Kreativitätstechniken Beispiele
Kreativität ist eine der Schlüsselressourcen der Zukunft. Wer an der Spitze bleiben will, braucht kontinuierlich neue Ideen. Das Problem mit diesen genialen Ideen: Sie kommen wann und wo sie wollen. Einfach hinsetzen, nachdenken und die Geistesblitze zählen - so einfach funktionieren Kreativitätstechniken leider nicht. Erfinderisch zu sein, ist oftmals harte Kopfarbeit, mehr Frust als Lust. Trotzdem gibt es einige Tricks und Kniffe, wie Sie der eigenen Kreativität dezent auf die Sprünge zu helfen können...

Kreativität: Was ist das und wo entsteht sie?

Übersicht der KreativtechnikenTatsächlich halten sich nur wenige Menschen für kreativ. Das liegt zum Teil am eingeengten Verständnis des Begriffs Kreativität. Kreativität wird danach fälschlicherweise mit Innovationen gleichgesetzt. Hier der Unterschied:

  • Kreativität bezeichnet die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln.
  • Innovation ist eine Bezeichnung für die mit technischem, sozialem und wirtschaftlichem Wandel einhergehenden Neuerungen.

Kreativität ist die Voraussetzung für Innovation. Durch Kreativität werden Ideen generiert. Als Innovation wird die Umsetzung neuer Ideen bezeichnet. Das kann in der Tat nicht jeder; die Fähigkeit, Ideen zu generieren, aber bringt jeder Mensch mit.

Hirnforscher suchen seit Jahrzehnten nach dem Sitz der Kreativität. Mit Hirnscans haben Forscher beobachtet, welche Areale des Gehirns beim Lösen kreativer Aufgaben aktiv sind. Resultat: Es gibt kein einzelnes Kreativitätsareal, dabei sind vielmehr verschiedene Hirnregionen aktiv.

Eine wichtige Rolle spielt aber die Geschwindigkeit, in der das Gehirn arbeitet: Bei der Messung der Hirnströme zeigte sich, dass kreative Menschen in der Lage sind, rasch zwischen einer niedrigen und einer hohen Geschwindigkeit hin und her zu wechseln. Aus diesem Grund sollten kreative Prozesse aus mehreren Phasen bestehen.

Kreativitätstechniken: Was kreative Menschen auszeichnet

Ollyy/shutterstock.comBevor wir uns einigen Kreativitätstechniken und Beispielen widmen, gehen wir noch einer anderen Frage nach: Gibt es Eigenschaften, die uns kreativer machen? Oder anders gefragt: Haben Menschen, die besonders kreativ sind, auffällige Gemeinsamkeiten?

Der US-Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi (gesprochen: Mihai Tschick-Sent-Mi-Haii) ist einer der bekanntesten und renommiertesten Kreativitätsforscher und ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis seiner Analyse lässt sich letztlich mit einem Wort zusammenfassen: Komplexität.

Kreative Menschen sind nicht nur enorm vielseitig, sie sind auch enorm widersprüchliche Menschen, die gegensätzliche Eigenschaften auf famose Art vereinen. Konkret:

  1. Kreative Menschen sind energiegeladen und ruhebedürftig.

    Sie arbeiten viele Stunden, können sich gut konzentrieren, sind euphorisch und von einer elektrisierenden Aura umgeben. Das heißt aber nicht, dass sie hyperaktiv wären. Tatsächlich brauchen Kreative ebenso häufig Ruhe um sich herum und schlafen viel und oft. Oder anders formuliert: Sie kontrollieren ihre Energie sehr gut. Wenn es sein muss, ist Ihr Verstand so fokussiert wie ein Laserstrahl, danach allerdings nutzen sie die freie Zeit, um ihre Batterien wieder aufzuladen.

