Keine Gehaltserhöhung – was tun?

Ein Recht auf eine Gehaltserhöhung gibt es in Deutschland nicht – außer durch Tarifvertrag. Wenn Sie trotz Inflation keine Gehaltserhöhung bekommen oder diese abgelehnt wird, bleiben Ihnen dennoch einige Alternativen in der Gehaltsverhandlung, um Ihr Einkommen zu verbessern. Tipps, wie Sie auf eine Ablehnung professionell reagieren – und trotzdem noch etwas für sich herausholen…

Keine Gehaltserhoehung Bekommen Was Tun

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ursachenforschung: Klären Sie im Gehaltsgespräch die Gründe für die Ablehnung. Eventuell werden Ihre Leistungen nicht korrekt bewertet oder der Zeitpunkt ist ungünstig.
  • Reaktion: Bleiben Sie im Gespräch unbedingt sachlich und professionell. Niemals mit Eigenkündigung drohen. Auch Kollegenvergleiche sind tabu.
  • Alternativen: Geben Sie nicht gleich auf, sondern verhandeln Sie Alternativen wie mehr Urlaubstage, bezahlte Fortbildungen, Jobticket, Boni oder steuerfreie Extras.
  • Zielvereinbarung: Legen Sie mit dem Chef fest, welche messbaren Meilensteine für eine künftige Erhöhung nötig sind, und halten Sie die Ziele schriftlich fest.
  • Konsequenzen: Sollten Sie seit Jahren keine Gehaltserhöhung bekommen, bleibt ein Arbeitgeberwechsel als letzte Option.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Gehaltserhöhung?

Anlass

Gehaltsplus

Jobwechsel zum neuen Arbeitgeber 18 %
Tariferhöhung 17 %
Interne Beförderung 16 %
Positive Unternehmensentwicklung 11 %
Zielerreichung 10 %
Beschäftigungsdauer 8 %
Zusätzliche Aufgaben 6 %
Neuer Vorgesetzter 4 %
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Keine Gehaltserhöhung trotz Inflation: Was sind häufige Gründe?

Wenn der Chef die Gehaltserhöhung ablehnt, kann das unterschiedliche Gründe und Ursachen haben. Zu den häufigsten Absagegründen gehören:

  • Schlechte Vorbereitung

    Es ist der häufigste Grund und zugleich größte Fehler in der Gehaltsverhandlung: Ohne gründliche Vorbereitung und starke Argumente, scheitern 90 % der meisten Gehaltsgespräche. Private Faktoren wie gestiegene Lebenshaltungskosten oder Inflation sind übrigens keine guten Argumente.

  • Falscher Zeitpunkt

    Natürlich verhandeln Sie Ihr Gehalt nicht zwischen Tür und Angel, sondern machen dafür einen günstigen Termin. Achten Sie hierbei auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens oder aktuelle Sparmaßnahmen. Diese verhindern Erhöhungen – unabhängig von der eigenen Leistung.

  • Abweichende Bewertung

    Seien Sie unbedingt selbstkritisch und realistisch! Vorgesetzte sehen zwar die Leistungen. Ergibt sich daraus aber kein messbarer Mehrwert für das Unternehmen, ist eine Gehaltserhöhung oft ausgeschlossen.

  • Fehlende Sichtbarkeit

    Vor allem Frauen werden bei der Bezahlung oft diskriminiert. Das gilt aber generell für alle, deren Arbeit und Leistungen unsichtbar bleiben. Viele Gehaltsverhandlungen scheitern an fehlendem Selbstmarketing in der Vergangenheit.

  • Falsche Bescheidenheit

    Wer nicht proaktiv und nachdrücklich nach einer Gehaltserhöhung fragt, kann auch nicht mehr verdienen. Fehlende Eigeninitiative, geringes Selbstbewusstsein oder falsche Bescheidenheit sind die größten Einkommenskiller.

Wer nicht regelmäßig um mehr Gehalt verhandelt, dessen Einkommen und Lebensstandard sinken allein schon durch die Inflation. Üblich sind Gehaltsverhandlungen alle 12-24 Monate. Suchen Sie deshalb regelmäßig das Gespräch mit dem Vorgesetzten und verhandeln Sie eine Gehaltsanpassung.

