alphaspirit/shutterstock.comKreativität ist eine Schlüsselressource der Zukunft. Wer oben an der Spitze bleiben will, braucht kontinuierlich neue Ideen. Die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt kann das Leben eines Menschen verändern. Die eine geniale Idee hat bereits Unternehmer, Künstler und Wissenschaftler berühmt gemacht. Doch woher kommen diese Ideen? Einfach hinsetzen, nachdenken und die Geistesblitze zählen: So einfach funktionieren Kreativitätstechniken leider nicht. Auf gute Ideen zu kommen (Fachjargon: Ideenfindung), ist oftmals harte Kopfarbeit, mehr Frust als Lust. Trotzdem gibt es einige Tricks und Kniffe, um der eigenen Kreativität dezent auf die Sprünge zu helfen…

Kreativität: Was ist das?

Nur wenige Menschen halten sich für kreativ. Das liegt zum Teil an dem eingeengten Verständnis von Kreativität, das viele Menschen haben. Kreativität wird häufig fälschlicherweise mit Innovation gleichgesetzt. Hier der Unterschied:

  • Kreativität bezeichnet die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln.
  • Innovation ist eine Bezeichnung für die mit technischem, sozialem und wirtschaftlichem Wandel einhergehenden Neuerungen.

Kreativität ist die Voraussetzung für Innovation. Durch Kreativität werden Ideen generiert. Als Innovation wird die Umsetzung neuer Ideen bezeichnet. Die Fähigkeit Ideen zu generieren, bringt jeder Mensch mit.

Der Sitz der Kreativität

alphaspirit/shutterstock.comFest steht, dass Kreativität in unseren Köpfen entsteht. Hirnforscher suchen bereits seit Jahrzehnten nach dem Sitz der Kreativität im menschlischen Gehirn.

Mit Hirnscans haben Forscher beobachtet, welche Areale des Gehirn beim Lösen kreativer Aufgaben aktiv sind. Man fand heraus, dass es kein einzelnes Kreativitätsareal gibt, sondern dabei viele verschiedene Hirnregionen aktiv sind.

Eine wichtige Rolle spielt die Geschwindigkeit, in der das Gehirn arbeitet. Bei der Messung von Hirnströmen zeigte sich etwa, dass kreative in der Lage sind, rasch zwischen einer niedrigen und einer hohen Geschwindigkeit hin und her zu wechseln. Aus diesem Grund sollten kreative Prozesse aus mehreren Phasen bestehen.

Aus biologischer Sicht kann also jeder Mensch kreativ sein, doch es gibt Menschen, denen es leichter fällt neue Ideen zu finden.

Merkmale kreativer Menschen: Was kreative Menschen auszeichnet

Gibt es Eigenschaften, die uns kreativer machen? Oder anders herum gedacht: Wenn Menschen besonders kreativ sind – haben Sie auffällige Gemeinsamkeiten. Der US-Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi (gesprochen: Mihai Tschick-Sent-Mi-Haii) ist einer der bekanntesten und renommiertesten Kreativitätsforscher. Csikszentmihalyi ist den Eingangsfragen nachgegangen. Seine Analyse lässt sich letztlich auf ein Wort verdichten: Komplexität. Kreative sind nicht nur enorm vielseitig, sie sind auch sehr widersprüchliche Menschen, die durchaus gegensätzliche Eigenschaften auf famose Art vereinen.

