Piepsstimme: Hohe Frequenz als Karrierekiller?

Per se ist eine zu hohe, piepsige Stimme sicher kein Karrierekiller. Beschönigen wollen wir die Diagnose Piepsstimme aber auch nicht. Denn in aller Regel wird sie mit Unsicherheit und mangelnder Kompetenz assoziiert. Betroffene müssen sich zum Beispiel in Meetings mehr anstrengen, um zu überzeugen. Das ist ein Weg. Oder Sie trainieren Ihre Stimme. Ein Joe Cocker wird so sicher nicht aus Ihnen, aber die folgenden Übungen verschaffen Linderung…

Piepsstimme: Hohe Frequenz als Karrierekiller?

An seiner Klangfarbe kann man arbeiten

Eines vorab: Die menschliche Stimme ist praktisch unveränderbar – aus einer Mickey Mouse wird nie eine sonor klingende Zara Leander. In einem gewissen Rahmen lässt sich die Klangfarbe jedoch anpassen. Das geht aber nicht von heute auf morgen und braucht Übung, Übung, Übung.

Durchzuhalten lohnt sich aber. Denn nicht selten verkaufen sich Menschen mit Piepsstimme weit unter Wert – auch wenn es sich um hochqualifizierte Young Professionals handelt. Sie werden schlichtweg nicht gehört. Ihre Stimmen werden bei Aufregung schrill, brüchig oder sie werden mit Attributen assoziiert, wie…

  • … zu leise
  • … zu unsicher
  • … zu undeutlich
  • … nicht belastbar

Kommen dazu körperliche Signale wie hängende Schultern oder ein gebeugter Rücken, die zusätzlich Unsicherheit signalisieren, ist das Desaster perfekt: So entsprechen Sie wahrlich nicht der gängigen Vorstellung von einem erfolgreichen Leader.

In der Regel gehen piepsige Stimme und eine schlechte Körperhaltung sogar einher. Denn wer sich vornüber beugt, blockiert seine Atmung. Das führt zu hektischem und häufigem Luftholen und schiebt die Tonlage nach oben. Daran lässt sich aber arbeiten.

In gewisser Weise gleicht die Stimme einem Instrument. Und ein solches zu spielen, können Sie schließlich auch erlernen.

Der zusätzliche Pluspunkt: Arbeiten Sie an Ihrer Stimme, kommen Sie nicht umhin, auch Ihre Haltung zu überdenken. So schlagen Sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Schlechte Außenwirkung und schlechte Stimme: Ein Teufelskreis

Die meisten Betroffenen wissen um ihre schlechte Außenwirkung und das fehlende Charisma und leiden darunter. Ein Teufelskreis. Denn auch das überträgt sich auf die Stimme und verstärkt die lästigen Symptome.

Sie kennen das aus eigener Erfahrung und wollen etwas dagegen tun? Dann können Sie an folgenden Stellschrauben drehen:

  • Atemtechnik
  • Haltung
  • Stimmlage
  • Stimmklang (Resonanz)
  • Kraft
  • Ausdauer und Ausdruck

Ein gutes Kompletttraining bieten Logopäden an – in Einzel- oder Gruppensitzungen. Das ist allerdings nicht billig, denn hier dürfte nicht mit einer Kostenübernahme der Krankenkasse zu rechnen sein, es handelt sich ja nicht um eine Erkrankung sondern um einen Schönheitsmakel im weitesten Sinne. Aber auch die Mitgliedschaft bei einem Chor kann helfen.

Immer in den Bauch atmen

Das A und O für eine klang- und kraftvollere Stimme ist die Bauchatmung: Wer in die Brust atmet, nutzt nicht die volle Resonanz seines Körpers. Damit es mit der Bauchatmung klappt, ist eine gute Körperhaltung die nötige Voraussetzung. Nur dann kann die Luft wirklich dorthin strömen, wo sie hin soll.

Am besten trainieren Sie anfangs im Stehen und richten sich gerade auf. Kleiner Trick: Beugen Sie sich zunächst vornüber und rollen sich Wirbel für Wirbel auf. Achten Sie darauf, Ihre Schultern nicht in Richtung der Ohren zu ziehen, sondern entspannt hängen zu lassen.

Atmen Sie nun einige Male ein und aus. In welchen Körperbereich fließt Ihre Atmung? Mehr in die Brust? Oder tiefer bis in Ihren Bauch? Das können Sie ganz einfach überprüfen, indem Sie Ihre Hand auf Ihren Bauch legen. Wölbt er sich beim Einatmen nach vorn, haben Sie alles richtig gemacht. Wiederholen Sie das mehrere Male, damit Sie ein Gefühl für Ihre Bauchatmung entwickeln.

Fangen Sie nun an zu sprechen und setzen Sie Ihre Bauchatmung gezielt ein:

  • Beim Aussprechen eines Wortes wird Ihr Bauch flach. Sie atmen aus.
  • In der kurzen Pause zwischen den einzelnen Worten atmen Sie wieder ein – Ihr Bauch wölbt sich vor.

Bei dieser Übung lernen Sie blitzschnell in kleinen Sprech-Pausen in Ihren Bauch ein- und auszuatmen, sodass Sie irgendwann darüber nicht mehr nachdenken müssen.

Ohne regelmäßiges Training geht’s nicht

Führen Sie diese Übung langsam und regelmäßig durch. Sprechen Sie zu schnell, oder atmen nach jedem Wort ein und aus, kann es passieren, dass Sie hyperventilieren. Ohnehin sollten Sie darauf achten, langsamer und bewusster zu sprechen.

Das strahlt Selbstsicherheit aus, wirkt souverän und erzeugt eine angenehme Klangfarbe. Also: Nach jedem Satzende die Stimme senken, kurze Pause, entspannt und ruhig einatmen, erst dann weitersprechen. Das ist übrigens auch angenehmer für Ihr Gegenüber, denn ein ruhiger Redefluss trägt zu einer entspannteren Gesprächsatmosphäre bei.

Neben all dem kann es gelingen, Ihre Stimmlage um zwei bis drei Töne zu senken. Allerdings ist das ein langwieriger Prozess und beinhaltet eine Vorgehensweise, die Sie möglicherweise albern finden. Beginnen Sie jegliche Kommunikation in der gewünschten Tonhöhe zu singen. Oder lesen Sie sich singend die Zeitung vor. Positiv: Das Training lässt sich leicht in den Alltag integrieren.

  • Legen Sie bei längeren Autofahrten eine CD ein und singen Sie mit.
  • Es kommt nicht auf die Schönheit des Gesanges an, sondern auf die Tonhöhe.
  • Singen ist nicht Ihr Ding? Dann rezitieren Sie Gedichte.
  • Oder sprechen Sie betont, klangvoll und bewusst tiefer als sonst mit sich selbst.

Der Effekt: Die tiefere Stimmlage wird Ihnen zur Gewohnheit. Aber übertreiben Sie es nicht. Es reicht, ein bis zwei Tonnuancen nach unten zu korrigieren. Versuchen Sie nicht, Ihre Stimme gleich um eine Oktave oder noch mehr zu vertiefen. Das zöge eine Überanstrengung der Stimmbänder nach sich.

Und vor allen Dingen Finger weg von scharfen Mitteln. Der regelmäßige Genuss von Whiskey oder das Rauchen von Zigaretten in Kette hat einen Effekt auf Ihre Stimme – aber sicherlich nicht den, den Sie sich wünschen. Von den Nebenwirkungen auf Ihre restliche Gesundheit ganz zu schweigen.

[Bildnachweis: YAKOBCHUK VIACHESLAV by Shutterstock.com]
16. April 2015 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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