Übernahmegespräch-Feedbackgespräch-Ausbildung
Ob nach der Ausbildung oder nach der Probezeit: Das Feedback- oder Übernahmegespräch ist eine wichtige Zäsur im Berufsleben. Es ist eine Art zweites Bewerbungsgespräch - mit dem Unterschied, dass sich beide Seiten schon wesentlich besser kennen und einzuschätzen wissen. Der Absolvent oder Bewerber von einst hofft nun kurz vor Ablauf seiner Probezeit auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag und den festen Berufseinstieg. Ebenso ergeht es dem Azubi nach dem Abschluss seiner bis zu dreijährigen Ausbildung. Das Übernahmegespräch (wenn es denn tatsächlich eine Übernahme gibt) findet dann meist zwischen zwei oder drei Monaten vor Ablauf der Probezeit beziehungsweise vor dem Ende der Ausbildung statt und bietet die Gelegenheit für beide, eine Art Bilanz zu ziehen. Diese Fragen und Tipps sollten Sie dabei berücksichtigen...

Inhalt: Was wird beim Übernahmegespräch besprochen?

Sobald die Abschlussprüfung bestanden ist, haben Azubi und Arbeitgeber das Ziel der Ausbildung erreicht. Weitere Verpflichtungen bestehen für den Arbeitgeber erst einmal nicht.

Wer also in einem Betrieb seine Ausbildung absolviert hat, sollte zunächst einmal prüfen, ob es eine tarifliche Übernahmevereinbarung gibt. Ansonsten ist natürlich die Übernahme selbst das Hauptthema des Gesprächs, schließlich wollen die meisten Azubis weiterbeschäftigt werden. Oft lässt sich schon im Vorfeld dezent nachfragen, ob hierzu eine Chance besteht (falls das nicht geregelt ist) und wie man sich bisher in den Augen der Chefs gemacht hat.

Betroffene berichten über solche Übernahmegespräche, deren Atmosphäre und Inhalte jedoch ganz Unterschiedliches. Zum Beispiel werden dabei auch schon mal...

  • ... wesentliche Inhalte der Ausbildung sowie die Stärken und Schwächen der Arbeitnehmer erörtert. Ebenso mögliche Lernziele und ob diese erreicht wurden.
  • ... die Situation des Unternehmens am Markt, die aktuelle Börsenentwicklung besprochen - wobei es dann vornehmlich darum geht, herauszufinden, wie viel der Azubi oder Berufseinsteiger von seinem aktuellen Arbeitgeber mitbekommt und wie viel ihn oder sie davon interessiert.
  • ... fiktive Verkaufsgespräche geführt. So testet der Personaler neben den kommunikativen Stärken seines Gegenübers auch dessen spezifisches Produktwissen. Wer also später in irgendeiner Form im Außendienst arbeitet oder mit Kunden Kontakt hat, sollte auf derlei Simulationen gefasst sein.

Ansonsten folgen Feedbackgespräche in der Regel den gängigen Abläufen eines Vorstellungsgesprächs:

  • Was hat der oder die Betroffene bisher geleistet?
  • Was sind die Stärken und Schwächen?
  • Wie könnte die künftige Beschäftigung aussehen?
  • Zu welchen Arbeitskonditionen und zu welchem Gehalt?

Generell macht es sich im Lebenslauf immer gut, wenn man von seinem Ausbildungsbetrieb oder nach der Probezeit übernommen wird. Künftigen Arbeitgebern signalisiert das, dass der Bewerber sich als wertvoller Mitarbeiter entpuppt hat und sich die Übernahme für den Ausbildungsbetrieb lohnt.

Arbeitsrecht: Neue Probezeit ist zulässig

Das betrifft freilich nur Azubis, am Ende einer Probezeit darf es nicht noch mal eine geben. Nach der Ausbildung aber schon. Denn auch wenn sich beide Seiten inzwischen gut kennen, kann der Arbeitgeber argumentieren, die Ausbildungssituation sei mit dem harten Berufsalltag nicht vergleichbar. Deshalb darf er dann noch eine erneute Probezeit nach § 622 Abs. 3 BGB fordern.

Auch einen befristeten Arbeitsvertrag kann der Arbeitgeber zunächst nur anbieten, wenn ein sachlicher Grund vorliegt. Der liegt allein schon dadurch vor, dass der Übergang des Auszubildenden in eine Anschlussbeschäftigung damit erleichtert wird.

Übernahmegespräch Tipps: Feebackgespräch erfolgreich führen

Darüber hinaus gibt es ein paar Empfehlungen, wie Sie solche Übernahmegespräche optimal vorbereiten und bestehen können:

  • Informationen sammeln

    Schon vorab sollten Sie sich umfassend informieren, ob derzeit Auszubildende übernommen werden oder überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer während der Probezeit gehen müssen. Wenn Sie im Wettbewerb mit anderen Azubis oder Berufsanfängern stehen, ist das Gespräch vielleicht die letzte Gelegenheit, um aus der Masse herauszustechen.

  • Chance nutzen

    Begreifen Sie das Feedbackgespräch als Chance, eventuelle Vorurteile gegen Sie oder frühere Fauxpas' auszugleichen. Dokumentieren Sie Ihre positive Entwicklung, die Lerneffekte und bisherigen Erfolge. Rechnen Sie jedenfalls nicht damit, dass das alles schon bekannt und präsent wäre.

  • Gegenargumente einkalkulieren

    Überlegen Sie sich vorher, wie Sie auf mögliche Einwände kontern können. Damit sind aber weder Ausreden noch "Ja, aber"-Diskussionen gemeint. Kritik hören Sie sich unbedingt bereitwillig an. Zeigen Sie aber auch, dass Sie den Kritikpunkt bereits erkannt haben und daran längst arbeiten - mit Erfolg.

  • Probleme lösen

    Überlegen Sie sich vor dem Gespräch, mit welchen Problemen Ihr Unternehmen derzeit zu kämpfen hat und welchen Beitrag Sie zur Lösung erbringen könnten. Möglicherweise haben Sie beim Aufbau der IT-Abteilung geholfen und kennen sich als einer der wenigen exzellent mit dem Bereich XY aus. Kurz: Zeigen Sie, dass Sie für den weiteren Unternehmenserfolg weitgehend unverzichtbar sind.

  • Vereinbarungen treffen

    Versuchen Sie möglichst alle wichtigen Ergebnisse des Gesprächs schriftlich zu fixieren, wie etwa den Termin zum Unterschreiben des Arbeitsvertrages oder wann Sie offiziell angestellt werden. Wenn dazu noch nichts vereinbart wurde, sprechen Sie es bitte jetzt an und lassen Sie sich nicht mit mündlichen Zusagen abspeisen.

Am Ende sollten Sie noch Ihre Gehaltsvorstellungen formulieren und aushandeln. Und natürlich den eventuell neuen Arbeitsvertrag unterschreiben... Viel Erfolg!

Arbeitsrecht: Versehentliche Übernahme

Für Arbeitgeber gibt es nach der Ausbildung eine arbeitsrechtliche Falle beziehungsweise für Ex-Azubis eine Chance: Wird der Auszubildenden nach Bestehen seiner Abschlussprüfung weiterbeschäftigt - und sei es nur für eine Stunde -, begründet dies einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Für Juristen stellt sich das dann so dar: Weil der Betrieb nicht verhindert hat, dass der ehemalige Azubi nach der Prüfung für ihn weiterarbeitet, zeigt er durch sein Handeln an, dass er ihn weiterbeschäftigen will - selbst wenn das eigentlich ein Versehen war.

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