind zwar nachvollziehbare Gründe, diese liegen jedoch nicht in der Person des Mitarbeiters.

Wetterbedingte Verspätung: Das sollten Arbeitnehmer wissen

Igumnova Irina/shutterstock.comArbeitnehmer, die dem Wetter ausgesetzt sind, stehen durch das Wegerisiko trotz Schnee und ausfallenden Zügen grundsätzlich in der Pflicht, die Arbeit pünktlich aufzunehmen. Grundsätzlich empfiehlt es sich daher gerade in der kalten Jahreszeit, die Wetterberichte genau zu lesen und falls nötig zusätzliche Zeit am Morgen einzuplanen, um das Auto von Eis zu befreien und mögliche Staus oder Verzögerungen mit einzukalkulieren. Auch wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pendelt, kann sich viel Stress ersparen, wenn er einen Plan B in der Hinterhand hat, auf den er im Notfall zurückgreifen kann. Bleibt die Frage, welche Konsequenzen eine wetterbedingte Verspätung haben kann. Wir klären die wichtigsten und häufigsten Fragen:

  1. Kann der Chef mich kündigen?

    Die größte Sorge gleich vorneweg: Nein, Ihr Chef kann Sie nicht einfach feuern, wenn Sie aufgrund des Wetters einmal verspätet am Arbeitsplatz erschienen sind. Um einen solchen Schritt zu rechtfertigen, müsste das Verschulden an der Verspätung in Ihrer Person liegen - was bei einer wetterbedingten Verspätung nicht gegeben ist - und zusätzlich muss vorher eine Abmahnung erfolgen, in der Ihr Chef Sie auffordert, das Fehlverhalten in Zukunft zu unterlassen.

  2. Muss ich den Arbeitgeber informieren?

    Wenn Sie absehen können, dass Sie es nicht pünktlich schaffen werden, sollten Sie Ihren Chef oder einen direkten Kollegen darüber in Kenntnis setzen. Schon aus Gründen der Höflichkeit und Fairness. Sie geben damit den anderen die Chance, sich auf Ihre Verspätung und die fehlende Arbeitskraft einzustellen. Gleichzeitig zeigen Sie guten Willen, den die meisten Vorgesetzten positiv aufnehmen.

  3. Muss ich die Zeit nacharbeiten?

    Da nach § 616 BGB eine wetterbedingte Verspätung keine vorübergehende Verhinderung darstellt, ist Ihr Arbeitgeber nicht verpflichtet, für diese Zeit Lohn zu zahlen. Somit müssen Sie die ausgefallene Zeit grundsätzlich nacharbeiten, um die Grundlage für Ihr volles Gehalt zu legen. So können Sie die Verspätung am gleichen Tag ausgleichen, indem Sie länger arbeiten, die zusätzliche Arbeitszeit an einem anderen Tag nachholen oder mit Ihrem Urlaubsanspruch verrechnen.

  4. Kann ich von zu Hause aus arbeiten?

    Viele Arbeitnehmer spielen bei einem Wetterchaos mit dem Gedanken, die Arbeit im Home Office zu erledigen und sich den leidigen Weg ins Büro zu ersparen. Eigenmächtig darf eine solche Entscheidung allerdings nicht getroffen werden. Nur wenn Sie mit Ihrem Vorgesetzten eine entsprechende Absprache getroffen haben und dieser Ihnen die Tätigkeit im Home Office eindeutig - am besten schriftlich - gestattet, dürfen Sie aus den eigenen vier Wänden arbeiten, statt zum Arbeitsplatz zu kommen.

  5. Darf ich ein Taxi nehmen, wenn die Bahn ausfällt?

    Fallen die Verbindungen an Bahnhöfen aus, wissen sich manche Arbeitnehmer nicht anders zu helfen, als ein Taxi zu rufen, um zum Arbeitsplatz zu kommen. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, doch müssen Sie für die Kosten selbst aufkommen.

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