ollyy/shutterstock.com“Was lange gärt, wird endlich Wut”, sinnierte der Aphoristiker Hanns-Hermann Kersten. Dabei hat Wut viele Formen: Mal ist sie blind, mal rasend, mal impulsiv bis aggressiv, mal wird sie strategisch eingesetzt, mal ist sie krankhaft. Wie etwa beim Deprivationssyndrom, dem Kanner- oder Asperger-Syndrom. In diesen Fällen treten Wutanfälle übermäßig häufig, lang und intensiv auf, so dass die Betroffenen gar zur Gefahr für sich und andere werden können. Eine durchschnittliche Wutattacke dauert indes zwischen zehn und 20 Minuten. Und wenn die Emotionen hochkochen sind Frauen im Übrigen genauso aggressiv wie Männer. Unkontrollierte, blinde Wut ist brandgefährlich. Wir alle wissen das. Eine ärgerliche E-Mail in Rage beantwortet, kann enorm zerstörerische Konsequenzen nach sich ziehen. Doch wie geht man mit Wut im Bauch um? Tipps gegen den Ärger…

Wut zu unterdrücken, schadet der Gesundheit

Der Arbeitsalltag steckt voller Situationen, die wütend machen: Schon morgens pendeln Sie im überfüllten Regionalexpress, der auch noch Verspätung hat, zur Arbeit. Dort angekommen, zapfen Sie sich einen dünnen Kaffee aus dem Automaten, um ihn kurz darauf über das weiße Hemd zu kleckern. Als wäre das nicht schon genug, erleben Sie anschließend Sie den ersten cholerischen Anfall des Chefs und zu allem Überfluss streikt auch noch der PC. Na, toll…!

Einige Menschen schlucken ihren Ärger jetzt immer wieder herunter und bekommen später Magengeschwüre oder Depressionen. Überhaupt tut uns allzu viel Ärger nicht gut: Zusammen mit dem Groll werden Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet, und die steigern Blutfett- wie Zuckerwerte. Wer also chronisch Rot sieht, lebt mit einem deutlich erhöhten Risiko eines Tages einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Rage löst ohnehin keine Probleme. Schon vor Jahren gab es dazu eine, nun ja, amüsante Studie des Madigan Army Medical Center. Die Forscher hatten dabei 64 Patienten untersucht, die einen Wutanfall hatten, weil ein Getränkeautomat nicht so wollte wie sie. Fünfzehn Zeitgenossen wurden bei ihrem Koller vom umkippenden Automaten erschlagen.

Unterschiede von Wut, Zorn und Ärger

Man spricht davon, vor Wut zu kochen oder seinem Ärger Luft zu machen. Was die meisten Menschen synonym verwenden, unterscheidet sich in den Augen von Psychologen.

  • Ärger weist von dem Trio noch den geringsten Erregungszustand auf. Er geht genauso schnell vorbei, wie er kommt. Und meist geht es dabei nur um Lappalien.
  • Wut dagegen ist wesentlich heftiger: Wer wütet, zerstört meist blindlings. Und wer häufig in Wut gerät, gilt schnell als impulsiver Choleriker ohne jede Selbstbeherrschung.
  • Von Zorn wiederum spreche man, “wenn die Angelegenheit, die uns ärgert, nicht primär auf unser Ich bezogen ist, sondern auf etwas Übergreifendes”, sagt zum Beispiel Verena Kast, Professorin für Psychologie an der Universität Zürich. Zorn sei distanzierter als Wut.

Wer die Selbstbeherrschung verliert, gefährdet seinen Job

Doch auch das andere Extrem ist nicht empfehlenswert. Seiner Wut freien Lauf zu lassen und zu randalieren als gäb’s keinen Morgen, kann schwerwiegende Folgen haben. Seine Contenance zu verlieren, noch dazu auf der Arbeit, ist allerdings heikel. Kunden schätzen das gar nicht, reagieren auch schon mal verstört oder mit Rückzug – Chefs entsprechend. Überhaupt ist im Job mit Wutausbrüchen nicht zu spaßen. Jähzornige Mitarbeiter leben gefährlich: Wer wiederholt herumschreit, Türen schlägt oder gar Büroutensilien beschädigt, kann dafür abgemahnt oder gar gekündigt werden.

