Degradierung im Job: So wehren Sie sich

Nach einem Aufstieg kann die Karriere auch wieder bergab gehen. Degradierung im Job kann Vorgesetzte, Führungskräfte, Abteilung- oder Teamleiter und andere Mitarbeiter in verantwortungsvollen Positionen treffen. Gerade noch in leitender Position werden Betroffene auf einen niedrigeren Posten degradiert. Weniger Verantwortung, keine Führungsrolle, unwichtigere Aufgaben. Ein herber Schlag – aber ist dieser erlaubt? Was Sie zur Degradierung im Job wissen müssen und wie Sie sich gegen den erzwungenen Karriererückschritt wehren können…

Degradierung im Job: So wehren Sie sich

Anzeige

Was ist Degradierung im Job?

Degradierung bezeichnet das Herunter- oder Zurückstufen in einer Hierarchie. Im Unternehmen bedeutet es, dass ein Mitarbeiter von einer zuvor höheren Position auf eine niedrigere Stufe zurückfällt. Häufigstes Beispiel sind Chefs, denen die Führungsposition entzogen wird. Von einer Rolle mit Führungs- und Personalverantwortung sollen diese dann nur noch als Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden.

Warum kommt es zur Degradierung?

Die genauen Ursachen und Hintergründe für eine Degradierung im Job sind meist sehr individuell. Möglicherweise sind Vorgesetzte bei noch höheren Positionen in Ungnade gefallen. Als Konsequenz wird Macht ausgespielt und die berufliche Position herabgestuft. Ein schwerer Schritt, denn die nachhaltige Rufschädigung erschwert nachfolgende Karriereschritte.

Es muss aber nicht zwangsläufig eine Auseinandersetzung vorausgegangen sein. Andere Gründe für eine Degradierung im Job sind:

  • Neubesetzung
    Es wird extern ein Experte eingestellt oder ein vielversprechender interner Kandidat ist bereit für größere Aufgaben – beides kann zu einer Neubesetzung bisheriger Positionen führen. Heißt auch: Aktuelle Stelleninhaber müssen Platz machen und werden möglicherweise degradiert.
  • Mangelnde Erfolge
    Je höher die Position, desto höher die Erwartungen. Sind die Erfolge des Teams oder der Abteilung nicht groß genug, trägt das Führungspersonal die Verantwortung.
  • Verjüngung
    Dies wird nicht offiziell kommuniziert, doch werden Führungskräfte auch im Zuge von Modernisierungen degradiert. Mit jüngerem Personal in leitenden Positionen soll frischer Wind in Teams und Abteilungen gebracht werden.
Anzeige

Ablauf: Verschiedene Wege der Degradierung im Job

Eine Degradierung im Job läuft nicht immer gleich ab. Unternehmen greifen zu verschiedenen Maßnahmen, um am Stuhl eines Vorgesetzten zu sägen und eine Abstufung in der Hierarchie zu erreichen:

  • Personal neu verteilen
    Mitarbeiter werden anderen Projekten zugeordnet, berichten plötzlich an einen anderen Bereich und nehmen an anderen Meetings teil. Mit der Zeit nimmt die Personalverantwortung immer weiter ab.
  • Aufgaben delegieren
    Führungskräfte erhalten immer weniger Aufgaben, die Abteilung bekommt keine Projekte mehr zugeordnet und vorhandene Aufgaben werden neu delegiert. Die Degradierung im Job erfolgt über erzwungenes Nichtstun, bis die Stelle gänzlich abgebaut wird oder eine der folgenden Maßnahmen ergriffen wird.
  • Versetzung
    Ein häufiger Versuch zur Degradierung im Job ist eine Versetzung. Mitarbeiter werden auf einen neuen Posten versetzt, der von Anfang auf geringere Verantwortung und weniger Einfluss ausgerichtet ist.
  • Änderungskündigung
    Mit einer Änderungskündigung stellen Unternehmen ihre Führungskräfte vor die Wahl: Degradierung in einen anderen Job oder Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Wer seinen Job nicht komplett verlieren will, muss sich mit den neuen Rahmenbedingungen abfinden.

Ist eine Degradierung im Job erlaubt?

Betroffene fühlen sich in einer solchen Situation unfair und schlecht behandelt. Eine Position, für die lange gearbeitet wurde, möchte man sich nicht durch Degradierung aberkennen lassen. Stellt sich die Frage: Können Unternehmen einen Mitarbeiter tatsächlich degradieren? Die gute Nachricht: Nein, das ist in vielen Fällen nicht möglich. Im Arbeitsvertrag werden Position, Aufgaben und Gehalt vereinbart.

Durch sein Weisungsrecht darf der Arbeitgeber zwar einige Faktoren beeinflussen, eine Versetzung auf eine anderen – schlechtere – Position ist hingegen nicht erlaubt. Dabei ist es unerheblich, ob das Gehalt reduziert wird. Selbst eine Degradierung auf eine Position mit weniger Verantwortung bei gleichbleibender Bezahlung ist nicht rechtens.

Arbeitgeber können diese Vereinbarung nicht einfach einseitig ändern. Wer beispielsweise als Leiter der Marketingabteilung eingestellt ist, muss sich nicht auf die Position eines Mitarbeiters im Marketing degradieren lassen. Eine Ausnahme ist die oben genannte Änderungskündigung. Sind die Voraussetzungen dafür erfüllt und die Änderungskündigung ist rechtens, kann damit eine Degradierung im Job erreicht werden.

Anzeige

Das können Sie gegen die Degradierung tun

Der erste Tipp lautet: Handeln Sie frühzeitig. Sobald Sie das Gefühl haben, dass Sie an Ihrer Position gerüttelt wird, sollten Sie aktiv werden. Warten Sie nicht ab, wie sich die Situation entwickelt. Je länger Sie warten und sich stillschweigend mit der voranschreitenden Degradierung abfinden, desto schwieriger ist es, sich gegen diese zu wehren. Aber wie? So können Sie vorgehen:

  • Arbeitsvertrag kontrollieren
    Zunächst hilft ein genauer Blick in Ihren Arbeitsvertrag. Welche Aufgaben wurden festgelegt, welche Position genannt? Genaue Absprachen sind ein Vorteil für Sie, weil Sie sich darauf berufen können.
  • Gespräch suchen
    Zu Beginn kann der Dialog mit dem Arbeitgeber helfen. Vielleicht ist es ein Missverständnis oder es kann eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Vereinbaren Sie ein Gespräch mit der Personalabteilung oder dem nächsthöheren Ansprechpartner.
  • Betriebsrat informieren
    Falls es in Ihrem Unternehmen einen Betriebsrat gibt, sollten Sie diesen über eine Degradierung im Job informieren. Dieser kann Ihnen helfen, Ihre Rechte durchzusetzen und informiert Sie auch über Ihre Optionen.
  • Anwalt einschalten
    Da eine Degradierung in vielen Situationen nicht rechtens ist, sollten Sie einen Anwalt für Arbeitsrecht einschalten. Dieser kann die individuelle Lage genau einschätzen und erklärt Ihnen, was der Arbeitgeber darf – und was nicht. Im Falle einer Änderungskündigung kann er Sie auch beraten, ob eine Kündigungsschutzklage sinnvoll und aussichtsreich ist.

Was andere Leser dazu gelesen haben

[Bildnachweis: Dallaz by Shutterstock.com]
Anzeige
★★★★★ Bewertung: 4,93/5 - 134 Bewertungen.
25. November 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

Weiter zur Startseite