  2. Kreative Menschen sind smart und naiv zugleich.

    Eine der ältesten Studien zum Thema Intelligenz stammt von Lewis Terman von der Stanford Universität aus dem Jahr 1921. Er konnte zeigen, dass Kinder mit einem besonders hohen Intelligenzquotienten auch im späteren Leben gut zurecht kamen. Allerdings kam dabei heraus, dass ab einem bestimmten IQ-Wert noch höhere Intelligenz nicht zwangsläufig mit größerem Lebenserfolg korrelierte. Spätere Studien zeigten, dass dieser Scheitelpunkt bei einem IQ-Wert um 120 liegt. Csikszentmihalyi vermutet, dass es unter diesem Wert schwer ist, ausgesprochen kreativ zu sein, insbesondere weil die Kreativen so erst in der Lage sind, gegenteilig oder widersprüchlich (konvergent wie divergent) zu denken. Allerdings muss ein noch höherer Intelligenzquotient nicht zwangsläufig kreativer machen.

  3. Kreative Menschen sind ebenso verspielt wie diszipliniert.

    Das Spielerische ist zweifellos eine Haupteigenschaft der Kreativen. Während die meisten Menschen fragen "Warum?", fragen sich Kreative eher: "Warum eigentlich nicht?" Gleichzeitig können Sie sich aber auch in ihre Sache verbeißen und entsprechend konzentriert bis spät in die Nacht daran arbeiten, wenn es fertig werden muss.

  4. Kreative Menschen leben in Phantasie und Realität.

    Imagination und Vorstellungskraft sind Bedingungen, um innovativ zu wirken. Fehlt ihnen aber der Bezug zur Realität, bleibt es nur ein schöner Ausflug ins Never-Never-Land. Das, was eine kreative Idee letztlich auszeichnet, ist nicht etwa ihre Kühnheit, sondern die Tatsache, dass jeder früher oder später erkennt, dass sie wahr (oder eben realistisch) ist.

  5. Kreative Menschen sind introvertiert wie extrovertiert.

    Die aktuelle psychologische Forschung kommt zu dem Schluss, das Extraversion (oder deren Gegenteil) die stabilste Ausprägung einer Persönlichkeit ist. Gleichzeitig sieht es so aus, als würden ausgerechnet kreative Menschen beide Varianten auf sich vereinen.

  6. Kreative Menschen sind stolz und bescheiden.

    Normalerweise erwarten wir, dass berühmte oder besonders erfolgreiche Menschen dazu neigen, arrogant oder hochmütig zu werden. Sie haben ja auch durchaus ein paar plausible Gründe dafür. Bei den Kreativen ist das aber anders: Einerseits sind sie natürlich stolz auf ihren Einfall (was sie gerne extrovertiert äußern). Gleichzeitig wissen sie aber auch um den Zufalls-Faktor und das Glück, das womöglich zur Entdeckung geführt hat. Zudem sind sie so auf neue Inspirationen fokussiert, dass sie ihre bahnbrechenden Idee oft schrullig präsentieren und schon durch neue Gedanken anreichern.

  7. Kreative Menschen entsprechen nicht klassischen Geschlechterrollen.

    Bei Psychotests, die maskuline oder feminine Ausprägungen von Jugendlichen aufzeigen sollen, zeigt sich häufig: Kreative Mädchen sind auffällig oft taffer und dominanter als ihre Geschlechtsgenossinnen, während kreative Jungs häufig sensibler und weniger aggressiv als andere Jungs in ihrem Alter sind. Dabei geht es weniger um Androgynie oder gar Homosexualität. Sondern vielmehr darum, dass kreative Menschen nicht nur die Stärken ihres eigenen Geschlechts, sondern auch die des anderen auf sich vereinen.

  8. Kreative Menschen sind rebellisch und konservativ.

    Es ist unmöglich kreativ zu sein, ohne zuvor eine gewisse Kultur verinnerlicht zu haben, aus der man sich dann freilich umso innovativer heraus bewegt. Nur traditionell zu sein, hieße sich nicht mehr zu bewegen. Rebellion ohne Bezug wiederum ergibt keinen Sinn. Einfach nur etwas anders zu machen, anders zu sein, ist ein negativer Impuls – und nicht einmal ein kreativer. Aber etwas Neues zu wagen, weil dies eine Verbesserung des status quo darstellt, ist ebenso rebellisch – nur viel konstruktiver.

  9. Kreative Menschen sind leidenschaftlich und selbstkritisch.

    Sie bewerten ihr Tun aber auch objektiv. Ohne Leidenschaft, verlieren wir irgendwann die Lust an der Sache und geben auf. Erst recht, wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellt. Deshalb brauchen Innovatoren Leidenschaft. Blinde Leidenschaft kann allerdings ruinös oder gar zerstörerisch wirken. Deshalb brauchen sie ab und an auch einen selbstkritischen Blick.