Wutanfall: Wie Sie Ihre Wut kontrollieren

ollyy/shutterstock.com“Jetzt reicht’s! Irgendwann ist Schluss! Schnauze voll! Ich kann so nicht arbeiten!!!” – solche Phasen hat wohl jeder schon mal erlebt. Die Magensäfte kochen, das Herz pocht bis zum Hals – ein richtiger Wutanfall steht kurz bevor. Am liebsten würden Sie jetzt Ihren ganzen Ärger hinausschreien. Wie soll man in einem solchen Moment einen kühlen Kopf bewahren?

“Gefühle sind Entscheidungssache”, lautet ein Bonmot. Und es ist wahr: Wut lässt sich kontrollieren, wir müssen uns von unseren Emotionseruptionen nicht fortspülen lassen. Ein kühler, klarer Kopf – er ist eine Frage des Tatwillens und Trainings. Wutkontrolle oder “Anger control” heißt das im Fachjargon. Damit ist jedoch keinesfalls das Herunterschlucken gemeint. Vielmehr geht es dabei um bewusstes Erleben und Kanalisieren von Gefühlen. Wie Ihnen das gelingt:

    Sofortmaßnahmen

  1. Durchatmen. Wenn das Blut kocht, sollten Sie erst einmal tief durchatmen und bis zehn zählen. In einigen Fällen auch bis 50. Setzen oder stellen Sie sich dazu aufrecht hin, die Schultern gerade. Nun versuchen Sie nur durch die Nase in den Bauch zu atmen – ohne dass sich der Brustkorb hebt. Atmen Sie nach der 4-6-8-Methode: Langsam und tief einatmen, bis vier zählen, die Luft anhalten, bis sechs zählen, langsam durch den Mund ausatmen und bis acht zählen. Das Ganze wiederholen Sie mindestens fünf Mal. Mit der Übung können Sie Ärger genauso wegatmen wie Stress. Der Auslöser ist damit zwar noch nicht unter Kontrolle – aber Sie vermeiden Kurzschlusshandlungen, die Sie später vielleicht genauso bitter bereuen.
  2. Analysieren. Wenn Sie spüren, wie der Ärger anschwillt, machen Sie einen Schritt zur Seite und fragen Sie sich, was Sie auf die Palme treibt. Letztlich beginnt der Ärger in Ihnen selbst, das Umfeld ist nur der Auslöser. Der Abstand zu sich selbst schärft den Blick für das große Ganze. Indem Sie die erlebte Kränkung bewusst auf das Niveau holen, das ihr zusteht (Na und?!), bringen Sie auch Ihren Groll wieder auf ein Normalmaß. Und womöglich steckt hinter der teuflischen Gemeinheit auch nichts weiter als Schusseligkeit und Naivität. So what?!
  3. Schweigen. Der Punkt kann gar nicht stark genug betont werden: Solange Sie vor Wut schnauben, sollten Sie die Klappe halten. Schon im eigenen Interesse. „Ein Mensch sagt nur dann die Wahrheit, wenn er wütend ist“, schreibt Graham Greene spitzfindig in „Eine Verabredung mit dem General“. Ärger kann zum Boomerang werden, wenn man seine Zunge nicht im Zaum hält. Umgekehrt gilt das freilich auch für den Umgang mit Wüterichen: „Mit einem Vulkan ist nicht zu reden“, wusste schon Ernst Jünger.
  4. Zuhören. Streit basiert nicht selten auf Missverständnissen. Bevor Sie sich also in Rage denken, hören Sie genau zu, was andere sagen. Vielleicht ist es ganz anders gemeint als es bei Ihnen ankommt.
  5. Einordnen. Denken Sie langfristig! Rache ist oft der erste Impuls auf das Ärgernis. Rache hat aber noch nie ein Unrecht gut gemacht, sondern eher verschlimmert. „Wenn die Wut wächst, denke an die Konsequenzen”, mahnte einst Konfuzius. Wie weise! Wenn Sie Ihren Blick in die Zukunft, auf die Konsequenzen und Folgen richten, werden Sie sehr schnell erkennen, welche Reaktion die beste ist.
  6. Männer profitieren von Wut, Frauen nicht

