Während die Umsätze der klassischen PR-Agenturen zu stagnieren scheinen, wachsen die Umsätze im Bereich des Web 2.0. Agenturen mit Fokus auf Social Media profitieren zunehmend von dem Zwang der Unternehmen über eine starke Online-Präsenz zu verfügen. Selbst wenn es nur die eigene, ansprechende Webseite ist. Im Vergleich zum Vorjahr werden Umsatzsteigerungen von über 50 Prozent und mehr gemeldet. Social Media Manager haben Konjunktur.

Was zeichnet einen Social Media Experten (wie sich auch bezeichnet werden, aber dies ungern hören) aus? Beginnen wir mit den schwarzen Schafen der Branche. Das sind vor allem Theoretiker und reine Technik-Nerds. Viel heiße Luft und wenig Taten, Phrasen wie – Ich weiß wo es lang geht, so machen wir das – zeichnen sie aus. Noch schlimmer: Sie leben nicht, was sie von der Kanzel predigen, dennoch möchten sie ihren Königsweg dem Unternehmen aufzwingen. Sie leben zwar mit und im Web 2.0, aber von was sie da eigentlich reden, haben sie keine Ahnung.

Welche Fähigkeiten sollte ein fähiger Social Media Manager mitbringen? Dieser Frage sind wir auf den Grund gegangen und haben Experten befragt. Den PR Blogger Klaus Eck, den Geschäftsführer von Webguerillas David Eicher und Roland Panter, Inhaber von Wirtschaftsfaktor Sprache – entstanden ist eine Rangliste der must-have Fähigkeiten und Fertigkeiten der Zunft:

  1. Starke Online-Affinität – Es kommt nicht darauf an stundenlang im Netz zu hängen, sondern wirklich aktiv am Geschehen teilzunehmen. Ein kompetenter Manager ist seit Jahren im Social Media Bereich aktiv, führt ein eigenes Blog, ist auf Twitter oder anderen Plattformen vertreten und engagiert.
  2. Reichlich Projekterfahrung – Nur weil jemand bloggt, kann er einem Unternehmen nicht erklären wie Social Media funktioniert. Am besten hat er oder sie bereits in einer PR- oder Marketing-Agentur gearbeitet, auch freiberufliche Tätigkeiten sind erlaubt. Entscheidend ist die gewonnen Unternehmens- und Prozesskenntnis. Nur so können die Regeln des Web 2.0, die er dank Punkt 1 versteht, sinnvoll auf das Unternehmen angewendet werden. Gleiches Prinzip wie bei jungen Consultants: Wer noch nie ein Unternehmen von innen gesehen hat, kann es nicht beraten.
  3. Weitreichende Kontakte – Nicht zu irgendwelchen Personen, sondern den wichtigen Multiplikatoren der Szene, die interessante Nachrichten schnell und möglichst weit verbreiten können. Wichtig ist diese Kontakte auch im echten Leben zu pflegen, auf Veranstaltungen wie beispielsweise der anstehenden re:publica.
  4. Konzeptionelle Fähigkeiten – Kreativität spielt eine große Rolle. Mit 0815-Aktionen lassen sich keine Nutzer locken. In diesem Zusammenhang ist es entscheidend dem Unternehmen nicht ein vorgefertigtes Konzept auferlegen zu wollen, sondern das Unternehmen zu durchdringen und wichtig Aspekte herauszuarbeiten. Tödlich für die Reputation sind Fake-Profile und Images aus dem Reagenzglas. Authentizität ist das A und O.
  5. Technische Versiertheit – Es werden keine tiefgehenden Kenntnisse der gängigen Programmiersprachen erwartet, dafür sind tatsächlich Informatiker da, aber der sichere Umgang mit HTML oder FTP-Anwendungen wird vorausgesetzt. Zudem sollte der Manager in der Lage sein, ein Pflichtenheft für den ITler erstellen zu können und sei es nur für die Erstellung einer App.
  6. Gute Umgangsformen – Was für Social Media allgemein gilt, ist für deren Manager erst recht gültig. Negativen Äußerungen und Kommentaren muss sachlich und konstruktiv begegnet werden. Beleidigungen oder das Löschen von Kritik vergrault selbst den geduldigsten Nutzer.
  7. Verstehen von Monitoring – Auch dieses Spezialgebiet beherrscht ein guter Social Media Manager. Neben der Analyse und Auswertung der gängigen Monitoring-Tools, sollten auch die relevanten Kriterien bekannt sein, die je nach Unternehmen unterschiedlich ins Gewicht fallen. Wichtig ist es auch, diese Erfahrungen für das Unternehmen in verständliche Worte übersetzen und die Zusammenhänge aufzeigen zu können.
  8. Portion Neugier – Die beschriebene Berufsgruppe war natürlich unter den ersten bei Twitter, unter den ersten bei Foursquare und Google Buzz und wird auch weiterhin zu den Pionieren im Social Media Bereich gehören. Die Neugier zwingt sie, dazu gehört auch der Blick über den Tellerrand. Im RSS-Reader befinden sich also auch internationale Adressen wie amerikanische oder etwa japanische Blogs.
  9. Abgeschlossenes Studium – Der Social Media Manager muss nicht zwingend irgendetwas mit Medien studiert haben, die Fähigkeit zur Analyse wird in jeder Fachrichtung gelehrt. Ein Studium der Sozialwissenschaften ist durch den Bezug zu Menschen und dem gesellschaftlichen Zusammenleben besonders geeignet, denn Social Media zielt auf eben jene und nicht auf nackte Zahlen ab.
  10. Starke Teamfähigkeiten – Der Social Media Manager wird einen (oder mehrere) Ansprechpartner im Unternehmen haben, mit denen er nicht nur auskommen muss, sondern eine symbiotische Verbindung eingehen sollte. Schließlich ist diese Kontaktperson der Schlüssel zum Unternehmen. Ein mürrischer Einzelgänger wird Ihrem Unternehmen nicht viel bringen. Achten Sie darauf, dass der Ansprechpartner über genügend Kontakte im Unternehmen und Berufserfahrung verfügt (Stichwort Prozesskenntnis).