Arbeitsrecht: Anspruch auf Gleichbehandlung

Der Gleichbehandlungsgrundsatz ist ein zentraler Bestandteil im Arbeitsrecht. Arbeitgeber dürfen vergleichbare Mitarbeiter nicht benachteiligen oder ungleich bezahlen. Wenn kein legaler Differenzierungsgrund (Leistung, Qualifikation, Verantwortung) besteht, haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf eine Gehaltsanpassung. Fühlen Sie sich unfair bezahlt, können Sie auf Basis des Entgelttransparenzgesetzes alle 2 Jahre Auskunft verlangen. Betroffene erfahren dadurch, was Kollegen in gleicher oder gleichwertiger Position verdienen – jedoch nur anonymisiert und deren Medianverdienst (ähnlich dem Durchschnittsgehalt). Bei einer Gehaltsdiskriminierung muss der Arbeitgeber das Gegenteil beweisen – oder das Gehalt angleichen.

Darf ich die Kollegen nach ihrem Gehalt fragen?

Grundsätzlich ist es in Deutschland nicht verboten, Kolleginnen und Kollegen nach ihrem Gehalt zu fragen – es sei denn, im Arbeitsvertrag wurde eine Verschwiegenheitspflicht festgelegt. Allerdings ist das Thema sensibel, viele reagieren auf Gehaltsfragen zurückhaltend oder ablehnend. Je nach Unternehmenskultur wird eher über Gehälter gesprochen. Wichtig ist, dass Sie hierbei respektvoll und diskret vorgehen und die Informationen nicht gegen die Kollegen einsetzen oder deren Namen in der Gehaltsverhandlung nennen.

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Gehaltserhöhung trotz guter Leistung abgelehnt: Was tun?

Ein Recht auf eine Gehaltserhöhung gibt es in Deutschland zwar nicht – außer durch Tarifvertrag. Trotzdem müssen Sie eine Ablehnung vom Chef nicht hinnehmen oder akzeptieren. Merken Sie sich: Jede Verhandlung beginnt mit einem „Nein“ – sonst müsste man nicht verhandeln. Was also tun, wenn Sie keine Gehaltserhöhung bekommen? Wir empfehlen hierfür folgende Strategien:

1. Professionell bleiben

Auch wenn die Enttäuschung groß ist: Reagieren Sie unbedingt ruhig und professionell – so, als hätten Sie mit dem „Nein“ gerechnet. Sagen Sie sachlich, dass Sie mit der Entscheidung unzufrieden sind, und widerlegen Sie diese erneut mit starken Argumenten. Für den Erfolg ist entscheidend, dass Sie selbstbewusst und hartnäckig bleiben.

2. Gründe erfragen

Bitten Sie den Chef darum, nachvollziehbar zu begründen, warum er oder sie die Gehaltserhöhung ablehnt. Dank guter Vorbereitung haben Sie schließlich handfeste Argumente: Sie haben einen realistischen Marktwert ermittelt und Ihre Erfolge in einer Leistungsmappe dokumentiert. Indem der Vorgesetzte seine Ablehnung begründet, sammeln Sie gleichzeitig Punkte, an denen Sie in Zukunft arbeiten können – und die der Chef dann nicht mehr ablehnen kann.

    Beispiel

  • Führungskraft: „Nach den Fehlern im vergangenen Jahr fragen Sie ernsthaft nach mehr Gehalt?“
  • Reaktion: „Es ist nicht alles perfekt gelaufen. Das stimmt. Trotz der Schwierigkeiten konnte ich aber die Kosten um 8 % senken. Zusätzlich habe ich neue Aufgaben übernommen und andere Projekte unterstützt. Was müsste passieren, damit eine Gehaltserhöhung um 10 % möglich ist?“

3. Ziele vereinbaren

Definieren Sie mit dem Chef messbare Ziele oder Meilensteine, an denen Ihre Leistungen bewertet werden (siehe: Zielvereinbarung). Auch dadurch sammeln Sie für das Folgegespräch Argumente für eine durchsetzbare Gehaltsanpassung. Vereinbaren Sie am besten gleich den Folgetermin, um die Entwicklung zu besprechen und die Gehaltsfrage erneut aufzugreifen. So bleiben Sie am Ball und signalisieren Engagement.

