Es ist die Gretchenfrage, die bei der Berufswahl immer wieder aufkommt. Was ist wichtiger: Neigung oder Gehalt? Gerade Schulabgänger setzen sich oftmals nicht mit ihren Interessen und Fähigkeiten auseinander, sondern schielen auf das große Geld. In ihrer Orientierungslosigkeit schauen sie bestenfalls auf die Berufe in ihrer nächsten Umgebung: Das sind die ihrer Eltern oder der Lehrerberuf, den sie jeden Tag hautnah miterleben. Kein Wunder, dass viele Abiturienten auf Lehramt studieren, bietet er doch immer noch ein gewisses Renommee, vor allem aber Sicherheit. Diese Strategie bei der Studienwahl ist allerdings genauso riskant wie unsinnig und mündet nicht selten im Burnout. Was Sie über Neigungen wissen sollten...

Neigung anderes Wort Synonym Vorliebe Berufswahl Orientierung Talent

Neigung Definition: Die Nähe zu bestimmten Themen

Neigung Beispiele anderes Wort Synonym Was bedeutet VorliebeOb wir etwas gerne machen, und uns in eine Sache hineinknien, hängt oftmals von der Neigung ab. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein; der eine bastelt zum Beispiel gerne Dekorationsartikel, der nächste löst gerne mathematische Rätsel, ein dritter gibt gerne Tauchkurse.

Synonyme für Neigung können sein:

  • Anlage
  • Art
  • Bedürfnis
  • Disposition
  • Faible
  • Fähigkeit
  • Gefallen
  • Gusto
  • Hang
  • Hinneigung
  • Interesse
  • Veranlagung
  • Vorliebe
  • Talent
  • Tendenz
  • Schwäche
  • Sehnsucht
  • Sympathie
  • Zug
  • Zuneigung

Die Begriffe Anlage und Disposition zeigen, wie weit die Neigung in unserer Entwicklung zurückliegt. Bereits Schopenhauer betonte den Einfluss von Anlage und Umgebung auf die Entwicklung einer Persönlichkeit. So mag es sein, dass in einer Familie vielleicht wirklich eine genetische Veranlagung für künstlerisches Schaffen vorliegt.

Man denke beispielsweise an die Familie Strauss - Johann Strauss, sein gleichnamiger Sohn und seine beiden anderen Söhne und sogar ein gleichnamiger Enkel wurden allesamt Musiker. Andererseits darf man nicht vergessen, dass die Förderung einer musikalischen Neigung in einem Musikerhaushalt entsprechend größer gewesen sein wird als beispielsweise in anderen Familien.

Neigung, englisch affection oder tendency, ist ein anderes Wort für Wunsch oder Interesse. Das heißt, es gibt einen Bereich, der spannend wirkt, die Neugierde weckt. Im Falle von Kindern heißt das, dass sie häufig dieser Neigung nachgehen und das machen möchten, was ihnen Spaß macht.

Ihre Impulskontrolle und ihr Pflichtbewusstsein sind noch nicht so stark ausgeprägt. Es ist ein Lernprozess, in dem sie lernen, dass Neigung und Pflicht sich abwechseln und die Waage halten müssen. Nur so schaffen sie es, Ziele zu entwickeln, sie entsprechend zu planen und zu verfolgen.

Berufliche Chancen: Der Neigung nachgehen können

Je näher der Schulabschluss rückt, um so mehr stellt sich die Frage: Was geschieht danach? Die Möglichkeiten für Schulabgänger sind heute sehr vielfältig. In früheren Zeiten diktierten Notwendigkeiten die Berufswahl: Die Eltern brauchten Hilfe auf dem Feld?

Dann wurde die Schule direkt bei Vollendung der Pflichtschuljahre verlassen. Das Gleiche galt, wenn ein weiteres Einkommen benötigt wurde. So manch einer hätte gerne das Abitur gemacht, aber das finanzielle Überleben der Familie wäre dann in Gefahr gewesen.

So drastisch sieht es hierzulande nicht mehr aus; auch für Kinder aus einkommenschwachen Familien gibt es diverse staatliche Mittel oder Unterstützungsprogramme. Die Vielfalt an Möglichkeiten bedeutet aber nicht nur Chance, sondern wird von manchen als Bürde empfunden.

Es stellt sich nur wieder die Frage nach der Neigung. Nach der Schule erstmal als Au-pair in die USA? Oder lieber Work and Travel in Australien?

Vielleicht doch ein Studium oder gleich Geld verdienen? Es ist wichtig, sich über die eigenen Neigungen im Klaren zu sein. Oftmals ist es bei Schülern lediglich ein diffuses Gefühl.