    Sergey Nivens/shutterstock.comWut tut gut – aber nur den Männern. So haben US-Psychologen herausgefunden, dass Männer, die im Job Ihren Ärger ausdrücken, als kompetent beurteilt werden, Frauen hingegen nur als emotional.

    Für das Experiment zeigten die Wissenschaftler ihren Probanden Videos von Vorstellungsgesprächen, anschließend sollten Sie die Bewerber bewerten. In dem Film schilderten Schauspieler, ob sie eher traurig oder wütend reagieren, wenn ihnen ein Geschäftsabschluss misslingt.

    Die Crux: Zeigten die männlichen Bewerber Wut, wurden sie von den Probanden als kompetent und führungsstark beurteilt. Bei den Frauen war es genau umgekehrt: Sie galten daraufhin als emotional, wankelmütig und für Führungsaufgaben ungeeignet.

    Aber: Nannten die Frauen zugleich den Grund ihres Ärgers, zum Beispiel dass sie durch einen Kollegen unfair ausgebotet wurden, litt ihr Ansehen deutlich weniger, fanden die Forscher Victoria L. Brescoll und Eric Luis Uhlmann heraus.

    Aktivitäten

  7. Reden. Konsultieren Sie lieber einen guten Freund und schütten Sie diesem Ihr Herz aus. Reden baut Stress und Ärger ab – es hilft aber auch, die Gedanken zu sortieren und schützt zugleich vor Fehleinschätzungen. Seien Sie aber vorsichtig, wem Sie sich anvertrauen. Der Kollege gegenüber ist nicht immer der beste Ratgeber, womöglich nutzt er die Gelegenheit, um die Information später gegen Sie zu verwenden. Mit einem externen Freund sind Sie meist besser beraten.
  8. Trinken. Am besten ein Glas Wasser. Dieser einfache Trick sorgt dafür, dass Sie Ihren Ärger sprichwörtlich wegspülen und sich Ihre Nerven bald wieder beruhigen.
  9. Bewegen. Bewegung ist die beste und natürlichste Medizin gegen Ärger. Sie baut unmittelbar Stresshormone ab und schafft Distanz zu den Problemen des Alltags. Also spazieren Sie erst einmal eine Runde um den Block und stampfen Sie so Ihre Wut in Grund und Boden.
  10. Abreagieren. Auch das ist in Maßen erlaubt: gezielte emotionale Ausbrüche. Schreien Sie Ihren Bildschirm an, hauen Sie mit der Faust auf den Tisch, stampfen Sie laut auf den Boden – nur zerstören Sie dabei bitte nichts im Büro und machen Sie es so, dass es keiner mitbekommt.
  11. Progressive Muskelrelaxation. Oder andere Meditations- und Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Yoga können ein stürmisches Temperament zähmen. Die hier genannte Methode hat der Schwede Edmund Jacobson entwickelt. Dabei geht es darum, einzelne Muskelgruppen der Reihe nach gezielt anzuspannen, um sie sodann abrupt wieder zu lösen. So lässt sich der Körper binnen weniger Minuten vollständig entspannen. Es braucht dazu allerdings etwas Übung. So geht’s: Beginnen Sie mit den Füßen. Ballen Sie zuerst die Zehen für etwa vier Sekunden mit aller Kraft zusammen, dann lösen Sie den Druck schlagartig. Während Sie eine kurze Pause machen, versuchen Sie zu spüren, wie die Wärme in die Fußspitzen steigt. Danach gehen Sie von der Ferse Stück für Stück und Muskelgruppe für Muskelgruppe weiter nach oben vor. Die meisten sind schon entspannt, bevor Sie bei den Armen ankommen.
  12. Baden. Das funktioniert freilich nicht im Büro, dafür aber abends nach einem aufwühlenden Tag. Nicht wenige können bei einem warmen, duftenden Bad wunderbar abtauchen und die Seele treiben lassen. Mit ein paar flackernden Kerzen und einem Glas Rotwein wird das Ganze sogar noch zu einem höchst sinnlichen Erlebnis. Noch besser funktioniert das mit entsprechenden Duftzusätzen: Gerüche zielen direkt auf unser Gehirn und beeinflussen über das Limbische System Instinkte wie Hunger, Müdigkeit oder Sympathie. Die Aromen können zudem zur Entspannung beitragen – etwa mithilfe einer Duftkerze oder Duftlampe. So fördert Zitronenaroma etwa die Konzentration, Lavendel hilft, mathematische Aufgaben schneller und fehlerfreier zu lösen, Vanille, Rosenduft oder Ylang-Ylang entspannen, während Pfefferminz den Geist belebt.
  13. Wut beeinflusst unsere Entscheidungen

