Die Finanzkolumne von Daniel Schönwitz

Rente-AltersvorsorgeWir müssen mal wieder über die Altersvorsorge reden. Ich habe vergangene Woche gelesen, dass immer weniger Menschen Riester-Renten abschließen und dass einige Versicherer sie bereits aus dem Sortiment genommen haben. Keine Frage: Die Verunsicherung ist groß. Denn erstens durchschaut kaum jemand das komplizierte Zusammenspiel zwischen Eigenbeiträgen, staatlichen Zulagen und anfänglichen Steuervorteilen. Und zweitens belegen Beispielrechnungen unabhängiger Wissenschaftler, dass sich die Produkte in vielen Fällen trotz staatlicher Förderung nicht lohnen...

Gutverdiener: Genau hinschauen!

Riester-Rente-AltersvorsorgeDas wiederum liegt vor allem an hohen Provisionen und Gebühren, die Vermittler und Versicherer abgreifen – und die die Förderung zu weiten Teilen aufzehren.

Die Pauschalaussage, "riestern" sei unrentabel, ist trotzdem falsch. Denn Kleinverdiener mit Kindern dürfen sehr wohl mit ansehnlichen Renditen rechnen.

Ganz anders sieht die Sache bei Gutverdienern aus, bei denen selbst Kinder oft nur einen überschaubaren positiven Effekt haben. Woran das liegt, haben meine Kollegen bei der WirtschaftsWoche bereits vor einiger Zeit verständlich erklärt.

Deshalb ist höchste Vorsicht geboten, wenn Bankberater oder Finanzvermittler behaupten, eine Riester-Rente lohne sich für jeden, weil man sonst Geld vom Staat verschenke.

Tatsache ist: Wer mehr als 50.000 Euro im Jahr verdient, muss oft über 90 Jahre alt werden, um seine gezahlten Beiträge samt Zinsen zurückzubekommen.

Sollten Gutverdiener also lieber die Finger von einer Riester-Rente lassen?

Nicht unbedingt. Aber sie sollten genau hinschauen und sich von ihrem Berater für die gesamte Laufzeit und für verschiedene Riester-Varianten auflisten lassen,

  • wie viel sie aus eigener Tasche einzahlen,
  • welche Provisionen und Gebühren der Versicherer davon abzwackt,
  • welche Zuschüsse der Staat zahlt,
  • welche Steuervorteile in der Sparphase ggf. hinzukommen und
  • wie viel Rente sie später pro Monat kassieren (nach Steuern!).

Vorsicht vor hohen Gebühren!

Ihr Berater kann das im Detail nicht liefern, sondern nur allgemeine Kennzahlen wie die garantierte Rendite nennen? Dann lassen Sie lieber die Finger davon. Denn nur auf Basis der detaillierten Zahlungsströme (Jahr für Jahr!) lässt sich beurteilen, was am Ende voraussichtlich übrig bleibt und wie alt Sie werden müssen, damit sich die Sache lohnt.

Ergibt sich, dass sie älter werden müssen als ihre persönliche Lebenserwartung, spricht das allerdings nicht automatisch gegen den Vertragsabschluss. Denn eine Riester-Rente ist immer auch eine Absicherung gegen das, was Versicherungsmathematiker als "Langlebigkeitsrisiko" bezeichnen. Schließlich kassieren Riester-Sparer auch im hohen Alter noch Geld, und für diesen Vorteil muss man eben auf Zinsen verzichten.

Chancen auf halbwegs ordentliche Renditen dürften Gutverdiener nur bei Verträgen mit unterdurchschnittlichen Nebenkosten haben. Denn die sind oft extrem hoch:

Bei Riester-Renten, in die Sparer während der Laufzeit 100.000 Euro einzahlen, gehen im Schnitt fast 10.000 Euro für Vermittlerprovisionen und Gebühren drauf (siehe hier).

Das schmälert die Rendite oft um fast die Hälfte. Das überhaupt noch positive Erträge übrig bleiben, liegt vor allem an der langen Laufzeit und dem Zinseszinseffekt.

[Bildnachweis: Ljupco Smokovski, bikeriderlondon by Shutterstock.com]

Über den Autor

Daniel-SchönwitzDaniel Schönwitz (37) ist Wirtschaftsjournalist und schreibt über Finanz- und Steuerthemen – vorwiegend für die WirtschaftsWoche, das Manager Magazin und Capital. Zudem arbeitet er als Schreibtrainer für den Seminaranbieter DIALEKTIK for Business wo er High Potentials in Workshops beibringt, verständlich über komplizierte Themen zu schreiben. Auf seiner Homepage danielschoenwitz.de bloggt er über aktuelle Fragen zu Geld, Steuern und Moral.