Job verloren: Geringeres Gehaltsangebot annehmen?

Plötzlich das Aus: Kündigung, Jobverlust. Was tun? Gerade wenn das Einkommen dringend benötigt wird, bewerben sich viele auf irgendeine Stelle. Hauptsache Job. Aber sollten Sie auch einen Job mit einem geringeren Gehaltsangebot annehmen – oder lieber auf eine passende Stelle mit besserem Gehalt warten und dafür eine längere Phase der Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen? Eine Entscheidungshilfe…

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Plötzlich arbeitslos: Emotionaler und finanzieller Ausnahmezustand

Der Verlust des Arbeitsplatzes trifft die meisten Menschen wie ein Schlag. Neben dem emotionalen Dämpfer und dem plötzlichen Verlust der täglichen Routine gesellt sich schnell ein ungebetener Gast dazu: die Existenzangst. Wenn die monatlichen Fixkosten weiterlaufen, das Arbeitslosengeld aber spürbar geringer ausfällt als das gewohnte Einkommen, wächst der Druck rasant.

In dieser fragilen Bewerbungsphase bekommen Sie vielleicht ein Jobangebot, das zwar zurück in den Arbeitsmarkt führt, jedoch zu deutlich schlechteren Gehaltsbedingungen als zuvor. Was tun? Sie stehen vor einem klassischen Dilemma:

  • Das geringere Gehaltsangebot zähneknirschend annehmen, um schnell wieder in Lohn und Brot zu sein?
  • Oder weitersuchen, abwarten und eine längere Arbeitslosigkeit und damit Lücke im Lebenslauf und in der Haushaltskasse riskieren?

Der erste Schritt: Überblick verschaffen

Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über Ihre Finanzen:

  • Monatliche Fixkosten
  • Vorhandene Rücklagen
  • Mögliche Einsparpotenziale
  • Höhe des Arbeitslosengeldes
  • Neues Gehalt
  • Auswirkungen auf Ihre Altersvorsorge

Der zweite Schritt: Kühlen Kopf bewahren

Natürlich hängt die Entscheidung stark von Ihrer finanziellen Situation ab und davon, wie dringend Sie wieder ein festes Einkommen benötigen. Aber nicht nur! Viele definieren ihren Selbstwert im Berufsleben zu einem Großteil über das Einkommen. Machen Sie sich aber bitte klar: Sie tauschen nicht nur Arbeitszeit und Leistung gegen Gehalt, sondern auch empfundene Wertschätzung und Lebensqualität. Ein finanzielles Angebot unter Ihrem gewohnten Niveau fühlt sich vielleicht wie eine persönliche Abwertung an. Es muss aber nicht gleichbedeutend mit einem Rückschritt im Lebenslauf sein!

Manchmal ist auch ein Schritt zurück ein Schritt nach vorn – zu einem Job, der besser zu Ihnen passt, Sie glücklicher macht – und der Karriereknick ist nur eine Momentaufnahme. Viel entscheidender ist daher, welche Perspektiven mit dem neuen Job verbunden sind und welche Entwicklung daraus entsteht. Womöglich ist die neue Stelle nur ein Zwischenschritt und nach 12-24 Monaten können Sie Ihr Einkommen bei der nächsten Gehaltsverhandlung bereits wieder steigern.

Vorsicht Verlustaversion

Machen Sie sich bitte bewusst, dass in solchen Fällen psychologisch meist die sogenannte Verlustaversion wirkt: Den Verlust von bereits Erreichtem (hier: bisheriges Gehalt) gewichten Menschen emotional doppelt so schwer wie den potenziellen Gewinn einer gleichwertigen Sache (siehe: Status-quo-Effekt). Wer einmal ein bestimmtes Plateau erklommen hat, sträubt sich entsprechend stark dagegen, freiwillig abzusteigen. Der Stolz darf in einer solchen Krisensituation aber nicht Ihr alleiniger Berater sein. Vielmehr müssen Sie eine rationale Perspektive einnehmen und das Angebot als taktischen Schritt beurteilen.

