Es war um das Jahr 1943, als der Verhaltensforscher und Vater der humanistischen Schule, Abraham Maslow, erkannte, dass es unterschiedliche Stufen der Motivation beziehungsweise der Motive und Bedürfnisse dahinter gibt. Im selben Jahr veröffentlichte er seine sogenannte Bedürfnispyramide. Die drei untersten Stufen bilden dabei sogenannte Defizitbedürfnisse, also die Grundversorgung (Essen, Schlafen, Fortpflanzen), danach kommt Sicherheit (Wohnung, Job, Gesundheitssicherung) sowie soziale Beziehungen (Freunde, Partner, Liebe). Diese Bedürfnisse müssen befriedigt sein, damit man überhaupt so etwas wie Zufriedenheit empfindet. Oder kurz: Erst wenn der Hunger gestillt ist, kann man sich gut fühlen.

Danach folgen die sogenannten Wachstumsbedürfnisse: soziale Anerkennung beziehungsweise individuelle Bedürfnisse (Status, Geld, Macht, Karriere) sowie an der Spitze die Selbstverwirklichung (das Erkennen und entfalten des eigenen Potenzials). Sie sind allerdings praktisch nie zu befriedigen: Ein Künstler malt schließlich, um seine Kreativität auszuleben, nicht um zehn, 50 oder gar 100 Bilder zu malen.

Das alles klingt auf Anhieb ungeheuer plausibel. Allerdings muss man dazu sagen: Maslows Pyramide ist vor allem eines: ein Modell, eine Theorie. Wirklich wissenschaftlich validiert wurde sie nie. Bis jetzt.

Ausgerechnet einer der renommiertesten Psychologie-Professoren hat inzwischen eine globale Untersuchung veröffentlicht: Ed Diener von der Universität in Illinois. Dazu werteten die Wissenschaftler die Daten von insgesamt 123 Ländern aus. Grundlage dazu war die sogenannte Gallup World Poll – eine der weltweit umfassendsten Datenerhebungen, in denen Angaben aus den Jahren 2005 bis 2010 unter anderem zum Einkommen, zur Ernährung, zur Sicherheit, zu Gefühlen und anderen Dingen erfasst werden.

Und um es kurz zu machen: Die Forscher um Diener fanden heraus, dass die Defizitbedürfnisse tatsächlich universell und überall auf dem Planeten erfüllt sein müssen, damit sich die Menschen glücklich fühlen (was sicher nicht überraschend war, aber eben jetzt amtlich ist). Allerdings – wie ebenso erwartet – variieren die Rangfolgen der einzelnen Bedürfnisse hier und da ein wenig.

Die Wachstumsbedürfnisse dagegen spielten eine entscheidende Rolle dabei, ob die Menschen ihr Leben genossen und mehrheitlich positive Gefühle hatten, was sich durchaus als Bestätigung für Maslows Theorie werten lässt. Was aber viel bemerkswerter war: Ingesamt scheint es so zu sein, dass Menschen umso glücklicher sind, je mehr Menschen in ihrem Umfeld ihre jeweiligen Bedürfnisse ebenfalls befriedigen können. Zufriedenheit sei demnach nicht nur ein individueller Zustand, sondern auch ein gesellschaftlicher.

Oder wie Diener selber sagt:

Our findings suggest that Maslow’s theory is largely correct. In cultures all over the world the fulfillment of his proposed needs correlates with happiness. However, an important departure from Maslow’s theory is that we found that a person can report having good social relationships and self-actualization even if their basic needs and safety needs are not completely fulfilled.