  10. Kreative Menschen sind offen und sensibel.

    Das lässt sie aber auch darunter leiden. Denken Sie an großartige Schriftsteller: Die meisten leiden regelrecht körperlich, wenn sie schlechte Texte lesen. Gleichzeitig nehmen sie jede Nuance, jede feine Botschaft – auch die zwischen den Zeilen – in sich auf. Kreative sind aufgeschlossen und neugierig, sie hungern nach neuen Erfahrungen und Impulsen. Das bedeutet aber auch, dass Sie dabei manchmal mehr Dinge erleben, als ihnen lieb ist.

Die Schattenseiten der Kreativität

 ollyy/shutterstock.comKreativität wird mit positiven Eigenschaften wie Flexibilität, einer schnellen Auffassungsgabe, künstlerischer Neigung und unkonventionellen Lösungen assoziiert. Stereotype wie das des exzentrischen Künstlers, des wahnsinnigen Genies oder der launischen Diva sind jedoch Hinweise darauf, dass Kreativität auch eine dunkle Seite hat.

So lange diese Schattenseiten Ihnen bewusst sind, ist das kein Problem. Dann können Sie diese kontrollieren:

  • Kreative lügen häufiger. Viele kreative Menschen sind professionelle Lügner, die auch noch dafür bezahlt werden, möglichst gute Lügen zu erfinden. Bevor Sie sich jetzt aufregen: Das ist völlig in Ordnung, denn gut erzählte Romane und Filme sind im Endeffekt nichts anderes als künstlerisch gesponnene Lügengeschichten. Jeder Leser und Zuschauer weiß natürlich, dass es sich dabei nicht um die Realität, sondern Fiktion handelt. Daher ist diese Form der Lüge vollständig akzeptiert. Doch einer Studie zufolge neigen kreative Menschen auch im Alltag dazu, Lügen als einen Ausweg zu sehen. Die Wissenschaftler gaben den Teilnehmern der Studie einige typische Alltagsprobleme vor. Kreative Menschen bedienten sich häufig einer Lüge, um die Situationen schnell zu lösen. Oder anders ausgedrückt: Sie gingen kreativ mit der Wahrheit um. Auch wenn die Versuchung zu lügen vielleicht groß ist, sollten kreative Menschen immer an die langfristigen Folgen denken und bei der Wahrheit bleiben.
  • Kreative neigen zu Arroganz. Eine der Stärken von kreativen Menschen ist: Sie sind offen für neue und ungewöhnliche Ideen und befassen sich mit unkonventionellen Ansätzen. Können sie ihren Mitmenschen verständlich machen, worum es bei diesen neuen Ansätzen geht? Leider nicht. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie der Universität von North Carolina in Greensboro. In der Studie wurde deutlich, dass kreative Menschen eher Probleme mit anderen Personen haben, da sie wenig bescheiden und ganz und gar nicht zurückhaltend waren, wenn es um ihre eigene Person ging. Anders ausgedrückt: Kreative Menschen sind nach den Ergebnissen der Studie arrogant.
  • Kreative neigen zum Exzentrischen. Das sprichwörtlich verrückte Genie kennt jeder. Doch wie viel Wahrheit steckt darin? Studien kommen zu einem gemischten Ergebnis: Zwar ist eine psychotische Neigung bei kreativen Menschen stärker ausgeprägt als Menschen mit geringer Kreativität. Diese Neigung wird jedoch meist durch hohes Selbstbewusstsein, Intelligenz und Selbstbeherrschung ausgeglichen. Zudem kommt es auf den Bereich an, in dem die Kreativität zum Ausdruck kommt. Bei kreativen Begabungen im naturwissenschaftlichen Bereich ist die geistige Stabilität und Gesundheit am stärksten ausgeprägt, während sie in den Sozialwissenschaften – übrigens auch in der Psychologie – abnimmt und im künstlerischen Bereich ihren Tiefpunkt erreicht. Verrückt sind kreative Menschen deshalb nicht automatisch, viele können jedoch durchaus als exzentrisch bezeichnet werden. Wenn Sie selbst eine exzentrische Neigung haben sollten Sie für genug Ausgleich und Ruhe sorgen, denn solche Neigungen treten vor allem in Stresssituation und unter andauernder Belastung deutlich hervor.

