Auswandern Europa: Die besten Jobaussichten
Auswandern Europa: Arbeiten in Bella Italia, an den Fjorden Norwegens oder in der Traumstadt London - was in der Vorstellung oft himmlisch klingt, entpuppt sich in der Realität nicht selten als unüberwindbare Herausforderung. Gute Planung ist zwingend erforderlich, bevor man den Fuß über die Landesgrenze setzt. Dazu zählt nicht nur, de schönsten Strände und kuriosesten Bräuche des Wunschlandes zu kennen, sondern vor allem die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Wir übernehmen das für Sie - und sagen Ihnen, in welchen vier europäischen Ländern die Rahmenbedingungen für Europa-Auswanderer momentan am besten sind.

Auswandern Europa: Ohne Grenzen

Der europäische Arbeitsmarkt ist in den vergangenen Jahren immer enger zusammengewachsen. Das muss aber nicht so bleiben, wie die aktuellen Entwicklungen zeigen. Noch hat, wer sein Glück außerhalb der deutschen Landesgrenzen sucht, zwischen Algarve und Baltikum ein Füllhorn an Möglichkeiten. In manchen europäischen Ländern sind die Job-Perspektiven gut, in anderen weniger.

Das Arbeitgeberbewertungsportal Glassdoor hat zusammen mit der britischen Beratungsfirma Llewellyn Consulting die Rahmenbedingungen von 16 europäischen Ländern analysiert, darunter Spanien, Griechenland, Portugal, Italien, Irland, Frankreich, Niederlande, Finnland, Belgien, Schweiz, Deutschland, Dänemark, Österreich, Großbritannien, Norwegen und Estland. Für die Bewertung wichtig waren allgemeine wirtschaftliche Kriterien wie Beschäftigungsrate und Arbeitslosigkeit, aber zum Beispiel auch die Verbreitung von Zeitverträgen, für Arbeitnehmer ein weniger angenehmes Phänomen.

Generell ist es seit der großen Krise 2008 von allen untersuchten Ländern nur Deutschland gelungen, seine Erwerbstätigenzahl nennenswert zu steigern. In allen anderen ist die Quote noch nicht wieder auf dem alten Stand - mit Ausnahme von Österreich und der Schweiz, aber auch hier fallen die Zugewinne an neuen Jobs nur sehr gering aus. Am schlechtesten sieht es erwartungsgemäß in Griechenland aus, wo zehn Prozent der Jobs seit der Wirtschafts- und Finanzkrise verschwunden uns bis heute auch nicht wieder zurückgekommen sind.

Auswandern Europa: So ist die Lage für Jobsuchende

  • Wirtschaft: Gut erholt von der Finanzkrise haben sich vor allem Estland, Norwegen, Großbritannien und Österreich. In diesen Ländern sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung vergleichsweise schwach ausgeprägt.
  • Regulierung: Speziell der französische Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung von Glassdoor und Llewellyn überreguliert und bietet daher keine guten Perspektiven auf Beschäftigung. Am tristesten sind die Aussichten aber nach wie vor in Spanien, Portugal und Griechenland mit Arbeitslosenquoten von bis zu 25 Prozent.
  • Zeitverträge: Sie werden besonders häufig in Spanien, Portugal und in den Niederlanden vergeben. Rund 20 Prozent aller Arbeitsverträge sind hier zeitlich befristet - und bieten somit weniger Job-Sicherheit und im Allgemeinen auch niedrigere Löhne. Am seltensten sind Zeitverträge in Estland, Großbritannien und Norwegen. Auf der britischen Insel haben lediglich sechs Prozent aller Arbeitsverträge eine zeitliche Befristung, in Estland sogar nur drei Prozent.
  • Teilzeitarbeit: Teilzeitarbeit ist per se nichts Schlechtes. Zum Problem wird sie, wenn es eine große Zahl an Teilzeitkräften gibt, die eigentlich lieber Vollzeit arbeiten würden. Das ist vor allem in Italien, Spanien und Irland der Fall. Generell hat "unfreiwillige" Teilzeitarbeit seit 2008 überall in Europa zugenommen, außer in Schweden, Belgien und Deutschland.
  • Jugend: Düster ist die Lage für junge Menschen in Spanien, Portugal, Griechenland und Italien - hier ist die Jugendarbeitslosigkeit extrem hoch. Die besten Perspektiven für junge Arbeitssuchende bieten neben Deutschland noch Norwegen und die Schweiz.

