Bewerbungsgespräch: Schon mit dem Handschlag überzeugen

Wer den Handschlag vermasselt, schlägt sich selbst die Tür vor der Nase zu. Bewerber ahnen gar nicht, wie wichtig das förmliche Händeschütteln zu Beginn des Bewerbungsgespräches ist. Ein guter Handschlag ist kräftig. Aber wie noch? Wir haben alle Tipps für Sie, damit Ihr Händedruck Eindruck hinterlässt…

Bewerbungsgespräch: Schon mit dem Handschlag überzeugen

Bewerbungsgespräch: Handschlag wichtiger als Optik

Es gibt Menschen mit einem schlaffen Händedruck, denen man durchs Feuer folgen würde. Und es gibt Menschen mit einem starken Händedruck, denen man noch nicht mal die Reinigung des Autos anvertrauen könnte. Und trotzdem: Ein starker Händedruck demonstriert Stärke – unabhängig davon, ob man sie tatsächlich hat oder nur so tut, als ob.

Genau darum geht es im Vorstellungsgespräch: Stärke zeigen. Sollten Sie im Bewerbungsgespräch hypernervös und extrem unsicher sein – überhaupt kein Problem. Sie dürfen es sich nur nicht anmerken lassen.

In diesem Zusammenhang ist der Händedruck so wichtig. Ohne starken Handschlag kein erfolgreiches Bewerbungsgespräch, das könnte man tatsächlich so verallgemeinern. Ein Dead-Fish-Handshake hingegen beendet das Jobinterview, noch bevor es begonnen hat. Insgesamt, so fand Greg Stewart von der Universität Iowa 2008 heraus, ist der Handschlag im Bewerbungsgespräch wichtiger als die Kleidung oder der optische Eindruck eines Kandidaten.

Handschlag: Wie Frauen in Erinnerung bleiben

Der Händedruck sei ein Trigger, prägend für den Gesamteindruck einer Person. „Man hört immer, dass sich ein Interviewer schon in den ersten zwei bis drei Minuten ein Bild von einer Person macht“, sagte Stewart. „Wir fanden heraus, dass der erste Eindruck beim Handschlag beginnt und dieser die Richtung für den Rest des Interviews vorgibt.“

Auch gebe der Handschlag Hinweise auf die Persönlichkeit, die Individualität eines Bewerbers. Denn Kleidung, Antworten, Rückfragen – all das sei oft sehr stark synchronisiert. Die Bewerber ähneln sich. Beim Handschlag hingegen scheine die Persönlichkeit mehr durch, mutmaßte Stewart.

Im Übrigen profitieren Frauen von einem kräftigen Händedruck noch mehr als Männer. An sie erinnere man sich eher als an ihre männlichen Pendants, da ihr Griff naturgemäß schwächer ist.

Gestützt wurden Stewarts Erkenntnisse vier Jahre später von Florin Dolcos vom Beckman Institute for Advanced Science and Technology in Illinois. Im Journal of Cognitive Neuroscience stellte der Forscher fest, dass ein Handschlag die nachfolgende soziale Interaktion positiv begünstigt und auch mögliche negativen Folgen abfedert.

Mit anderen Worten: Ein guter Händedruck kann sogar ein verhunztes Gespräch überdecken – bis zu einem gewissen Grade.

Bewerbungsgespräch Handschlag: Kräftig in Deutschland!

Bewerbungsgespräch Handschlag: Kräftig in Deutschland!Ein fester Händedruck gehört speziell in Deutschland zum guten Ton, ein schlaffer hinterlässt einen faden Beigeschmack. 89,5 Prozent der Bundesbürger bevorzugen ein festes Händeschütteln zur Begrüßung, fand die Apotheken-Umschau in einer repräsentativen Umfrage heraus.

73,3 Prozent schätzen Menschen mit einem schlaffen oder feuchten Handschlag als unsicher oder ängstlich ein. Einem Fünftel immerhin ist es dagegen lieber, man gibt sich zur Begrüßung gar nicht die Hand – aus hygienischen Gründen.

Bewerbungsgespräch: 5 Ratschläge für den Handschlag

Wie schüttelt man Hände richtig? US-Buchautorin Vanessa van Edwards gibt diese Tipps:

  1. Hände senkrecht stellen

    „Ihre beiden Hände sollten während des gesamten Händedrucks gerade und in der Vertikalen bleiben“, empfiehlt van Edwards. Das mache Sie zu einem ebenbürtigen Partner. Was Sie vermeiden sollten: Die Hand mit dem Handgelenk nach oben ausstrecken. Ein Zeichen von Schwäche.