  1. Kreative Menschen… sind energiegeladen und doch schweigsam bis ruhebedürftig. Sie arbeiten viele Stunden, können sich gut konzentrieren, sind euphorisch und von einer elektrisierenden Aura umgeben. Das heißt aber nicht, dass sie hyperaktiv wären. Tatsächlich brauchen Kreative ebenso häufig Ruhe um sich herum und schlafen viel und oft. Oder anders formuliert: Sie kontrollieren ihre Energie sehr gut. Wenn es sein muss, ist Ihr Verstand so fokussiert wie ein Laserstrahl, danach allerdings nutzen sie die freie Zeit, um ihre Batterien wieder aufzuladen.
  2. Kreative Menschen… sind smart und naiv zugleich. Eine der ältesten Studien zum Thema Intelligenz stammt von Lewis Terman von der Stanford Universität aus dem Jahr 1921. Er konnte zeigen, dass Kinder mit einem besonders hohen Intelligenzquotienten auch im späteren Leben gut zurecht kamen. Allerdings kam dabei heraus, dass ab einem bestimmten IQ-Wert noch höhere Intelligenz nicht zwangsläufig mit größerem Lebenserfolg korrelierte. Spätere Studien zeigten, dass dieser Scheitelpunkt bei einem IQ-Wert um 120 liegt. Csikszentmihalyi vermutet, dass es unter diesem Wert schwer ist, ausgesprochen kreativ zu sein, insbesondere weil die Kreativen so erst in der Lage sind, gegenteilig oder widersprüchlich (konvergent wie divergent) zu denken. Allerdings muss ein noch höherer Intelligenzquotient nicht zwangsläufig kreativer machen.
  3. Kreative Menschen… sind ebenso verspielt wie diszipliniert. Das Spielerische ist zweifellos eine Haupteigenschaft der Kreativen. Während die meisten Menschen fragen “Warum?”, fragen sich Kreative eher: “Warum eigentlich nicht?” Gleichzeitig können Sie sich aber auch in ihre Sache verbeißen und entsprechend konzentriert bis spät in die Nacht daran arbeiten, wenn es fertig werden muss.
  4. Kreative Menschen… oszilieren zwischen Fantasie und Realität. Imagination und Vorstellungskraft sind Bedingungen, um innovativ zu wirken. Fehlt ihnen aber der Bezug zur Realität, bleibt es nur ein schöner Ausflug ins Never-Never-Land. Das, was eine kreative Idee letztlich auszeichnet, ist nicht etwa ihre Kühnheit, sondern die Tatsache, dass jeder früher oder später erkennt, dass sie wahr (oder eben realistisch) ist.
  5. Kreative Menschen… tendieren dazu beides zu sein: introvertiert wie extrovertiert. Die aktuelle psychologische Forschung kommt zu dem Schluss, das Extraversion (oder deren Gegenteil) die stabilste Ausprägung einer Persönlichkeit ist. Gleichzeitig sieht es so aus, als würden ausgerechnet kreative Menschen beide Varianten auf sich vereinen.
  6. Kreative Menschen… sind stolz und bescheiden zur gleichen Zeit. Normalerweise erwarten wir, dass berühmte oder besonders erfolgreiche Menschen dazu neigen, arrogant oder hochmütig zu werden. Sie haben ja auch durchaus ein paar plausible Gründe dafür. Bei den Kreativen ist das aber anders. Einerseits sind sie natürlich stolz auf ihren Einfall (was sie gerne extrovertiert äußern). Gleichzeitig wissen sie aber auch um den Zufalls-Faktor und das Glück, das womöglich zur Entdeckung geführt hat. Zudem sind sie so auf neue Inspirationen fokussiert, dass sie ihre bahnbrechenden Idee oft schrullig präsentieren und schon durch neue Gedanken anreichern.
  7. Kreative Menschen… entsprechen nicht klassischen Geschlechterrollen. Bei Psychotests, die maskuline oder feminine Ausprägungen von Jugendlichen aufzeigen sollen, zeigt sich häufig: Kreative Mädchen sind auffällig oft taffer und dominanter als ihre Geschlechtsgenossinnen, während kreative Jungs häufig sensibler und weniger aggressiv als andere Jungs in ihrem Alter sind. Dabei geht es weniger um Androgynie oder gar Homosexualität. Sondern vielmehr darum, dass kreative Menschen nicht nur die Stärken ihres eigenen Geschlechts, sondern auch die des anderen auf sich vereinen.
  8. Kreative Menschen… sind ebenso rebellisch wie konservativ. Es ist unmöglich kreativ zu sein, ohne zuvor eine gewisse Kultur verinnerlicht zu haben, aus der man sich dann freilich umso innovativer heraus bewegt. Nur traditionell zu sein, hieße sich nicht mehr zu bewegen. Rebellion ohne Bezug wiederum ergibt keinen Sinn. Einfach nur etwas anders zu machen, anders zu sein, ist ein negativer Impuls – und nicht einmal ein kreativer. Aber etwas Neues zu wagen, weil dies eine Verbesserung des status quo darstellt, ist ebenso rebellisch – nur viel konstruktiver.
  9. Kreative Menschen… sind oft leidenschaftlich bei der Sache. Sie bewerten ihr Tun aber auch objektiv. Ohne Leidenschaft, verlieren wir irgendwann die Lust an der Sache und geben auf. Erst recht, wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellt. Deshalb brauchen Innovatoren Leidenschaft. Blinde Leidenschaft kann allerdings ruinös oder gar zerstörerisch wirken. Deshalb brauchen sie ab und an auch einen selbstkritischen Blick.
  10. Kreative Menschen… sind offen und sensibel. Das lässt sie aber auch darunter leiden. Denken Sie an großartige Schriftsteller: Die meisten leiden regelrecht körperlich, wenn sie schlechte Texte lesen. Gleichzeitig nehmen sie jede Nuance, jede feine Botschaft – auch die zwischen den Zeilen – in sich auf. Kreative sind aufgeschlossen und neugierig, sie hungern nach neuen Erfahrungen und Impulsen. Das bedeutet aber auch, dass Sie dabei manchmal mehr Dinge erleben, als ihnen lieb ist.