Kreativitätstechnik: Gehen Sie raus!

Bei jedem Geistesblitz entstehen neue Verbindungen zwischen unseren beiden Gehirnhälften. Effekt: Das Gehirn erkennt das Neue als passend, und man selbst hat das absolut sichere Gefühl: Es stimmt.

Einige Hirnforscher gehen heute davon aus, dass chemische Botenstoffe dafür verantwortlich sind, dass es in unserer Oberstube Klick macht. Einer dieser Neurotransmitter ist Dopamin. Er übermittelt etwa die Befehle des Nervensystems an die Muskulatur, macht uns euphorisch und verstärkt unsere Assoziationskraft. Kurz: Es fördert Kreativität.

Gleichzeitig glauben viele Forscher, dass die Ausschüttung von Dopamin abhängig vom Umfeld ist – also von den Orten und Räumen, in denen wir leben oder arbeiten.

  • Danach sei der Schreibtisch für kreative Gedanken jedoch der ungeeignetste Ort: Mit ihm assoziieren wir Arbeit, Stress, Druck. Das hemmt.
  • Beim Duschen kommen einem dagegen oft die besseren Ideen. Genauso beim Joggen, beim Schlafen oder sogar auf dem Klo. Der Grund laut dem Schweizer Psychiater und Kreativitätsforscher Gottlieb Guntern: Entspannung und Zerstreuung. Sie sind das A und O, damit kreative Gedanken aufblühen können.

Spannend: Im Dämmerzustand sind wir besonders kreativ. Das wiederum fand Mareike Wieth, Psychologie-Professorin am Albion College heraus. Ihren Studien zufolge ist die kreativste Zeit jene, wenn wir am wenigsten produktiv sind: kurz vor dem Schlafengehen, wenn es im Gehirn schon beginnt, ein wenig zu nebeln und wir unseren Gedanken beim Verklären zuschauen.

Wieths Probanden hatten in dem Dämmerzustand ihre kreativsten Ideen und Gedanken. Nur analytische Probleme löst man in dieser Zeit besser nicht.

Spazieren macht kreativ

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Das ist das Ergebnis einer Studie von Marily Oppezzo und Daniel L. Schwartz von der Stanford Universität. Laut Ihren Untersuchungen reicht schon einfaches Gehen, um bessere Ideen zu bekommen und Erfindungsgeist sowie Assoziationen zu wecken. Für ihre Studien ließen die Forscher ihre Probanden eine Reihe von Experimenten vollziehen: Einmal saßen die Teilnehmer in einem kleinen weißen Raum und sollten sich überlegen, was man mit einem bestimmten Objekt (zum Beispiel einem Schalterknopf) alternativ alles anstellen könnte. Die einen mussten dabei im Zimmer sitzen bleiben, die anderen spazierten eine Runde um den Block. Ergebnis: 100 Prozent der Spaziergänger kamen hernach mit mehr und kreativeren Ideen zurück.

Um herauszufinden, ob es der Spaziergang an der frischen Luft oder einfach nur die Bewegung war, die die kognitiven Fähigkeiten beflügelte, schickten die Forscher eine dritte Kontrollgruppe zwischen den einzelnen Tests einfach nur auf ein Laufband. Darauf sollten die Probanden aber nicht joggen, sondern einfach nur eine kurze Zeit gehen. Ergebnis: Auch diese Testgruppe hatte hernach deutlich mehr Einfälle, im Schnitt doppelt so viele wie die Stubenhocker.

Das Bemerkenswerte daran: Die Versuchsteilnehmer hatten nicht nur während des Spaziergangs gute Ideen am laufenden Band – auch danach noch wirkte das Gehen und verschaffte Ihnen einige Heureka-Momente.