  2. In die Augen schauen

    „Wenn Sie jemandem in die Augen schauen, sagen Sie damit, dass Sie Kontakt mit ihm oder ihr aufnehmen wollen.“ Das sei in den ersten Momenten eines Treffens viel wichtiger als alles, was Sie sagen. Wer den Blick hingegen verweigert, deute subtil an, dass er möglicherweise etwas zu verbergen hat.

    Kurz gefasst: Wer seinem Gesprächspartner nicht direkt in die Augen sieht, kann dessen Hand noch so gekonnt schütteln. Der erste Eindruck wird kein guter sein. Aber: Bitte nicht anstarren! Länger als 3,3 Sekunden sollte der Blickkontakt nie sein – sonst wird es creepy…


  3. Hände umarmen

    Kräftiger Händedruck – schön und gut. Aber wie kräftig soll er denn sein? Ja, ein schlaffer Händedruck transportiert Unsicherheit. Handschläge aber, die sich wie Knochenbrecher anfühlen, sind unangenehm.

    „Um es sich leichter vorzustellen, denke ich bei Handshakes gerne an Hand-Umarmungen – man will fest genug sein, dass man sie drückt, aber nicht so fest, dass sie sich dabei verspannen“, meint van Edwards. „Wenn Sie nicht wissen, ob Ihr Handschlag die richtige Stärke hat, üben Sie es mit ein paar ehrlichen Freunden und fragen Sie sie, wie sie sich dabei fühlen, wenn Sie ihre Hand schütteln.“


  4. Nassen Händedruck vermeiden

    Auch schwitzige Hände interpretiert man gerne als Zeichen von Unsicherheit. Einen Eindruck, den Bewerber vermeiden wollen. Tipp: Schnell noch mit einem Taschentuch den Schweiß wegwischen, bevor man die Eingangshalle des Unternehmens betritt.

    Anderer Tipp: Ein Wasserglas mit einer Serviette umwickeln. Das ermöglicht es Ihnen, die Hände zu trocknen, während Sie Ihr Getränk halten. Oder einfach schnell auf der Toilette verschwinden und die Hände dort trocknen. Ist das alles nicht mehr möglich, dann die Hand dezent an der Seite halten, um sie schnell und kurz am eigenen Körper abreiben zu können.


  5. Länge beachten

    Kräftig sollte er sein. Aber wie lange sollte man eigentlich zudrücken? Normalerweise, so van Edwards, schüttele man die Hand ein bis dreimal auf und nieder. „Wenn Sie es eilig haben, dann ist einmal gut, aber gehen Sie ruhig bis drei hinauf, wenn es sich um eine längere Begegnung handeln wird.“

    Und da ein Bewerbungsgespräch durchaus etwas Zeit in Anspruch nimmt, sollten Sie Ihre Hand nicht nach dem ersten Händedruck ruckartig wieder wegziehen.

Bewerbungsgespräch Handschlag: Noch mehr Tipps

Worauf sollten Bewerber noch achten? Hier sind sieben weitere Tipps:

  • Initiative

    Sie sind der Gast, das Unternehmen der Gastgeber. Warten Sie also, bis der Gesprächspartner Ihnen die Hand reicht. Tut er das nicht, dürfen Sie ihm einen Minuspunkt verpassen. Nicht vergessen: Auch Unternehmen sollten im Vorstellungsgepräch überzeugen.

  • Grip

    Kräftig drücken, und zwar mit der ganzen Hand. Nicht nur zwei Finger hinausstrecken, keinen Fist Bump machen. Mit der ganzen Hand Halt suchen und geben.

  • Sauberkeit

    Sind Ihre Hände eigentlich sauber? Wer weiß, vielleicht sind Kuli-Spuren drauf oder Tomatenreste vom Mittagessen. Könnte ja sein. Also vorher abwaschen.

  • Freundlichkeit

    Ja, Der Handschlag sollte kräftig sein, aber gleichzeitig eine freundliche Geste. Also nicht vergessen, währenddessen zu lächeln!

  • Aggression

    Selbstvertrauen ist gut, übersteigertes Selbstbewusstsein bis hin zur Aggressivität weniger. Darum: Verpassen Sie dem Personaler keinen Quetschie! Nicht ZU fest drücken…

  • Abstand

    Der Personaler empfängt sie, um Ihnen die Hand zu geben, Sie gehen auf ihn zu. Aber bitte rechtzeitig stehenbleiben – ungefähr bei einer Armlänge Abstand. Sie wollen ja nicht ihm kuscheln…

  • Körperhaltung

    Während Sie händeschütteln, bitte gerade stehen, Rücken durchdrücken, keinen Bückling machen. Es sei denn, Sie bewerben sich bei der Queen.

[Bildnachweis: TATSIANAMA by Shutterstock.com]
20. Dezember 2017 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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