Die Frage eines Lesers erreicht uns per E-Mail. Sinngemäß lautete sie etwas so: “Wie kann ich mein Xing-Profil für die Jobsuche nutzen, ohne das mein aktueller Arbeitgeber davon etwas mitbekommt?” Zugegeben, ganz einfach ist das nicht. Die einzige Chance: Das Xing-Profil so gestalten und die Plattform so nutzen, dass Headhunter und Recruiter anderer Unternehmen auf Sie aufmerksam werden. Wie das funktioniert, zeigen wir Ihnen heute.
Eine Frage könnte sich Ihnen jetzt stellen: Wenn ein Jobwechsel beschlossene Sache ist, warum soll dann der aktuelle Arbeitgeber nichts davon mitbekommen? Die Gründe dafür können vielfältig sein: Das Verhalten des Chefs und der Kollegen könnte sich drastisch ändern, so baldIhre Pläne bekannte sind, wahrscheinlich würden Sie keine anspruchsvollen Aufgaben sondern nur noch Routinejobs zugewiesen bekommen und wenn Sie sich mit Ihrem Chef und Ihren Kollegen menschlich gut verstehen, wollen Sie vielleicht einfach die unangenehmen Gespräche und Erklärungen möglichst lange hinausziehen. Unabhängig von Ihren individuellen Gründen gilt: Damit Ihr Arbeitgeber von Ihrer Jobsuche nichts mitbekommt, ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Achten Sie auf Details
Der einfachste Weg wäre, im Bereich “Ich suche” Ihre Jobsuche explizit zu benennen, doch bei einer verdeckten Jobsuche fällt diese Möglichkeit natürlich aus. Im ersten Schritt sollten Sie daher sicherstellen, dass Ihr Profil vollständig ausgefüllt und mit einem ansprechenden Bild versehen ist. Je mehr Informationen Sie dem potentiellen Headhunter oder Recruiter liefern, desto einfacher kann er sich ein Bild von Ihnen und Ihren Kompetenzen machen. Stellen Sie dazu bitte sicher, dass die Informationen auch für Besucher Ihres Profils sichtbar sind.
Im Bereich “Ich suche” können Sie natürlich Formulierungen wie “neue Herausforderungen” oder “spannende Aufgabe” verwenden. Doch erstens ist das ein wenig offensichtlich und zweitens sind solche Formulierungen einfach nur Allgemeinplätze ohne wirklich Aussagekraft. Um sich Headhuntern und Recruitern gut zu präsentieren, sollten Sie unbedingt auch den Bereich “Ich biete”, den Beschreibungstext “Über mich” und die Referenzen nutzen. Bei letzteren sollten Sie Bescheinigungen, Arbeitszeugnisse und ähnliche Dokumente einstellen, in denen Ihre Leistungen und Kompetenzen deutlich zur Geltung kommen.
Im Beschreibungstext “Über mich” sollten Sie klar machen, dass Sie offen für Neues sind und neue Herausforderungen gerne annehmen. Betonen Sie dabei ruhig, dass Sie sich weiterentwickeln wollen und Veränderungen begrüßen. Ganz offen können Sie Ihre Jobsuche hier zwar auch nicht ansprechen, doch den Beschreibungstext wird Ihr aktueller Arbeitgeber – wenn er Sie bereits als Xing-Kontakt hat – vermutlich nicht allzu häufig lesen. Den Bereich “Ich biete” sollten Sie dagegen nutzen, um Ihre Kompetenzen und Erfahrungen kurz und knapp darzustellen und mit den richtigen Schlagworten zu versehen. Wählen Sie Ihre Schlagworte bitte mit Bedacht, denn diese können Headhunter und Recruiter bei der Suche nach neuen Mitarbeitern zu Ihrem Profil führen.