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Geringeres Gehaltsangebot annehmen: Was spricht dafür?

Die Praxis zeigt, dass der finanzielle Rückschritt strategisch klug oder schlichtweg notwendig ist. Dafür, ein niedriges Gehaltsangebot anzunehmen, sprechen folgende Konstellationen:

  • Überbrückung der akuten Notlage

    Wenn die Ersparnisse aufgebraucht sind und das Arbeitslosengeld nicht mehr ausreicht, hat die finanzielle Absicherung oberste Priorität. Ein Job mit weniger Gehalt ist immer noch besser als die drohende Zahlungsunfähigkeit.

  • Branchenwechsel mit Neuorientierung

    Planen Sie ohnehin einen kompletten Jobwechsel oder Quereinstieg in ein völlig neues Berufsfeld, fehlt Ihnen dort die relevante Berufserfahrung. In dem Fall ist ein geringeres Einstiegsgehalt der normale Preis dafür, um überhaupt einen Fuß in die neue Tür zu bekommen.

  • Vermeidung einer langen Lebenslauf-Lücke

    Je länger Sie schon arbeitslos sind, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg. Personaler hinterfragen lange Beschäftigungslücken kritisch. Ein schneller Jobeinstieg – wenn auch schlechter bezahlt – beweist zumindest Tatkraft und permanente Beschäftigung.

  • Attraktive Perspektiven und Benefits

    Betrachten Sie das Gesamtpaket – nicht nur das Grundgehalt. Bietet das Unternehmen hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder interne Aufstiegsoptionen, kann sich der Verzicht auf das bisherige Gehalt kurzfristig lohnen.

Vergessen Sie bei Ihren Überlegungen auch nicht, die Work-Life-Balance. Der neue Job kann ein besseres Arbeitsklima, nettere Kollegen oder bessere Arbeitszeiten bieten. Das beugt z.B. einem Burnout vor und ist manchmal mehr wert als Geld.

Jobangebot ablehnen: Was spricht gegen das Gehaltsangebot?

Eine voreilige Zusage zu einem unterbezahlten Job aus Verzweiflung kann ebenso erhebliche Risiken bergen, die Ihre berufliche Zukunft langfristig belasten. Auch hierbei müssen Sie genau hinsehen und abwägen:

  • Zementierung des Gehaltsniveaus

    Wenn Sie sich zu sehr unter Wert verkaufen, laufen Sie Gefahr, dass sich dieser Zustand festsetzt und Sie in eine Gehaltssackgasse geraten. Künftige Gehaltserhöhungen basieren meist prozentual auf dem aktuellen Gehalt. Ein niedriger Ausgangswert bremst das Einkommenswachstum über Jahre hinweg.

  • Gefahr der Motivationsfalle

    Haben Sie dauerhaft das Gefühl, ein unfaires Gehalt zu bekommen, wachsen der Frust und die Unzufriedenheit. Viele gehen dann in die innere Kündigung (siehe: Quiet Quitting) und schieben nur noch Dienst nach Vorschrift. Damit steigt aber erneut das Risiko für einen Jobverlust.

  • Falsches Signal an den Arbeitsmarkt

    Akzeptieren Sie eine Position, die deutlich unter Ihrer Qualifikation liegt, senden Sie Signale an zukünftige Arbeitgeber. Im nächsten Bewerbungsprozess müssen Sie plausibel erklären, warum Sie sich damals unter Wert verkauft haben, ohne dass es wie Verzweiflung wirkt.

