Flexible Arbeitszeiten: Übersicht der Modelle
Ein hohes Gehalt steht für viele Arbeitnehmer schon lange nicht mehr an Spitze der Prioritätenliste für einen Job. Bereits seit geraumer Zeit wird ein angenehmes Arbeitsumfeld deutlich höher geschätzt und ein weiterer Faktor wird für Mitarbeiter immer wichtiger: Flexible Arbeitszeiten. Immer lauter wird der Ruf nach Flexibilität und der Möglichkeit, neben dem stressigen Beruf noch genügend Zeit für das Privatleben zu finden. Geht es an die konkrete Umsetzung, stehen dabei verschiedene Modelle der flexiblen Arbeitszeit zur Verfügung. Wir haben eine Übersicht zusammengestellt und zeigen Ihnen die verschiedenen Arten der flexiblen Arbeitszeit und worauf Sie dabei achten sollten...

Flexible Arbeitszeiten werden immer wichtiger

Auf der Suche nach dem Traumjob, der die eigenen Vorstellungen erfüllt, sind immer mehr Arbeitnehmer bereit, weniger auf die Bezahlung zu schauen, sondern sich an anderen Argumenten zu orientieren. Eine besondere Rolle nehmen dabei die flexiblen Arbeitszeiten ein.

Die klassischen Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr werden zunehmend von anderen Modellen verdrängt, um Anreize zu schaffen, um qualifizierte Mitarbeiter an das eigene Unternehmen zu binden und neue Talente vom Berufseinstieg zu überzeugen. Für Arbeitnehmer sprechen gleich mehrere Gründe für die Vorteile der flexiblen Arbeitszeiten.

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Neben dem Job bleibt oft nicht genügend Zeit für Familie, Kinder und Privatleben. Durch die größere Flexibilität erhoffen sich Angestellte den Spagat besser meistern zu können.
  • Flexibilität im Alltag. Nicht immer richtet sich der Alltag nach den Arbeitszeiten. Kommt beispielsweise ein wichtiger Termin dazwischen, können flexible Arbeitszeiten helfen. Wo sonst Urlaub genommen werden müsste, kann die Zeit vielleicht nachgearbeitet oder im Home Office ausgeglichen werden.
  • Ausgleich zum Stress. Die Möglichkeit, an manchen Tagen weniger Stunden zu machen, kann ein guter Ausgleich zum ständigen Stress im Job sein. So bleibt mehr Zeit zur Erholung und um neue Kräfte zu sammeln.

Flexible Arbeitszeiten: Eine Übersicht der verschiedenen Modelle

Goran Bogicevic/shutterstock.comFür Arbeitgeber stellt sich die Frage, welches Modell der flexiblen Arbeitszeit den eigenen Mitarbeitern ermöglicht werden soll, doch auch auf Seiten der Angestellten bleibt die Frage: Welche Art der flexiblen Arbeitszeit ist dir richtige für mich? Inzwischen haben sich verschiedene Möglichkeiten herausgebildet, um die Arbeitszeit flexibler zu gestalten und Arbeitnehmern mehr Freiräume einzuräumen. Damit Sie den Überblick nicht verlieren, haben wir eine Übersicht der verschiedenen Modelle erstellt und erklären was sich hinter den einzelnen Konzepten verbirgt.

  1. Gleitzeit

    Bei einer Gleitzeitregelung können Mitarbeiter bis zu einem gewissen Rahmen selbst über ihre Arbeitszeiten bestimmen. In der Praxis bedeutet das, dass vom Arbeitgeber keine konkreten Zeiten vorgegeben werden, wann ein Arbeitstag beginnt und wann dieser endet. Um jedoch den reibungslosen Ablauf im Betrieb zu gewährleisten, werden bestimmte Rahmen- und Kernarbeitszeiten bestimmt. Die Rahmenarbeitszeit bestimmt, wann frühestens mit der Arbeit begonnen werden kann und bis wann ein Arbeitstag spätestens dauern kann. Die Kernarbeitszeit legt fest, von wann bis wann grundsätzliche Anwesenheitspflicht besteht.

    Die genauen Zeiten werden bei der Gleitzeit auf einem Arbeitszeitkonto festgehalten. Wer also regelmäßig länger arbeitet, sammelt Überstunden an, die er entweder vergütet bekommt oder durch Freizeit ausgeglichen bekommt. Die meisten Unternehmen haben genaue Regelungen, wie viele Plus- oder Minusstunden ein Arbeitnehmer auf seinem Zeitkonto ansammeln kann.

  2. Home Office

    Bei vielen Arbeitnehmern besonders beliebt sind Home Office Regelungen, die es ihnen ermöglichen, einen Teil der Arbeit außerhalb des Büros zu erledigen. Wie genau eine solche Regelung aussieht, kann individuell mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden, möglich ist beispielsweise, dass zwei Tage die Woche von zu Hause gearbeitet wird. Ob dabei auch andere Arbeitszeiten gelten, muss ebenfalls mit dem Chef abgesprochen werden und hängt von den anstehenden Aufgaben ab.

