Eine Drittelsekunde. Länger dauert der menschliche Lidschlag nicht. Alle 20 bis 30 Sekunden blinzeln unsere Augen, um Tränenflüssigkeit auf dem Auge zu verteilen und Schmutz wegzuwischen. Es ist ein körperlicher Reflex, dem man kaum Beachtung schenkt. Zu unrecht! Mit Körpersprache, Gestik und Mimik beschäftigen sich Psychologen seit Jahrzehnten. Dass diese unmittelbarer wirken als Worte, gilt als gesichert. Die Sprache der Augen aber kommt oft zu kurz, dabei ist sie ein Spiegel der Seele und verleiht uns große Wirkung - vorausgesetzt, wir wissen in Augen und Pupillen zu lesen...

Pupillen Augenspiel Augenblick Blickkontakt

Augenblick mal! Die Kraft des Augenspiels

Sieh in meine Augen - und ich verrate dir eine Menge über mich... Tatsächlich lässt sich aus unserem Augenspiel und dem Blickkontakt viel lesen und interpretieren. Hier ein paar Beispiele:

  • Wer redet, blinzelt häufiger als einer, der schweigt. Ist das umgekehrt, kann man davon ausgehen, dass sich der Zuhörer langweilt.
  • Häufiges Augenklimpern wiederum, wie es Frauen gerne anwenden, wenn sie einem Mann Interesse signalisieren (sprichwörlich: schöne Augen machen), ist in Wahrheit eine Unterwürfigkeitsgeste.
  • Der starre, intensive Blick dagegen wird als Zeichen von Stärke und Charisma gewertet. Der Schauspieler Michael Caine soll jahrelang geübt haben, um bei Naheinstellungen kaum zu blinzeln.

Sein Gegenüber visuell zu fixieren, kann einschüchtern. Der prüfende Blick verunsichert. Entsprechend spielen viele Geschäftsleute beim Erstkontakt eine Art Augenmikado: Wer zuerst wegsieht, hat verloren. Danach ist klar, wer die schwächeren Nerven (oder etwas zu verbergen) hat.

Blickkontakt-Dauer-Laenge-Augenblick

Als zum Beispiel Alan Johnston und seine Kollegen vom University College London kürzlich der optimalen Augenkontakt-Dauer auf die Spur kommen wollten, experimentierten sie mit mehr als 400 Probanden und den unterschiedlichsten Persönlichkeiten.

Tatsächlich stellte sich - trotz unterschiedlicher Charaktere - bei allen nach durchschnittlich 3,2 Sekunden Dauerblickkontakt Unbehagen ein. Wer den Probanden länger direkt in die Augen sah, wurde tendenziell als bedrohlich eingestuft und verspielte mit jeder weiteren Sekunde Sympathiepunkte und seinen Vertrauensbonus.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine britische Studie um Nicola Binetti. Hierbei nahmen 500 Besucher eines Londoner Museums aus insgesamt 56 Nationen (im Alter von 11 bis 79 Jahren) an den Experimenten Teil. Resultat: Der Blickkontakt sollte nicht länger als 3,3 Sekunden dauern. So lange aber empfanden ihn die Mehrheit als angenehm.

Natürlich muss man dazu sagen, dass es sich hierbei ausdrücklich um Erstkontakte handelt. Gute Freunde und Verliebte werden sich auch länger intensiv in die Augen sehen können - bei letzteren steigert es eher noch die positiven Gefühle.

Auch hier gilt aber: Die Dosis macht das Gift. So kamen wiederum Psychologen um Frances Chen von der Universität Freiburg zu dem Ergebnis: Der allzu intensive Blickkontakt bringe Menschen eher dazu, einer möglichen Beeinflussung zu widerstehen. Man könnte fast sagen, es macht sie renitent. Der direkte Blick in die Augen brachte beispielsweise skeptische Zuhörer weniger dazu, ihre vorgefertigte Meinung zu ändern, sondern vielmehr der des Redners zu widersprechen oder diesen gar abzulehnen.

Dass die wenigsten Menschen einem längeren Augenblick standhalten, zeigen auch Experimente von Donald Elman von der Kent State Universität aus dem Jahr 1977: Die Forscher stellten sich an eine Ampelkreuzung und starrten Autofahrer bei Rot intensiv an. Ihre anschließenden Messungen ergaben: Die derart Begafften gaben bei Grün deutlich schneller Gas. Allerdings konnte Lächeln in den Versuchen den Fluchtreflex neutralisieren.

Wirken Männer mit braunen Augen dominanter?