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Checkliste für Ihre Entscheidung: So wägen Sie richtig ab

Damit Sie nicht aus einem spontanen Impuls heraus die falsche Wahl treffen, sollten Sie das Angebot anhand der folgenden Kernfragen systematisch sezieren:

  1. Wie groß ist die Differenz tatsächlich? Reden wir von schmerzhaften 5 % minus oder von existenzbedrohenden 30 % Abweichung zum Marktwert?
  2. Welche Alternativen haben Sie? Falls Sie das Angebot ablehnen, welche Möglichkeiten bleiben Ihnen, um finanzielle Engpässe weiterhin zu überbrücken?
  3. Wie laufen die Bewerbungen? Wie realistisch ist es, ein gleichwertiges Angebot zum bisherigen Job in den nächsten Wochen zu finden?
  4. Wie lange ist die Kündigungsfrist? Ein neuer Job mit kurzer Kündigungsfrist erlaubt es Ihnen, sich sofort aus einer ungekündigten und damit psychologisch stärkeren Position heraus weiterzubewerben (Stichwort: Sprungbrett).
  5. Bietet die Stelle einen Mehrwert für den Lebenslauf? Erhöht der Name des Unternehmens oder die neue Verantwortung Ihren Marktwert für die Zukunft? Lässt sich die Position später als bewusste Übergangslösung erklären?
  6. Gibt es Entwicklungsperspektiven? Lässt sich im Arbeitsvertrag schriftlich fixieren, dass das Gehalt nach der Probezeit oder nach dem Erreichen bestimmter Ziele automatisch angepasst wird?
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Strategischer Zwischenschritt oder dauerhafter Abstieg?

Die Entscheidung, nach einem Jobverlust ein geringeres Gehaltsangebot anzunehmen, ist niemals leicht. Das wissen wir und verstehen wir. Es muss aber ebensowenig ein Karriere-Aus sein. Betrachten Sie die Situation nicht als Niederlage, sondern als strategischen Zwischenschritt.

Wenn Sie das Angebot annehmen, tun Sie dies erhobenen Hauptes und nutzen Sie die gewonnene Sicherheit als Sprungbrett. Die wichtigste Währung im Berufsleben ist nicht immer nur das Geld auf dem Konto, sondern Ihre Handlungsfähigkeit. Solange Sie das Ziel vor Augen behalten, sich langfristig wieder dorthin zu bewegen, wo Ihre Qualifikation und Ihr Marktwert liegen, kann auch ein kleiner Schritt zurück der Beginn für einen neuen Karrieredurchbruch sein.

FAQ – häufige Fragen zum Jobwechsel Gehalt

Wie verhandelt man das Gehalt bei einem Jobwechsel?

Zeigen Sie zunächst immer Begeisterung für die Position, das Unternehmen und bekräftigen Sie Ihren Wunsch, Teil des Teams zu werden. Anschließend sollten Sie Ihre sachlichen Argumente für Ihren Gehaltswunsch vortragen. Vergessen Sie dabei nicht, etwaige alternative Benefits zu verhandeln (siehe: BATNA, WATNA, ZOPA).

Wie reagiert man auf ein zu niedriges Gehaltsangebot?

Bitten Sie stets um 2-3 Tage Bedenkzeit und wägen Sie die Vor- und Nachteile sorgfältig ab. Das neue Gehaltsangebot sollte in der Regel nicht 20 % unter Ihrem aktuellen Marktwert liegen. Diesen können Sie dann entsprechend in der Gehaltsverhandlung auch anführen und begründen. Beispiel-Formulierung: „Aufgrund meiner Qualifikationen und Erfahrungen halte ich ein Gehalt von 49.880 Euro weiterhin für angemessen.“

Wie lehne ich ein Jobangebot mit niedrigem Gehalt höflich ab?

Bleiben Sie in jedem Fall respektvoll. Eine mögliche Antwort und Absage kann lauten: „Vielen Dank für Ihr Angebot, ich weiß das sehr zu schätzen. Leider muss ich die Stelle ablehnen, weil das Gehalt nicht meinen Vorstellungen und meinem Marktwert entspricht.“


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