Victory-Handzeichen-Reise-Ausland
Die Mission war heikel. 1995 reiste der US-Kongressabgeordnete Bill Richardson in den Irak, um mit dem damaligen Präsidenten Saddam Hussein über die Freilassung von zwei Amerikanern zu verhandeln. Als sich Richardson hinsetzte, kreuzte er dummerweise seine Beine so, dass Hussein seine Schuhsohlen sehen konnte. Ein schwerer Affront! Wütend verließ der irakische Präsident sofort den Raum und brach die Verhandlung ab. Richardson hätte es besser wissen sollen: Die Schuhsohle gilt in vielen arabischen und asiatischen Kulturen als schmutziger Teil am Menschen. Sie jemandem zu zeigen, ist eine schwere Beleidigung.

Tückische Gesten, die gefährlich werden können

Tipps-Neinsagen-KonsequentMan kann nicht nicht kommunizieren, mahnte schon der Philosoph Paul Watzlawick. Selbst wenn wir schweigen, spricht unser Körper. Das Problem dabei ist: Unsere Körpersprache ist keine globale Universalsprache. Einige Gesten können je nach Land und Kulturkreis völlig unterschiedliche Bedeutungen haben.

In Indien, Pakistan und Bulgarien zum Beispiel wiegen Zuhörer, wenn sie dem Redner zustimmen, ihren Kopf hin und her, was uns Westeuropäer eher an Kopfschütteln und damit an eine Verneinung erinnert. Im arabischen Raum wiederum kann schon das Hochziehen einer Augenbraue ein „Nein“ bedeuten. Kulturell ungeübte Geschäftsreisende kann das schon mal in arge Bedrängnis bringen.

Die neun gefährlichsten Gesten im Ausland

Allein was Sie mit Ihren Händen alles anrichten können! Wer möchte schon in der Türkei jemanden mit dem ausgestreckten Daumen nach oben zu homosexuellen Praktiken einladen, obwohl er vielleicht nur sagen wollte: "Gefällt mir super hier!". In Quentin Tarantinos Film "Inglourious Basterds" wiederum enttarnt sich ein englischer Spion nur durch das falsche Handzeichen: Er bestellt drei Whisky, indem er dem Wirt drei Finger zeigt - Ring-, Mittel- und Zeigefinger. Fatal! So bestellen Engländer, Deutsche nutzen dazu traditionell Daumen, Zeige- und Mittelfinger.

Der Krieg ist zum Glück lange vorbei - die Gefahr von Missverständnissen besteht jedoch weiterhin.

Damit Ihnen solche Malheurs nicht passieren, haben wir die acht tückischsten Handzeichen (und eine Mimik) für Sie dechiffriert.

Um die Erläuterungen dazu zu lesen, klicken Sie bitte einfach auf die jeweiligen Bilder...

Wer mit dem Finger auf etwas zeigt, wirkt kompetenter

Apropos Handzeichen: Während das Fingerzeigen auf jemanden in der Öffentlichkeit als grob unhöflich gilt, hat das Zeigen auf ETWAS eine ganz andere Wirkung: Es lässt denjenigen prompt kompetenter erscheinen - erst recht, wenn der vorher als ignorant galt.

Das ist das Ergebnis einer Studie von den beiden Psychologen Carolyn Palmquist und Vikram Jaswal an der Universität von Virginia. Auf etwas zu zeigen - das kennen wir schon vom Lehrer aus der Schule - ist eine Autoritätsgeste. Da körpersprachliche Signale viel stärker auf unser Gegenüber wirken, als beispielsweise das gesprochene Wort, bleibt der Fingerzeig nicht ohne machtvolle und suggestive Wirkung.

Wenn jemand auf etwas zeigt, schauen wir sofort dorthin. Kinder wie Erwachsene. Also rekrutierten die beiden Forscher eine Gruppe von Vorschulkindern, die beurteilen sollten, wie kompetent zwei Erwachsene auf sie wirkten.

Es war ein einfaches Spiel: Die beiden Erwachsenen erzählten jeweils, dass unter einem von vier Bechern ein roten Ball versteckt sei und sie natürlich genau wüssten wo. Der Trick daran war: Ein Erwachsener hatte den Ball vor den Augen der Kinder tatsächlich dort versteckt, tat aber so, als sei er dabei ein wenig abgelenkt.

Nun kam der eigentliche Test:

  • Für die eine Gruppe zeigten die Erwachsenen simultan auf einen der vier Becher, aber jeder auf einen anderen.
  • Für die zweite Gruppe tippten die Erwachsenen die Becher nur an (was ein bisschen so aussieht, wie zeigen, aber nicht als derart starke kommunikative Geste gilt);
  • gegenüber der Kontrollgruppe taten sie nichts, sondern sagten nur, wo sie den Ball wähnten.

Dann waren die Kinder dran und sollten beurteilen, welcher von beiden den Durchblick hätte. Tatsächlich: Bei den Erwachsenen, die auf den Becher getippt hatten sowie in der Kontrollgruppe entschieden sich die Kleinen mehrheitlich für den Verstecker. Nicht so im Fall der Fingerzeiger: Wenn beide Erwachsenen auf den Becher zeigten - eine eigentlich wissender und ein ignoranter -, dann fanden die Kinder ausgerechnet letzteren viel glaubwürdiger, so als würde der Fingerzeig sie vergessen lassen, was Fakt und was Fiktion ist.

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