    Für Arbeitnehmer bedeutet die Arbeit im Home Office - oder auch Telearbeit an einem anderen Ort - eine deutlich größere Flexibilität bei der Erledigung ihrer Aufgaben, bringt jedoch auch die Verantwortung mit, trotzdem produktiv zu sein, auch wenn es in den eigenen vier Wänden von Ablenkungen nur so wimmelt.

  3. Jobsharing

    Beim Jobsharing wird ein einzelner Arbeitsplatz unter mehreren Mitarbeitern aufgeteilt. So können sich beispielsweise zwei Arbeitnehmer eine Stelle teilen und jeweils die Hälfte der Stunden arbeiten. Die genaue Verteilung kann jedoch individuell abgesprochen werden und grundsätzlich ist es auch möglich, eine Stelle unter mehr Arbeitnehmern aufzuteilen.

    Von Vorteil ist natürlich auch hier die Individualität und die flexible Einteilung der Arbeitszeit, doch braucht es für ein funktionierendes Jobsharing das richtige Team und ständige Absprachen. Nur wenn die Beteiligten immer über Aufgaben, Fortschritte und laufende Projekte informiert sind, kann gemeinsam ein Ziel erreicht werden.

  4. Langzeitarbeitskonto

    Auf dem Langzeitarbeitskonto können Arbeitnehmer über mehrere Jahre ihre Überstunden sammeln oder auch Minusstunden machen, die sie an einem späteren Zeitpunkt wieder aufarbeiten können. Je nach angesparter Zeit kann so ein längerer bezahlter Urlaub genommen werden, möglicherweise sogar mehrere Monate Auszeit in Form eines Sabbaticals geplant werden oder man kann bereits früher in Rente gehen.

    Jahresarbeitszeit beim Maschinenbauer Trumpf

    Ein Beispiel hierfür ist der Maschinenbauer Trumpf, der für seine Belegschaft in Deutschland die Wochenarbeitszeit abgeschafft hat. Stattdessen gibt es eine Jahresarbeitszeit: Zum Ende des Geschäftsjahres (das ist bei Trumpf Ende Juni) sollten die Mitarbeiter 1610 Stunden angesammelt haben - höchstens 25 Stunden mehr oder 40 weniger. Dazwischen kann man sich die Arbeitszeit aufteilen, wie eben gerade Arbeit anfällt oder auch Überstunden abfeiern.

  5. Schichtarbeit

    Es ist bei vielen eher unbeliebt, doch auch die Schichtarbeit zählt zu den Modellen der mehr oder weniger flexiblen Arbeitszeiten. Dabei können sich die Schichten entweder in regelmäßigen Abständen ändern oder bleiben über einen längeren Zeitraum gleich.

    Das größte Problem sind dabei die Nachtschichten, da die Zeiten oft entgegen den Abläufen der anderen Familienmitglieder laufen. Um Job unter Familie besser zu vereinbaren, ist Schichtarbeit daher nicht zu empfehlen.

  6. Teilzeitarbeit

    Ja, auch die Teilzeitarbeit kann zu den flexiblen Arbeitszeiten zählen, wenn diese entsprechend gestaltet wird. Arbeitgeber können etwa anbieten, dass die vereinbarte Arbeitszeit auf die gesamte Woche verteilt werden kann. So liegt es am Arbeitnehmer selbst, ob er beispielsweise täglich arbeitet, dafür aber nur vormittags oder ob er zwei oder drei Tage die Woche ganztägig arbeiten möchte.

    Für Arbeitnehmer bietet diese Form der Teilzeitbeschäftigung viele Freiheiten, da die Zeiten sehr individuell eingeteilt werden können. Auf Arbeitgeberseite bedarf es hingegen einer guten Organisation, um den Überblick zu behalten, welcher Mitarbeiter wann anwesend ist, besonders wenn die flexiblen Zeiten sich verändern.

  7. Die Vertrauensarbeitszeit

    Der Name verdeutlicht schon, dass dieses Arbeitszeitmodell auf Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern basiert. Im Grunde gibt es bei der Vertrauensarbeitszeit keine festgelegten Arbeitszeiten, an denen Arbeitnehmer am Arbeitsplatz anwesend sein müssen. Stattdessen werden konkrete Ziele und Aufgaben festgelegt, die bis zu einer bestimmten Deadline erfüllt werden müssen. Im besten Fall steigt somit das eigenständige Arbeiten und die Zeit wird bestmöglich genutzt.

    Das Vertrauen des Arbeitgebers muss jedoch auch erwidert werden und jeder muss sich darauf verlassen können, dass der andere seine Aufgaben tatsächlich zum vorher festgelegten Zeitpunkt fertiggestellt hat. Es erfordert also trotzdem ein großes Maß an Kommunikation und natürlich Selbstständigkeit der Mitarbeiter.

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