    Dan Ariely ist einer der weltweit renommiertesten Verhaltenspsychologe und lehrt am MIT Media Lab sowie an der Sloan School of Management. Immer wieder untersucht er, wie Affekte unser Verhalten oder unsere Entscheidungen beeinflussen. Ariely fand heraus, wie sehr negative Gefühle wie eben jene Wut unsere Wahl beeinträchtigen.

    Ariely suchte sich eine Gruppe von Probanden und ließ die eine Hälfte einen Fünf-Minuten-Ausschnitt aus dem wirklich sehenswerten und emotionalen Film „Life as a House“ (siehe Trailer) sehen. In der Szene feuert ein ziemlich arroganter Boss den Architekten und Hauptdarsteller, weil der nicht aufhören will, Häusermodelle der Firma mit einem Baseballschläger zu zertrümmern. Die zweite Gruppe ließ Ariely Ausschnitte aus der TV-Serie „Friends“ sehen – schöne, weichgespülte Seifenopernszenen, ganz ohne Wut.

    Kurz darauf spielten der Wissenschaftler und seine Assistenten mit den Versuchsteilnehmern das sogenannte Ultimatumspiel.

    Das Ergebnis von Arielys Experiment: Die „Life as a House“-Gucker lehnten signifikant häufiger unfaire Angebote ab als die „Friends“-Gucker und reagierten schon bei nur mäßig unfairen Offerten empfindlich. Zugegeben, soweit wäre das noch keine Raketenwissenschaft.

    Doch jetzt kommt’s: Mehrere Stunden danach, als sich die Emotionen abgekühlt und die Impressionen der beiden Filme verflüchtigt hatten, wiederholte Ariely das Ultimatumspiel. Und wieder lehnten diejenigen, die zuvor den Wutausbruch gesehen hatten, die ungleichen Geldgeschenke der Forscher deutlich häufiger ab als die Kontrollgruppe. Sie blieben gefangen in ihren bisherigen Emotionen und Erfahrungen.