    Beispiel

  • Führungskraft: „In Ihrer Position kann ich bei unserem Gehaltsgefüge nicht mehr zahlen.“
  • Reaktion: „Das sehe ich wie Sie. Meine Leistungen und Erfolge in den vergangenen 12 Monaten qualifizieren mich längst für eine höhere Position. Eine Beförderung ist auch mein nächstes Ziel. Lassen Sie uns doch gleich darüber sprechen.“

4. Alternativen verhandeln

Mehr Gehalt ist aktuell nicht drin? Dann verhandeln Sie sofort vorteilhafte Alternativen zur Gehaltserhöhung. Zum Beispiel:

Oft sind solche Benefits für Arbeitgeber steuerfrei und daher attraktiver oder leichter umsetzbar. Auch für Sie selbst können sie einen echten Mehrwert bieten!

    Beispiel

  • Führungskraft: „Eine höhere Bezahlung wäre den Kollegen gegenüber unfair.“
  • Reaktion: „Das wäre korrekt, wenn auch meine Leistungen denen der Kollegen entsprächen. Da sie aber gestiegen sind, ist mein jetziges Gehalt nicht angemessen. Wir können aber gerne über Alternativen sprechen. Was halten Sie zum Beispiel von…?“

5. Permanent dranbleiben

Eine abgelehnte Gehaltserhöhung ist kein Grund, aufzugeben. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen und bleiben Sie dran: Erwähnen Sie Ihre Leistungen regelmäßig im Mitarbeitergespräch und fordern Sie konstruktives Feedback ein. Wer hartnäckig bleibt und seine Entwicklung dokumentiert, hat gute Chancen, seinen Marktwert durchzusetzen. Bekommen Sie jedoch über Jahre hinweg keine Gehaltserhöhung, sollten Sie den Arbeitgeber und den Job auf den Prüfstein stellen: Wie gut sind Ihre Entwicklungsmöglichkeiten? Wer trotz aller Bemühungen dauerhaft keine Wertschätzung oder Perspektive erfährt, sollte über einen Jobwechsel nachdenken.

Bewährtes Coaching für mehr Geld

Fühlen Sie sich unterbezahlt oder weiterhin nicht sicher genug für eine Gehaltsverhandlung? Dann nutzen Sie gerne unser erprobtes Gehaltscoaching und unsere einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung für bis zu 30 % mehr Gehalt. Wir haben unsere besten Tipps und Erfahrungen in 5 Modulen, 3 Stunden Videos und mehr als 120 Seiten Begleitmaterial zusammengefasst:

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Versprochene Gehaltserhöhung nicht bekommen – und jetzt?

Wenn eine versprochene Gehaltserhöhung ausbleibt, sollten Sie zunächst das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen, um die Gründe zu klären. Dabei ist es wichtig zu prüfen, ob es Nachweise für die Zusage gibt, etwa im Arbeitsvertrag, in E-Mails oder durch Zeugen. Grundsätzlich sind auch mündliche Zusagen rechtlich bindend, jedoch schwer zu beweisen, weshalb Sie immer eine schriftliche Vereinbarung treffen sollten. Bleibt die Erhöhung weiterhin aus, können Sie die Auszahlung schriftlich einfordern und eine angemessene Frist setzen. Bei Bedarf ist es möglich, den Betriebsrat oder die Personalabteilung einzuschalten. Zeigt sich der Arbeitgeber dauerhaft uneinsichtig, kann ein Jobwechsel eine sinnvolle Alternative sein. Eine Klage auf Gehaltserhöhung ist zwar grundsätzlich möglich, scheitert jedoch häufig an fehlenden Beweisen, wenn keine schriftliche Vereinbarung vorliegt.

Wie viel Gehalt kann ich verlangen?

