Am Anfang war das Wort: Eigenmarke. Ein Modewort, keine Frage. Auch wir haben schon ein paar Mal darüber geschrieben. Mehr noch: Wir empfehlen sogar (vor allem Berufseinsteigern und Selbstständigen), sich im Internet klar zu positionieren und eine Online-Reputation aufzubauen. Doch aller Anfang ist schwer. Und wer damit beginnt, sich als Spezialist in einer bestimmten Fach-Nische einen Namen zu machen oder einen Expertenstatus aufzubauen, sollte sein Umfeld gut kennen: die Mitexperten, mehr aber noch jene, die den Ton angeben und die meisten Meinungen und Diskussionen beinflussen (können) – die sogenannten Influencer. Sie sind nicht nur wichtige Partner beim Aufbau der Eigenmarke, sondern helfen auch, das eigene Profil zu schärfen und abzugrenzen. Doch wie findet man die?

Glücklicherweise ist das Twitterversum reich an Tools. Deswegen eignet sich Twitter auch hervorragend für den Social-Media-Markeneinstieg. Aber natürlich auch, weil jeweils 140 Zeichen für niemanden eine allzu hohe Hürde sein dürften, um sich an Diskussionen zu beteiligen, Interessantes zu zwitschern oder zu kommentieren. Eben das macht es aber auch so leicht, Meinungsmacher und Mitexperten zu finden.

Wie also finden Sie die Influencer in Ihrer Twitter-Nische?

Influencer finden über Hashtags und Keywords

Der erste Schritt ist zugleich der simpelste: Nutzen Sie die Twittersuche beziehungsweise die erweiterte Suche. Hier können Sie nicht nur nach Tweets fahnden, die bestimmte Suchbegriffe oder sogenannte #Hashtags enthalten – auch für ganze Sätze und Tweets in ausgewählten Sprachen lassen so entsprechende Autoren finden.

Das müssen dann natürlich noch keine Influencer sein. Aber wenn diese sich zu Ihren Themen und Schlagwörtern häufiger zu Wort melden und obendrein eine große Gefolgschaft (Follower) aufweisen, sind das erste wichtige Indizien. Ich habe das einfach mal mit dem Begriff “Online-Reputation” gemacht – und der Einschränkung auf Tweets in Deutsch. Ergebnis:

Wenn Sie jetzt zum Beispiel auf die einzelnen Namen der angezeigten Twitterati klicken (bitte nicht hier – das ist nur ein Screenshot!), wird Ihnen die Kurzvita sowie die Follower-Struktur angezeigt. Sie können sich aber auch weiter durchklicken, wem dieser mögliche Influencer selbst folgt – womöglich entdecken Sie so den Meinungsmacher des Meinungsmachers und folgen lieber dem.

Zugegeben, das ist ein bisschen Arbeit, lohnt sich aber in jedem Fall. Und selbst für den Fall, dass Sie mit Ihrer Einschätzung falsch lagen: So ein Unfollow kostet auch nur einen Klick.

WeFollow

Wer es etwas bequemer mag, kann auch Online-Tools wie WeFollow nutzen. Die Seite fragt Sie zwar als Erstes, ob Sie sich anmelden möchten – müssen Sie aber nicht. Das Tool lässt sich auch so nutzen.

Bei WeFollow werden Twitterati nach verschiedenen Schlagworten, sogenannten Tags beziehungsweise Kategorien in einer Art Rangfolge aufgelistet. Das sagt zwar nichts über die inhaltliche Qualität der Tweets, wohl aber über die Häufigkeit wie oft das Keyword in den Tweets der Person enthalten ist. Auch das ist ein mögliches Indiz für einen Expertenstatus und damit einen gewissen Einfluss. Wenn Sie sich bei WeFollow anmelden, können Sie aber auch ermitteln, welche Menschen aus Ihrer eigenen Gefolgschaft zu einem bestimmten Begriff besonders einflussreich sind. Hierzu ein Beispiel von meinen Followern zum Thema “Karriere”:

Topsy

Ein vergleichbares Twitter-Tool ist Topsy. Eigentlich eine spezialisierte Twitter-Suchmaschine, mit der Sie auch nach Bildern und Videos fahnden können- Sie enthält aber zugleich eine wertvolle “Experten-Suche”, mit der Sie gezielt Meinungsführer zu logisch verknüpfbaren (AND/OR) Suchbegriffen aufstöbern können. Hier am Beispiel für Bewerbung OR Karriere OR Tipps:

Gut daran: Es wird auch gleich die Anzahl der Erwähnungen mit dazu gelistet – und das klickbar. Heißt: Auch die Erwähnungen oder Retweets sind hier erfasst. Topsy durchsucht auf Wunsch sogar noch das gesamte Social Web nach Experten zu einem bestimmten Thema. Also unbedingt empfehlenswert!

Peerindex & Klout

Einen anderen Ansatz wiederum verfolgen Sozialrang-Aggregatoren wie Peerindex oder Klout. Beide Seiten versuchen aus der gesamten Reichweite einer Person in Sozialen Netzwerken deren Einfluss abzuleiten und in eine metrisch messbare Größe zu übersetzen – etwa den sogenannten Klout-Score oder den Peerindex. Beide Scores sagen natürlich nicht allzu viel über die jeweilige Person aus, sind aber ganz brauchbare Indizien, um eben Influencer zu identifizieren – ebenso die eigenen. Dass beide Social Media Tools recht eigene Metriken und Bewertungsmaßstäbe haben, erkennen Sie im Folgenden Beispiel an meinen unterschiedlichen Rängen aber auch an den überraschend unterschiedlichen Influencern. Also bitte die Ergebnisse nicht allzu eng auslegen, es sind nur Anhaltspunkte.

Peerindex


Klout

Twollow

Dieses Tool erlaubt Ihnen sogar, Twitterern, die über bestimmte Stichwörter plaudern, automatisch zu folgen. Twollow ist praktisch, falls Sie das Gezwitscher über sich selbst und Ihre Marke verfolgen – aber eben auch, wenn Sie den Überblick zu bestimmten Themen behalten wollen. Doch Vorsicht: Wenn Sie zu allgemeine Schlüsselbegriffe wählen, folgen Sie bald sehr vielen Accounts und werden von anderen als Spammer betrachtet, weil Sie vielen folgen, ohne mit denen auch zu kommunizieren.

Sie sehen schon: Influencer und Meinungsführer auf Twitter zu entdecken macht vielleicht ein bisschen Mühe und erfordert etwas technisches Geschick – eine Raketenwissenschaft ist es aber wahrlich auch nicht. Und in zwei bis drei Stunden haben Sie mithilfe dieser Tools locker eine erste gute Auswahl und Basis beisammen, um Ihre Nische zu erobern und mit wichtigen Mitstreitern in Kontakt zu kommen.

99 weitere Twitter-Tools

Apropos: Falls Sie unsere umfassende Liste noch nicht kennen – wir haben schon vor einiger Zeit die 99 besten Twitter-Tools zusammengestellt. Darin enthalten sind auch zahlreiche Dienste zum Reputationsmanagement, zur Twitter-Suche, zum effizienten Twittern oder visualisieren statistischer Auswertungen.