Rentenvorsorge: 5 Fragen, die Sie sich stellen sollten
Private Rentenvorsorge besteht nicht zwingend darin, sich eine Riester-Rente oder Lebensversicherung aufschwatzen zu lassen. Vorsorge beginnt schon vorher, im Kopf - mit einer genauen Einschätzung Ihrer persönlichen Lage. Diese 5 Fragen helfen Ihnen, sich richtig auf den Ruhestand vorzubereiten ...

Rentenvorsorge: Fragezeichen

Die Hans-Böckler-Stiftung präsentierte der Öffentlichkeit gestern neue Zahlen. Demnach beträgt die Rentenkluft zwischen Männern und Frauen in Deutschland satte 40 Prozent beträgt. Konkret erhält eine Frau durchschnittlich 618 Euro aus der gesetzlichen Altersrente, ein Mann 1.037 Euro.

Das ist - unabhängig von der Frage der Geschlechtergerechtigkeit - nicht viel Geld. Kein Wunder also, dass uns so manche Versicherer suggerieren, man solle am besten Tag und Nacht über nichts anderes als seine (private) Altersvorsorge nachdenken - und fleißig in entsprechende Produkte investieren.

Richtig ist: Private Vorsorge beginnt im Kopf. Denn Einkommen und Auskommen im Alter hängen nicht nur von den Rentenzahlungen ab, die aufs eigene Konto fließen. Sondern auch von einigen anderen Paramtern, die Sie selbst beeinflussen können.

Diese fünf Fragen sollten Sie sich vor Ihrem Ruhestand stellen - und beantworten:

Rentenvorsorge: 5 Fragen, die Sie sich stellen sollten

  1. Mit welchen Abgaben müssen Sie rechnen?

    Für die Rentner von morgen gibt es zwei wesentliche Fallen: Erstens wird das Rentenniveau immer weiter abgesenkt, bis 2030 auf voraussichtlich nur noch 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns vor Steuern. Zweitens wird gleichzeitig der Anteil der Rente, der versteuert werden muss, immer weiter angehoben. Hintergrund ist das Alterseinkünftegesetz von 2005. Demnach muss ein Rentner, der 2005 in den Ruhestand gegangen ist, 50 Prozent seiner Einkünfte versteuern. Wer im laufenden Jahr 2016 in Rente geht, muss bereits 72 Prozent seiner Einkünfte mit dem Fiskus teilen. Jedes jahr steigt dieser Anteil nun um weitere zwei Prozent, bis er im Jahr 2040 bei vollen 100 Prozent angelangt ist. Es macht also einen großen finanziellen Unterschied, ob Sie ein Jahr früher oder später in Rente gehen. Dazu kommen noch Sozialabgaben und Abschläge, wenn Sie sich vorzeitig in den Ruhestand verabschieden wollen. Rechnen Sie Ihre Rente also genau durch. Stellen Sie Ihre voraussichtliche Rente, Ihre sonstigen Einnahmen und Ausgaben sorgfältig gegenüber.

  2. Welches Hobby darf’s denn sein?

    Die Lebenserwartung in Deutschland steigt und steigt. Mittlerweile können 65-jährige Frauen damit rechnen, noch weitere 21 Jahre zu leben, 65-jährige Männer immerhin noch mit 17 Bonus-Jahren. Angenommen, Sie gehen mit 63 in Rente, dann haben Sie ungefähr ein Viertel des Weges noch vor sich. Es könnte aber auch deutlich mehr sein, 25, 30 oder 35 Rentenjahre sind so unrealistisch nicht. Grundatzfrage: Wie wollen Sie all Ihre freien Tage verbringen? Welchen Hobbys und Interessen nachgehen? Eine ehrenamtliche Tätigkeit aufnehmen oder sich anderweitig engagieren? Bestimmte Freizeitbeschäftigungen - Stichwort Reisen - sind deutlich kostenintensiver als andere - Stichwort Gartenarbeit. Allein die Adria-Kreuzfahrt verschlingt gut und gerne 2.000 bis 5.000 Euro für zwei Personen, für die Safari in Südafrika müssen Sie 5.000 bis 10.000 Euro locker machen. Freie Zeit kann teuer sein. Diese Frage ist daher wichtig, wenn Sie eine Kostenkalkulation vornehmen. Auf der einen Seite die Kosten, die (teilweise) wegfallen, wie Arbeitskleidung und Benzin etwa. Auf der anderen jene, die neu hinzukommen, Reisen beispielsweise. Rechnen Sie grob durch, was Sie zum Leben benötigen und ob Sie mit Ihre Rente hinkommen. Und wo Sie eventuell den Rotstift ansetzen, um woanders etwas draufpacken zu können.