Kreativitätstechniken Beispiele: Übersicht klassischer Methoden

Rawpixel/shutterstock.comObwohl es ja eigentlich um Neuer und extraordinäre Ideen geht, laufen Kreativprozesse doch meist nach demselben Schema ab - jedenfalls, wenn sie geplant sind und Sie der Geistesblitz nicht zufällig heimsucht:

  • Alles beginnt mit der Analyse des Ist-Zustands: Was ist die Ausgangslage? Wo liegt das Problem?
  • Darauf folgt die sogenannte Zieldefinition: Wo wollen Sie hin? Was sollen die neuen Ideen leisten? Diese Phase ist wichtig, damit Sie eine Richtung für Ihre Ideen bekommen.
  • Nun kommt die Teamzusammenstellung: Laden Sie nicht alle Kollegen zum Brainstorming ein. Wählen Sie die Leute nach Ihren Stärken aus (siehe auch Rollen-Techniken unten). Kleine Teams sind dabei oft produktiver.
  • Jetzt geht es ans Eingemachte und in die eigentliche Kreativphase: Ab diesem Zeitpunkt gilt Quantität vor Qualität! Generieren Sie so viele Ideen, wie möglich. Und natürlich sollte jeder die Chance haben, sich zu beteiligen - egal, ob Chef oder Praktikant. Kritik und Kommentare sind absolut tabu. Ausgewählt wird später.
  • Nämlich jetzt - in der sogenannten Selektionsphase. Nun schauen Sie sich alle Ideen und Vorschläge an: Welche sind brauchbar, welche nicht? Diskutieren Sie gemeinsam über die Umsetztbarkeit und wählen Sie die Favoriten aus. Übergehen Sie Eitelkeiten von Kollegen, die ihre Idee durchboxen wollen. Die beste gewinnt.
  • Am Schluss steht die Ausarbeitungsphase. Aus Ideen werden Innovationen. Leiten Sie die nächsten Schritte zur Umsetzung ab, verteilen Sie die Aufgaben und verbessern Sie die Details.

Das Prinzip dieses Phasenschemas haben sich auch zahlreiche namhafte Kreativitätstechniken zunutze gemacht. Die bewährtesten Techniken stellen wir Ihnen in der folgenden Übersicht vor (die Reihenfolge stellt keine Wertung dar):

  1. Kreativtechnik: Mindmapping

    Einer der Klassiker unter den Kreativitätstechniken. Mit einer Art Karte werden die Gedanken strukturiert und Ideen visualisiert. Es wird ein zentrales Thema festgelegt und weitere Ideen drumherum gesammelt. Auf diese Weise können Verbindungen hergestellt werden und Zusammenhänge werden sichtbar. Wichtig dabei ist jedoch, dass nur mit Schlüsselbegriffen gearbeitet wird. Auf Detailbeschreibungen sollte verzichtet werden.

  2. Kreativtechnik: Brainwriting

    Dabei handelt es sich um eine Technik, die ähnlich wie das Brainstorming funktioniert. Das Brainstorming bietet vor allem extrovertierten Teilnehmern die Chance, sich einzubringen. Das Brainwriting hingegen bezieht alle mit ein: Hierfür sitzen alle Anwesenden im Kreis um einen Tisch. Jeder schreibt seine Ideen ganz oben auf ein DIN-A4-Blatt. Nach 5 bis 10 Minuten werden die Ideen an den linken Tischnachbarn weitergegeben. Dieser ergänzt die Idee mit seinen Gedanken. Jede Idee wird solange weitergereicht bis jeder die Gelegenheit hatte, alle Ideen zu ergänzen. Die aufgeschriebenen Skizzen bilden danach eine Diskussionsgrundlage.

  3. Kreativtechnik: Brainwalking

    Diese Methode ist eine Abwandlung des Brainwriting und macht sich die Tatsache zu nutze, dass Bewegung den Kopf frei macht und Raum für Kreativität schafft. Hierfür werden Flipcharts an verschiedenen Stellen über ein weiträumiges Gebiet verteilt. Jeder Teilnehmer wandert die einzelnen Stationen ab und ergänzt die Flipcharts mit den eigenen Einfällen. Die Ergebnisse werden im Anschluss diskutiert.

