Sommerzeit: Zeitumstellung mit Schwierigkeiten

Es ist mal wieder soweit: Sommerzeit. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag werden die Uhren von 2 auf 3 Uhr um eine Stunde vorgestellt. Das damit verbundene Mini-Jetlag schlägt allerdings vielen aufs Gemüt – und das nicht nur wegen der einen Stunde weniger Schlaf. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg konnten jetzt auch wissenschaftlich nachweisen: Die Zeitumstellung nagt tatsächlich an der Lebenszufriedenheit und bringt auch sonst scheinbar eher Nachteile als Nutzen.

Sommerzeit: Zeitumstellung mit Schwierigkeiten

Sommerzeit: Eselsbrücken für die Zeitumstellung

Sind wir mal ehrlich: Es ist jedes Mal die gleiche Frage. Vor oder zurück? Dass die Zeitumstellung ansteht und die Uhrzeit um eine Stunde angepasst wird, bleibt ohne Probleme im Langzeitgedächtnis haften. An die Richtung der Zeitumstellung in der Sommerzeit kann man sich aber partout nicht erinnern. Alles grübeln hilft nichts und am Ende muss doch wieder Google helfen, obwohl bereits beim letzten Mal der Vorsatz gefasst wurde, sich endlich zu merken, wie die Uhr umgestellt wird.

Allzu schlecht sollten Sie sich wegen dieser scheinbaren Wissenslücke nicht fühlen, denn mit dem Problem sind Sie wahrlich nicht alleine. Das zeigt sich nicht nur in mal mehr und mal weniger lustigen Fällen, bei denen Arbeitnehmer regelmäßig nach der Zeitumstellung verschlafen oder schlichtweg vergessen, die Uhr auf Sommerzeit zu stellen und deshalb einen Termin versäumen.

Auch die vielen verschiedenen Eselsbrücken zeigen, dass es einen großen Bedarf an unterschiedlichen Merkhilfen zur Sommerzeit gibt. Damit Sie in Zukunft immer wissen, ob die Uhr im Sommer vor- oder zurückgestellt wird, haben wir einige bekannte und weniger bekannte Eselsbrücken für die Zeitumstellung aufgelistet.

  • Im Frühling werden die Gartenmöbel vor die Tür gestellt, im Herbst stellt man sie wieder zurück. Genau diesem Rhythmus folgt auch die Uhr bei der Zeitumstellung.
  • Sie Uhrzeit wird immer in Richtung Sommer gestellt – im Frühling nach vorne, im Herbst nach hinten.
  • Zeitumstellung funktioniert wie das Thermometer – Im Frühjahr Plus, im Winter Minus.
  • Sollten Ihnen Zahlen besonders liegen, können Sie sich auch die Kombination 2-3-2 merken. Im Frühling wird die Uhr von 2 auf 3 gestellt, im Herbst geht es dann von 3 Uhr wieder auf 2 Uhr.
  • Auch möglich ist eine englische Variante: Spring forward, fall back. Hierbei handelt es sich um ein Wortspiel, weil spring und fall sowohl „springen und fallen“ als auch „Frühling“ und „Herbst“ bedeuten können.

Glücklicherweise brauchen Sie sich nicht gleich alle Eselsbrücken zu merken, es reicht vollkommen aus, wenn Sie sich eine aussuchen, die für Sie besonders einprägsam ist. Einmal fest im Kopf verankert, können Sie die Frage nach dem vor oder zurück endgültig klären und laufen auch nicht mehr Gefahr, zu spät bei einem Termin am nächsten Tag aufzutauchen.

Doch wenn Sie die Uhr für die Sommerzeit richtig umstellen, hat dies einige Auswirkungen für Sie – vor allem auf Ihre Zufriedenheit.

Sommerzeit macht unglücklicher als Winterzeit

Was viele schon lange ahnen: Die Zeitumstellung hat ihren Preis. Als das Forscher-Duo Daniel Kühnle und Christoph Wunder die Daten der deutschen Längsschnitt-Befragung des Sozioökonomischen Panels (SOEP) sowie der Britischen Langzeitstudie „Understanding Society“ auswertete (PDF), konnten die Wissenschaftler eine regelmäßige Veränderung der Lebenszufriedenheit bei Tausenden von Teilnehmern ausmachen – und zwar immer von Winterzeit auf Sommerzeit. Wurden die Uhren dagegen im Herbst wieder zurück gestellt, hatte das keine Auswirkungen.

Der Gute-Laune-Knick hält im Durchschnitt eine Woche lang an. In der zweiten Woche nach der Zeitumstellung klettert die Lebenszufriedenheit wieder auf ihr altes Niveau zurück.

