Nachwuchsuni: Das sind die besten Deutschlands
Altehrwürdig - eine Vokabel, die sich gerne auf Universitäten bezieht. Die großen, altehrwürdigen, renommierten Unis sind es meist auch, die Forschungsgelder und Interesse auf sich vereinen. An den Klang von Oxford, Cambridge, Bologna oder Heidelberg kommen die Emporkömmlinge schließlich nicht heran. Seit mittlerweile fünf Jahren aber zollt der britische Wissenschaftsverlag Times Higher Education (THE) in seinem "100 under 50"-Ranking auch den besten Nachwuchsunis der Welt, die das Alter von 50 Jahren noch nicht überschritten haben, den gebührenden Respekt. Aus deutscher Sicht ist das Ranking der besten Jungunis 2016 erbaulich. Lag der beste deutsche Jüngling im vergangenen Jahr auf Platz 15, finden sich heuer sogar zwei deutsche Unis in den Top Ten ...

Nachwuchsuni: Frische Ideen

Zum zweiten Mal in Folge führt die Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne (Foto oben) das THE-Ranking der 150 besten Jung-Universitäten der Welt an. Die Schweizer zählen in nahezu allen untersuchten Kategorien zur Spitzenklasse, in Lehre und Forschung, sind international ausgerichtet, haben ein gutes Betreuungsverhältnis, eine hohe Zitierhäufigkeit und werben viele Drittmittel ein.

Die meisten Institutionen in die Top 150 gebracht hat - nicht ganz unerwartet - Großbritannien. 25 britische Unis tauchen in der Rangliste auf, die beste aber - die University of Dundee - findet sich erst auf Platz 16. Und: Acht der britischen Unis werden im Ranking 2017 nicht mehr zu finden sein, da zu alt.

Die meisten Top 100-Unis wiederum hat Australien mit 16. Die bestplatzierte ist die University of Technology in Sydney auf Rang 21. Zum Vergleich: Deutschland bringt neun Hochschulen in die Top 100 - zwei mehr als im letzten Jahr. Tipp für deutsche Studenten: Die Uni Maastricht zählt auf Platz vier zu Europas Spitzengarde und liegt bekanntlich gleich hinter der Grenze.

Stark schneiden auch die Asiaten ab. Die Nanyang Technological University (NTU) aus Singapur, vor gerade einmal 25 Jahren aus der Taufe gehoben, kam auf Platz zwei ins Ziel und ist damit erstmals Asiens beste Uni unter 50 Jahren. Insgesamt schafften es sogar vier Asiaten in die Top Ten.

Die besten Unis unter 50 in Deutschland sind diese ...

Nachwuchsunis: Die besten in Deutschland

  1. Universität Konstanz

    Der Aufsteiger katapultierte sich von Platz 19 im letzten auf Rang 7 in diesem Jahr. 1966 wurde die Uni Konstanz gegründet, kam im Rahmen der Exzellenzinitiativen des Bundes schon mehrmals zum Zuge. 2006 wurde der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ bewilligt, 2007 setzte sich die Graduiertenschule „Chemische Biologie“ durch, 2012 kam die Graduiertenschule „Entscheidungswissenschaften“ hinzu. Der Spiegel adelte die Uni schon 2007 als „Mini-Harvard vom Bodensee.“ Tatsächlich schneidet sie im THE-Ranking in der Kategorie Forschung mit 64,4 Punkten extrem stark ab. Die Verknüpfung mit der Wirtschaft führt zu greifbaren Ergebnissen - und vielen Drittmitteln: starke 92,4 Punkte in dieser Kategorie. Die Qualität der Lehre ist ebenfalls überdurchschnittlich gut: 47,8 Punkte bedeuten in dieser Kategorie Platz 13 weltweit.

  2. Karlsruhe Insitute of Technology (KIT)

    Nur einen Platz dahinter auf Rang acht liegt das KIT, hauchdünne 0,3 Punkte hinter Konstanz. Über 25.000 Studenten sind in der Fächerstadt eingeschrieben. Klarer Schwerpunkt liegt auf den technischen Fächern: Allein 15.000 Studenten studieren ein ingenieurwissenschaftliches Fach, weitere 4.500 Mathe oder Naturwissenschaften. Geisteswissenschaftler zählt das KIT dagegen ganze 832. Konsequenz: Das Geschlechterverhältnis zwischen Männern und Frauen beträgt 74:26. Auch in Karlsruhe ist die Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft laut THE exzellent: 99,5 Punkte bedeuten in dieser Kategorie sogar Platz fünf weltweit. Wermutstropfen: Das Qualitätssiegel als Elite-Uni hatte man nach sechs Jahren 2012 wieder verloren.