Auswandern Europa: Die besten 4 Länder

  1. Estland

    Estland ist in Traveller-Kreisen ein Geheimtipp. Man kann es hier aber auch länger aushalten. Zeitverträge sind im Balten-Staat nahezu unbekannt, fast jeder Arbeitsvertrag ist unbefristet. Von allen 17 untersuchten europäischen Ländern ist die Quote der Zeitverträge hier mit drei Prozent am geringsten. Das gilt auch für die Berufseinsteiger im Alter zwischen 15 und 24. Zum Vergleich: In Deutschland haben von den 15- bis 24-Jährigen über 50 Prozent einen zeitlich befristeten Vertrag in der Tasche. Zu einer Jugendmassenarbeitslosigkeit hat das in Estland dennoch nicht geführt, wenngleich anzumerken ist, dass viele junge Esten im Ausland ihr Glück versuchen. Und: Auch die Zahl der Arbeitskräfte, die in einer Teilzeitstelle feststecken, aber eigentlich lieber Vollzeit arbeiten würden, ist in Estland extrem niedrig. Vor allem der Dienstleistungssektor ist in Estland in den letzten Jahren enorm gewachsen.

  2. Norwegen

    Deutschland, Schweiz und eben Norwegen - das sind von allen untersuchten Ländern diejenigen mit der geringsten Arbeitslosigkeit. Nach den neuesten Zahlen liegt sie in Norwegen momentan bei 4,6 Prozent. Auch für junge Leute ist es hier vergleichsweise einfach, eine Stelle an Land zu ziehen. Und: Zeitverträge sind mit einem Anteil von acht Prozent in Norwegen ein seltenes Phänomen. Bei den 15- bis 24-Jährigen liegt die Quote allerdings deutlich höher, bei rund 20 Prozent. Günstig für Auswanderer: Der Dienstleistungssektor ist in Norwegen extrem groß, während Jobs in der Produktion weniger als zehn Prozent aller Stellen ausmachen - das ist sonst nur in Großbritannien, den Niederlanden und Griechenland der Fall. Bemerkenswert: Norwegen ist zusammen mit Griechenland das einzige Land, in dem der Anteil der Arbeitsplätze im primären Sektor, also in Land-, Forstwirtschaft und Fischerei, zuletzt gestiegen ist. Das dürfte unter anderem an den zahlreichen Lachsfarmen liegen, Norwegen ist Europas größter Standort für Aquakultur-Betriebe.

  3. Großbritannien

    Im Dezember gab die britische Statistikbehörde ONS bekannt, dass die Arbeitslosigkeit auf 5,2 Prozent gefallen ist - das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Nur sechs Prozent aller Arbeitsverträge in Großbritannien sind laut Glassdoor-Analyse zeitlich befristet - im Länder-Vergleich der zweitniedrigste Wert. Auch die Jungen werden in der Regel nicht auf Zeit eingestellt, nur rund zehn Prozent der 15- bis 24-Jährigen unterschreiben Zeitverträge. Hier noch mal der Vergleich: In Deutschland liegt die Quote für diese Altersgruppe bei über 50 Prozent. Auch im Bankenparadies Großbritannien wächst der Dienstleistungssektor, er nimmt mittlerweile über 70 Prozent aller Arbeitsplätze ein.

  4. Österreich

    Österreich ist ähnlich wie Nachbar Deutschland relativ unbeschadet durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen. Zuletzt aber ist die Arbeitslosigkeit wieder gestiegen - auf 10,6 Prozent. Zeitverträge machen in Österreich neun Prozent aller Arbeitsverträge aus. Zum Vergleich: In Deutschland sind es mit 13 Prozent deutlich mehr, in Schweden, Frankreich und Finnland arbeiten sogar 15 Prozent der Arbeitnehmer "auf Zeit". Für junge Arbeitnehmer zwischen 15 und 24 sind Zeitverträge dagegen üblich, hier übertrifft die Quote 30 Prozent.

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