Niemand kann sich in allen Bereichen auskennen. Wenn Sie an einem Punkt nicht weiter wissen, vertrauen Sie sich einem Fachmann oder einer Fachfrau an. Aber woran erkennen Sie, ob jemand wirklich über Expertise verfügt? Denn zu jeder Meinung scheint es eine Gegenmeinung zu geben. Eine hohe Bildung ist zwar eine gute Voraussetzung, allerdings kein Garant für Expertise, zumal es wirklich für jeden Themenbereich Fachleute gibt. Die Frage ist also: Woran erkennen Sie Expertise, welche Voraussetzungen muss jemand erfüllen, der darüber verfügt und was kann diese Person leisten, was nicht?

Expertise synonym Definition Beispiel berufliche

Expertise Definition: Überdurchschnittlich gutes Wissen

Eine Bedeutung von Expertise ist die eines Gutachtens, das ein Experte erstellt. In dieser Bedeutung findet der Begriff beispielsweise Anwendung, wenn Experten die Echtheit oder den Wert von Gegenständen einschätzen sollen, beispielsweise bei Antiquitäten oder Gemälden.

Etwas allgemeiner spricht man von Expertise, wenn jemand in einem Fachgebiet über deutlich mehr als nur das durchschnittliche Wissen verfügt. Er ist aufgrund seines Expertentums besonders dazu geeignet, bereichsspezifische Probleme zu lösen.

Synonym für Expertise können Sie auch sagen:

  • Begutachtung
  • Beurteilung
  • Bewertung
  • Einschätzung
  • Expertenwissen
  • Expertentum
  • Fachauskunft
  • Fachkompetenz
  • Gutachten
  • Kritik
  • Sachkenntnis
  • Stellungnahme
  • Urkunde
  • Urteil
  • Zeugnis

Das allerbeste Beispiel dafür sind Analysen von Fußballspielen. Gerade im Zuge der Europa- oder der Weltmeisterschaft werden unzählige Expertisen zu den stattfindenden Spielen vorgetragen. Erstellt werden sie oft von ehemaligen Fußballspielern, etwa dem ehemaligen Nationalspieler Mehmet Scholl, der eine zweite Karriere als Sportkommentator und Moderator startete.

Auch wenn das Thema Fußball mitunter recht emotional besetzt ist, wird sachlich betrachtet niemand einem ehemaligen Nationalspieler die berufliche Expertise absprechen wollen. Um es so weit zu bringen, bedarf es mehr als nur den Ball mit dem Fuß zu treffen.

Hier gehen theoretisches und praktisches Wissen in Kombination mit jahrelanger Erfahrung Hand in Hand.

Expertise Erwerb: Fachwissen wird überall produziert

Noch im 19. Jahrhundert erwarb Expertise, wer des Lesens kundig war und Zugang zu Bildung hatte. Jahrelanges Studium und Erfahrung zeichnete Gelehrte aus. In jenen Zeiten war das, was es zu wissen beziehungsweise zu lernen gab, vergleichsweise überschaubar. Seitdem hat sich vieles verändert; unzählige Erfindungen und Entdeckungen tragen zur Spezialisierung bei.

Universalgelehrte wie anno dazumal kann es kaum noch geben, weil das Wissen immer mehr anwächst. Und theoretisch hat jeder in der deutschen Gesellschaft Zugang zu Wissen, durch die Schulpflicht liegt der Alphabetisierungsgrad bei nahezu 100 Prozent. Expertise ist somit nicht mehr nur einem kleinen elitären Kreis möglich.

Expertise wird in allen gesellschaftlichen Bereichen produziert, ganz gleich, ob es Bürgerbewegungen, Vereine oder Nichtregierungsorganisationen sind. Das führt allerdings zu zweierlei Konsequenzen:

  • Der Begriff der Expertise wird aufgeweicht, mitunter inflationär benutzt.
  • Dadurch, dass unser Leben nicht maßgeblich durch Traditionen vorbestimmt ist, müssen wir selbst unser Leben in die Hand nehmen und Informationen einholen, um nicht das Nachsehen zu haben.

