Rückkehrer-Boomerang-Mitarbeiter-Heimkehrer
Schon mal etwas von Boomerang-Arbeitnehmern gehört? Zugegeben, das ist wieder so ein neumodischer Anglizismus. Man könnte ebenso gut von Rückkehrern sprechen. Gemeint sind also Arbeitnehmer, die das Unternehmen - aus welchen Gründen auch immer - verlassen haben, doch eines Tages wieder dorthin zurückkehren. Allerdings mit neuen Erfahrungen, vielen Ideen und enormem Potenzial. Das macht sie für ihre Ex-Arbeitgeber beziehungsweise Bald-Wieder-Arbeitgeber zu einer extrem wertvollen Ressource. Eigentlich. Wenn da nicht diese Eitelkeiten wären...

Weiterbildung zum Nulltarif

Niemals geht man so ganz, hat Trude Herr einst gesungen. Teilweise stimmt das auch im Berufsleben. Menschen entwickeln sich weiter. Manchmal schneller, als ihnen das die Organisation, in der sie arbeiten, ermöglicht. Dann verlassen sie das Unternehmen, durchlaufen diverse Stationen und Positionen, sammeln Erfahrungen, Know-how - teils sogar über Branchen hinweg, und kommen vielleicht doch eines Tages wieder, weil: richtig fort waren sie (emotional) nie. Dieses (nennen wir es einmal) Querdenker-Wissen könnten sich die Ex-Arbeitgeber dann zunutze machen. Könnten!

Es ist schließlich entstanden in einer Art Weiterbildung, die sie nie bezahlen mussten, für die sie keinerlei Risiko übernehmen brauchten und sich auch sonst um nichts kümmern mussten. Eine Qualifizierungsmaßnahme zum Nulltarif also.

Als sei das nicht schon genug, kennen die Ex-Kollegen häufig immer noch das alte Unternehmen (je nachdem wie lange sie weg waren), seine Strukturen und Defizite und haben vielleicht noch ein paar vitale Kontakte zu Kollegen und Kunden. Was sie obendrein zu wertvollen Unterstützern bei etwaigen Change-Prozessen macht.

Die einzige Bedingung: Die Unternehmen müssten den Kontakt zum Ex-Arbeitnehmer pflegen und halten...

Und genau das geschieht bei den wenigsten Boomerang-Arbeitnehmern. Stattdessen dominieren zum Teil infantile Eitelkeiten die (On-)Off-Beziehung, Motto: Wer uns verlässt, braucht hier nie wieder anklopfen. Einmal raus, immer raus... Oder aber die ehemaligen Chefs sind kleinlich nachtragend, weil sich jemand aus ihrem Schatten bewegt hat und nun selbst viel heller strahlt. Und nicht zuletzt, weil sie so einst eine wesentliche Stütze für die eigene Karriere verloren haben und das Ganze nun mit mangelnder Loyalität verwechseln. Schön blöd.

Rückkehrer sind sofort einsetzbar

Daumenhoch_tNeben den schon genannten Vorteilen solcher Rückkehrer wie...

  • neue Erfahrungen
  • branchen- und unternehmensfremdes Know-how
  • frische Ideen und Lösungskompetenzen
  • vorhandenes Insiderwissen und vitale Netzwerke
  • Bekanntheit und Vertrauen bei Kunden und Kollegen

...kommen noch zwei weitere hinzu, die sie aus Personalersicht deutlich gegenüber Neueinstellungen bevorzugen:

  • Geringe Einarbeitungszeiten
  • Geringe Rekrutierungskosten

Kurz: Man kennt sich und kauft nicht die Katze im Sack. Solche Heimkehrer können meist unmittelbar in ihrem neuen Job loslegen und sich damit vom ersten Tag an höchst produktiv einbringen. Obendrein brauchen Sie kein großes Recruiting-Brimborium. In der Regel reichen eine wertschätzende Ansprache, ein faires Gehaltsangebot - und natürlich eine herausfordernde neue Aufgabe.

Gewiss werden teilweise auch Fehler von den scheidenden Mitarbeitern selbst gemacht. Etwa, wenn sie nach der Kündigung hinter sich alle Brücken verbrennen, um jemals wieder unbelastet zurückzukehren. Aber das ist eine andere Geschichte. In dieser geht es um verschenktes Potenzial von Seiten der Unternehmen.

Denn Rückkehrer oder eben Boomerang-Mitarbeiter müssen nicht nur langgediente Kollegen mit zehn Jahren Betriebszugehörigkeit sein. Potenzial steckt ebenso in ehemaligen:

Doch wie hält man Kontakt zu derlei Ex-Kollegen mit Potenzial?

Im Grunde ist das alles andere als eine Raketenwissenschaft. Man muss es nur wirklich wollen - und machen. Zum Beispiel, indem man die Ex-Mitarbeiter regelmäßig auf Betriebsfeiern einlädt. Oder indem für sie spezielle Blogs eingerichtet werden. Die würde ich gar nicht mal hinter einem Passwort-Vorhang verstecken. Denn es ist sicher auch für alle anderen potenziellen Bewerber interessant zu sehen, wie mit Ex-Mitarbeitern umgegangen wird und dass diese sich jederzeit wieder melden können. Eigentlich etwas, was wohl jeder von einem guten Arbeitgeber erwartet.

Die Subbotschaft darin ist überdies positiv und zukunftsgewandt: Gelegentliche Jobwechsel sind eine natürliche und durchaus akzeptierte Entwicklung im Berufsleben, die für alle Beteiligten Mehrwert schaffen können.

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