Freelancer, Freiberufler oder Selbstständiger: Die Unterschiede

Ein Gastbeitrag von Thomas Maas und Maria Dimartino

Jeder hat schon einmal die Begriffe Freelancer, Freiberufler und Selbstständiger gehört und weiß in etwa auch, um was für eine Art von Beschäftigungsverhältnis es sich dabei handelt. Grundsätzlich werden darunter Personen verstanden, die in keinem festen Arbeitsverhältnis stehen, sondern stets an verschiedenen Projekten bei unterschiedlichen Unternehmen arbeiten. Die Begriffe „Freelancer“, „Freiberufler“ und „Selbstständiger“ werden dabei oft als Synonym verwendet – doch ist das überhaupt richtig? Nicht unbedingt, denn obwohl sich die drei Bezeichnungen recht ähnlich sind, verbirgt sich hinter jeder eine andere Herkunft und – viel wichtiger – eine genaue Abgrenzung. Dabei ist zu beachten, dass mit dieser Abgrenzung gewisse Rechte und Pflichten einhergehen…

Freelancer, Freiberufler oder Selbstständiger: Die Unterschiede

Motivation: Warum heute noch selbstständig machen?

Im Rahmen des Freelancer-Kompasses wurde bei aktiven Freelancern nach den Gründen der Selbständigkeit und den Vorteilen nachgefragt. Fast Dreiviertel der Befragten gaben an, hochzufrieden mit dem Einkommen zu sein (73,11 Prozent). Noch höher ist der Antrieb für sie, weiterhin als Freelancer zu arbeiten (84,26 Prozent).

In den letzten Jahren erlebte die Branche einen kontinuierlichen Aufschwung, was sich auch am steigenden Stundenlohn zeigt. Aktuell liegt der durchschnittliche Stundensatz bei 87,36 Euro, was auch durch den anhaltenden Fachkräftemangel und der fortschreitenden digitalen Transformation in der Industrie begründet ist. Wesentliche Kriterien für „freie“ Experten sind aber auch vor allem durch persönliche Motive entscheidend.

Die eigene Verantwortung haben, sein eigener Chef zu sein oder selbst etwas Großes zu erschaffen, sind die wichtigsten Gründe, um projektbasiert und befristet mit unterschiedlichen Auftraggebern zusammenzuarbeiten. Auch die Themen Work-Life-Balance, Entscheidungsfreiheit und berufliche Abwechslung sind ausschlaggebend für Freelancer, Selbstständige und Freiberufler. Weitere Motivationen für Freelancer:

  • Zusätzliches Einkommen: Viele Arbeitnehmer sind nebenberuflich selbstständig tätig und lernen so die Vorzüge der freien Projektarbeit kennen.
  • Festanstellungen werden seltener: In Unternehmen sind unbefristete Verträge nicht mehr garantiert, daher ist der Schritt zu einer flexiblen projektbezogenen Anstellung nicht weit.
  • Junge Talente möchten eigenständig sein: Die jüngere Generation sehnt sich zunehmend danach, etwas zu gestalten und ist mutiger, eine freie Beschäftigung als Selbstständiger, Freelancer oder Freiberufler anzunehmen.
  • Gründen war noch nie so einfach: Eine Gewerbeanmeldung kostet von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Für einen Betrag ab 15 Euro können sich Entrepreneure selbstständig machen.

Auf der einen Seite stehen die Freelancer, auf der anderen die Unternehmen, die auf der Suche nach Experten auf Projektbasis sind. Vor allem Arbeitgeber in der IT-Branche beklagen einen stetig wachsenden Fachkräftemangel. Die Deckung dieses Personalbedarfs durch eine langfristige Bindung von spezialisiertem Wissen über Projektzeiten hinaus ist jedoch sehr kostspielig und auf Dauer in vielen Fällen nicht rentabel.

