Azubi-Gehälter
Schon während der Lehrzeit können sich große Gräben auftun. Während Azubis im Bauhauptgewerbe qua Tarif teils über 1.500 Euro monatlich verdienen, kommt so mancher Gebäudereiniger in Sachsen-Anhalt gerade so über die 300 Euro-Marke. Beruf, Region, Lehrjahr: So groß ist der tarifliche Flickenteppich in Deutschland ...

Azubi-Gehälter: Himmelweiter Unterschied

Die tariflich geregelten Azubi-Gehälter in Deutschland variieren zum Teil ganz erheblich. Während man im Kfz-Gewerbe in Thüringen mit 549 Euro ins erste Ausbildungsjahr einsteigt, verdienen Azubis im Bauhauptgewerbe in Westdeutschland im 4. Lehrjahr bereits satte 1.544 Euro.

Das zeigt eine Auswertung von Tarifverträgen in ausgewählten Wirtschaftszweigen und Tarifbereichen, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf vorgelegt hat. Demnach sind die Ausbildungsvergütungen im vergangenen Jahr zwischen 2 und 4,5 Prozent gestiegen, in Einzelfällen sogar um bis zu zehn Prozent, im Hotel- und Gaststättengewerbe Sachsen etwa.

Vorweg lässt sich festhalten, dass es für Azubis einen großen finanziellen Unterschied macht ...

  • in welchem Bundesland oder Bezirk die Ausbildung begonnen wird
  • in welcher Branche man tätig ist
  • in welchem Ausbildungsjahr man sich befindet

Hier einige vom WSI untersuchte Branchen-Beispiele ...

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Tarifliche Ausbildungsvergütung im 3. Lehrjahr

Gewerbe Tarifbereich Euro
Bauhauptgewerbe West ohne Berlin-West 1.374
Metall- und Elektroindustrie Nordwürttemberg/Nordbaden 1.097
Bauhauptgewerbe Ost ohne Berlin-Ost 1.091
Versicherungsgewerbe Gesamt 1.062
Chemische Industrie Nordrhein 1.060
Bankgewerbe (ohne Genossenschaftsbanken) Gesamt 1.050
Metall- und Elektroindustrie Sachsen 1.025
Druckindustrie Gesamt 994
Öffentlicher Dienst Bund, Gemeinden Ost 978
Chemische Industrie Ost 978
Öffentlicher Dienst Länder West (ohne Hessen, Berlin) 971
Einzelhandel NRW 950
Gebäudereinigerhandwerk, gewerblich West, Berlin-Ost 925
Hotel- und Gaststättengewerbe Bayern 923
Holz- und Kunstoff verarbeitende Industrie Westfalen-Lippe 900
Einzelhandel Brandenburg 860
Privates Transport- und Verkehrsgewerbe NRW 845
Gebäudereinigerhandwerk, gewerblich Ost ohne Berlin-Ost 835
Holz- und Kunstoff verarbeitende Industrie Sachsen 760
Privates Verkehrsgewerbe (Spedition und Logistik) Brandenburg 720
Hotel- und Gaststättengewerbe Sachsen 720
Kfz-Gewerbe Thüringen 650
Kfz-Gewerbe NRW 638

Azubi-Gehälter: Differenzen

  • Groß- und Außenhandel

    In manchen Branchen ist das Ost-West-Gefälle beträchtlich, in anderen nur marginal. So bekommen Auszubildende im Groß- und Außenhandel in Mecklenburg-Vorpommern im dritten Lehrjahr 795 Euro (Tarif steigt im Laufe des Jahres 2016 auf 815 Euro), in Hessen gibt es mit 993 Euro dagegen deutlich mehr. Aber: In Bayern etwa verdient man mit 884 Euro (steigt auf 904 Euro) deutlich weniger als in Brandenburg mit 937 Euro (steigt auf 957 Euro). Im Saarland liegt das Gehalt im dritten Lehrjahr mit 816 Euro unter dem in Sachsen-Anhalt mit 836 Euro (steigt auf 856 Euro).

  • Textilindustrie

    In der Textilindustrie liegt die Spanne zwischen 800 Euro im Osten und 1.009 Euro in Hessen, das Lohngefälle ist damit ebenfalls vergleichsweise groß. Hohe Azubi-Gehälter verzeichnen hier außerdem die Bezirke Nordrhein mit 986 Euro im dritten Lehrjahr, Niedersachsen/Bremen (984 Euro), Baden-Württemberg (976 Euro), Westfalen (952 Euro) und Südbayern (942 Euro).

  • Chemische Industrie

    Gering sind die Unterschiede dagegen in der chemischen Industrie. In Ostdeutschland beträgt die Ausbildungsvergütung im dritten Lehrjahr 978 Euro, im Westen reicht sie von 976 Euro in Schleswig-Holstein und Bremen bis zu 1.060 Euro im Bezirk Nordrhein. Und während man im östlichen Landesteil mit 886 Euro ins erste Lehrjahr einsteigt, gibt es in Nordrhein mit 894 Euro nur geringfügig mehr. In Rheinland-Pfalz und im Saarland beträgt das Azubi-Gehalt im ersten Lehrjahr sogar nur jeweils 851 Euro - diese beiden Länder sind damit Schlusslichter im Bundesvergleich.