Schattenseiten: Die dunklen Seiten der Kreativität

 ollyy/shutterstock.comSind Sie kreativ? Und wenn ja, sind Sie stolz darauf? Nachvollziehbar wäre es, denn Kreativität wird meistens mit positiven Eigenschaften wie Flexibilität, einer schnellen Auffassungsgabe, künstlerischer Neigung und unkonventionellen Lösungen assoziiert. Doch das stimmt nicht ganz, denn Begriffe wie der des exzentrischen Künstlers, des wahnsinnigen Genies oder der launischen Diva sind Hinweise darauf, dass Kreativität eben auch dunkle Seiten hat. So lange diese Schattenseiten Ihnen als kreativem Menschen bewusst sind, ist das kein Problem, dann können Sie diese kontrollieren.

  • Kreative lügen häufiger. Viele kreative Menschen sind professionelle Lügner, die auch noch dafür bezahlt werden, möglichst gute Lügen zu erfinden. Bevor Sie sich jetzt aufregen: Das ist völlig in Ordnung, denn gut erzählte Romane und Filme sind im Endeffekt nichts anderes als künstlerisch gesponnene Lügengeschichten. Jeder Leser und Zuschauer weiß natürlich, dass es sich dabei nicht um die Realität, sondern Fiktion handelt. Daher ist diese Form der Lüge vollständig akzeptiert. Doch einer Studie zufolge neigen kreative Menschen auch im Alltag dazu, Lügen als einen Ausweg zu sehen. Die Wissenschaftler gaben den Teilnehmern der Studie einige typische Alltagsprobleme vor. Kreative Menschen bedienten sich häufig einer Lüge, um die Situationen schnell zu lösen. Oder anders ausgedrückt: Sie gingen kreativ mit der Wahrheit um. Auch wenn die Versuchung zu lügen vielleicht groß ist, sollten kreative Menschen immer an die langfristigen Folgen denken und bei der Wahrheit bleiben.
  • Kreative neigen zu Arroganz. Eine der Stärken von kreativen Menschen ist: Sie sind offen für neue und ungewöhnliche Ideen und befassen sich mit unkonventionellen Ansätzen. Können sie ihren Mitmenschen verständlich machen, worum es bei diesen neuen Ansätzen geht? Leider nicht. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie der Universität von North Carolina in Greensboro. In der Studie wurde deutlich, dass kreative Menschen eher Probleme mit anderen Personen haben, da sie wenig bescheiden und ganz und gar nicht zurückhaltend waren, wenn es um ihre eigene Person ging. Anders ausgedrückt: Kreative Menschen sind nach den Ergebnissen der Studie arrogant.
  • Kreative neigen zum Exzentrischen. Das sprichwörtlich verrückte Genies kennt jeder, doch wie viel Wahrheit steckt darin? Studien kommen hier zu einem gemischten Ergebnis: Zwar ist eine psychotische Neigung bei kreativen Menschen stärker ausgeprägt als Menschen mit geringer Kreativität. Diese Neigung wird jedoch meist durch hohes Selbstbewusstsein, Intelligenz und Selbstbeherrschung ausgeglichen. Zudem kommt es auf den Bereich an, in dem die Kreativität zum Ausdruck kommt. Bei kreativen Begabungen im naturwissenschaftlichen Bereich ist die geistige Stabilität und Gesundheit am stärksten ausgeprägt, während sie in den Sozialwissenschaften – übrigens auch in der Psychologie – abnimmt und im künstlerischen Bereich ihren Tiefpunkt erreicht. Verrückt sind kreative Menschen deshalb nicht automatisch, viele können jedoch durchaus als exzentrisch bezeichnet werden. Wenn Sie selbst eine exzentrische Neigung haben sollten Sie für genug Ausgleich und Ruhe sorgen, denn solche Neigungen treten vor allem in Stresssituation und unter andauernder Belastung deutlich hervor.

