Klicken Sie mal auf das Video rechts… Und?! Mussten Sie Mitlachen? Ich schon. Sogar mehrmals. Schon das herzhafte Gelächter des Radio-Sprechers reicht, um sich mit dem Gelächter zu infizieren und mitzukichern – obwohl man den Sprecher gar nicht sieht.
„Nichts in der Welt ist so ansteckend wie Gelächter und gute Laune“, wusste zwar schon der Schriftsteller Charles Dickens. Längst aber haben britische Neurowissenschaftler herausgefunden, dass Lachen wirklich ansteckend ist. Der Grund: Sobald positive Emotionen ins Spiel kommen, neigt unser Gehirn dazu, diese nachzuahmen. Allein das Geräusch eines Gelächters löst in einem Teil der Großhirnrinde (der die Gesichtsmuskulatur steuert) den Reflex aus, uns mindestens aufs Mitlachen vorzubereiten, so Sophie Scott vom University College London.
Bestätigt wird das durch Untersuchungen der Neurowissenschaftlerin Jane Warren vom Hammersmith Hospital in London. Sie hatte ihren Probanden verschiedene emotionale Laute vorgespielt und dabei ihre Hirnaktivitäten beobachtet. Ergebnis: Lachen oder Jubeln lösten besonders starke Reaktionen aus, stärker als etwa Angst oder Ekel – woraus die Forscher ableiten, dass positive Emotion ansteckender sind als negative. Eine Erkenntnis, die sich übrigens Sitcom-Produzenten regelmäßig zu Nutze manchen, indem sie vorproduzierte Lachsalven (Branchenjargon: canned laughter) in ihre Sendungen einblenden.
Worüber manche lachen können
Lachen kann aber weitaus mehr als Quote bringen oder aufheitern. Der französische Mathematiker Blaise Pascal erkannte früh, dass Lachen meist von einer unerwarteten logischen Unstimmigkeit ausgelöst wird – also dem, was bei einem Witz die Pointe ausmacht. Es ist aber nicht so, dass Menschen nur über lustige Dinge lachen. Es gibt genauso das erleichterte, bittere oder böse Lachen, das hämische, schadenfrohe, schmutzige, verkrampfte oder gar krankhafte Lachen. Wer lacht, könnte an einem „momentanen Anfall von Tollheit“ leiden, wie der italienische Dichter Giacomo Leopardi es nannte. Oder weil er einen drohenden sozialen Konflikt abwenden will.
Denn Lachen deeskaliert. Es entkrampft, kann Kritik abschwächen und ist ein wichtiger „sozialer Klebstoff“, sagt der Lachforscher Carsten Niemitz von der freien Universität Berlin. Denn Lachen baut Bindungen auf. Wer mitlacht oder nicht, zeigt allen anderen, wer zur Gruppe gehört.
Gelotologen, also Wissenschaftler die sich beruflich mit dem Lachen beschäftigen, haben herausgefunden, dass Lachen das berufliche Fortkommen fördern und den (unternehmerischen) Gewinn steigern kann. Denn heitere Belegschaften sind gesünder, seltener krankgeschrieben und daher produktiver. Zudem macht Lachen nachweislich kreativer.
Was der Witz über den Erzähler verrät
Der Harvard-Psychologe Daniel Goleman schreibt dazu in seinem Bestseller „Emotionale Intelligenz“, dass Heiterkeit helfen kann, weitsichtiger und komplexer zu denken, freier zu assoziieren und neue gedankliche Verknüpfungen zu entdecken. Lachen erhöht die geistige Flexibilität und trägt so enorm zur Problemlösung bei. Linus Torvalds, Begründer der Linux-Software, setzt den Spaß gar für gutes Programmieren voraus: „Die Leute müssen Quatsch machen dürfen“, sagte er einmal in einem Interview. Bei der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines werden Bewerber gar systematisch nach ihrem Humor befragt und müssen erklären, wie sie ihn im Job nutzen wollen.
Der Psychologe William Ruch wiederum gilt als einer der führenden Humorforscher. Er untersucht seit über 15 Jahren den Zusammenhang von Charaktereigenschaften und Witzvorlieben. Dabei kam heraus: Wer beispielsweise Nonsens-Gags bevorzugt, ist eher kreativ und abenteuerlustig, aber auch exzentrisch bis chaotisch. Logik-Witze-Liebhaber dagegen sind in der Regel gewissenhaft und zuverlässig, aber meist auch intolerant und dogmatisch.
Und natürlich ist Lachen auch gesund. Es baut Stress ab, steigert das Wohlbefinden und fördert so die körpereigenen Heilungskräfte. Den Umstand nutzen vor allem Krankenhäuser speziell auf Kinderstationen mit regelmäßigen Auftritten von Stations-Clowns.
Lachen ist übrigens ganz leicht: Augenbrauen hoch, Augen enger, Nasenlöcher weit, der Jochbeinmuskel zieht die Mundwinkel nach oben, der Atem schießt mit bis zu 100 Stundenkilometern durch die Lungen und bringt die Stimmbänder zum wackeln. Bei Männern schwingen sie rund 280 Mal pro Sekunde, bei Frauen sogar 500 Mal.
Probieren Sie es aus – oder schauen Sie das obige Videos einfach noch mal!
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Ewald Dietrich
Tolle Idee: Gute-Laune-Wochen in der Karrierebibel!
Passend dazu ein manueller Trackback, in dem Joachim Bauers neurobiologische Erklärung dafür zitiert wird, dass Lachen ansteckt:
“Neurobiologische Aspekte von ‘Beziehung’: Das System der Spiegelnervenzellen”
http://x25oeblog.blog.uni-heidelberg.de/2008/06/22/neurobiologische-aspekte-von-beziehung-das-system-der-spiegelnervenzellen/
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