  4. Kreativtechnik: Walt Disney Methode

    Sie geht tatsächlich auf den Schöpfer von Micky Maus, Donald Duck, Goofy & Co. zurück. Der US-Filmproduzent entwickelte diese Methode, um Denkblockaden zu überwinden. Dazu schlüpfen die Teilnehmer in drei verschiedene Rollen: den Träumer, den Realisten und den Kritiker. Die Teilnehmer nehmen während der Ideenfindung abwechselnd jede Rolle an und argumentieren aus dieser speziellen Sichtweise. Damit das funktioniert, sollte die Größe der Gruppe neun Personen nicht überschreiten. Begonnen wird mit der Rolle des Träumers: Er denkt chaotisch und visionär und lässt sich weder durch (logische) Regeln noch Traditionen einschränken. Der Realist konzentriert sich danach auf das Machbare – jedoch mit viel gutem Willen: Falls die Idee des Träumers umgesetzt würde, was wäre dazu nötig? Was würde es kosten? Wichtig ist, dass der Realist stets vor dem Kritiker gehört wird. So bekommt die Vision die Chance, ihr Potenzial zu zeigen. Erst dann schlägt der Kritiker zu, stellt konstruktive (!) Fragen, prüft, analysiert und verbessert das vorläufige Ergebnis. Danach beginnt der Prozess von vorne, der Kritiker übergibt die Lösung zurück an den Träumer, der sie weiterspinnt und so weiter. Sobald der Kritiker keine offenen Fragen mehr hat, der Realist von dem Gelingen des Projekts überzeugt und der Träumer von dessen Strahlkraft begeistert ist, liegt ein optimales Ergebnis vor.

    Eine weitere Rollen- oder Perspektivtechnik ist die sogenannte Raikov Methode.

  5. Kreativtechnik: De Bono Hüte

    Diese Methode funktioniert ähnlich wie die Walt-Disney-Methode, auch hierbei werden verschiedene Rollen eingenommen. Der britische Psychologe und renommierten Lehrer für kreatives Denken, Edward de Bono, erweiterte Disneys Modell jedoch auf sechs Perspektiven und wies ihnen verschiedenfarbige Hüte zu:

    • Weiß: Dieser Typ betrachtet die Fakten – nüchtern, analytisch, wertfrei. Er sammelt Informationen und verschafft sich einen Überblick.
    • Rot: Ein Bauchmensch. Dieser Typ ist nicht rational, sondern emotional, intuitiv. Er hört auf seine innere Stimme und bewertet so die Fakten, etwa die des weißen Typs.
    • Schwarz: Der Kritiker. Skepsis bestimmt sein Denken: Wo lauern unbedachte Risiken und Gefahren? Was spricht gegen das Projekt? Objektiv – nicht gefühlt.
    • Gelb: Dieser Typ ist das genaue Gegenteil des Schwarzmalers. Er ist ein Optimist, sucht und formuliert Chancen. Jedoch ohne Euphorie. Die obliegt allein dem Typ Rot.
    • Grün: Der Kreative hat einfach immer Ideen. Die sind verrückt und nicht immer gut, aber Dank seiner assoziativen Gedanken beflügelt er den Geist der anderen und bringt sie auf bisher unbedachte Lösungen.
    • Blau: Er ordnet alles, moderiert, dirigiert, entscheidet. Dieser Typ behält immer einen unabhängigen Überblick und sucht das beste Ergebnis – das aber nicht zwingend auf seinem Mist gewachsen sein muss.

    Selbst wenn nicht alle Farbtypen in einem Team vertreten sind, lassen sich mit dieser Technik zumindest kreative Prozesse anstoßen, indem Sie entweder a) verschiedenen Kollegen jeweils eine Farbe und Eigenschaft bewusst zuordnen, b) das Team nach genau diesen Stärken zusammenstellen oder c) alle mal reihum verschiedene Hüte aufsetzen. Nur bitte nicht sprichwörtlich, sonst sind die Kollegen vor Ihrer Karnevaltruppe bald auf der Hut.

    Eine neuere Erweiterung der Teamrollen stammt indes von dem britischen Psychologie-Professor Meredith Belbin. Er formulierte ganze 9 Perspektiven - die Belbin Teamrollen.