Die Bedeutung von Expertise

In modernen Gesellschaften ist Expertise zunehmend gefragt. Das gilt längst nicht nur für technische und wissenschaftliche Bereiche, sondern weit darüber hinaus und betrifft sämtliche Bereiche des Lebens. Im Gegensatz zu früheren Zeiten oder anderen Kulturen bestimmen weniger überlieferte Traditionen die Entscheidung.

Stattdessen ist es die Expertise von als glaubwürdig eingestuften Personen, die über eine bestimmte Wahl entscheidet. Jeder kennt das aus dem Alltag: In welchen Verein soll ich meine Tochter schicken? Welche Ernährung ist die beste? Zu welchem Arzt soll ich gehen? Welchen Laptop soll ich kaufen?

Wer selbst Trainer im Sportverein/ Ernährungsberater/ Arzt oder Computerfachmann ist, kann diese Frage vielleicht noch beantworten. In den meisten Fällen verfügen aber die wenigsten über Expertise in allen genannten Bereichen. Je nachdem, wie wichtig die Sache für den Ratsuchenden ist oder auch wie teuer die Investition, desto eher wird er sich ein fundiertes Urteil geben lassen wollen.

Wissen ist Macht, diese Erkenntnis ist bei Unternehmen angekommen. Denn ob ein Unternehmen über Mitarbeiter mit ausgewiesener Expertise verfügen, ist ein erfolgskritisches Merkmal. Unternehmen, die es nicht schaffen, Fachkräfte zu ermitteln, an sich zu binden und zu fördern, haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer.

Daher ist es wichtig, Mitarbeiterbindung und aktive Förderung durch berufliche Weiterbildung zu betreiben.

Allerdings stehen die Unternehmen zuvor vor dem Problem, die entsprechenden Mitarbeiter zu identifizieren: Woran lässt sich Expertise erkennen? Welche Anforderungen müssen Arbeitnehmer erfüllen?

Expertise Kriterien: Woran lässt sie sich erkennen?

Expertise spricht man einem Mitarbeiter zu, der über ausgewiesenes Fachwissen verfügt. Doch woran erkennt man dieses Expertentum? Leichter ist es ex negativo zu definieren, was kein Experte ist. Zunächst einmal ist es keine Selbstbezeichnung.

Im Regelfall wird ein Experte nicht herumlaufen und die Umgebung auf seine herausragende Expertise hinweisen. Das ist übrigens etwas, das ihn von Leuten mit Experten-Syndrom unterscheidet: Das sind echte Schaumschläger, die jedem egal, ob der es wissen will oder nicht, ihre Meinung zu etwas aufdrücken.

Pikanterweise stellt sich das dann oft noch als falsch heraus, denn diese Menschen glauben Expertise zu besitzen. In Wirklichkeit ist es aber bestenfalls Halbwissen. Was für den Smalltalk auf einer Party vielleicht noch taugt, wird im beruflichen Kontext gefährlich. Nämlich dann, wenn auf der Basis falscher oder unzureichender Informationen Entscheidungen getroffen werden.

Der amerikanische Philosoph Alvin Goldman hat sich damit beschäftigt, welchen Experten man trauen kann (PDF) und aus welchen Gründen. Er nennt folgende Hinweise:

  • Argumentation

    Ein Ratsuchender kann beobachten, wie ein Experte argumentiert. Untermauert er eine Aussage entsprechend mit Argumenten oder kann er die Aussagen anderer Personen mit Gegenargumenten entkräften? Hierbei ist kritisch anzumerken, dass die rhetorische Überlegenheit und die Vehemenz, mit der unter Umständen Argumente vorgetragen werden nicht zwangsläufig über deren Richtigkeit entscheiden. Denn das ist der Dunning-Kruger-Effekt: Wer sich selbst Expertise zuschreibt, neigt zur Selbstüberschätzung, da er die eigene Inkompetenz nicht erkennen kann. Wer diesem Phänomen anheimfällt, mag sehr überzeugend Dinge behaupten, die objektiv betrachtet falsch sind.

