Brief einer Leserin:

Seit kurzem habe ich eine Autoimmunkrankheit durch die mir die Haare ausgefallen sind. Auf meine Arbeitsleistung hat dies jedoch keinen Einfluss. Nun stellt sich mir die Frage, wie ich in meinen Bewerungsunterlagen und bei einem Vorstellungsgespräch auftreten sollte. Würden Sie an meiner Stelle ein Foto beilegen, bei dem ich noch Haare habe (ein Jahr alt), um einen möglichst “normalen” Eindruck zu machen und die Chancen auf eine Einladung zu erhöhen? Dann würde sich aber auch die Frage stellen, ob ich auch im Falle eines Vorstellungsgesprächs eine Perücke tragen sollte (obwohl ich dies eigentlich nicht mache). Ohne Perücke sollte ich aber die Situation erklären, um nicht den Anschein zu erwecken, dass ich möglicherweise schwer krank bin, was sicherlich ein Nachteil wäre. Aber soll ich dies dann von mir aus direkt ansprechen? Der Personaler würde dies doch eher nicht von sich aus fragen…
Sie sprechen da einen wirklich kniffligen Sonderfall an. Es gibt Studien, die belegen,
Im Vorstellungsgespräch selbst sieht die Sache anders aus. Es gibt heute Echthaar-Perücken, denen sieht man dies nicht mehr an. Sie könnten also auf diese Alternative zurückgreifen – riskieren jedoch zugleich, dass Ihr Gegenüber – und sei es unbewusst – wahrnimmt, dass mit Ihrem Äußeren irgendetwas nicht stimmt. Oder er oder sie erkennt, dass Sie eine Perücke tragen. Bleibt das von Ihnen unkommentiert, muss der Personaler dies als Täuschungsmanöver werten und wird Ihnen erst recht eine schwere Erkrankung unterstellen. Das Ergebnis wäre so oder so dasselbe: Absage.
Die Frage, die Sie sich für das Vorstellungsgespräch zuerst stellen sollten, ist daher eine andere: Womit fühlen Sie sich wohler, authentischer, selbstbewusster? Mit Perücke oder ohne? Hier sollten Sie auf Ihren Bauch hören und enstprechend zum Bewerbungsgespräch erscheinen. In beiden Fällen sollten Sie das Gespräch so lenken, dass Sie Ihre Autoimmunerkrankung thematisieren und glaubhaft belegen, dass sie darüber hinaus kerngesund und voll einsatzfähig sind. Gerade Ihr selbstbewusster, pro-aktiver Umgang mit dem Thema kann Ihnen viele Sympathien einbringen. Denn Sie gehen einem komplizierten Problem nicht aus dem Weg, sondern lösen es – offen und kommunikativ. Das ist eine Eigenschaft, die heute sehr geschätzt wird und leider selten zu finden ist. Entscheidend ist, dass Sie sich bei diesem Gespräch selber attraktiv und stark fühlen. Dann strahlen Sie das auch aus – und die Haare werden zur Nebensache.



Mirko Schneider
Vorab: In 80 Prozent aller Unternehmen in D stehen keine Personaler am Spielfeldrand, da entscheidet der Cheftrainer selbst, wen er einstellt und wen nicht. Dort sollte sie sich bewerben. Bei Konzernen ist die Wahrscheinlichlichkeit, dass jemand mit Stock im Po entscheidet, größer. So oder so, die Auswahl der Unternehmen ist in jedem Fall sehr wichtig!
Das Gute an einer weiblichen Glatze: Alle anderen Bewerberinnen tragen vermutlich keine! Welch ein Alleinstellungsmerkmal! Besser gehts’s kaum!
Mein Tipp: Am besten gleich im Anschreiben Bezug darauf nehmen, mit einem Augenzwinkern. “Meine Frisur ist sehr ungewöhnlich. Ich habe nämlich keine. Nein, ich bin nicht krank, aber gut! Ich habe…, ich kann…, ich bin….” Die meisten Firmenchefs im Mittelstand mögen es direkt, auf die Zwölf! Die lesen so unglaublich viele langweilige Bewerbungen. Wie ein frischer Frühlingswind wird diese Bewerbung das Chefbüro erobern. Jede Wette, dass die meisten neugierig werden und diese Frau einladen.
Und dann gilt, ob mit oder ohne Haupthaar: “Entscheidend ist aufm Platz!”
Sport frei!
Ein Mann mit Glatze
Jenny
Erstaunlich, welch hilfreiche Ratschläge Männer mit und ohne Glatze einer kahlen Frau geben können. Ich stimme in allen Punkten zu. Ergänzen möchte ich nur noch: Relevant ist nur die Firma, in der sie sich bewirbt, sondern natürlich auch die ausgeschriebene Position. Beispielsweise haben Frauen ohne Haare im Lebensmittelbereich kaum Chancen auf Einstellung. Auch wenn sie sich dafür entscheidet, sich mit Perücke zu bewerben, sollte sie auf jeden Fall berücksichtigen, dass dies zu einem Gefühl der Unsicherheit führen kann. Durchaus möglich, dass sie sich dann darum sorgt, ob jemand sieht, dass sie eine Perücke trägt. Also: Auf jeden Fall so entscheiden, dass sie zu sich stehen kann. Selbstsicherheit ist es letztlich, was überzeugend wirkt.
Eine Frau mit Glatze