Spazieren macht kreativ

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Das ist das Ergebnis einer Studie von Marily Oppezzo und Daniel L. Schwartz von der Stanford Universität. Laut Ihren Untersuchungen reicht schon einfaches Gehen, um bessere Ideen zu bekommen und Erfindungsgeist sowie Assoziationen zu wecken. Für ihre Studien (PDF) ließen die Forscher ihre Probanden eine Reihe von Experimenten vollziehen. Einmal saßen die Teilnehmer etwa in einem kleinen weißen Raum und sollten sich überlegen, was man mit einem bestimmten Objekt (zum Beispiel einem Schalterknopf) alternativ alles anstellen könnte. Die einen mussten dabei im Zimmer sitzen bleiben, die anderen spazierten eine eine Runde. Das entspannte sie nicht nur. 100 Prozent der Spaziergänger kamen hernach mit mehr und kreativeren Ideen zurück.

Um herauszufinden, ob es der Spaziergang an der frischen Luft oder einfach nur die Bewegung war, die die kognitiven Fähigkeiten beflügelte, schickten die Forscher eine dritte Kontrollgruppe zwischen den einzelnen Tests einfach nur auf ein Laufband. Darauf sollten die Probanden aber nicht joggen, sondern einfach nur eine kurze Zeit gehen.

Ergebnis: Auch diese Testgruppe hatte hernach deutlich mehr Einfälle: im Schnitt doppelt so viele wie die Stubenhocker.

Das Bemerkenswerte daran: Die Versuchsteilnehmer hatten nicht nur während des Spaziergangs gute Ideen am laufenden Band – auch danach noch wirkte das Gehen und verschaffte Ihnen einige Heureka-Momente.

Kreative Orte: Kreativität braucht Abwechslung

Bei jedem Geistesblitz entstehen neue Verbindungen zwischen den beiden Gehirnhälften. Effekt: Das Gehirn erkennt das Neue als passend, und man selbst hat das absolut sichere Gefühl, es stimmt. Einige Hirnforscher gehen heute davon aus, dass chemische Botenstoffe dafür verantwortlich sind, dass es in unserer Oberstube Klick macht. Einer davon: Dopamin. Er übermittelt etwa die Befehle des Nervensystems an die Muskulatur, macht uns euphorisch und verstärkt unsere Assoziationskraft. Kurz: Es fördert Kreativität.

Gleichzeitig glauben viele Forscher, dass die Ausschüttung von Dopamin abhängig vom Umfeld ist – also von den Orten und Räumen, in denen wir leben oder arbeiten.

Danach sei der Schreibtisch für kreative Gedanken jedoch der ungeeignetste Ort: Mit ihm assoziieren wir Arbeit, Stress, Druck. Und das hemmt. Beim Duschen kommen einem dagegen oft die besseren Ideen. Genauso beim Joggen, beim Schlafen oder sogar auf dem Klo.

Aus gutem Grund. So hat der Schweizer Psychiater und Kreativitätsforscher Gottlieb Guntern festgestellt: Entspannung und Zerstreuung sind das A und O, damit kreative Gedanken aufblühen können.