  • Gegencheck

    Oftmals gibt es nicht nur einen Experten. Wenn ein Laie jemanden um seine Expertise bittet, kann er die Aussagen mit denen eines anderen Fachkundigen vergleichen. Es gibt vielleicht eine scientific community, die das Gesagte bestätigen kann. Die Reichweite und das Renommee eines Experten und seiner Thesen können ebenfalls Indikatoren sein. Wird er häufig anerkennend zitiert, ist seine Expertise offenbar auch unter anderen Fachleuten anerkannt.

  • Nachforschung

    Zu einer umfassenden Beurteilung gehört, die vorgebrachten Aussagen in einen entsprechenden Kontext einzuordnen. Auch Wissenschaft ist leider nicht neutral. Das heißt, liegt etwa eine bestimmte Ideologie dahinter oder spielen Finanzen eine Rolle, dann fällt das Ergebnis einer Untersuchung ganz anders aus. Beispiel: Wenn eine Studie die Wirksamkeit eines Medikamentes belegt, gleichzeitig aber vom produzierenden Pharmaunternehmen gesponsert wird, kann man wohl berechtigterweise von einem Interessenkonflikt sprechen. Genau der führt unter Umständen zu gefälschten Ergebnissen.

  • Erfolgsbilanz

    Der Erfolg gibt ihm recht. Das wichtigste Argument für Expertise ist jedoch der Erfolg. Funktioniert etwas so, wie es der Experte vorhergesagt hat? Liegt er mit seinen Einschätzungen immer richtig? Dann ist so jemand ein Experte, der immer wieder gerne zu einer Thematik befragt oder bei Problemen konsultiert wird.

Berufliche Expertise: Fachwissen passt zum Arbeitsgebiet

Wie definiert man berufliche Expertise? Von einem Experten ist dann die Rede, wenn jemand sich auf sein Gebiet absolut spezialisiert. Oftmals verfolgen diese Arbeitnehmer einen horizontalen Karriereweg, da sie keine Führungsverantwortung übernehmen wollen.

Experten zeichnen sich also primär durch ihr erworbenes Wissen auf einem Gebiet aus. Das Problem, das sich stellt: Nur, weil jemand über Expertise in einem Bereich verfügt, macht ihn das nicht automatisch zum gefragten Mitarbeiter. Oder drastischer formuliert:

Es kommt darauf an, in welchem Bereich diese Expertise besteht. Ein Beispiel: Kommt es zwischen zwei Unternehmen zu einer Fusion und beide Unternehmen haben Mitarbeiter mit derselben Expertise, beispielsweise Human Resources Manager, wird nach der Fusion einer vermutlich seinen Hut nehmen müssen.

Expertise ausbauen: Garant für Erfolg

Sobald eine Position jedoch nur einmal besetzt oder die Expertise des jeweiligen Mitarbeiters unverzichtbar ist, steigt er im Wert für das Unternehmen. Gerade jahrelang erworbenes Fachwissen, Kenntnisse über interne Abläufe, aber natürlich auch zwischenmenschliche Aspekte wie Teamfähigkeit lassen sich nicht ohne weiteres ersetzen.

Häufiger hört man von Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Das sind dann Menschen, die auf einem Gebiet Expertise erworben haben. Wer das, was er tut, gerne macht, ist darin gut - heißt es. Das stimmt prinzipiell, allerdings genügt es nicht, Dinge gerne zu machen.

Beispielsweise gerne zu singen und sich in die nächste Castingshow zu stellen: Es reicht unter Umständen trotzdem nur fürs Singen unter der Dusche. Zur beruflichen Expertise gehört daher, dass dieses Wissen kontinuierlich erweitert und geübt wird.

Ein Experte verfügt nicht nur über Expertise, er ist im Austausch mit anderen Fachleuten und gibt sein Wissen weiter. Beschäftigt ein Unternehmen solche Experten, kann es seine Kernkompetenzen ausbauen und seinen Platz am Markt behaupten.

[Bildnachweis: ChameleonsEye by Shutterstock.com]