Wirken Männer mit braunen Augen dominanterMänner mit braunen Augen wirken auf andere dominanter als ihre blauäugigen Kollegen. Zu diesem Ergebnis kam zunächst eine Studie von Karel Kleisner. 62 Studenten, davon die Hälfte Frauen, sollten dazu die Attraktivität und vermutete Dominanz von jeweils 40 Männer- und Frauenporträts bewerten – allesamt mit einem neutralen Gesichtsausdruck. Ergebnis: Die braunäugigen Männer auf den Fotos galten durchweg als dominanter. Bei Frauen indes gab es diesen Effekt nicht. Und auf die Attraktivität hatte die Augenfarbe keinerlei Effekt.

In einem zweiten (Kontroll-)Versuch veränderten die Forscher jedoch mithilfe eines Computerprogramms die Augenfarbe der Porträtierten. Ergebnis jetzt: Die dominante Wirkung der Männer veränderte sich dabei nicht. Jene Männer, die im Original braune Augen, nun aber blaue, wirkten immer noch dominant. An der Augenfarbe allein konnte es also nicht liegen. Offenbar, so die Vermutung der Forscher, korrelieren braune Augen häufiger mit anderen Gesichtsattributen wie ein breites Kinn, enger stehende Augen, ausgeprägtere Augenbrauen, die dann die dominante Wirkung verursachen. Bewusster wahrgenommen werden aber eben die Augen.

Sieh mir in die Augen! 9 Dinge, die unsere Pupillen verraten

Augen sind Verräter. Wer genau hinsieht, kann aus ihnen eine Menge lesen - ob der andere einen sympathisch findet oder nicht, ob er angestrengt nachdenkt oder gar verrückt ist... So gut wie immer geht es darum, ob sich die Pupillen erweitern und die Augenlider heben oder nicht. Dieses Vergrößern des Augenfeldes wird als brow-flash-response bezeichnet und ist eine globale Sympathiegeste, die der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibelsfeldt weltweit nachweisen konnte. Große Augen strahlen Ruhe aus, verbreiten eine angenehme Atmosphäre – nicht nur unter Freunden oder beim Flirten.

Gezielt eingesetzt, kann man so etwa die Aufmerksamkeit für seinen Vortrag erhöhen und kommt bei den Zuhörern besser an. Fernsehmoderatoren machen das ständig. Groucho Marx klebte sich sogar extra buschige Augenbrauen an, damit seine Augen größer wirkten - komischer war das ebenfalls.

Deshalb, daher und darum kommen hier 9 Dinge, die unsere Pupillen - laut Forschung - verraten:

  1. Ich finde dich interessant.

    Das ist der Klassiker in jeder Flirtschule: Sieh mir in die Augen, und ich sage dir, ob du mich interessant findest. Tatsächlich ist schon seit 1977 und den Forschungen von Irving Maltzman bekannt, dass sich unsere Pupillen weiten, wenn uns das Gesagte interessiert. Im konkreten Fall ließen Maltzman und seine Kollegen ihren Probanden unterschiedliche Texte vorlesen: einen erotischen, grausamen, einen neutralen. Zunächst weiteten sich die Pupillen bei allen drei Geschichten, nach kurzer Zeit aber zogen sie sich wieder zusammen - außer bei dem erotischen Text.

  2. Du machst mich an.

    Der Effekt ist mit dem vorangegangenen eng verwandt und letztlich dessen sexuelle Steigerung. Wie Niles Bernick und seine Kollegen 1971 herausfanden, weiten sich unsere Pupillen bei sexueller Erregung stark - bei Angst aber dummerweise auch, was das Differenzieren etwas schwierig macht.

  3. Ich finde dich abstoßend.

    So wie sich Pupillen weiten, wenn wir uns angezogen fühlen, ziehen sie sich zusammen, wenn das Gegenteil der Fall ist. E.H. Hess stellte das schon 1972 ("Pupillometric") mithilfe von Experimenten fest: Er zeigte seinen Probanden Bilder von verletzten Kindern. Zuerst weiteten sich die Pupillen wegen des Schocks, dann zogen sie sich stark zusammen, weil die Betrachter diese abstoßend fanden.

  4. Ich muss gerade stark nachdenken.

    Stellen Sie Ihrem Gegenüber die Frage, wie viel zwei mal zwei ist, und Sie werden in dessen Augen keine große Veränderung sehen. Bitten Sie ihn aber, die Relativitätstheorie zu erklären, werden sich die Pupillen schlagartig weiten. Denn, wie Eckhard Hess und James Polt schon 1964 herausfanden, weiten sich unsere Pupillen, je härter unser Hirn arbeitet.

  5. Mein Gehirn ist völlig überlastet.

    Womöglich passiert das schon bei der Frage nach der Relativitätstheorie, aber stellen Sie jemandem einen nahezu unlösbaren Brainteaser, kann es in der Oberstube schon mal zum Blackout kommen: Wegen Überlastung geschlossen. In dem Fall verengen sich die Pupillen schlagartig. Oder wie etwa Gary Poock schon 1973 feststellte: Wird das Gehirn zu 125 Prozent beansprucht, ziehen sich die Pupillen zusammen.