Besonders stark sinkt die Zufriedenheit übrigens bei Eltern mit kleinen Kindern.

Den Zeitumstellungs-Effekt erklären die Wissenschaftler aber nicht allein durch die körperliche Anpassung an einen neuen Tagesrhythmus. Wie Studien-Autor Daniel Kühnle erklärt:

Menschen erleben es als Belastung, wenn ihre frei verfügbare Zeit beschränkt wird. Das gilt besonders für Mütter und Väter, die ohnehin wenig Zeit für sich haben.

Auch andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich vor allem Ältere, Kinder und Menschen mit Schlafstörungen mit der Umstellung schwer tun. Bei einer GfK-Umfrage aus dem Jahr 2015 klagten wiederum deutlich mehr Frauen (49,3 Prozent) als Männer (35,2 Prozent) über Beschwerden nach der Zeitumstellung. Die betroffenen Frauen hatten vor allem mit Schlafstörungen (29,5 Prozent) und Konzentrationsproblemen (28,3 Prozent) zu kämpfen. Bei den Männern war davon nur knapp jeden Fünfte betroffen.

Nicht zuletzt regt sich hierzulande seit Jahren immer mehr Unmut gegen die Zeitumstellung. Die exakten Zahlen variieren zwar, aber in etwa drei Viertel der Bevölkerung halten den Wechsel von Winter- auf Sommerzeit für „überholt“, „unnötig“ und „überflüssig“.

Sommerzeit abschaffen: Ein realistisches Szenario?

Die Kritik an der Sommerzeit hält sich bereits seit geraumer Zeit und wird neben der obigen noch durch weitere Studien unterstützt. Nachdenklich macht dabei vor allem, dass nicht nur die Zufriedenheit sinkt nachdem die Uhr um eine Stunde zurückgestellt wurde, sondern auch die körperliche Gesundheit durch die Zeitumstellung auf Sommerzeit in Mitleidenschaft gezogen wird.

Eine aktuelle Umfrage der DAK kam zu dem Ergebnis, dass 27 Prozent der Deutschen unter gesundheitlichen Problemen durch die Sommerzeit leiden. Darunter zählen neben Schlafproblemen auch depressive Verstimmungen, mangelnde Konzentrationsfähigkeitund anhaltende Erschöpfung. Besonders beunruhigend: Hochrechnungen der DAK zufolge greifen rund 3 Millionen Deutsche sogar zu Schlafmitteln, um die Nebenwirkungen der Sommerzeit besser zu verkraften.

Auch das Herz scheint die Zeitumstellung auf Sommerzeit nicht ohne Probleme zu verkraften. Gerade in den ersten Tagen der Sommerzeit kommt es Untersuchungen zufolge zu besonders vielen Herzinfarkten.

Lebensbedrohlich können auch die Folgen der Sommerzeit für den Straßenverkehr sein. Nach der Zeitumstellung ereignen sich auf deutschen Straßen mehr Unfälle als sonst – häufig mit Personenschaden. Experten sehen durch die körperliche Belastung nach der Zeitumstellung ein größeres Risiko für Sekundenschlaf sowie Konzentrationsprobleme und langsamere Reaktionen.

Viele gute Gründe, die GEGEN die Sommerzeit sprechen. Erschwerend hinzu kommt, dass der eigentlich erwartete Nutzen der Energieersparnis nie nachgewiesen werden konnte. Zusammen mit den vielen Deutschen, die in Umfragen über die Zeitumstellung klagen, überrascht es nicht, dass sich inzwischen eine Initiative gegründet hat, die die Sommerzeit abschaffen möchte. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Sommerzeit in Deutschland abgeschafft wird und man wieder zur alten Regelung zurückgeht, in der es über das gesamte Jahr nur eine einzige Zeit gibt?

Vermutlich nicht. Zwar gibt es vor der Wahl dieses Jahr erste Stimmen, die von einer Abschaffung der Sommerzeit-Regelung sprechen, aber ganz so einfach funktioniert das nicht. Über die Gründe dafür wird heiß diskutiert. Kritiker sehen in der Sommerzeit ein Machtgehabe der Regierung. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es einen ungemeinen Aufwand bedeuten würde, die Sommerzeit abzuschaffen. Denn eine Entscheidung für Deutschland allein ist nicht möglich.

