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4 von Jochen Mai am 30. Oktober 2008 → Artikel in Büro
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Chefzäpfchen – Schleimen wird gerade wieder in

TreppensturzDer Begriff des deleveraging geistert derzeit durch die Medien. Gemeint ist damit, dass die Wirtschaft weltweit jene Schulden abbaut, auf denen bisher mancher Boom basierte. Deleveraging ist freilich trotzdem ein Euphemismus. Schuldenabbau geht meist mit Kosteneinsparungen einher, und die bedeuten in diesen Zeiten: Arbeitnehmer müssen den Gürtel enger schnallen, auf Weihnachtsgeld verzichten, Überstunden abbauen – und manchmal wird ihr Arbeitsplatz gleich mitabgebaut.

In deutschen Büros wächst die Angst um den Job. Denn die Einschläge kommen – wie hier beschrieben – immer näher. Entsprechend aktiv und erfinderisch werden viele Angestellte, um ihren Job doch noch irgendwie zu retten. In den USA, wo die Jobkrise bereits deutlich zu spüren ist, sogar noch mehr. Beim Zeitarbeitsvermittler Randstad habe ich eine aufschlussreiche Studie (pdf) gefunden, die wunderbar zeigt, wie sehr die Menschen ihre Chefs gerade wieder mögen. Ein paar Kennziffern:

  • 77 Prozent der Arbeitnehmer sagen, dass sie eine gute Beziehung zu ihrem Chef anstreben.
  • 72 Prozent der Arbeitnehmer möchten etwas unternehmen, um ihren Boss zu beeindrucken.
  • 64 Prozent charakterisieren ihren Boss mit wohlwollenden Attributen.
  • 57 Prozent wollen Mehrarbeit leisten und zusätzliche Projekte übernehmen.
  • 47 Prozent sind bereit, Überstunden zu machen, um ihren Job zu sichern.

Im Ernst: Die Zahlen offenbar natürlich anderes: blanke Panik. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses überragende Engagement allein auf neuerlicher Sympathie zu den eigenen Managern basiert. Und schaut man genauer hin, entdeckt man andere Zahlen. Die sagen:

  • Nur 35 Prozent der Arbeitnehmer glauben, dass ihr Chef eine gute Führungskraft oder ein guter Mentor ist.
  • Nur 50 Prozent glauben, dass ihr Boss kompetent ist.
  • Nur 22 Prozent halten ihren Chef für einen guten Motivator.
  • Und 13 Prozent der Männer denken, sie sind schlauer als ihr Boss; bei den Frauen sind es 6 Prozent.

Etwas verkürzt könnte man die Ergebnisse auch so zusammenfassen: Um den Job zu behalten, wird derzeit geschleimt, was das Zeug hält. Zugegeben, schleimen hat immer etwas Ekliges an sich. Dennoch ist es eine der erfolgreichsten Strategien. Das bestätigten etwa Chad Higgins von der Universität von Washington in Seattle und sein Kollege Timothy Judge von der Uni von Florida in Gainesville. In ihren Untersuchungen bekamen Studenten, die den Personalverantwortlichen im Bewerbungsgespräch schmeichelten, häufiger einen Job als jene, die nur für ihre Kompetenzen warben.

Chefs zu loben ist jedoch eine Kunst. Sobald er die Absicht dahinter spürt, verkehrt sich die Wirkung. Deshalb sollte Ihr Lob ehrlich sein, bleiben Sie bei den Fakten und übertreiben Sie nicht. Der zweite Trick: Seien Sie emotional. Echte Begeisterung erhöht die Glaubwürdigkeit des Laudators. Drittens: Verzichten Sie auf sämtliche Einschränkungen. Jeder Schönheitsfleck degradiert das Lob zur Fassade.



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1. Kommentar

Gerhard Zirkel
30.10.08 um 17:51 Uhr

Bin ich froh, keine Angst mehr um meinen Job haben zu müssen. Zumindest hängt dieser nicht mehr von meiner Nettigkeit gegenüber einem Chef ab :) Obwohl mein letzter Chef schon in Ordnung war – da gab es nichts zu meckern.

Gerhard Zirkel
*der von der Krise eher profitiert*

2. Kommentar

Pialein
31.10.08 um 07:43 Uhr

Oh Mann, ich studiere zwar noch und arbeite nebenbei, aber das mit der Jobsuche wird garantiert kein Zuckerschlecken. Wenn es der Wirtschaft weiterhin so dreckig geht und die Bankenkrise ein immer größeres Ausmaß nimmt, dann sehe ich für Deutschlands Zukunft total schwarz!!

3. Kommentar

Gerhard Zirkel
31.10.08 um 17:33 Uhr

@Pialein

Ja, das ist genau die Einstellung dich einen im Leben weiterbringt. “Ich hab eh keine Chance” “Alles ist schlecht” – :)

Mal ernsthaft, gar so schlecht schaut es auch wieder nicht aus und wenn man ein wenig kreativ ist und nicht unbedingt mit dem Kopf durch die Wand will, geht immer was.

Also Kopf hoch und auf zum Erfolg

Gerhard Zirkel

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