Um Leerlaufzeiten von festangestellten Mitarbeitern zu vermeiden, greifen immer mehr Unternehmen auf die projektbezogene Einstellung von Freelancern zurück. Durch die Beschäftigung von Freelancern können Unternehmen flexibel auf den Bedarf an Experten reagieren und profitieren dabei langfristig von externem Branchen-Know-how und einem nachhaltigen Wissenstransfer.

Diese Entwicklung in der Personalplanung spiegelt sich auch in den Ergebnissen des aktuellen Freelancer-Kompasses 2017 wider. Demnach prognostizieren rund ein Drittel der befragten Freelancer eine noch positivere Auftragslage in 2018.

Mit ihrem Expertenwissen werden Freelancer vor allem im Rahmen von IT-Projekten immer wichtiger für die deutsche Wirtschaft und spielen im digitalen Wandel eine herausragende Rolle.

Definition Freiberufler: Wer gehört dazu?

Der Begriff Freiberufler stammt aus dem Steuerrecht, wo in § 18 des Einkommenssteuergesetzes (EStG) die Einkünfte aus freiberuflichen Tätigkeiten beschrieben werden. Eben diese Einkünfte können nur Freiberufler haben, die in sogenannten Katalogberufen arbeiten.

Zu diesen zählen unter anderem laut EStG: Ärzte, Steuerberater, Notare, Wirtschaftsprüfer, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure oder Personen, die einer wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Tätigkeit nachgehen und ähnliche Berufe.

Rechtsanwältin und Autorin Maria Dimartino erklärt dazu: Wer Freiberufler ist lässt sich relativ leicht ermitteln, dies ergibt sich nämlich ausschließlich aus dem Gesetz (§ 18 EstG), hier sind die sog. freien Berufe abschließend aufgezählt. Schwierig ist jedoch im Einzelfall die Abgrenzung bei Personen, die einer künstlerischen, schriftstellerischen oder erzieherischen Tätigkeit nachgehen sowie ähnliche Berufe. Hier wird in der Regel vom Finanzamt auch der Nachweis einer besonderen Eignung verlangt.

Freiberufler führen eine gewisse Tätigkeit für ein Unternehmen aus, sind aber keine Angestellten und verfügen über mehr Risiken aber auch Freiheiten. Sie agieren relativ frei von Weisungen des Auftraggebers. Überdies wird die Beschäftigung des Freiberuflers im Gegensatz zu der des Freelancers lediglich beim Finanzamt angemeldet und stellt kein Gewerbe dar.

Letzteres hat zur Folge, dass die Tätigkeit auch keiner Gewerbeaufsicht bedarf und zudem von der Gewerbesteuer befreit ist. Hinzu kommt, dass Freiberufler kein Mitglied der Handelskammer sein müssen und nicht zur Buchführung verpflichtet sind.

Dennoch sind viele Freiberufler Zwangsmitglieder in eigenen Kammern zum Beispiel Ärztekammer, Steuerberaterkammer, Rechtsanwaltskammer, Architektenkammer und entrichten dort Abgaben, erläutert Maria Dimartino weiter.

Hier sind Freiberufler gefragt

Freiberufler Freelancer Selbstständige Unterschied DefinitionGemäß der Freiberufler-Definition sind vor allem die Bereiche Gesundheits- und Steuerwesen Branchen, in denen die freien Experten gefragt sind. Kanzleien haben derzeit einen großen Personalengpass, da nur wenig Steuer-Profis nachrücken und müssen potenzielle Mandanten ablehnen. Wesentlich besorgniserregender wirkt da das Ausbleiben spezialisierter Experten im Gesundheitswesen. Laut PWC-Studie steht in diesem Bereich in den Jahren 2020 und 2030 ein dramatischer Anstieg des Personalmangels bevor.

Finanzen und Steuern – darauf müssen Freiberufler achten

Kranken-, Pflege-, Sozialversicherung und auch die Altersvorsorge müssen von Freiberuflern vollständig selbst getragen werden. Folglich sinkt zugleich das Nettoentgelt. Das bedeutet bei einem Honorarvertrag für freie Mitarbeiter, dass der verhandelte Stundensatz diese Aufwendungen abdeckt.