  3. Universität Ulm

    In Ulm steht seit 1967 die jüngste Uni Baden-Württembergs. Mit knapp über 9.000 Studenten zählt sie eher zu den überschaubaren im Ländle. Auch die Ulmer fokussieren sich auf die MINT-Fächer - in den Fakultäten Medizin, Ingenieurwissenschaften, Informatik und Psychologie, Mathematik und Wirtschaftswissenschaften sowie Naturwissenschaften. Pluspunkt: Laut THE-Analyse hat sie von den untersuchten deutschen Jung-Unis den besten Betreuungsschlüssel. Auf einen Dozenten kommen elf Studenten. Zum Vergleich: An der TU Dortmund müssen sich 88 Studierende einen Professor teilen. Schlechte Noten gab es für Ulm aber in der Kategorie Forschung: nur 33,3 Punkte. Insgesamt sprang für Ulm Platz 13 heraus. Im Vorjahr war man 15., aber damit im Deutschlandvergleich noch auf Platz eins.

  4. Universität Duisburg-Essen

    Die Rurhpott-Uni machte im Vergleich zum Vorjahr satte 42 Plätze gut - nach Rang 59 im Jahr 2015 sprang jetzt der 17. heraus. Mit über 36.000 Studenten ist die UDE zahlenmäßig ein Gigant. 2003 schlossen sich Duisburger und Essener Uni zusammen, heute bilden sie eine Volluniversität mit besten Verbindungen zur Wirtschaft und vielen Drittmitteln. Lehre und Forschung sind dagegen, so THE, nur Mittelmaß.

  5. Universität Bielefeld

    1969 wurde die Uni Bielefeld gegründet - mit einem ausdrücklichen Anspruch an die „Qualiät einer forschungsorientierte Lehre“. Im THE-Ranking macht sich das durchaus bemerkbar, für die Forschung gab es 63,2 Punkte und damit nur unwesentlich weniger als für die Uni Konstanz. In 13 Fakultäten lernen in Bielefeld rund 23.600 Studenten. Ausländische Studenten aber meiden Bielefeld - nur acht Prozent der Studenten haben keinen deutschen Pass. Zum Vergleich: Am Karlsruher KIT sind es mit 16 Prozent doppelt so viele. Negativpunkt für Bielefeld: Das Betreuungsverhältnis ist mit 67:1 schwach. Insgesamt Platz 23.

  6. Universität Bayreuth

    Erst seit 1975 gibt es die Uni Bayreuth, mit sechs Fakultäten zählt sie zu den kleineren. Viele Punkte gab es für die internationale Ausrichtung in Oberfranken. Auch das Betreuungsverhältnis ist für die 12.000 Bayreuther Studenten mit 35:1 vorteilhaft. Insgesamt Platz 35 - nach Platz 72 im Vorjahr ein großer Satz nach vorne.

  7. TU Dortmund

    Neben der RWTH Aachen die zweite Technische Universität in Nordrhein-Westfalen - und im Ranking auf einem beachtlichen 39. Platz. Fast 30.000 Studenten lernen in Dortmund in 16 Fakultäten. Das Studienangebot ist also nicht auf MINT-Fächer beschränkt, Medizin und Biologie fehlen allerdings.

  8. Universität Bremen

    Die Bremer, seit 2012 offiziell Eliteuni, landen auf Platz 49. Vor allem in den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Sozial- und Geisteswissenschaften ist Bremen stark. Die rund 18.500 Studenten könne sich auch über einen ausgezeichneten Betreuungsschlüssel freuen. Auf einen Professor kommen laut THE nur 25 Studenten.

  9. TU Kaiserslautern

    Die Pfälzer sammeln viele Drittmittel ein, sind international ausgerichtet und werden relativ häufig zitiert - ergibt Platz 69. Insgesamt gibt es in Lautern rund 14.000 Studenten, davon sind 64 Prozent Männer.

Nachwuchsunis weltweit: Top Ten

Platz Universität Land
1. École Polytechnique Fédérale de Lausanne Schweiz
2. Nanyang Technological University Singapur
3. Hong Kong University of Science and Technology Hongkong
4. Universität Maastricht Niederlande
5. Pohang University of Science and Technology Südkorea
6. Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) Südkorea
7. Universität Konstanz Deutschland
8. Karlsruhe Institute of Technology (KIT) Deutschland
9. Universität Pierre and Marie Curie Paris Frankreich
10. Scuola Superiore Sant’Anna Pisa Italien
[Quelle: 150 Under 50 Rankings 2016, Times Higher Education Bildnachweis: Mihai-Bogdan Lazar by shutterstock.com]