Via Twitter haben wir heute gefragt, was Ihre liebsten Inspirationsquellen sind. Mit großem Dank an alle, die mitgemacht haben, präsentieren wie hier einige der inspirierenden Antworten:

Kreativ im Job: Arbeitsbedingungen, die Kreativität fördern

  • Kommunikation: Jeder Mitarbeiter sollte die Möglichkeit haben, einfach frei heraus sagen zu können, was ihm gerade durch den Kopf geht. Keine seiner Äußerungen sollte verurteilt werden.
  • Austausch: Die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern sollte gefördert und intensiviert werden. Viele Ideen entstehen spontan, beispielsweise in einer Diskussion beim Kaffee.
  • Fehler: Die Möglichkeit Fehler zu machen sollte eingeräumt werden. Trial and error ist ein wichtiger Bestandteil der Ideengenerierung. Doch wenn ein Mitarbeiter fürchten muss, seine Karriere durch Fehler zu beschädigen, wird er keine neuen Wege gehen.
  • Stressfreiheit: Nur in einer stressfreien Umgebung können gute Ideen entstehen. Wenn zu angestrengt versucht wird eine Idee zu generieren, blockiert das Gehirn. Bei der Suche nach Ideen ist es auch wichtig, dass die Gelegenheit besteht innezuhalten. Wer noch nebenher zig Aufgaben zu erledigen hat, wird sich nicht auf die Suche konzentrieren können.
  • Zeitdruck: In einem kurzen Zeitraum eine gute Idee hervorzubringen ist schwierig und erzeugt Stress. Die Zeit für die Ideenfindung sollte daher nicht zu knapp bemessen sein. Ganz ohne geht es natürlich auch nicht, weil sonst eine Aufschubmentalität entsteht.

Im Dämmerzustand sind wir besonders kreativ

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Early birds aufgepasst: Im Dämmerzustand ist man kreativer! Echt jetzt. Oder vielmehr sagt das Mareike Wieth, Psychologie-Professorin am Albion College. Ihren Studien zufolge ist die kreativste Zeit, jene, wenn wir am wenigsten produktiv sind: Nämlich kurz vor dem Schlafengehen, wenn es im Gehirn schon beginnt, ein wenig zu nebeln und wir unseren Gedanken beim Verklären zuschauen können. Jedenfalls reagierten Wieths Probanden so: Analytische Probleme löst man in dieser Zeit besser nicht. Aber ihre kreativsten Ideen und Gedanken hatten die Teilenehmer im Dämmerzustand.

Ablauf eines Kreativprozesses

Um gute und kreative Ideen zu finden, sollten Sie die Ideengenerierung in unterschiedliche Phasen einteilen.

  1. Analyse des Jetzt-Zustands: Was ist der aktuelle Stand? Was ist das Problem?
  2. Zieldefinition: Wo wollen Sie hin? Das ist wichtig, damit Sie eine Richtung für Ihre Ideen bekommen.
  3. Teamzusammenstellung: Laden Sie nicht all Ihre Kollegen zur Ideenfindung ein. Überlegen Sie sich ganz genau, wen Sie, weshalb dabei haben wollen. Ein kleines Team ist produktiver. Bringen Sie unterschiedliche Charaktere zusammen, beispielsweise den Pragmatiker und den Träumer.
  4. Kreativphase: In dieser Phase gilt ausnahmsweise Quantität vor Qualität. Generieren Sie so viele Ideen, wie möglich.
  5. Selektionsphase: Nun schauen Sie sich alle Ideen an. Welche sind brauchbar? Diskutieren Sie gemeinsam über die Umsetztbarkeit.
  6. Ausarbeitung: Leiten Sie die nächsten Schritte zur Umsetzung der Idee ab. Jetzt beginnt eine anstrengende Phase, weil die ursprüngliche Idee nun ausgefeilt und verbessert werden muss.

Der Kern eines jeden Kreativiprozesses ist die Phase, in der die Ideen generiert werden. Hier muss genügend Futter zusammenkommen, um weiterarbeiten zu können. Doch wie bekommt man gute Ideen?

Brainstorming: 7 Kreativitätstechniken, die für neue Ideen sorgen

Rawpixel/shutterstock.com Im folgenden stellen wir Ihnen sieben Techniken vor, die die Kreativität ankurbeln sollen. Doch für jedes Kreativmeeting sollten drei Grundsätze gelten:

  • Quantität. Besonders in der Anfangsphase geht es darum so viele Ideen wie möglich zu generieren. Ausgewählt wird später.
  • Gleichberechtigung. Jeder sollte die Chance haben sich zu beteiligen, egal ob Chef oder Praktikant.
  • Keine Kritik. Kritik in der Anfangsphase ist schädlich, denn Sie kann dazu führen, dass gute Ansätze bereits im Keim erstickt werden.
  1. Mindmapping. Es ist der Klassiker unter den Kreativitätstechniken. Mit einer Art Karte werden die Gedanken strukturiert und Ideen visualisiert. Es wird ein zentrales Thema festgelegt und weitere Ideen in Bubbles drumherum gesammelt. Auf diese Weise können Verbindungen hergestellt und Zusammenhänge werden sichtbar. Wichtig dabei ist jedoch, dass nur mit Schlüsselbegriffen gearbeitet wird. Auf Detailbeschreibungen sollte verzichtet werden.
  2. Brainwriting. Dabei handelt es sich um eine Technik, die ähnlich wie das Brainstorming funktioniert. Doch das Brainstorming bietet vor allem extrovertierten Teilnehmern die Chancen sich einzubringen. Das Brainwriting hingegen bezieht alle mit ein. Hierfür sitzen alle Anwesenden im Kreis um einen Tisch herum sitzen. Jeder schreibt seine Ideen ganz oben auf ein DIN-A4-Blatt. Nach 5 bis 10 Minuten werden die Ideen an den linken Tischnachbarn weitergegeben. Dieser ergänzt die Idee mit seinen Gedanken. Jede Idee wird solange weitergereicht bis jeder die Gelegenheit hatte alle Ideen zu ergänzen. Die aufgeschriebenen Ideen bieten eine Diskussionsgrundlage.
  3. Brainwalking. Diese Methode ist eine Abwandlung des Brainwriting und macht sich die Tatsache zu nutze, dass Bewegung den Kopf frei macht und Raum für Kreativität schafft. Hierfür werden Flipcharts an verschiedenen Stellen über ein weiträumiges Gebiet verteilt. Jeder Teilnehmer wandert die einzelnen Stationen ab und ergänzt die Flipcharts mit den eigenen Einfällen. Die Ergebnisse werden im Anschluss diskutiert.
  4. Perspektivenwechsel. Bei dieser Methode wird das Thema oder das Problem aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Beispielsweise aus der Perspektive des Kunden oder aus der Perspektive der Zielgruppe. Es soll versucht werden in eine andere Rolle zu schlüpfen und aus dieser Position heraus zu argumentieren.
  5. Walt Disney. Auch bei dieser Methode schlüpft man in eine Rolle. Es werden drei Stühle platziert: einen für den Träumer, einen für den Realisten und einen für den Miespeter. Die Teilnehmer nehmen während der Ideenfindung abwechselnd jede Rolle an und argumentieren aus dieser speziellen Sichtweise heraus. Damit das funktioniert, sollte die Größe der Gruppe acht Personen nicht überschreiten. Begonnen wird mit der Rolle des Träumers. Damit die Diskussion nicht im Chaos endet, empfiehlt es sich, eine Person als Moderator zu bestimmen.
  6. Sechs Hüte von de Bono. Diese Methode funktioniert ähnlich wie die Walt-Disney-Methode. Auch hierbei werden verschiedene Rollen eingenommen. Die Teilnehmer erhalten einen verschieden farbige Hüte, alternativ können auch farbige Karten oder ähnliches verteilt werden. Jede Farbe symbolisiert eine Geisteshaltung: Der weiße Hut steht für analytisches Denken, der rote Hut für emotionales Denken, der schwarze Hut für kritisches Denken, der gelbe Hut für optimistisches Denken, der grüne Hut für kreatives Denken und der blaue Hut für ordnendes Denken. Zu Beginn wird die Reihenfolge der Hüte festgelegt. Danach äußert jeder der Teilnehmer aus dem festgelegten Blickwinkel seine Ideen und Argumente. Diese Methode soll die Diskussion lenken und dafür sorgen, dass alle Positionen Gehör finden.
  7. Kopfstand. Geht es gerade einfach nicht vorwärts? Dann drehen Sie das Problem doch einfach um. Statt sich zu fragen, was zum erfolgten Ergebnis und zum Erfolg führt, fragen Sie sich, was zum Misserfolg würden würde. Bei dieser Methode wird die Grundannahme oder Zieldefinition negativ formuliert. Nun werden Vorschläge für das umgekehrte Vorhaben gesammelt. Danach werden alle Antworten wieder umgekehrt. Auf diese Weise sind Sie wieder bei Ihrem Ursprungsproblem angekommen.