Für ein solches Vorhaben müssten alle anderen EU-Länder mitziehen, die ebenfalls die Sommerzeit eingeführt haben. So soll auch der wirtschaftliche Handel gestärkt werden. Zwar könnte sich Deutschland für die Abschaffung der Sommerzeit in Europa einsetzen, doch zum einen steht dies aktuell eher weiter unten auf der Agenda und selbst wenn bliebe abzuwarten, ob andere Länder für die Idee begeistert werden könnten.

Bis es möglicherweise doch irgendwann soweit ist, dass die Zeitumstellung im Frühling und Herbst eingestellt wird, bleibt kaum etwas anderes übrig, als das Beste aus der Situation zu machen und sich gegen die negativen Effekte der Sommerzeit zu wehren.

Woher kommt die Zeitumstellung überhaupt?

Sommerzeit abschaffen Zeitumstellung 2017 in DeutschlandErfunden hat die Zeitumstellung der Brite William Willett. Er hatte die Idee, so das Tageslicht besser auszunutzen. Umgesetzt wurde die Idee dann erstmals am 30. April 1916 – und zwar im Deutschen Reich sowie in Österreich-Ungarn und in Großbritannien. Winston Churchill lobte die Sommerzeit sogar als „großartige Reform“, die für Millionen Menschen „die Chancen für ein gesundes und glückliches Leben“ erhöhe.

So richtig flächendeckend wurde die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit im Jahr 1977. Dann stellten die meisten Länder Europa am letzten März-Sonntag die Uhrzeit eine Stunde vor. Deutschland zog allerdings erst im Jahr 1980 nach.

Damals war der eigentliche Auslöser für die Zeitumstellung die Ölkrise von 1973. So sollte das Tageslicht besser ausgenutzt und Energie gespart werden. Ob das wirklich funktioniert, ist allerdings umstritten. Manche glauben, die Einsparungen durch die Zeitumstellung am Abend wird durch den erhöhten Heizverbrauch in den kühlen Morgenstunden kompensiert.

Tipps gegen die Müdigkeit nach der Zeitumstellung

Wegen der Sommerzeit und Zeitumstellung 2017 einfach nur eine Stunde früher ins Bett zu gehen, bringt übrigens gar nichts. Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus ist darauf nicht eingestellt – und das Mini-Jetlag kommt so oder so. Wenn überhaupt müssen Sie Ihren Rhythmus bereits mehrere Tage im Vorfeld umstellen, das birgt aber die Gefahr, dass Sie die Folgen der Sommerzeit einfach nur um ein paar Tage verschieben.

Was eher hilft, ist…

  • Ab 17 Uhr keinen Kaffee (oder Schwarzen Tee) mehr trinken.
  • Keinen Mittagsschlaf machen.
  • Ein zu helles und zu warmes Schlafzimmer vermeiden.
  • Keinen Alkohol am Abend trinken. Der macht zwar zuerst müde, sorgt aber für unruhigen Schlaf und stört den Hormonhaushalt, sodass Sie morgens nicht richtig hochfahren.

Und nachdem der Wecker geschellt hat, sollten Sie zügig aufstehen. Die Snooze-Taste also bitte nur einmal drücken, fünf Minuten Dösen nach dem Aufwachen müssen reichen. Sonst kommt der Kreislauf nicht in die Puschen und Sie werden wieder müde.

Machen Sie möglichst schon Licht an und ziehen Sie alsbald die Jalousien hoch. Licht unterdrückt die Bildung des Müdigkeitshormons Melatonin und macht munter.

Wann wird die Zeit wieder auf Winterzeit zurück gestellt?

Sommerzeit Zeitumstellung Winterzeit 2017Die Zeitumstellungen für Sommer und Winterzeit sind in Deutschland gesetzlich geregelt. In der Verordnung über die Einführung der mitteleuropäischen Sommerzeit wurde bereits im Jahr 2001 festgehalten, wann jeweils die Uhr umgestellt wird. Hier heißt es in Paragraph 2:

Die mitteleuropäische Sommerzeit beginnt jeweils am letzten Sonntag im März um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit […]

Ebenso heißt es für die Winterzeit:

Die mitteleuropäische Sommerzeit endet jeweils am letzten Sonntag im Oktober um 3 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit […]

Durch die Bundesregierung werden die jeweiligen Termine immer fünf Jahre im voraus bekanntgemacht.

Im Kalenderjahr 2016 beginnt die Sommerzeit am 26. März 2016 um 2.00 Uhr Mitteleuropäische Zeit (MEZ) und endet am 29. Oktober 2016 um 3.00 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Dann wird die Uhr wieder um eine Stunde zurückgestellt.

[Bildnachweis: phoelixDE by Shutterstock.com]
24. März 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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