Gerade im Bereich Steuerwesen müssen Selbstständige und Freiberufler einiges beachten. Bei einem freien Beruf nach Einkommenssteuergesetz sind Freiberufler dazu verpflichtet, sich beim zuständigen Finanzamt vorzustellen, da sie einkommensteuerpflichtig sind. Die Beitragshöhe ist davon abhängig, wie viel Gewinn verzeichnet wurde.

Mithilfe des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung wird die freiberufliche oder selbstständige Tätigkeit klassifiziert. Bei einer freiberuflichen Tätigkeit entfällt die Gewerbesteuer. Und weiter: Ist im ersten Jahr der Umsatz geringer als 17.500 Euro, besteht kein Zwang für eine Umsatzsteueranmeldung. Einzig die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ist vorzunehmen. Eine doppelte Buchführungspflicht besteht ebenso nicht.

Definition Freelancer: Wer gehört dazu?

Im Wesentlichen ist der Begriff Freelancer lediglich die englische Bezeichnung für „freier Mitarbeiter“ und ist eine Form des Selbstständigen beziehungsweise Freiberuflers. Insbesondere das frei ist bezeichnend bei der Unterscheidung: Als selbstständiger Dienstleister hat er keine Mitarbeiter und kann seine Leistung jedem Unternehmen frei zur Verfügung stellen.

Als flexibler Mitarbeiter ist dieser weder in die generellen Arbeitsabläufe des Unternehmens eingebunden, noch weisungsgebunden, sondern arbeitet vorrangig autark an dem jeweiligen (Teil-)Projekt. Ein Freelancer ist vorwiegend in den Bereichen Medien, Werbung und IT tätig. Zudem kann ein Freelancer auch für mehrere Auftraggeber tätig sein und die Akquise von Auftraggebern erfolgt meist eigenständig.

Ebenso können freie Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen in Bezug auf Arbeitszeit und Einsatzort eigenständig gestalten. Darüber hinaus erhalten Freelancer kein regelmäßiges, festes monatliches Einkommen, sondern werden in der Regel stundenweise oder über eine pauschale Vergütung entlohnt.

Eine genauere Definition eines Freelancers liefert Rechtsanwältin Maria Dimartino: Freelancer beziehungsweise freie Mitarbeiter sind Selbstständige. Wer selbstständig ist, ergibt sich nach einer Gesamtschau von mehreren Kriterien. Das Gesetz definiert zum Beispiel in § 84 Absatz 1 Satz 2 Handelsgesetzbuch (HGB) wer als selbstständig gilt. Darin heißt es: Selbstständig ist, wer im Wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann.

Abzugrenzen ist dies von einer nichtselbstständigen Beschäftigung nach § 7 viertes Sozialgesetzbuch (SGB IV). Hiernach sind Anhaltspunkte für eine Beschäftigung eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers.

Auch im neuen § 611a BGB wird nun der von der Rechtsprechung entwickelte Arbeitnehmerbegriff definiert. „Durch den Arbeitsvertrag wird der Arbeitnehmer im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet. Das Weisungsrecht kann Inhalt, Durchführung, Zeit und Ort der Tätigkeit betreffen. Weisungsgebunden ist, wer nicht im Wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann (…).“

Hier sind Freelancer gefragt

Freiberufler Freelancer Selbstständige Unterschied AbgrenzungFreelancer sind gefragter denn je: Laut der Marktsegmentstudie („Der Markt für Rekrutierung, Vermittlung und Steuerung von IT-Freelancern in Deutschland“) sind deutsche Fachkräfte ausgelastet, speziell im IT- und Engineering-Bereich. Viel schlimmer: Es besteht großer Bedarf an heranwachsenden, talentierten IT- und Engineering-Profis.