EXTRATIPP: Ist für eine Kreativsitzung keine Zeit, doch Sie brauchen dennoch Input von außen, um auf Ideen zu kommen, sollten Sie Twitter nutzen. Unter dem Hashtag “Followerpower” können Sie um Ideen und Vorschläge bitten.

Tools für die Ideenfindung

  • mindmeister. Das Tool ermöglicht es Mindmaps online zu erstellen, mit anderen Nutzern zu teilen und daran zusammenzuarbeiten. In der Basic Version können drei Mindmaps kostenfrei erstellt werden.
  • Prezi. Es ist ein Präsentationstool, das die Art zu präsentieren revolutionieren sollte. Auf einer weißen Fläche lassen sich Text, Bilder und Video nach Belieben anordnen. Mithilfe von Rahmen kann dann auf ausgewählte Bereiche der Fläche gezoomt werden. Doch nicht nur Präsentationen lassen sich auf diese Weise bauen. Das Tool eignet sich auch, um Ideen zu sammeln. Alle Ideen und Vorschläge, die im Gespräch auftauchen, können so in einem ersten Schritt erst einmal gesammelt werden, dann sortiert und in Zusammenhang gebracht werden.
  • Whiteboard Fox. Dabei handelt es sich um ein Tool, bei dem sich die Teilnehmer eines Ideenfindungsprozesses auf einem Whiteboard in Echtzeit austauschen können. Damit wird auch ein Austausch von Ideen möglich, wenn sich nicht alle Teilnehmer in einem Raum befinden. Das Tool bietet auch die Möglichkeit, Zeichnungen und Bilddateien ins Whiteboard zu integrieren.
  • Mood Stream. Sie suchen ein Bild oder Musik, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen? Dieses Tool hilft Ihnen dabei. Anhand von Einstellungen, wie traurig oder fröhlich und ähnlichen erhalten Sie Vorschläge und können daraus ein Moodboard erstellen. Angeboten wird der Dienst von Getty Images.

Denkblockade: 7 Wege mentale Blockaden zu lösen

Ollyy/shutterstock.comEgal ob Autor, Designer oder Künstler. Jeder Mensch, der in seiner Arbeit von kreativen Prozessen lebt, kommt irgendwann einmal an den Punkt, an dem nichts mehr geht: absolute Leere im Kopf. In den meisten Fällen hilft es, abzuwarten und sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Kreativität nicht Ihren Geldbeutel bestimmt. Deadlines, ungeduldige Kunden oder ein erwartungsvoller Chef steigern eher den Druck – und machen es so noch schlimmer. Zum Glück gibt es Auswege…

  1. Wechseln Sie die Perspektive: Fragen Sie sich zum Beispiel “Wie hätte Winston Churchill diese Verpackung gestaltet?” Das verhilft Ihnen zu einem neuen Blickwinkel und vielleicht auch zu neuen Erkenntnissen.
  2. Beschmutzen Sie ihre Unterlagen: Kein Scherz (und auch nicht zu doll). So haben Sie was zum Saubermachen, sind abgelenkt und die Gedanken können wieder fließen.
  3. Malen Sie blind: Und zwar mindestens 30 Sekunden lang. Kreatives Schreiben funktioniert letztlich genauso: Indem Sie alle Erwartungen ausblenden und die Gedanken samt Motorik frei fließen lassen, lösen sich auch Blockaden auf und die Ideen sprudeln wieder.
  4. Achten Sie auf Muster: Notieren Sie sich, wann Sie besonders kreativ waren. Vielleicht stellt sich heraus, dass Sie montags zwischen 18 und 19 Uhr am kreativsten sind. Oder Sie erkennen andere Muster, die sie gezielt fördern können.
  5. Verursachen Sie bewusst Panik: Zum Beispiel indem Sie sich eine Deadline setzen oder anderen Menschen eine feste Zusage geben. Schon Mark Twain wusste: “Gäbe es die letzte Minute nicht, würde niemals etwas fertig”. Das Ganze basiert auf dem Parkinsonschen Gesetz.
  6. Geben Sie sich nicht mit einer Lösung zufrieden: Zwingen Sie sich dazu, 20 mögliche nächste Schritte zu notieren. Nach einer Zeit wird ihr Gehirn damit aufhören, gute Ideen als vermeintlich sinnlos vorzuverurteilen und sie damit auszubremsen.
  7. Lassen Sie sich nicht einschüchtern: Die Hälfte der Zeit, die Sie für das Projekt haben, ist um? Bleiben Sie ruhig! Kreativität sucht sich ihren eigenen Zeitpunkt aus.