Wie hoch eine Gehaltserhöhung ausfällt, hängt von den bisherigen Leistungen, der Branche und dem Anlass der Gehaltsverhandlung ab. Im Durchschnitt können Sie zwischen 3-10 % mehr Gehalt aushandeln. Bei einem externen Jobwechsel sind oft bis zu 20 Prozent möglich. Als Faustregel können Sie sich merken:

Anlass

Gehaltsplus

Gehaltsverhandlung nach Probezeit + 2-3 %
Gehaltsverhandlung nach 1 Jahr + 3-5 %
Mehr Verantwortung, neue Aufgaben + 7-10 %
Beförderung + 10-15 %
Abwerbung + 15-20 %

Tipp: Sprechen Sie im Gespräch immer von einer „Gehaltsanpassung“, nicht von einer „Gehaltserhöhung“. Erhöhung klingt zu sehr nach „mehr Geld bezahlen“ ohne Grund. Bei einer „Anpassung“ schwingt mit, dass etwas bisher nicht korrekt war und angepasst werden muss.

Was sind gute Argumente für die Gehaltserhöhung?

Zu den überzeugendsten Argumenten für ein Gehaltsplus gehören:

  1. Messbare Leistungen

    Bisherige Projekte und Erfolge, Umsatzsteigerung, Kostensenkung, mehr Kundenzufriedenheit, höhere Produktivität oder Effizienz der Arbeit sind die stärksten Argumente.

  2. Zusätzliche Aufgaben

    Wer nachweisbar mehr Aufgaben, Projekte oder Verantwortung übernimmt als im Arbeitsvertrag steht, verdient auch mehr Gehalt.

  3. Relevante Weiterbildungen

    Zusatzqualifikationen oder relevante Soft Skills erhöhen den Marktwert und Mehrwert für das Unternehmen und erweitern das Aufgabenspektrum.

  4. Positive Unternehmensentwicklung

    Entwickeln sich Unternehmen, Umsatz und Gewinne prächtig, ist das auch Ihr Verdienst, an dem Sie mitverdienen sollten.

  5. Besseres Jobangebot

    Gute Fachkräfte sind rar und werden stark umworben. Zwar sollten Sie den Chef niemals mit einem Jobangebot erpressen – es ist aber eine gute Verhandlungsbasis.

Wann ist ein guter Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung?

Einige Zeitpunkte sind besonders geeignet, um das Thema Gehaltserhöhung zu besprechen:

  • Feedbackgespräch

    In vielen Unternehmen werden regelmäßig Feedbackgespräche mit den Mitarbeitern geführt. Dabei werden Leistungen bewertet und neue Ziele vereinbart. Das ist ein guter Zeitpunkt für eine Gehaltsanpassung – insbesondere, wenn Sie positives Feedback erhalten.

  • Ende der Probezeit

    Haben Sie die Probezeit bestanden, ist der Zeitpunkt günstig, nochmals die Höhe des Gehalts anzusprechen – erst recht, wenn das ursprüngliche Gehalt unter Ihren Erwartungen lag. Die erfolgreich abgeschlossene Probezeit zeigt, dass Sie alle Erwartungen erfüllen.

  • Ende der Befristung

    Läuft ein befristeter Arbeitsvertrag aus, und der Arbeitgeber möchte weiterhin mit Ihnen zusammenarbeiten, sollten Sie ebenfalls eine Gehaltsanpassung verhandeln.

  • Beförderung

    Durch eine Beförderung wachsen die Aufgaben, Herausforderungen sowie die Verantwortung. Gleichzeitig sagt die Beförderung, dass Ihre Leistungen top sind. Das indirekte Kompliment rechtfertigt in jedem Fall eine Gehaltserhöhung.

  • Erfolgreicher Projektabschluss

    Wenn Sie ein bedeutendes Projekt erfolgreich abgeschlossen und dadurch einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg geleistet haben, ist dies ein perfekter Zeitpunkt für eine Gehaltssteigerung. Ihre Erfolge dienen als starke Argumente für mehr Geld.

Natürlich ist es frustrierend, wenn man sich engagiert und am Ende mit leeren Händen aus dem Gehaltsgespräch geht. Aber Kopf hoch: Ein „Nein“ ist kein „Nie“. Wichtig ist, dass Sie immer die Gründe für die Ablehnung analysieren und unterscheiden zwischen „Wir können nicht“ oder „Wir wollen nicht“. Letzteres könnte ein Hinweis darauf sein, dass es Zeit ist, den Job und Arbeitgeber zu wechseln.


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