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Haben Sie eine Ahnung, wie viele Stunden Sie am Tag sitzen? Acht? Zehn? Zwölf? Bei den meisten sind es zu viele. Der moderne Mensch leidet erheblich am Bewegungsmangel. Viele pendeln im Sitzen zur Arbeit, kauern dort die meiste Zeit auf ihrem Bürostuhl und wenn sie abends wieder nach Hause kommen, hocken sie sich an den Esstisch oder lümmeln sich in die Couch. Das ist zwar bequem, aber ungesund: Vom vielen Sitzen werden wir fett, bekommen Diabetes, die Muskeln erschlaffen, Rückenprobleme drohen, Hämorrhoiden ebenfalls, Herzkreislauferkrankungen und Stoffwechselstörungen sowieso. Fakt ist: Man verbrennt mehr Kalorien beim Kauen von Kaugummi als beim Sitzen auf einem Stuhl. Studien deuten sogar darauf hin, dass selbst regelmäßige Bewegung und Sport die negativen Effekte des Sitzens nicht ausgleichen. Schlimmer noch: Häufiges Sitzen erhöht das Krebsrisiko...

Sitzen ist das neue Rauchen

ollyy/shutterstock.comDas ist das Ergebnis einer Metastudie von Daniela Schmid und Michael Leitzmann von der Universität Regensburg. Die werteten dazu 43 Einzelstudien mit insgesamt mehr als vier Millionen Teilnehmern aus. Im Kern ging es dabei immer um Sitzgewohnheiten - während der Arbeitszeit und in der Freizeit. Darunter waren allerdings auch knapp 69.000 Krebsfälle. Und das war besorgniserregend.

Bei den Vielsitzern traten drei Krebsarten besonders häufig auf:

  • Darmkrebs
  • Lungenkrebs
  • Gebärmutterschleimhautkrebs

Und das Risiko an diesen Krebsarten zu erkranken stieg sogar deutlich an, je mehr die Teilnehmer saßen. Rund zwei zusätzliche im Sitzen verbrachte Stunden erhöhen die Chance auf...

  • ...Darmkrebs um 8 Prozent.
  • ...Lungenkrebs um 6 Prozent.
  • ...Gebärmutterschleimhautkrebs um 10 Prozent.

Die wirklich schlechte Nachricht daran ist aber: Die Effekte waren unabhängig davon, wie viel sich die Studienteilnehmer sonst körperlich bewegten. Selbst wer viel Sport machte, joggte oder schwamm, konnte die negativen Sitzfolgen nicht ausgleichen.

Besonders häufig trat die Korrelation von Sitzen und Krebserkrankung jedoch in einer bestimmten Situation auf: abends, sitzend vor dem Fernseher.

Wer dieser Freizeitbeschäftigung besonders oft nachging, erhöhte sein Krebsrisiko noch einmal deutlich. Die Forscher vermuten hier als Ursache die zusätzlich ungesunde Ernährung: Bier, Limonaden gepaart mit Süßigkeiten, Chips und Junkfood.

Sitzen erhöht Sterblichkeit um 11 Prozent

Als das Marktforschungsinstitut TNS Emnid vor ein paar Jahren die Deutschen repräsentativ nach ihrem Bewegungsverhalten befragte, kam heraus: Rund zwei Drittel üben so gut wie keinen Sport aus und sitzen lieber faul rum. Schüler und Studenten verbringen sogar ganze 7,3 Stunden am Tag in der Hocke - zum Vergleich: Der Bevölkerungsdurchschnitt liegt bei 5,8 Stunden.

Bei den Untersuchungen von Myanna Duncan, Aadil Kazi und Cheryl Haslam von der britischen Loughborough Universität wiederum kam heraus, dass nahezu 70 Prozent der von ihnen über 18 Monate lang untersuchten Probanden nicht mal annähernd die von Ärzten empfohlenen physischen Aktivitäten zeigten. Bei den unter 50-Jährigen war es gar jeder Zweite, der sich kaum bewegte.

Die Kehrseite: Jede täglich auf der Couch verbrachte Stunde steigert die Sterblichkeit um elf Prozent, so wiederum das Ergebnis einer Studie des australischen Herz- und Diabetes-Instituts in Victoria. Die Mediziner hatten dazu 8800 Männer und Frauen untersucht und sechseinhalb Jahre lang ihre Sitzgewohnheiten und Gesundheitsdaten ausgewertet.

Resultat: Wer abends viel vor der Glotze saß hatte ein um 18 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Krebsmortalität nahm sogar um neun Prozent zu. Und wer täglich mehr als vier Stunden in die Röhre stierte, hatte ein um 80 Prozent höheres Sterblichkeitsrisiko als jene, die nur zwei Stunden TV guckten. Und das lag nicht am TV-Programm.

Aufstehen! Wenigstens alle 45 Minuten für 5 Minuten

aufstehen-stehen-sitzenWissen Sie wie die Schriftsteller Ernest Hemingway, Charles Dickens and Søren Kierkegaard ihre Werke erstellt haben? Selten im Sitzen, allesamt besaßen sie ein Stehpult...

Mediziner raten Büroarbeitern deshalb schon länger, wenigstens alle 45 Minuten aufzustehen und sich fünf Minuten lang zu strecken, die Beine auszuschütteln oder zu laufen.

In einer 2008 veröffentlichten Studie von Forschern der Universität von Queensland in Australien zeigte sich, dass zumindest kurze Sitz- beziehungsweise Stehpausen einen positiven Effekt auf den Organismus hatten. Das Aufstehen und strecken führte zu schlankeren Taillen, geringerem Body-Mass-Index und verbesserte die Gesundheitswerte insgesamt. Eine kurze Stehpause von knapp fünf Minuten reichte dazu völlig, was auch diese Studie bestätigt.

Haben Sie nichts zu kopieren? Oder auszudrucken?

Dann gehen Sie zumindest in die Kaffeeküche und lockern die verspannte Runde mit etwas Smalltalk auf. Oder gehen Sie eine Runde Spazieren um den Block.

Besser allerdings, Sie würden ab und an im Stehen arbeiten - falls das möglich ist. Statt acht Stunden im Job zu hocken und dann - zum Ausgleich - eine Stunde im Gym zu schwitzen (was diesbezüglich wenig bringt), würde ein Stehtisch statt eines gewöhnlichen Schreibtisches wahre Wunder wirken...

Die Vorzüge von Stehpulten im Büro
  1. Sie reduzieren das Risiko von Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Laut Elin Ekblom-Bak vom Karolinska-Institut in Stockholmes kann zu langes Sitzen Blutgefäße abdrücken. Im Stehen zu arbeiten, wenigstens ab und an, wirkt dem deutlich entgegen.
  2. Sie nehmen ab. Wer sich tagsüber mehr bewegt und herumwandert (rund zweieinhalb Stunden am Tag genügen), arbeitet dem Übergewicht entgegen und tut was für die Figur. Steher verbrauchen pro Stunde rund 50 Kalorien mehr als Sitzer. Für die Rücken- und Bauchmuskulatur ist das sowieso besser.

Also: Was sitzen Sie noch? Stehen Sie auf und bewegen Sie sich etwas!

TEST: Welcher Sitztyp sind Sie?

Fitness-im-BüroDu bist, wie du sitzt. Jedenfalls kann unsere Sitzhaltung – ob nun im Meeting oder am eigenen Schreibtisch – viel über uns und unsere Arbeitsweise verraten. Welcher Sitztyp sind Sie denn so? Finden Sie es HIER heraus.

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