  • Metall- und Elektroindustrie

    Auch in der Metall- und Elektroindustrie fallen die Lohn-Unterschiede verhältnismäßig klein aus. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen im dritten Lehrjahr reichen von 1.008 Euro in Nordrhein-Westfalen bis zu 1.097 Euro in Baden-Württemberg. Alle anderen Länder, auch die östlichen, liegen dazwischen. In Sachsen beispielsweise beträgt der Tarif immerhin 1.025 Euro. Ins erste Lehrjahr wiederum steigt man in Sachsen-Anhalt mit der schmalsten Lohntüte ein: 860 Euro. Am meisten gibt es für Einsteiger in den Bezirken Unterweser, Nordwestliches Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit je 957 Euro.

  • Bauhauptgewerbe

    Eine klare Teilung in Ost und West gibt es in Branchen wie dem Bauhauptgewerbe. Hier erhalten die gewerblichen Auszubildenden im Westen 1.374 Euro im dritten Lehrjahr, im Osten 1.091 Euro. Die kaufmännischen Azubis dürfen in Westdeutschland mit 1.231 Euro rechnen, in Ostdeutschland mit 973 Euro.

  • Banken

    In wieder anderen Wirtschaftszweigen gibt es bundesweit einheitliche Azubi-Tarife. Das ist zum Beispiel im Bankgewerbe der Fall. Hier gibt es - unabhängig vom Standort - im ersten Lehrjahr 926 Euro, im zweiten 988 Euro und im dritten 1050 Euro. Das Gleiche gilt für Versicherungen (1.062 Euro im dritten Lehrjahr), in der Druckindustrie (994 Euro), in der Papierverarbeitung (995 Euro) sowie bei der Deutschen Bahn (967 Euro), der Deutschen Post (920 Euro), der Deutschen Telekom (975 Euro) und im öffentlichen Dienst (Bund, Gemeinden: 984 Euro, Länder: 971 Euro).

  • Gebäudereinigerhandwerk

    Wie groß die regionalen Unterschiede sein können, zeigt ein Blick auf die Gebäudereiniger. Azubis im kaufmännischen Bereich bekommen in Sachsen-Anhalt im dritten Lehrjahr nur 458 Euro, in Nordrhein-Westfalen sind es mit 810 Euro über 75 Prozent mehr. In Sachsen steigt man anfangs mit 348 Euro ein, in Berlin mit 502 Euro.

    Tarifbereich 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr gültig ab
    Berlin, kaufmännisch 502 Euro 601 Euro 704 Euro 01/2003
    Bremen, Niedersachsen, kaufmännisch 492 Euro 590 Euro 688 Euro 05/2003
    Hessen, kaufmännisch 490 Euro 590 Euro 685 Euro 07/2003
    Nordrhein-Westfalen, kaufmännisch 511 Euro 613 Euro 715 Euro 05/2003
    Ost ohne Berlin-Ost, gewerblich 585 Euro 715 Euro 835 Euro 01/2016
    Sachsen, kaufmännisch 348 Euro 418 Euro 487 Euro 05/2004
    Sachsen-Anhalt, kaufmännisch 327 Euro 392 Euro 458 Euro 05/2004
    Thüringen, kaufmännisch 352 Euro 422 Euro 492 Euro 05/2004
    West, Berlin-Ost, gewerblich 650 Euro 790 Euro 925 Euro 01/2016
  • Hotel- und Gaststättengewerbe

    Die Branche kämpft mit Nachwuchsproblemen - dementsprechend üppig fallen die Lohnsteigerungen teilweise aus. Für Azubis der erneute Hinweis: Es macht einen Unterschied, ob man sich im Saarland oder in Nordrhein-Westfalen bewirbt. Vergleichsweise spärlich ist der Azubi-Lohn in Baden-Württemberg, üppig ist er in Rheinland-Pfalz.

    Tarifbereich 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr gültig ab
    Baden-Württemberg 600 Euro 660 Euro 730 Euro 04/2015
    Bayern 713 Euro 804 Euro 896 Euro 03/2015
    Berlin 650 Euro 750 Euro 850 Euro 08/2015
    Brandenburg 552 Euro 622 Euro 710 Euro 02/2016
    Bremen 625 Euro 710 Euro 820 Euro 04/2016
    Hamburg 650 Euro 700 Euro 800 Euro 01/2015
    Hessen 675 Euro 755 Euro 830 Euro 01/2015
    Mecklenburg-Vorpommern 520 Euro 590 Euro 640 Euro 11/2015
    Niedersachsen ohne Bezirk Oldenburg und ostfries. Nordseeinseln 590 Euro 700 Euro 810 Euro 05/2016
    Niedersachsen: Bezirk Oldenburg 550 Euro 650 Euro 750 Euro 08/2015
    Niedersachsen: ostfries. Nordseeinseln 575 Euro 675 Euro 775 Euro 08/2011
    Nordrhein-Westfalen 671 Euro 769 Euro 866 Euro 08/2015
    Rheinland-Pfalz 600 Euro 750 Euro 900 Euro 03/2016
    Saarland 600 Euro 680 Euro 750 Euro 09/2014
    Sachsen 570 Euro 640 Euro 720 Euro 08/2015
    Sachsen-Anhalt 459 Euro 574 Euro 689 Euro 04/2016
    Schleswig-Holstein 560 Euro 630 Euro 730 Euro 04/2016
    Thüringen 600 Euro 700 Euro 750 Euro 08/2015

[Quelle: WSI Tarifarchiv, Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]