Atempause: Mehr Zeit zum Durchatmen

Der Tag ist absolut vollgepackt. Schon am frühen Morgen geht es los: Schnell frühstücken, den Kaffee für unterwegs mitnehmen und raus aus dem Haus. Während der Fahrt schon einmal im Kopf die kommenden Aufgaben und Projekte durchgehen, dann im Job direkt voll loslegen und acht Stunden Vollgas geben. Eine Atempause? Daran denkt kaum jemand, stattdessen geht es immer Schlag auf Schlag und die ToDo Liste wird stetig länger. Aktionismus und falsch interpretierte Leistungsbereitschaft führen dazu, dass Pausen und Auszeiten zur Mangelware werden. Ein Fehler, denn wer sich selbst keine Atempause gönnt, befindet sich meist auf direktem Weg in die Überarbeitung und schadet damit langfristig seiner Gesundheit…

Atempause: Mehr Zeit zum Durchatmen

Die Vorteile einer Atempause im Alltag

Eine Atempause kann ich mir nicht nehmen, schließlich bin ich produktiv und erfolgreich… Es ist leider eine weit verbreitete Meinung, dass Pausen dem Erfolg im Weg stehen. Richtige Macher müssen den ganzen Tag arbeiten, um 6 Uhr morgens anfangen und nicht vor 23 Uhr aufhören. Schwachsinn!

Die Realität zeigt immer wieder, dass es ohne Atempausen nicht geht. Menschen sind nun einmal keine Maschinen, die rund um die Uhr 120 Prozent geben können. Falsch ist auch die Annahme, dass es sinnvoll oder von Vorteil wäre, eine Atempause auszulassen, um mehr Zeit in die Arbeit zu investieren. Längst besteht kein Zweifel mehr daran, dass stundenlanges Schuften nicht produktiver macht, sondern die Arbeitsleistung nur dauerhaft nachlässt und zudem mehr Fehler gemacht werden.

Schon dieser Vorteil allein sollte Grund genug sein, um regelmäßig eine Atempause zum Verschnaufen einzulegen, doch gibt es weitere Argumente, die dafür sprechen:

  • Sie achten auf Ihre Gesundheit

    Wenn die Kraft- und Energiereserven des Körpers aufgebraucht sind, braucht dieser eine Atempause. Wer dann krampfhaft weitermacht und sich über seine Grenzen erschöpft, riskiert damit auch seine Gesundheit. Von ersten Symptomen wie Kopfschmerzen über Erkrankungen wie einer Grippe bis zu ernsten Erschöpfungserscheinungen oder einem Burnout ist das Risiko für die Gesundheit groß.

  • Sie gehen besser mit Stress um

    Es ist sehr anstrengend, mit Stress im Job oder im Privatleben umzugehen. Je ausgelaugter Sie ohnehin schon sind, desto anfälliger sind Sie für stressbedingten Frust und Ärger. Ihnen wird alles zu viel und verlieren zunehmend die Kontrolle über die Situation. Schon eine Atempause kann ausreichen, um wieder Herr oder Frau der Lage zu werden.

  • Sie pflegen bessere Beziehungen

    Auch auf die Beziehung zu Kollegen, Freunden und Ihrem Partner können sich fehlende Atempausen auswirken. Jeder kennt es: Wenn die Kraft ausgeht, ist man gereizt und lässt es an anderen aus. Das führt zu Streit, der niemals entstanden wäre, wenn Sie sich frühzeitig eine Pause gegönnt hätten.

Atempause: Warum nimmt sich niemand die Zeit?

Atempause Erholung Durchatmen Verschnaufen Ausruhen PauseManchmal wird eine Atempause aus Unwissenheit nicht ernst genug genommen, doch leider verzichten viele trotz besseren Wissens auf genügend Zeit zum Verschnaufen. Schuld daran ist oft eine grundsätzlich falsche Mentalität, die aus der Leistungsgesellschaft und dem Konkurrenzdruck entsteht. Motto: Wer nichts tut, verliert den Anschluss, kann nicht mithalten und ist schlechter als die anderen.