  6. Mein Gehirn ist beschädigt.

    Das passiert natürlich nicht, indem man seinem Gegenüber Fragen stellt - bei Unfällen aber schon. Deshalb untersuchen Notfallärzte beispielsweise auch oft zuerst die Augenreflexe mittels eines Lichtimpulses. Bei normaler Hirnfunktion sind beide Pupillen gleich groß, rund und reagieren prompt auf Licht. Ist unser Gehirn bei einem Unfall aber in Mitleidenschaft gezogen worden, trifft mindestens einer dieser Parameter (gleich groß, rund, reaktiv) nicht mehr zu.

  7. Ich bin eher liberal als konservativ.

    Natürlich lässt sich die politische Einstellung nicht so ohne Weiteres an den Augen ablesen. Eher hängt es indirekt mit Sympathien und damit mit den vorangegangenen Effekten zusammen. Aber Horace Barlow zeigte seinen Versuchskandidaten 1972 beispielsweise Fotos von Politikern - liberale wie konservative. Interessant daran: Die Pupillen der liberal Gesinnten weiteten sich jedes Mal, wenn sie liberale Politiker sahen und verengten sich bei den Konservativen. Bei den konservativen Teilnehmern war es genau umgekehrt.

  8. Ich habe Schmerzen.

    Auch auf Schmerz reagieren unsere Augen - und zwar ähnlich wie bei emotionalen Schocks: Sie weiten sich. Richard Chapman und seine Kollegen experimentierten dazu mit freiwilligen (!) Probanden und mit Elektroschocks. Ergebnis: Bei Schmerzen öffneten sich die Pupillen maximal um 0,2 Millimeter.

  9. Ich habe Drogen genommen.

    Auch das ist ein Klassiker - in der Medizin genauso wie bei Verkehrskontrollen. Denn Drogen beeinflussen die Größe und Reaktionsgeschwindigkeit unserer Pupillen. Unter Drogeneinfluss von Kokain, Amphetaminen oder LSD weiten sie sich um bis zu 6 Millimeter; unter Alkoholeinfluss ziehen sie sich eher zusammen. Polizisten wissen das - und schauen uns deshalb gerne in die Augen, wenn sie uns nach den Papieren fragen. Mit Sympathie hat das dann weniger zu tun...

Wie Sie sicher schon festgestellt haben, geht es bei all den Augenreaktionen letztlich immer darum, ob sich die Pupillen weiten oder schließen: Meist (aber nicht immer) werden diese größer bei positiven Emotionen und verengen sich bei negativen. Das macht die Unterscheidung aber eben nicht eindeutig, weshalb eine isolierte Betrachtung ziemlicher Unsinn wäre. Im Kontext der Situation aber und begleitet von weiteren Indizien, können die Augen ein guter Indikator für die wahren Gefühle Ihres Gegenübers sein - jedenfalls verlässlicher als manch hübsche Worte.

Augen verraten, an welche Zahl wir denken

Augen verraten, an welche Zahl wir denkenWer flunkert nicht gerne beim Alter, wenn sie oder er danach gefragt wird? Für geübte Augen ist das aber zunehmend schwieriger. Wie eine Studie von Tobias Loetscher und seinen Kollegen von der Universität in Melbourne zeigt, verraten unsere Augen recht genau, an welche Zahl wir gerade denken. Wie es scheint, gibt es "eine komplexe Verbindung zwischen abstrakten Gedanken und der Bewegung unseres Körpers", sagt der Neurowissenschaftler Loetscher.

So ließen die Wissenschaftler für ihr Experiment Probanden an 40 zufällig ausgewählte Zahlen zwischen 1 und 30 denken. Gleichzeitig verfolgten sie mit einem sogenannten Eyetracker in welche Richtung deren Augen dabei blickten und wie sich die Stellung je nach Zahl veränderte. Und siehe da:

  • War die nächste Zahl niedriger als die davor, wanderten die Augen nach links unten.
  • War sie hingegen größer, ging der Blick nach rechts oben.

Die Blickrichtung verriet aber nicht nur, ob die Zahl größer oder kleiner wurde - je nachdem wie weit die Augen wanderten (je größer die Zahl, desto größer die Bewegung), konnten die Wissenschaftler sogar recht genau vorhersagen, um welche Zahl es sich dabei handelte. Der Unterschied ist allerdings mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen.

Die Wissenschaftler erklären dies damit, dass unser Gehirn offenbar einen virtuellen Zahlenraum imaginiert, in dem die Zahlen von links unten bis rechts oben stetig ansteigen und auf dem wir unterbewusst mit den Augen entlang navigieren, wenn wir an eine entsprechende Zahl denken. Allerdings gilt dies nur für Menschen aus dem westlichen Kulturkreis. In Kulturen, in denen man von rechts nach links schreibt und liest, sei es genau umgekehrt.

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