Störungen mindern Kreativität

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Als Cyrus Foroughi, Doktorand an der George Mason Universität, erstmals genauer untersuchte, wie Unterbrechungen oder kurze Störungen kreative Prozesse beeinflussen, stellte er fest: Sie hemmen – und zwar massiv. Nicht nur, dass die Probanden, die in den Experimenten Essays schreiben sollten, plötzlich weniger schrieben – sie taten plötzlich auch über einen kleineren Wortschatz verfügen tun… Sorry, ich war kurz abgelenkt! Aber ungefähr so wirken sich derlei Ablenkungen aus.

Was passierte?

  • Die Essays wurden anschließend nach einem standardisierten Verfahren bewertet, Resultat: Wer so ab und an unterbrochen wurde, erzielte im Durchschnitt einen Wert von 3,17 Punkten; die Kontrollgruppe kam jedoch auf 3,74 Punkte.
  • Zudem schrieben die störungsfreien Teilnehmer im Schnitt 317 Wörter mehr.

Kreativitätskiller: Welche Faktoren Kreativität hemmen

STUDIO GRAND OUEST/shutterstock.comViel leichter als eine Idee zu bekommen, ist es, die keimende Kreativität gleich wieder zu beerdigen – aus Neid oder aus Prinzip. Der doppelte Vorteil: Irgendwie wirkt der Kritiker dabei selbst recht smart – und die wenigsten nehmen ihn in die Pflicht, selbst eine bessere Alternative zu entwickeln.

Klassische Wege, Kreativität schon im Keim zu ersticken, sind:

  • Pauschalkritik
  • Verweis auf Traditionen, Normen, feste Prozesse
  • Dramatisierung der Riskien
  • Persönlicher Angriff

Die Strategien funktionieren freilich auch in Form des Allzwecksatzes, der von jeglicher Denkanstrengung entbindet: Hamwerschonimmersogemacht. Aber natürlich existieren noch weitaus subtilere und gemeinere Formen. Fünf davon und deren übliche Einwände…

  1. Es ist zu einfach, um wahr zu sein! Die einfachsten Lösungen sind oft die besten. Leider glauben – vor allem wir Deutschen – gerne das Gegenteil: Nur wenn etwas kompliziert ist (oder wenigstens so klingt, kann es auch klappen. Blödsinn! Keep it simple ist ein Erfolgsrezept, das schon seit Jahrhunderten gilt.
  2. Es funktioniert sowieso nicht! Wenn Glaube Berge versetzt, kann Zweifel diese aufschütten. Nicht selten lassen wir uns von im Vorfeld von Bedenken und hypothetischen Szenarios abschrecken, statt der Idee eine Chance zu geben.
  3. Es ist praktisch unmöglich! Das haben die Bedenkenträger rund um Christoph Kolumbus wohl auch gedacht, als der einen Seeweg nach Indien entdecken wollte. Trotzdem hat er es gewagt. Gut, mit dem ursprünglichen Plan ist er trotzdem gescheitert. Aber das Ergebnis war letztlich noch viel besser. Welche Innovationen sind je entstanden, weil ihre Entdecker an das Unmögliche glaubten? Eben.
  4. Es gibt noch eine bessere Alternative! Die gibt es (fast) immer. So wie die Suche nach selbiger oft nichts weiter ist, als eine Hinhalte- oder Vermeidungstaktik. Und somit Selbstbetrug. Wer solange wartet, bis er die beste Lösung gefunden hat, verpasst womöglich etwas anderes: den besten Zeitpunkt dafür.
  5. Sie sind der Einzige, der daran glaubt! Das kann natürlich wirklich daran liegen, dass die Idee Murks ist. Oft stammt dieser Einwand aber auch von eloquenten Alpha-Tieren, die eifersüchtig darüber wachen, dass die besten Ideen von ihnen selbst stammen. Nicht selten beerdigen solche Typen durch geschickte Rhetorik einen brillanten Gedanken, weil der sie in den Schatten stellt. Lassen Sie sich also bloß nicht davon einschüchtern!
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