Befristeter ArbeitsvertragVom Gesetzgeber waren sie als Einstiegs- oder Rückkehrmöglichkeit in das Berufsleben gedacht. Diesen Zweck erfüllen sie zwar teilweise, doch oft werden sie aus ganz anderen Gründen eingesetzt. Die Rede ist von befristeten Arbeitsverträgen. Mehr als zehn Prozent aller Arbeitnehmer befinden sich in solchen Arbeitsverhältnissen, Tendenz deutlich steigend.

Eine logische Entwicklung, denn auf den ersten Blick bieten befristete Arbeitsverhältnisse primär Vorteile für den Arbeitgeber. Das ist bei genauerer Betrachtung zwar nicht ganz richtig, doch auf einige Besonderheiten sollten Arbeitnehmer bei befristeten Arbeitsverträgen dennoch achten. Unsere Checkliste hilft Ihnen dabei, alle wichtigen Punkte zu berücksichtigen.

Die Befristung eines Arbeitsvertrages ist in Deutschland mit und ohne Sachgrund möglich. Sachgründe, die eine Befristung rechtfertigen, sind:

  • Der Bedarf besteht nur vorübergehend.
  • Ein Angestellter soll getestet werden.
  • Ein Azubi wird übernommen, um seine Chancen zu verbessern.
  • Der Arbeitnehmer vertritt vorübergehend einen Mitarbeiter.
  • Es handelt sich um eine Saisonstelle,
  • Es ist eine Projektstelle,
  • Die Stelle ist haushaltrechtlich oder
  • aufgrund eines gerichtlichen Vergleichs befristet.

Ohne Sachgrund dürfen Arbeitsverträge befristet werden, um etwa

  • Mitarbeiter unverbindlich zu testen. Solche Verträge dürfen innerhalb von zwei Jahren höchstens drei Mal verlängert werden.
  • Existenzgründer in den ersten vier Jahren vor langfristigen Verpflichtungen zu bewahren. Sie dürfen Verträge mit Angestellten bis zu 48 Monate verlängern.
  • Älteren den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Solche Verträge dürfen sogar bis zu einer Dauer von fünf Jahren verlängert werden.

Doch es gibt noch längere Fristen: Stellen in Universitäten und Forschungseinrichtungen dürfen bis zu sechs Jahren verlängert werden, im Medizinbereich sogar bis zu neun Jahren.

Auf einen ohne Sachgrund befristeten Arbeitsvertrag darf nach dem Erreichen der Zwei-Jahres-Grenze durchaus ein mit Sachgrund befristeter Vertrag folgen. Für die Zahl der Verlängerungen gibt es hier keine Obergrenze, solange jedes Mal ein Sachgrund vorliegt.

Voraussetzungen und Besonderheiten

Ein befristeter Arbeitsvertrag muss in Deutschland auf jeden Fall schriftlich vorliegen und vor Beginn des Arbeitsverhältnisses von Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterschrieben werden. Wichtig ist bei einem mit Sachgrund befristeten Vertrag auch, dass der Sachgrund explizit im Arbeitsvertrag genannt wird.

Ist der Sachgrund nicht ausreichend, können Arbeitnehmer im Nachhinein eine Entfristungsklage anstrengen. Im Erfolgsfall wird ihr Arbeitsvertrag in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis umgewandelt. Die Arbeitsatmosphäre leidet darunter jedoch immer. Auch wenn Sie am Tag nach dem Ende Ihres befristeten Arbeitsvertrages zur Arbeit erscheinen und ihr Arbeitgeber Sie nicht nach Hause schickt, wird Ihr Arbeitsvertrag unbefristet gültig.

Gelockerter Kündigungsschutz

Der Kündigungsschutz ist bei befristeten Arbeitsverträgen vom Gesetzgeber – im Vergleich zu unbefristeten Verträgen – deutlich gelockert. Eine außerordentliche – meist fristlose – Kündigung unterliegt zwar prinzipiell den gleichen Voraussetzungen wie bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag, doch bereits bei der ordentlichen Kündigung gibt es gravierende Unterschiede.

Der wichtigste Punkt: Werden im Arbeitsvertrag keine Regelungen für die Kündigung getroffen, gibt es für Arbeitgeber und Arbeitnehmer keine Möglichkeit zur ordentlichen Kündigung! Das befristete Arbeitsverhältnis endet dann erst zum im Arbeitsvertrag festgelegten Datum. Die gesetzliche Kündigungsfrist liegt bei lediglich vier Wochen und ist nur gültig, wenn im Arbeitsvertrag auf sie verwiesen wird.

Auch für Menschen mit einer Behinderung oder schwangere Mitarbeiterinnen sieht der Gesetzgeber bei befristeten Arbeitsverträgen keinen besonderen Kündigungsschutz vor.

Vorteile für Arbeitnehmer?

Angesichts der bisher geschilderten Rahmenbedingungen liegt die Frage nahe, ob Arbeitnehmer überhaupt von befristeten Arbeitsverträgen profitieren können. Die Antwort ist ein klares Ja, denn auch wenn die Vorteile nicht zahlreich sind, so sind sie doch vorhanden. Befristete Arbeitsverträge können…

  • … die Vorstufe zu einem unbefristeten Arbeitsverhältnis darstellen.
  • … eine Möglichkeit sein, um ein Unternehmen kennenzulernen.
  • … dabei helfen, Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen zu sammeln.

Diesen Vorteilen stehen natürlich negative Aspekte wie fehlende Planungssicherheit, eine unklare Perspektive und der gelockerte Kündigungsschutz gegenüber. Befristete Arbeitsverträge bieten daher vor allem jüngeren und ungebundenen Arbeitnehmern Chancen. Sie können so ihre Berufserfahrung erweitern und verschieden Firmen testen. Für Arbeitnehmer mit Familie stellen befristete Jobs jedoch nur die zweite Wahl dar.

Checkliste für befristete Arbeitsverträge

Zum Schluss haben wir die eingangs erwähnte Checkliste für Sie vorbereitet. Diese können Sie auch – wie gewohnt – im PDF-Format herunterladen.

[] Werden Regelungen für eine ordentliche Kündigung oder zumindest die gesetzlichen Kündigungsfristen erwähnt?

[] Werden der Sachgrund und/oder die Dauer der Befristung im Arbeitsvertrag explizit benannt?

[] Ist der genannte Sachgrund stichhaltig?

[] Gibt es im Arbeitsvertrag Aussagen zu einer erneuten Befristung?

[] Denken Sie bitte daran, sich spätestens drei Monate vor Ende Ihres befristeten Vertrages bei der Arbeitsagentur zu melden.

[] Die Zusage für eine erneute Befristung befreit Sie nicht von Ihrer Meldepflicht. Versäumen Sie die Meldung, droht eine temporäre Sperre des Arbeitslosengeldes.

[] Fragen Sie bitte rechtzeitig – mindestens sechs bis acht Wochen – vor Ende des Arbeitsvertrages beim Unternehmen wegen einer erneuten Befristung oder Übernahme an.

[] Ist diese unklar, sollten Sie sich spätestens ab diesem Zeitpunkt auch bewerben und nach einem neuen Job umsehen.

[] Vermerken Sie in Lebenslauf und Bewerbung, dass es sich bei Ihrer letzten Stelle um einen befristeten Job gehandelt hat.

[] Bemühen Sie sich rechtzeitig um ein Arbeitszeugnis. Das steht Ihnen auch bei einem befristeten Vertrag zu.