  3. Werden Sie woanders glücklich?

    Den Lebensabend unter südlicher Sonne verbringen - das ist längst kein exotisches Modell mehr. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt nach eigenen Angaben mittlerweile Renten in über 150 Ländern aus. Hier ist zunächst eine gute Beratung mit dem jeweiligen Versicherungsträger ratsam, bevor man den Sprung ins Ausland wagt. Folgende Fragen sollte man sich stellen: Wie sind die Lebenshaltungskosten vor Ort? Wie die Miet- oder Immobilienpreise? Und auch einen möglichen Rückumzug in die Heimat sollte man mit einkalkulieren. Denn die medizinische Versorgung, auf die man mit zunehmendem Alter angewiesen sein könnte, stellt sich in Thailand, Griechenland oder der Türkei längst nicht so komfortabel dar wie im Allgäu oder in Niederbayern. Auch muss man nicht zwingend die Landesgrenzen hinter sich lassen. Denn: Finanziell lohnt sich auch ein Umzug innerhalb Deutschlands. Eine aktuelle Studie der Postbank kommt zu dem Ergebnis, dass die Preise von Eigentumswohnungen bis 2030 allein aufgrund des Flüchtlingszuzugs in Berlin, Potsdam, Hamburg, Wiesbaden und Bonn am stärksten steigen werden. Zurück gehen sie in strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland und dem Ruhrgebiet, aber zum Beispiel auch in Karlsruhe, Mainz, Augsburg, Kiel und Münster. Mögliche Schlussfolgerung für Ruheständler: Raus aus der wachsenden, teuren Großstadt, rein in die kostengünstigere Provinz. Das ist vor allem dann praktikabel, wenn Sie weder durch Freunde und Familie - oder eine eigene Immobilie an Ihren Wohnort gebunden sind.

  4. Setzen Sie auf kalten Entzug?

    Nicht für alle ist der nassforsche Sprung ins Nichtstuer-Becken erfüllend. Daher eine Frage: Entschleunigen Sie von 100 auf 0 - oder machen Sie einen graduellen Rückzug? Viele Selbstständige sind auch im Rentneralter weiterhin als Berater aktiv. Sogar eine Unternehmensgründung kann - bei finanzieller Ausstattung - eine Option sein. Für einen gleitenden Übergang bieten sich für viele aber wohl am ehesten Mini-Jobs an. Mittlerweile gibt es - dem Internet sei Dank - auch spezielle Jobbörsen für Senioren - das Deutsche Seniorenportal oder Rent-a-Rentner zum Beispiel. Hundesitting, Steuererklärung erstellen, Sprachlehrer, Vertriebler, Hausmeister - das sind Tätigkeiten, für die dort momentan Ruheständler gesucht werden. (an dieser Stelle aber auch noch mal der Hinweis auf unsere eigene, neue Jobbörse Karrieresprung.de) Und noch ein Tipp: Immer mehr Unternehmen greifen auf die Expertise der Senioren zurück - beispielsweise Daimler mit seinen "Space Cowboys" oder Bosch und Otto. Logische Vorteile: Sie verbessern Ihre Einnahmesituation und haben eine fordernde Aufgabe.

  5. Haben Sie einen Notfallplan in der Tasche?

    Als frischgebackener Ruheständler will man nicht den Teufel an die Wand malen - aber finanziell sollte man sich auf das Worst-Case-Szenario durchaus vorbereiten. Und das heißt für viele: Jahrelange Pflegebedürftigkeit, jahrzehntelange gar. Wie bin ich und meine Familie darauf vorbereitet? Wie viel Geld erhalte ich aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und wie viel werde ich privat zusteuern müssen? In diesem Zusammenhang der Hinweis auf das zweite Pflegestärkungsgesetz, das am 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist und Pflegebedürftigkeit neu definiert - was vor allem Demenzkranken zugute kommt. Konkrete Fragen: Haben Sie eine private Pflegeversicherung? Eine Lebensversicherung? Das soll jetzt keineswegs zu einer Werbeveranstaltung für teure Finanzprodukte mutieren, zumal ihr Nutzen sehr umstritten ist, gerade jetzt in Niedrigzinszeiten. Aber Sie sollten zumindest umrissartig einen Notfallplan entwickeln, der den gröbsten Belastungen standhält. Das muss also gar nicht zwingend eine Versicherung sein. Eine bedenkenswerte Frage zum Beispiel: Spare ich - mit einem Sparplan zum Beispiel - vorher eine gewisse Summe an, mit der ich meine Haus, meine Wohnung oder wenigstens das Bad im Fall der Fälle barrierefrei umrüsten kann? Und wie ist eigentlich die finanzielle Siuation meiner Kinder? Denn zum Einen wird es für Pflegebedürftige schwieriger bis unmöglich, sie weiterhin finanziell zu untersützen. Zum anderen werden die Nachkommen teilweise selbst für die Kosten aufkommen müssen. Daher die Frage rechtzeitig und ganz nüchtern analysieren: Was machen wir/ich, wenn es hart auf hart kommt?

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