Gruppen, Themen und Blogs
Wollen Sie noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken, sollten Sie sich in thematisch passenden Gruppen aktiv beteiligen und die neue Funktion der Xing-Themen nutzen. Diese finden Sie unter dem Punkt Xing Beta Labs. Dabei handelt sich mehr oder weniger um Blogs, die innerhalb des Xing-Netzwerks geführt und gelesen werden. Auch wenn Sie sich Funktion noch im Beta-Stadium befindet, können Sie Ihr Netzwerk dadurch doch erweitern und Ihre Reputation festigen. Dass Sie dafür gute Inhalte brauchen, versteht sich von selbst. Apropos Blogs: Ebenfalls in den Xing Beta Labs finden Sie die Funktion des Blog-Imports. Dadurch können Sie den RSS-Feed Ihres Blogs in Ihr Profil einbinden und Ihren Xing-Kontakten zugänglich machen. Das ist zwar nur sinnvoll, wenn Sie sich in Ihrem Blog mit beruflichen Themen beschäftigen, doch dann sollten Sie diese Möglichkeit nutzen.
Unser Fazit: Sie können Xing auf jeden Fall für eine verdeckte Jobsuche nutzen. Dafür müssen Sie jedoch etwas Zeit und Energie investieren, um Headhunter und Recruiter auf sich aufmerksam zu machen. Doch das sollte Ihnen der neue Job wert sein.
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Lars Kroll
Absolut hilfreicher Artikel.
Meiner Meinung nach wurde hier noch die Funktion “An Karrierechancen interessiert” bei den vergessen die nur Headhunter mit einem Recruiting-Account sehen können.
Zu finden ist die Einstellung auf dem eigenen Profil unter “Warum ich auf XING bin” -> Gründe bearbeiten -> Hacken vor “An Karrierechancen interessiert” mit der Einstellung nur “Sichtbar für Recruiter (Mitglieder mit Recruiter-Mitgliedschaft)”.
Christian Mueller
Hallo Lars,
danke dir für deinen Kommentar. Die Funktion, die du ansprichst, kenne ich, habe sie jedoch bewusst nicht angesprochen. Mein Gedanke: Auch die Recruiter des aktuellen Arbeitgebers haben möglicherweise einen solchen Account. Trägt der Jobsuchende seine Ambitionen also in diese Felder ein, fliegt die getarnte Jobsuche möglicherweise schnell auf.
Daher würde ich – bei einer versteckten Jobsuche – davon absehen. Bei einer offenen sollte die Funktion natürlich genutzt werden, doch da kann dann auch das Profil ganz anders gestaltet werden.
Gruß,
Christian
Lars Kroll
Hallo Christian,
das macht dann natürlich Sinn.
Weiter so.
Gruß Lars
PS: Da fehlt bei obigem Kommentar wohl das Wort “Einstellungen” nach “bei den..” ;-)
Yee Wah Tsoi
Hallo Lars, hallo Christian,
wenn man die Option “Sichtbar für Recruiter (Mitglieder mit Recruiter-Mitgliedschaft)” auswählt, können die Recruiter-Mitglieder des eigenen Unternehmens tatsächlich nicht sehen, dass man an Karrierechancen interessiert ist.
Viele Grüße
Yee Wah (Corporate Communications XING AG)
Christian Mueller
Hallo,
gilt das dann auch für vom aktuellen Arbeitgeber engagierte Headhunter?
Gruß,
Christian
Yee Wah Tsoi
Hallo Christian,
es ist abhängig vom Firmennamen. Daher können externe Recruiter die Wechselwilligkeit schon einsehen.
Schönen Abend
Yee Wah (Corporate Communications, XING AG)
Jens Hausherr
Ein Tipp noch: die Daten der beruflichen Laufbahn sollten jeweils mit einem Monat bei Beginn und Ende der Tätigkeit Versehen sein, da das System dann die Berufserfahrung zu einer Gesamtsumme addiert. (Recruiter können auch nach Berufserfahrung filtern)
Wenn man keine Monate angibt, unterbleibt diese Berechnung…
Christian Mueller
Hallo Jens.
danke für deine Ergänzung. Allerdings gehe ich davon aus, dass ein vollständig ausgefülltes Profil auf jeden Fall Monate bei den einzelnen Stationen aufweist.
Kennst du Profile, bei denen das nicht der Fall ist? Setze ich da zu viel voraus?
Pingback: Surftipps September 2012 | Geisteswirtschaft
Peter
Sehr interessanter Artikel.
Sehr gut gemacht.