Also wird geackert, geschuftet und geleistet, damit immer etwas getan wird. Atempausen verkommen zu einem Zeichen der Schwäche, eine Oase, die nur jene brauchen, die nicht stark genug sind oder nicht genug Willen besitzen, um von alleine durchzuhalten.

Es ist ein trauriger Fakt, dass es für viele mit Scham verbunden ist, sich selbst und anderen einzugestehen, dass sie eine Atempause benötigen, da sie sonst ans Ende ihrer Kräfte kommen. Ändern lässt sich das langfristig nur durch ein Umdenken und dem richtigen Umgang – sowohl bei sich selbst, als auch bei anderen.

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und machen Sie Atempausen, wenn Sie diese benötigen. Sprechen Sie das Thema zudem offen an und ermutigen Sie so auch Ihr Umfeld dazu, mehr auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sich nicht selbst zu überlasten, um den scheinbaren Erwartungen von außen gerecht zu werden.

Atempause: So einfach kann es sein

Atempausen sollen Ihre Reserven wieder auffüllen, Ihnen einen kleinen Zeitraum zum Durchatmen geben und zur Erholung beitragen. Dazu braucht es nicht viel, außer die Bereitschaft, sich selbst an einem ansonsten stressigen Tag eben diese Zeit zu nehmen.

Damit es Ihnen auch wirklich gelingt, haben wir ein paar einfache Tipps gesammelt, mit denen Sie die ein oder andere Atempause in Ihren (Berufs-)Alltag einbauen können:

  • Planen Sie die Atempause von Anfang an ein

    Warum den Tag von der ersten bis zur letzten Minute vollstopfen? Wenn Sie beispielsweise Ihren Arbeitstag planen, können Sie von Anfang an eine halbe Stunde Freiraum lassen, die Sie als Atempause in der Mitte nutzen können. So bleibt Ihnen ganz automatisch ein wenig Luft zwischen all den stressigen Projekten und Sie können durchatmen, statt direkt in die nächste Aufgabe zu hetzen.

  • Suchen Sie andere, die mitmachen

    Sie fühlen sich schlecht, wenn Sie alleine eine Atempause machen, während die anderen weiterarbeiten? Dann suchen Sie sich Mitstreiter, mit denen Sie gemeinsam eine Pause machen. Ihren Kollegen geht es vermutlich genau wie Ihnen selbst – sie würden gerne eine Auszeit einlegen, trauen sich aber nicht. Fragen Sie nach, ob nicht jemand gemeinsam mit Ihnen für ein paar Minuten die Arbeit ruhen lassen will, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

  • Gehen Sie an die frische Luft

    Den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen und höchstens ab und zu zur Kaffeemaschine gehen? Eine Fehler, denn für eine wirkliche Atempause ist es zu empfehlen, den Arbeitsplatz links liegen zu lassen. Gehen Sie beispielsweise eine Runde vor die Tür, genießen Sie die frische Luft und vertreten Sie sich dabei die Beine. Wenn ein Kollege mitkommt, können Sie sich dabei noch nett unterhalten und kommen schnell zu neuer Energie.

  • Machen Sie sich nicht verrückt

    Ganz wichtig: Ihr Chef guckt Ihnen nicht dauerhaft über die Schulter und Sie bekommen auch nicht gleich eine Abmahnung, wenn Sie eine kleine Atempause einlegen, weil die Konzentration nachlässt. Sie haben schließlich auch ein Recht auf genügend Pausen – und am Ende ist es auch im Interesse Ihres Arbeitgebers, dass Sie erholt und motiviert Bestleistungen abrufen, statt sich völlig überarbeitet von Fehler zu Fehler zu schleppen.

[Bildnachweis: Leszek Glasner by Shutterstock.com]
5. Juli 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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