Neigung Beispiele: In der Orientierungsphase erforschen

Das liegt allerdings daran, dass Sie sich gezielt mit sich und Ihren Stärken und Schwächen auseinandersetzen müssen. Dazu reichen keine fünf Minuten, wenn eine Person Sie fragt, was Sie werden wollen.

Sie sollten in Gedanken durchgehen, wo Ihre Neigung liegt beziehungsweise, was für Sie typisch ist:

  • Analytisches Denken
  • Durchhaltevermögen
  • Empathie
  • Handwerkliches Geschick
  • Kaufmännische Fähigkeiten
  • Kommunikationsstärke
  • Kontaktfreude
  • Körperliche Kraft
  • Künstlerische Begabung
  • Resilienz
  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Sicheres Auftreten
  • Sprachliche Kenntnisse
  • Teamgeist
  • Überzeugungsfähigkeit

Viele der aufgeführten Punkte fallen unter Soft Skills, also Eigenschaften, die Ihnen in nahezu jedem Job weiterhelfen. Sie sollten sich bewusst die Zeit nehmen und in Selbstreflexion verschiedene Fragen stellen. Denn nur, wenn Sie Ihre Neigungen mit Wissen anreichern und mit Übung kombinieren, können daraus Fertigkeiten entstehen. Eine große Bedeutung kommt bei alledem Ihren Neigungen zu.

Sie mögen sich vielleicht (technisches) Wissen aneignen und beherrschen eine Sache. Wenn das letztlich aber nicht Ihrem innersten Wunsch und Bedürfnis entspricht, werden Sie nie so gut sein wie jemand, der eine Sache aus Überzeugung macht.

Ihre Neigungen lassen sich nicht unbedingt mit den Lieblingsfächer in der Schule gleichsetzen. Diese mögen ein Hinweis darauf sein. Genauso wichtig ist es aber, grundlegende Vorlieben und Hobbys zu erkennen. Sie geben Aufschluss über Ihre charakterlichen Eigenschaften.

Mit Berufsorientierungstests die Neigung aufspüren

Was Ihre Persönlichkeit ausmacht, ob Sie eine offene Person sind oder doch eher zur Unsicherheit neigen, spiegelt sich beispielsweise in Tests wie dem Big Five wider. Die dort getesteten Persönlichkeitsmerkmale sagen etwas darüber aus, welche Tätigkeiten für Sie geeignet sind.

Wenn Sie etwas gerne ausführen, dann werden Sie vermutlich sofort damit beginnen. Aufschub bis hin zur Prokrastination ist eher ein Zeichen für fehlende Motivation und kann auch bedeuten, dass Sie für eine Tätigkeit nicht geeignet sind. Denn wenn man so keinerlei Neigung für eine Tätigkeit besitzt, dann fühlt man sich gelangweilt. Ebenso können Ängste einen zurückhalten.

Beispiel:

Ein Freund von Ihnen, der sehr aktiv im Fußballverein ist und in der Vergangenheit Klassensprecher war, plant eine Ausbildung als Automobilkaufmann. So jemand hat ein Händchen im Umgang mit anderen Leuten; sein Schulamt als Klassensprecher hat er höchstwahrscheinlich seiner Beliebtheit zu verdanken.

Durch den Sport hat er Teamgeist und taktisches Vorgehen gelernt. Sie bewundern Ihren Freund für die vielen Freunde, sind selbst eher ein introvertierter Mensch, der sehr gewissenhaft arbeitet. Ob eine Ausbildung als Automobilkaufmann Ihrer Neigung entgegenkommt, ist fraglich - zumindest, wenn Sie später überwiegend Kundenkontakt haben und beratend tätig sein werden.

Um den eigenen Neigungen auf den Grund zu gehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Praktikum

    Die beste Gelegenheit, seine Neigungen zu überprüfen, bietet ein Praktikum. Dazu zählt ein Schülerpraktikum ebenso wie beispielsweise die Erfahrungen, die Sie während der Ferien als Aushilfe sammeln. Das ist die Chance, die Arbeit in einem laufenden Betrieb zu erleben und nicht nur aus Büchern irgendwelche graue Theorie zu erfahren. Dazu sollten Sie unbedingt die Gelegenheit nutzen und Kollegen und Ansprechpartner nach Details zu fragen.

