So ein Handschlag dauert in der Regel drei bis vier Sekunden. Nicht länger. Längeres Händedrücken bleibt eher engen Freunden vorbehalten. Und: Geschüttelt wird dabei bitte nie! Gerührt aber auch nicht. Händeschütteln ist ein Fauxpas; wer sich begegnet, gibt und drückt sich die Hand. Allerdings schwingt in der Geste mehr mit – der Händedruck ist nicht nur eine bloße Begrüßung, sondern ein nonverbales Signal, mit wem man es zu tun hat. Und er entscheidet nicht selten sofort darüber, ob man den anderen sympathisch findet oder nicht.

Neben dem Blickkontakt, der Stimme oder dem Duft eines Menschen, ist sein Händedruck einer der stärksten Sympathiebringer und damit entscheidend für den berühmt berüchtigten ersten Eindruck. In der Regel ist er die erste körperliche Begegnung zweier Menschen. Und solche Berührungen – selbst wenn sie kurz sind – hinterlassen große Wirkung. Mehr noch: Sie sagen etwas über uns aus.

Was genau? Hier ein Versuch, typische Handschlag-Varianten zu interpretieren:

Der Goldene Handschlag – Wie sich Profis die Hand geben

  • Der Distanz-Handschlag: Die Hand wird weit vom Körper gestreckt, so dass zwischen Beiden der größtmögliche Raum bleibt. Das kann ein Zeichen von Antipathie sein – oder auch für Reserviertheit sprechen, Motto: „Mein Vertrauen musst du dir erst noch verdienen.“
  • Der intime Handschlag: Das Gegenteil zum Distanz-Handschlag. Hier wird die Hand kaum vom Körper abgerückt, so dass sich beide extrem auf die Pelle rücken. Womöglich hat das einen sexuellen Hintergrund – vor allem wenn ER ihr dabei näher kommen will. Es kann aber auch eine subtile Dominanzgeste sein, weil derjenige so zwangsläufig in die Intimzone seines Gegenübers eindringt. Vorsicht: Die Variante macht schnell unsympathisch.
  • Der schlaffe Händedruck: Den meisten Menschen gilt er als Indiz für einen schüchternen, durchsetzungsschwachen Zeitgenossen. Psychologen sagen sogar, er sei typisch für Pessimisten. Keine Frage: der Karrierekiller unter den Handschlägen.
  • Der Zangen-Handschlag: Dieser Typ drückt Ihnen nicht einfach nur die Hand – er nimmt Sie regelrecht in die Zange und lässt Ihre Hand so schnell nicht mehr los. Jedenfalls vermittelt er den Eindruck, als würde er den Arm gleich dazu haben wollen. Hier verspricht jemand: „Ich weiß, was ich will und werd’s mir auch nehmen.“
  • Der Roboter-Handschlag: Sie stehen noch nicht in Reichweite, schon fährt die Hand hoch – oder ihr Gegenüber geht Ihnen mit ausgestreckter Hand entgegen. Anschließend wird automatisch und emotionslos das Programm abgespult: „Guten Tag“ sagen, Hand drücken, loslassen, Arm runterfahren, sprechen: „Schönes Wetter heute“ zum Beispiel. Willkommen in Metropolis! Sie grüßen gerade eine Arbeitsmaschine – oder jemanden, dem Sie ziemlich schnuppe sind.
  • Der Frontal-Handschlag: Ihr Gegenüber strahlt vor Testosteron, der Handschlag energisch fest, fast dominant, die Augen aufgerissen, der Blick stier. Womöglich haben Sie es hier mit einer Engstirne zu tun, jemand, der nicht gerne von seinem Weg abweicht, kaum zuhört und sich gerne durchsetzt.
  • Der Hand-Kanten-Schlag: Kommt in der Regel nur unter Männern vor und ist ein verkappter Schwanz- Kräftevergleich, wer den größeren Druck ausüben (und aushalten) kann. Dabei wird gegenseitig und immer fester zugedrückt – bis einer nachlässt. Danach ist eigentlich alles klar und nichts mehr zu sagen.
  • Der normale Handschlag: kurz, fest, mit freundlichem Blick in die Augen – so begrüßen sich Profis.

Eine jüngere Untersuchung von Florin und Sanda Dolcos, beide vom Beckman Institute kam gar zu dem Ergebnis: Der Handschlag verstärkt die positive Wirkung einer Person enorm. Als meist erste soziale Interaktion zwischen zwei Menschen aktiviert der Handschlag nachweislich diverse Hirnregionen – und zwar stärker als alle anderen verbalen Begrüßungsriten:

We found that it not only increases the positive effect toward a favorable interaction, but it also diminishes the impact of a negative impression. Many of our social interactions may go wrong for a reason or another, and a simple handshake preceding them can give us a boost and attenuate the negative impact of possible misunderstandings.

Für Florin Dolcos führt der Handschlag nicht nur zu positiveren Gefühlen, er hat tatsächlich enorme Macht. Nicht nur im Geschäftsleben. Doch wie geht das Handgeben richtig? Ganz einfach: so…

Anleitung für den perfekten Handschlag

  1. Falls Sie sitzen, stehen Sie zum Händedruck auf.
  2. Stellen Sie sicher, dass Ihre Hand trocken ist.
  3. Im Büro obliegt es dem Chef, ob er Ihnen die Hand reicht.
  4. Als Gastgeber reichen Sie Ihren Gästen die Hand – dem Ranghöchsten zuerst.
  5. Der Schwung dazu kommt aus dem Ellbogen, nicht aus der Schulter.
  6. Halten Sie Blickkontakt, nicht auf die Hände schauen.
  7. Stellen Sie sich dabei mit Namen vor.
  8. Profis wiederholen den Namen Ihres Gegenübers mit einem Gruß: „Herr Huber: Herzlich Willkommen!“

PS: Es gibt sogar eine Formel für den perfekten Handschlag.