  6. Kreativtechnik: Osborn-Methode

    Der Mitbegründer der Werbeagentur BDO (später BBDO), Alex Osborn, gilt nicht nur als Urvater des Brainstormings, sondern auch als Entwickler einer weiteren Kreativitätstechnik, die heute seinen Namen trägt: Es ist eine Art Fragenkaskade, um Assoziationen im geschäftlichen oder auch privaten Umfeld zu fördern. Die Fragen lauten:

    • Wofür kann ich es noch verwenden?
    • Kann ich es anders einsetzen?
    • Weist das Problem auf andere Ideen hin?
    • Ist es etwas anderem ähnlich?
    • Was lässt sich ändern?
    • Welche Eigenschaften lassen sich umgestalten?
    • Lässt sich etwas vergrößern, hinzufügen, vervielfältigen?
    • Lässt sich etwas verkleinern, wegnehmen, verkürzen?
    • Was kann ersetzt werden?
    • Welche Bedingungen können geändert werden?
    • Kann die Reihenfolge oder Struktur geändert werden?
    • Kann die Idee ins Gegenteil gekehrt werden?
    • Kann der Ablauf umgekehrt werden?
    • Können Ideen kombiniert oder Personen verbunden werden?

    Eine noch detaillierte Liste von Fragen wird indes Osborn-Checkliste genannt. Diese sollen etwa auf Karten geschrieben und zufällig gezogen, beziehungsweise spontan beantwortet werden.

  7. Kreativtechnik: SCAMPER

    Auch diese Kreativtechnik arbeitet mit einer Checkliste aus verschiedenen Fragen und ist damit mit der Osborn-Methode verwandt. Der Begriff selbst ist ein Akronym, das sich aus den englischen Begriffen zusammensetzt, die ihr Erfinder, Bob Eberle, damals kombinierte:

    • Substitute - Welche Komponenten, Materialien, Personen lassen sich ersetzen?
    • Combine - Welche Funktionen, Angebote, Dienstleistungen überschneiden sich oder lassen sich kombinieren?
    • Adapt - Welche zusätzlichen Elemente können ergänzt werden?
    • Modify - Lassen sich Farben, Größe, Materialien, Menüpunkte modifizieren?
    • Put to other purposes - Wie kann man Vorhandenes noch nutzen?
    • Eliminate - Weniger ist mehr: Welche Elemente/Komponenten lassen sich entfernen, vereinfachen, reduzieren?
    • Reverse - Lassen sich Elemente auch entgegengesetzt nutzen oder die Reihenfolge ändern?

    Was auf den ersten Blick vielleicht etwas trivial wirkt, hat es jedoch in sich: Was die Kreativtechnik so effektiv macht, ist der provozierte Perspektivwechsel der den Fragen innewohnt. Sie stellen damit alles, was Sie bisher als normal oder gegeben hingenommen haben noch einmal infrage oder gar auf den Kopf.

EXTRATIPP: Ist für eine Kreativsitzung keine Zeit, doch Sie brauchen dennoch Input von außen, um auf Ideen zu kommen, sollten Sie Twitter nutzen. Unter dem Hashtag "Followerpower" können Sie um Ideen und Vorschläge bitten.

PS: Die genannten Beispiele der Kreativitätstechniken können Sie sich hier auch gratis als PDF herunterladen.

Tools für die Ideenfindung

  • mindmeister. Das Tool ermöglicht es Mindmaps online zu erstellen, mit anderen Nutzern zu teilen und daran zusammenzuarbeiten. In der Basic Version können drei Mindmaps kostenfrei erstellt werden.
  • Prezi. Es ist ein Präsentationstool, das die Art zu präsentieren revolutionieren sollte. Auf einer weißen Fläche lassen sich Text, Bilder und Video nach Belieben anordnen. Mithilfe von Rahmen kann dann auf ausgewählte Bereiche der Fläche gezoomt werden. Doch nicht nur Präsentationen lassen sich auf diese Weise bauen. Das Tool eignet sich auch, um Ideen zu sammeln. Alle Ideen und Vorschläge, die im Gespräch auftauchen, können so in einem ersten Schritt erst einmal gesammelt werden, dann sortiert und in Zusammenhang gebracht werden.
  • Whiteboard Fox. Dabei handelt es sich um ein Tool, bei dem sich die Teilnehmer eines Ideenfindungsprozesses auf einem Whiteboard in Echtzeit austauschen können. Damit wird auch ein Austausch von Ideen möglich, wenn sich nicht alle Teilnehmer in einem Raum befinden. Das Tool bietet auch die Möglichkeit, Zeichnungen und Bilddateien ins Whiteboard zu integrieren.
  • Mood Stream. Sie suchen ein Bild oder Musik, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen? Dieses Tool hilft Ihnen dabei. Anhand von Einstellungen, wie traurig oder fröhlich und ähnlichen erhalten Sie Vorschläge und können daraus ein Moodboard erstellen. Angeboten wird der Dienst von Getty Images.