  • Arbeitsagentur

    Ein breites Angebot an Informationen bieten die örtlichen Arbeitsagenturen. Diverse Webseiten geben bereits einen virtuellen Einblick in den Ausbildungsalltag, so beispielsweise www.planet-beruf.de. Unter www.berufe.tv werden verschiedene Berufe in Überblicksfilmen dargestellt. Für Abiturienten und Studieninteressierte gibt es Informationsangebote unter www.abi.de. Über 1.800 Ausbildungsgänge und 4.000 Berufe werden anschaulich illustriert unter berufenet.arbeitsagentur.de.

  • Tests

    Daneben gibt eine Vielzahl an Tests, die Ihnen Ihnen Aufschluss über Ihre Neigungen und Potenziale geben und Sie mit Hintergrundinformationen zu verschiedenen Berufsinhalten versorgen. So können Sie Ihre Kompetenzen ermitteln oder finden eine Entscheidungshilfe bei der Frage, ob Sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen sollten.

Wo Sie mehr über sich und Ihre Neigungen erfahren

Neigung englisch synonym anderes Wort für VorliebeWir haben hier exemplarisch einige Tests ausgewählt, die eine erste Orientierung bieten. Diese Tests sollten nie für sich allein genommen werden und beanspruchen keine Allgemeingültigkeit. Abhängig von Ihrem Alter, Ihren Neigungen, Ihren Karrierewünschen und bereits vorhandenen Kenntnissen können Ergebnisse unterschiedlich ausfallen.

Um ein möglichst umfassendes Bild über sich und Ihre Potenziale zu bekommen, sollten Sie unbedingt Ihre Familie und Freunde, Lehrer oder Ansprechpartner im Betriebspraktikum ansprechen. Ausbildungsstudien belegen, dass das persönliche Umfeld besonders hilfreich ist, wenn es um berufliche Orientierung geht.

Gespräche, Ratschläge und Tipps, die Sie selbst vielleicht noch nicht bedacht haben, können Ihnen eine große Hilfe sein.

  • Kompetenztest - Im kostenlosen Kompetenztest der Karrierebibel werden verschiedene Kompetenzen bestimmten Superhelden zugeordnet. Das hat zum einen motivierenden Charakter. Zum anderen zeigt es, dass jeder über bestimmte Kompetenzen verfügt, die sehr wichtig sind. Sie können dabei helfen, Ungeahntes zu leisten, wenn wir unsere Neigungen wirklich kennen und einsetzen.
  • Interessentest für 14-Jährige - Dieser Test des Vereins Schul- und Ausbildungsberatung (SAB) Graz gibt Schülern und Schülerinnen eine erste Orientierungshilfe.
  • Borakel - Nennt sich das Online-Beratungstool der Ruhr-Universität Bochum. Hier werden Fragen rund um die Berufs- und Studienwahl geklärt. Sie haben hier die Möglichkeit zum Online-Test zur Berufswahl und können einen Online-Fragebogen zur Studiengangentscheidung ausfüllen. Darüber hinaus bieten Ihnen drei Videosequenzen einen Einblick in den Campusalltag der Ruhr-Universität.

Einen ausführlichen Überblick über verschiedene Tests finden Sie auch hier:

Neigung und Lebenseinstellung beeinflussen Entscheidung

Für welchen Beruf Sie sich entscheiden, wird nicht unwesentlich von Ihrer grundsätzlichen Lebenseinstellung abhängen. Für manche Menschen ist klar, dass sie nach der Schule schnell von Zuhause ausziehen und eigenes Geld verdienen, womöglich sogar bald eine Familie gründen wollen.

Dieser Lebensentwurf ist mit einem langjährigen Studium nur schlecht vereinbar, nicht umsonst werden Akademiker erst spät Eltern. Ausnahmen bieten hier der Bachelor-Abschluss (weil der bereits nach wenigen Semestern erworben werden kann) oder ein duales Studium, bei dem bereits neben dem Studium Geld verdient wird.

Daher sollten Sie ebenfalls für sich klären,...

  • ob für Sie Berufe mit Schichtdienst infrage kommen.
  • ob Sie als Angestellter arbeiten oder einer selbständigen Tätigkeit nachgehen wollen.
  • wie Ihre Karrierepläne aussehen.
  • welche Bedeutung Geld in Ihrem Leben hat.
  • wie wichtig geregelte Arbeitszeiten und Freizeit für Sie sind.
  • an welcher Stelle Familie und soziale Kontakte stehen.

Sie sollten bei alledem nicht vergessen, dass bei allen Wünschen Ihre Neigungen einen entscheidenden Anteil am Erfolg haben. Denn wer einer Tätigkeit nachgeht, die er gerne macht, wird darin gut sein.

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