    Vergeben

  14. Vergeben. Gemeint ist hier kein sentimentaler Ausbruch. Aber ohne Vergebung ist man am Ende nur noch von Feinden umgeben. Irgendwann muss man die Situation akzeptieren, wie sie ist und sich versöhnen – unabhängig davon, wie sehr man verletzt wurde. Die Vergangenheit kann man eh nicht mehr ändern. Aber die Zukunft – und damit hat jeder die Chance, wieder über sein Leben zu bestimmen. „Wenn wir unsere Feinde hassen, geben wir ihnen große Macht über unseren Schlaf, unseren Appetit, unsere Gesundheit und unsere Geistesruhe“, schrieb Andrew Carnegie. Warum sollte das so bleiben?
  15. Vergessen. Der Punkt hängt eng mit dem Vergeben zusammen. Mit der Vergangenheit abzuschließen bedeutet auch, alte Wunden nie mehr aufzureißen. Sowohl im eigenen Interesse, aber auch, weil es Teil der Abmachung ist, sich wirklich zu versöhnen und zu vergeben.
  16. Umdenken. Unsere Wahrnehmung ist alles andere als objektiv, sondern meist recht einseitig. Wer anfängt, in seinem Feind einen Menschen zu erkennen, der Motive hat und Macken, wer sich in seine Lage versetzt, entwickelt eine viel klarere Sicht der Dinge, baut eigenen Stress ab und gewinnt Verständnis. „Wir vergeben fast immer, wenn wir verstehen“, erkannte auch Michail Lermontow.
  17. Suchen. Egal, wie böse die Tat war – sie definiert den anderen nie völlig. Jeder Mensch hat auch seine guten Seiten. Zugegeben, bei manchen muss man sie länger suchen. Aber es gibt sie. Indem man seinen Blick darauf fokussiert, verändert man zwar noch nicht den anderen, aber sich selbst. Oft bemerkt man dabei, dass die Feindseligkeit nur auf Stolz, Angst, Ignoranz, Vorurteilen oder Missverständnissen beruht hat. Und womöglich erkennt man darin sogar etwas von sich selbst. Die Erkenntnis baut Feindschaft ab: „Was nicht in uns selber ist, das regt uns nicht auf“, wusste Hermann Hesse. Wie wahr!
  18. Richtig dosiert kann Wut das Ansehen steigern

    lassedesignen/shutterstock.comIn Maßen kann Wutschnauben kurzfristig die Chance erhöhen, im Ansehen der anderen zu steigen und von ihnen bewundert, unterstützt, gewählt oder gar befördert zu werden. Mehr noch: Wer ab und an ordentlich auf den Tisch haut, „bekommt meistens was er will“.

    Das hat der Sozialpsychologe Brad Bushman von der Iowa State Universität herausgefunden. Die wohlüberlegte Wutprobe (pdf) beweist Energie, Durchsetzungswillen und -kraft. Und sie überrumpelt die anderen und zwingt sie so in die Defensive.

    Bestätigt wird das von seiner Kollegin Larissa Tiedens von der Stanford Universität. Sie hat dazu eine Studie durchgeführt und die Reaktionen von Studenten auf unterschiedliche Gesichtsausdrücke untersucht.

    Das Ergebnis: Menschen, die traurig dreinschauen werden zwar als liebenswürdig eingestuft, jedoch gelten sie auch als schwach. Wer sich dagegen ärgert, wirkt stark und klug. Diesen Personen gestanden die Studenten sogar den ausgeprägteren Gerechtigkeitssinn zu sowie die Fähigkeit, ihre Dinge geregelt zu bekommen.