Kreativitätskiller: Faktoren, die Kreativtechniken blockieren

Kreativtechniken blockierenViel leichter als eine Idee zu bekommen, ist es, die keimende Kreativität gleich wieder zu beerdigen – aus Neid oder aus Prinzip. Der doppelte Vorteil: Irgendwie wirkt der Kritiker dabei selbst recht smart – und die wenigsten nehmen ihn in die Pflicht, eine bessere Alternative zu entwickeln.

Klassische Wege, Kreativität schon im Keim zu ersticken, sind entsprechend:

  • Pauschalkritik
  • Verweis auf Traditionen, Normen, feste Prozesse
  • Dramatisierung der Riskien
  • Persönlicher Angriff

Die Strategien funktionieren freilich auch in Form des Allzwecksatzes, der von jeglicher Denkanstrengung entbindet: Hamwerschonimmersogemacht. Aber natürlich existieren noch weitaus subtilere und gemeinere Formen. Fünf davon und deren übliche Einwände...

  • Es ist zu einfach, um wahr zu sein. Die einfachsten Lösungen sind oft die besten. Leider glauben - vor allem wir Deutschen - gerne das Gegenteil: Nur wenn etwas kompliziert ist (oder wenigstens so klingt, kann es auch klappen. Blödsinn! Keep it simple ist ein Erfolgsrezept, das schon seit Jahrhunderten gilt.
  • Es funktioniert sowieso nicht. Wenn Glaube Berge versetzt, kann Zweifel diese aufschütten. Nicht selten lassen wir uns von im Vorfeld von Bedenken und hypothetischen Szenarios abschrecken, statt der Idee eine Chance zu geben.
  • Es ist praktisch unmöglich. Das haben die Bedenkenträger rund um Christoph Kolumbus wohl auch gedacht, als der einen Seeweg nach Indien entdecken wollte. Trotzdem hat er es gewagt. Gut, mit dem ursprünglichen Plan ist er trotzdem gescheitert. Aber das Ergebnis war letztlich noch viel besser. Welche Innovationen sind je entstanden, weil ihre Entdecker an das Unmögliche glaubten? Eben.
  • Es gibt noch eine bessere Alternative. Die gibt es (fast) immer. So wie die Suche nach selbiger oft nichts weiter ist, als eine Hinhalte- oder Vermeidungstaktik. Und somit Selbstbetrug. Wer solange wartet, bis er die beste Lösung gefunden hat, verpasst womöglich etwas anderes: den besten Zeitpunkt dafür.
  • Sie sind der Einzige, der daran glaubt. Das kann natürlich wirklich daran liegen, dass die Idee Murks ist. Oft stammt dieser Einwand aber auch von eloquenten Alpha-Tieren, die eifersüchtig darüber wachen, dass die besten Ideen von ihnen selbst stammen. Nicht selten beerdigen solche Typen durch geschickte Rhetorik einen brillanten Gedanken, weil der sie in den Schatten stellt. Lassen Sie sich also bloß nicht davon einschüchtern!

Störungen mindern Kreativität

alphaspirit/shutterstock.comAls Cyrus Foroughi, Doktorand an der George Mason Universität, erstmals genauer untersuchte, wie Unterbrechungen oder kurze Störungen kreative Prozesse beeinflussen, stellte er fest: Sie hemmen – und zwar massiv. Nicht nur, dass die Probanden, die in den Experimenten Essays schreiben sollten, plötzlich weniger schrieben – sie verfügten dabei auch über einen eingeschränkten Wortschatz. Die störungsfreien Teilnehmer dagegen schrieben im Schnitt 317 Wörter mehr - und besser.

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