Welche Fähigkeiten würden Sie auf Platz 1 setzen? Was wäre Ihnen besonders wichtig?

Fragend zum passenden Berater

  • Können Sie den Erfolg Ihrer Arbeit garantieren? – Ich kann Ihnen versprechen mein Bestes zu geben, aber da wir in einem People-Business agieren, kann man nicht voraussagen was passieren wird. Natürlich wünsche ich uns den Erfolg!
  • Wie haben Sie sich Ihre Kenntnisse angeeignet? – Ich spreche viel mit Kollegen und Bekannten aus meinem Bereich. Gerade der Meinungsaustausch auf Messen und Treffen ist mir wichtig. Natürlich lerne auch ich immer wieder dazu und probiere viele Sachen aus.
  • Wie erzeugen Sie mediale Aufmerksamkeit? – Ich folge interessanten Personen bei Twitter und picke mir weitere, für mein Themengebiet relevante, Multiplikatoren heraus. Außerdem mische ich in Blogs mit und versuche mich am Dialog zu beteiligen.
  • Wie sieht eine Social Media Kampagne aus? – Zuerst muss eine aussagekräftige Message entwickelt werden, die dann an die Nutzer kommuniziert wird. Zur schnellen Verbreitung bieten wir dann noch ein cooles Gimmick gratis an.
  • Wie würden Sie den Return On Investment messen? – Oh bitte, ich kann es nicht mehr hören. Wollen wir wirklich darüber sprechen? Na gut, …
  • Wenn der Social Media Manager Ihrer Wahl ähnliche Antworten liefern kann, sollte Sie ihn engagieren!

    Ein Blick in die Quelle dieses Frage-Antwort-Spiels lohnt sich übrigens, die englische Version garantiert einige Lacher.