    Psychologische Tricks

  19. Selbstgespräche. Zum Einen können Selbstgespräche, das haben Wissenschaftler ermittelt, die eigene Leistungsfähigkeit enorm steigern, Ablenkungen und Störgeräusche ausblenden sowie helfen, Probleme schneller und besser zu lösen. Zum anderen bauen sie Stress ab, reduzieren Aggressionen und sorgen für einen differenzierteren Blick und mehr Klarheit im Geist. Das hat unter anderem der US-Psychologe Thomas Brinthaupt in seinen Untersuchungen nachgewiesen.
  20. Musik. Musik vermittelt starke Emotionen – und kann diese sowohl dämpfen wie verstärken. Mit beschwingten oder sphärischen Klängen, ruhigem Jazz, Lounge-Musik oder alten Songs, mit denen Sie glückliche Momente erinnern, können Sie schnell miese Laune, Stress oder Aggressionen vertreiben.
  21. Apropos Akustik: Wie Musik wirken auch manche Geräusche. Die Natur bringt zahlreiche Laute, Rhythmen und Töne hervor, die Sorgen vertreiben, beruhigen und uns träumen lassen. Etwa die Geräuschkulisse in einem Wald am Morgen:
  22. Perspektivwechsel. Gedanken haben enorme Macht. Wir reflektieren ständig unser Verhalten, analysieren oder kritisieren uns („Das war Absicht“, „Die können mich nicht leiden“, „Immer passiert mir das!“). Solche Gedanken sind selten wahr. Dieser innere Dialog prägt unser Handeln und unsere Gefühle jedoch zu 95 Prozent! Gerade Menschen, die zu Perfektionismus neigen, ärgern sich häufig (und unnötig!) über sich selbst. Dahinter steckt die Angst nicht mehr akzeptiert zu werden, wenn etwas nicht vollkommen ist. Ändern Sie die Perspektive und machen Sie sich bewusst: Jeder macht Fehler und oft reichen schon 80 Prozent vom Optimum. Dieselbe Sichtweise hilft übrigens auch, die Fehler anderer besser zu akzeptieren!
  23. Wahrnehmungslenkung. Für jeden Ärger, jede Anspannung gibt es einen oder mehrere Auslöser. Und um die kreisen die Gedanken. Dieses ständige Reflektieren und Grübeln ist jedoch einer der größten Stressoren. Das belegt etwa ein Experiment von William Gerin von der Columbia Universität: Je 30 Frauen und Männer sollten sich an eine Situation aus dem vergangenen Jahr erinnern, bei der ihnen der Kragen geplatzt war. Noch während sie das Übel ihren Versuchsleitern schilderten, schnellten bei allen Blutdruck und Herzfrequenz nach oben. Sie zeigten sämtliche Symptome von akutem, starkem Stress. Damit war der Versuch nicht vorbei: Kurz darauf wurden die Teilnehmer in einen Ruheraum geschickt – im ersten Durchlauf war dies ein karges Wartezimmer, beim zweiten bot der Raum reichlich Ablenkung in Form von Zeitschriften, Geschicklichkeitsspielen und einer Pinnwand mit bunten Postkarten. Effekt: Bei jenen, die sich ablenken konnten, kreisten nur noch 17 Prozent der Gedanken um den Ärger, bei den isolierten Grüblern dagegen waren es 31 Prozent – fast doppelt so viel. Sie beruhigten sich auch erst elf Minuten später als die Zerstreuten. Fazit: Ständiges Grübeln hält den Stresslevel auf konstantem Niveau – unabhängig vom Ereignis. Auch wie sich das kompensieren lässt, fanden Forscher heraus: Probanden, die sich für ein entsprechendes Experiment jeden Morgen nur für ein paar Minuten auf freundliche Gesichter fokussierten und so lernten, Negatives auszublenden, waren bereits nach einer Woche deutlich entspannter und produzierten weniger von dem Stresshormon Kortisol.
  24. Loben Sie sich. Fehlen positive Rückmeldungen, tendieren Menschen dazu, aufzugeben. Umgekehrt wirkt (Selbst-)Wertschätzung enorm positiv, wie etwa Albert Bandura, Psychologie-Professor an der Stanford-Universität, nachwies: Gelobte sind motivierter, stecken sich höhere Ziele, fühlen sich diesen stärker verpflichtet, teilweise unterstellen sie sich sogar bessere Fähigkeiten, was wiederum ihre Stressresistenz verbessert.
  25. Seien Sie dankbar. Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Dankbarkeit verbannt negative Gedanken und reduziert Stress. Überlegen Sie mal: Es hätte vielleicht noch schlimmer kommen können. Und womöglich hat Sie der akute Fauxpas noch vor größerem Schaden in der Zukunft bewahrt. Lernen Sie also, dankbarer zu werden – auch für die Dinge, die Sie schon erreicht haben, für Freunde, für Ihre Gesundheit.
  26. Üben. Üben. Üben. Wie gesagt: Ärgerkontrolle bleibt eine Frage des Trainings. Arbeiten Sie also an sich und lesen Sie diesen Artikel immer wieder mal durch. Wiederholungen prägen sich schließlich dauerhaft ein.
Extra-Tipp

Thomas Denson, seines Zeichens Psychologe, hat dazu einen simplen Rat, der ebenso merkwürdig wie denkwürdig ist. Menschen, die schnell wütend werden und sich schwer unter Kontrolle halten können, sollten einfach die andere Hand benutzen! … Hä?