Finanzen und Steuern – darauf müssen Freelancer achten

Großer Wert sollte auf der langfristigen (Finanz-)Planung liegen, denn speziell im Freelancer-Geschäft, können mit dem Ende projektbezogener Zusammenarbeiten bei laufenden Kosten finanzielle Engpässe drohen. Während bei dem Beruf des Freiberuflers die Gewerbesteuer komplett entfällt, ist der Freelancer gemeldet und somit gewerbesteuerpflichtig. Außerdem fallen Steuervorauszahlungen an, die dem Staat zugehen.

Maria Dimartino fügt hinzu: Hilfreich im Zusammenhang mit Finanzen und Steuern ist es vor Eintritt in die Selbstständigkeit einen Businessplan zu erstellen. Außerdem sollten Prognosen für die nächsten drei bis fünf Jahre gemacht werden, um diese anschließend zusammen mit einem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer durchzugehen.

Definition Selbstständige: Wer gehört dazu?

Freiberufler sowie Freelancer üben selbstständige Tätigkeiten aus. Die Definition von Selbstständigen ist dabei recht einfach: Wer nicht in einem Angestellten- oder Ausbildungsverhältnis arbeitet, der ist selbstständig. Alle anderen Berufe, die nicht bereits zuvor genannt wurden oder Tätigkeiten, bei denen kein Warenhandel stattfindet, werden als gewerblich bezeichnet.

Abgesehen davon können Selbstständige sowohl gewerblich, also als Freelancer, als auch freiberuflich sein. Die Entscheidung über diese Bezeichnung trifft letztlich jedoch das Finanzamt, das aufgrund bestimmter Kriterien die Einteilung der Selbstständigen vornimmt.

Fazit: Hauptsache unabhängig vom Arbeitgeber

Zwischen den Bezeichnungen Freelancer, Selbstständige und Freiberufler gibt es vorwiegend rechtliche Unterschiede. Speziell der Wegfall der Gewerbesteuer bei freiberuflicher Tätigkeit ist sehr attraktiv und daher der Status Freiberufler lukrativ.

Dieser rechtliche Aspekt wird oftmals vernachlässigt. Dies führt dazu, dass die Unterschiede zwischen den Bezeichnungen vielen nicht geläufig sind und oft als Synonyme füreinander verwendet werden. Um eine bessere Unterscheidung treffen zu können, kann schlussendlich festgehalten werden:

Ein Freiberufler kann zwar als Freelancer tätig sein, dieser kann allerdings nicht unbedingt freiberufliche Tätigkeiten ausführen.

Im Endeffekt ist die präzise Unterscheidung zwar etwas müßig, aber im Einzelfall – spätestens im Hinblick auf die Anmeldung beim Finanzamt – entscheidend. Die örtliche Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer (HK) oder die jeweiligen Kammern für freie Berufe sind gute Anlaufstellen, um Informationen zur Gründung und spezielle Angeboten für Gründer einzuholen

Über die Autoren

Thomas Maas war bereits selbst als Freelancer tätig. Heute ist er CEO von freelancermap und setzt sich auf seiner Plattform dafür ein, dass professionelle Freelancer, Freiberufler, Selbstständige und Unternehmen für die Arbeit an spannenden Projekten zusammenfinden können.

Maria Dimartino ist als selbstständige Rechtsanwältin, Referentin, Autorin sowie Lehrbeauftragte auf dem Gebiet des Arbeitsrechts und Beschäftigtendatenschutzes tätig. Mehr unter jurvita.de

[Bildnachweis: tsyhun by Shutterstock.com]
16. August 2018 Autor: Redaktion

Dieser Artikel wurde von der Redaktion lediglich bearbeitet und minimal redigiert, um ihm dem Redaktionssystem anzupassen. Verantwortlich für den Inhalt und die Richtigkeit der darin gemachten Aussagen und Links ist allein der genannte (Gast)Autor.

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