Gut, das muss man jetzt erklären, was der Psychologe der Universität von New South Wales da erforscht hat. Letztlich geht es ihm dabei nicht nur um Wutkontrolle, sondern eben auch um Selbstbeherrschung. Wer Wut in sich aufsteigen spürt, solle versuchen irgendetwas mit seiner nicht-dominanten Hand zu machen: den Computer mit Maus bedienen, einen Schluck aus der Kaffeetasse trinken, so was. Nur Rechtshänder eben mit der linken Hand und umgekehrt.

Machen Sie das zwei Wochen lang, trainieren und entwickeln Sie eine neue Form der Selbstkontrolle – und bekommen damit auch Ihren Ärger in den Griff. Klingt skurril, klar. Aber der Versuch schadet sicher nicht.

Wutprobe: Wie Sie cool bleiben, wenn andere toben

ollyy/shutterstock.comEin Kollege hat miese Laune und lässt diese an Ihnen aus; ein Kunde ist unzufrieden und macht seinem Ärger Luft oder der Chef erregt sich über einen Fehler – auch das kommt im Job immer wieder vor. Für den Angebrüllten ist das allerdings eine unangenehme Situation. Wie reagiert man auf den Wutausbruch? Oder wichtiger: Wie schafft man es cool zu bleiben, wenn der andere einen anschreit und beschimpft?

Laut Jens Blechert, Wissenschaftler an der Stanford Universität braucht es dafür lediglich zwei Dinge:

  1. Gehen Sie davon aus, dass Ihr Gegenüber einen schlechten Tag hat.
  2. Beziehen Sie den Wutausbruch und das, was gesagt wird, nicht auf sich.

Oder anders formuliert: Nehmen Sie den Windschwall des Brüllaffen bloß nicht persönlich und seien Sie barmherzig. Die Fähigkeit, in die Metaebene zu wechseln und die Emotionen anderer neu zu bewerten, ist der Schlüssel zur Coolness. Oder wie Blechert sagt:

Wer diese Neubewertung von Emotionen trainiert und sich beispielsweise bewusst macht, dass sein Boss von Zeit zu Zeit schlechte Laune hat, der kann in ein Meeting gehen, während der Chef tobt und schaubt – und völlig gelassen bleiben.

Doch was ist, wenn Sie Menschen im Team haben, die leicht reizbar sind, sprich mit Cholerikern zusammenarbeiten?

Tipps im Umgang mit chronischen Wüterichen:

  1. Reagieren Sie selbst nicht emotional. Der Wutausbruch Ihres Gegenübers mag völlig ungerechtfertigt sein und es macht Sie wütend, dass Sie angebrüllt werden. Doch wenn Sie selbst emotional reagieren, führt das nur dazu, dass die Situation eskaliert. Lassen Sie sich auch nicht von dem Schreihals provozieren. Auch wenn es in einer solchen Situation schwierig ist, atmen Sie tief durch und entgegnen Sie erst einmal nichts.
  2. Versuchen Sie nicht zu besänftigen. Auf gar keinen Fall sollten Sie Beruhigungsversuche starten. Mit Aussagen wie “Jetzt beruhigen Sie sich doch erst einmal” oder “Das ist doch alles halb so wild”, bezwecken Sie nur das Gegenteil. Sie stacheln Ihr Gegenüber zusätzlich an. Für vernünftige Argumente ist dieser momentan nicht zugänglich. Aus seiner Sicht ist seine Wut begründet.
  3. Unterbrechen Sie den anderen nicht. Bevor Sie Ihre Sichtweise schildern können und Ihr Gegenüber bereit ist, Ihnen zuzuhören, muss er sich erst abreagieren. Lassen Sie ihn ausreden – und warten Sie dann selbst noch kurz bis Sie antworten. Das drosselt das Tempo und nimmt den Druck raus.
  4. Überhören Sie Angriffe. Ja, richtig gelesen. Es ist ein Zeichen von Reife und Größe, wenn Sie nicht auf jeden Fehdehandschuh reagieren. So manches Ärgernis lässt sich aus der Welt schaffen, indem Sie einfach mal auf einem Ohr taub bleiben. Damit verhindern Sie, selbst wütend zu werden.
  5. Lassen Sie die Situation auf sich beruhen. Merken Sie, dass der Konflikt hochgekocht ist und mit Ihrem Gegenüber im Moment gar nicht zu reden ist und sich auch in Ihnen langsam die Wut anstaut, sollten Sie Abstand gewinnen. Beide Seiten brauchen nun einige Zeit, um sich zu beruhigen. Dann kann das Gespräch fortgeführt werden.
  6. Teilen Sie Ihre Gefühle mit. Arbeiten Sie mit jemandem zusammen, der regelmäßig mit seinen Wutausbrüchen auffällt, sollten Sie diese Person darauf ansprechen. Bitten Sie diesen um ein Gespräch und erläutern Sie, wie Sie und andere unter dem Verhalten leiden. Bleiben Sie jedoch respektvoll und versuchen Sie nicht, den anderen in eine Abwehrposition zu drängen. Oftmals merken cholerische Personen gar nicht, wie Sie mit Ihrem Verhalten die Arbeitsbeziehung schädigen und das Klima negativ beeinflussen.
  7. Beziehen Sie andere mit ein. Sollten Sie den Eindruck haben, dass Sie die Situation nicht mehr alleine bewältigen können, sollten Sie andere Personen hinzuziehen. Schlagen beispielsweise all Ihre Bemühungen bei einem Kunden fehl, können Sie Ihren Chef oder weitere Kollegen um Hilfe bitten.
  8. Gehen Sie die Sache mit Humor an. Regt sich Ihr Gegenüber mal wieder über eine Kleinigkeit auf, machen Sie ihm die Komik der Situation bewusst. Mit einem herzlichen Lachen lasst sich die Situation entschärfen und danach ist der Ärger verraucht. Gelotologen, also Wissenschaftler, die das Lachen (griechisch: gelos) erforschen, haben herausgefunden: Lachen baut Stress ab, stärkt Abwehrkräfte und hebt die Stimmung, weil der Körper vermehrt Glückshormone ausschüttet. Vor allem aber baut es soziale Beziehungen auf und hält diese zusammen.

Ein bisschen Sport bändigt den wutschnaubenden Chef

JWM/MorguefileJames Burton und sein Team von der Northern Illinois Universität haben eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnis auf den ersten Blick ziemlich skurril anmutet: Gestresste Vorgesetzte, die unter Zeitdruck stehen, lassen ihren Frust weniger stark an den Mitarbeitern aus, wenn sie regelmäßig Sport treiben.

An dem Experiment nahmen insgesamt 98 MBA-Studenten und deren 98 Vorgesetzte teil. Die Studenten bewerteten, wie anstrengend oder gar beleidigend sie ihren aktuellen Boss empfanden (zum Beispiel: „Mein Chef bezeichnet meine Gedanken als dumm“). Die Vorgesetzten wiederum wurden gefragt, wie oft sie Sport trieben und wie viel Stress sie selbst bei ihrer Arbeit haben.

Erstes Resultat, was aber zu erwarten war: Mitarbeiter von gestressten Chefs sahen sich öfter in der Opferrolle. Zweites Ergebnis: Das traf kaum noch zu, wenn der Chef zwar gestresst war, jedoch Sport trieb. Ein bis zwei Tage Laufen, Radfahren oder Schwimmen pro Woche reichten schon aus, um den Druck weniger häufig an die Beschäftigten weiterzugeben. Wobei die Sportart selbst völlig egal war und auf das Ergebnis keinen Einfluss hatte.

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