RIASEC-Modell nach Holland: Beispiele + Berufe

Unsere Berufswahl wird beeinflusst von unseren Neigungen und Interessen. Das RIASEC-Modell von John L. Holland unterscheidet sechs Interessenbereiche, die je nach Persönlichkeit anders ausgeprägt sind. Was Sie vom RIASEC-Modell und der Typologie über sich lernen können – mit Beispielen und Berufen…

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Definition: Was ist das RIASEC-Modell?

Das RIASEC-Modell von John L. Holland ist ein wissenschaftlich etabliertes Interessenmodell zur Berufsorientierung. Es beschreibt sechs grundlegende berufliche Interessen: Realistic, Investigative, Artistic, Social, Enterprising und Conventional. Jeder Mensch besitzt alle sechs Bereiche – allerdings in unterschiedlich starker Ausprägung.

Die Grundidee einfach erklärt: Menschen bevorzugen Tätigkeiten und Arbeitsumgebungen, die zu ihren Interessen passen. Eine gute Übereinstimmung kann deshalb ein wichtiger Baustein für berufliche Zufriedenheit sein. Das RIASEC-Profil entscheidet jedoch nicht allein darüber, welcher Beruf zu Ihnen passt. Fähigkeiten, Werte, Qualifikationen, Arbeitsbedingungen und persönliche Ziele spielen ebenfalls eine Rolle.

Wie entstehen berufliche Interessen?

Holland betrachtete berufliche Interessen nicht bloß als einzelne Vorlieben, sondern als relativ stabile Muster, die sich im Laufe der Entwicklung herausbilden. Sie beeinflussen, welche Tätigkeiten und Umgebungen wir attraktiv finden und welche Aufgaben wir eher meiden. Interessen können sich im Lebenslauf trotzdem verändern – etwa durch neue Erfahrungen, Ausbildung oder berufliche Praxis.

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Typologie: 6 Bereiche im RIASEC-Modell

Das Holland-Modell unterscheidet sechs Interessensorientierungen. Bei den meisten Menschen sind zwei oder drei Bereiche besonders stark ausgeprägt. Der Name RIASEC ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben:

  1. Realistic (praktisch-technische Orientierung)

    Menschen mit einer starken realistischen Ausprägung interessieren sich für praktische, technische, handwerkliche oder körperliche Tätigkeiten. Sie arbeiten gerne mit Werkzeugen, Maschinen, Materialien, Pflanzen oder Tieren und schätzen sichtbare Arbeitsergebnisse.

  2. Investigative (forschende Orientierung)

    Bei einer forschenden Orientierung stehen Analyse, Wissen und Problemlösung im Mittelpunkt. Diese Menschen untersuchen komplexe Zusammenhänge, stellen Fragen und beschäftigen sich gerne mit wissenschaftlichen, mathematischen oder technischen Problemen.

  3. Artistic (künstlerisch-kreative Orientierung)

    Künstlerisch orientierte Menschen möchten gestalten, Ideen entwickeln und sich beispielsweise durch Sprache, Musik, Kunst oder Design ausdrücken. Sie bevorzugen häufig offene Aufgaben mit Freiraum für Kreativität.

  4. Social (soziale Orientierung)

    Hier steht die Arbeit mit Menschen im Vordergrund. Sozial orientierte Personen interessieren sich für Tätigkeiten, bei denen sie beraten, unterrichten, unterstützen, pflegen oder anderen helfen können. Typische Einsatzgebiete sind pädagogische, beratende und soziale Berufe.

  5. Enterprising (unternehmerische Orientierung)

    Menschen mit einer starken unternehmerischen Ausprägung überzeugen, führen, verkaufen, organisieren oder treffen gerne Entscheidungen. Sie interessieren sich häufig für Management, Vertrieb, Unternehmertum und andere Tätigkeiten, bei denen sie Einfluss nehmen und Ziele erreichen können.

  6. Conventional (ordnend-verwaltende Orientierung)

    Diese Interessengruppe bevorzugt strukturierte und klar geregelte Aufgaben. Typisch sind Tätigkeiten mit Daten, Zahlen, Dokumenten, Verwaltung oder Organisation. Genauigkeit, Ordnung und nachvollziehbare Abläufe spielen dabei eine wichtige Rolle.

Was bedeutet das RIASEC-Hexagon?

Die sechs Bereiche werden traditionell in einem Sechseck angeordnet. Das ist nicht nur eine grafische Darstellung: Benachbarte Orientierungen sind einander ähnlicher als weiter voneinander entfernte. Realistic und Investigative liegen beispielsweise nebeneinander, Realistic und Social gegenüber. Das bedeutet aber nicht, dass sich bestimmte Interessen gegenseitig ausschließen: Eine Person kann gleichzeitig hohe Werte in mehreren Bereichen besitzen. Häufig werden deshalb die zwei oder drei stärksten Ausprägungen zu einem sogenannten Holland-Code kombiniert – beispielsweise „SAE“ für Social, Artistic und Enterprising.

RIASEC-Modell: Passende Berufe Liste

Zu den sechs Interessengebieten passen unterschiedliche Tätigkeiten und Arbeitsumgebungen. Die folgende Liste zeigt typische Beispiele. Sie ist keine starre Berufsempfehlung: Ein Beruf kann Anforderungen aus mehreren RIASEC-Bereichen verbinden.

Realistische Orientierung

Forschende Orientierung

Künstlerische Orientierung

Soziale Orientierung

Unternehmerische Orientierung

Traditionelle Orientierung

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Kritik: Vor- und Nachteile des RIASEC-Modells

Das RIASEC-Modell gehört zu den etablierten Ansätzen der beruflichen Interessenforschung und wird international zur Karriereexploration und Berufsberatung eingesetzt. Seine Stärke liegt primär darin, komplexe berufliche Vorlieben auf sechs verständliche Dimensionen zu reduzieren. Gerade für die erste Orientierung ist das hilfreich.

Genau darin liegt zugleich eine Grenze: Sechs breite Kategorien können die Vielfalt persönlicher Interessen und moderner Berufsbilder nicht vollständig erfassen. Zudem sagt ein passendes Interessenprofil allein noch nichts darüber aus, ob jemand die erforderlichen Fähigkeiten besitzt, mit den Arbeitsbedingungen zufrieden ist oder persönliche Werte und Lebensziele zum Beruf passen.

Vorteile

Nachteile

Leicht verständliches Modell mit sechs Interessenbereichen Breite Kategorien vereinfachen individuelle Interessen
Hilfreich für Berufswahl und Karriereexploration Interessen allein bestimmen keine passende Berufswahl
Mehrere Ausprägungen lassen sich zu einem individuellen Profil verbinden Konkrete Berufe vereinen häufig mehrere Interessen und Tätigkeitsfelder
RIASEC lässt sich mit Berufsprofilen und Arbeitsumgebungen vergleichen Fähigkeiten, Werte, Ziele und Arbeitsbedingungen müssen zusätzlich berücksichtigt werden
International verbreitet und wissenschaftlich vielfach untersucht Interessenprofile sind keine unveränderlichen Etiketten für das gesamte Berufsleben

Das RIASEC-Modell sollte deshalb als Orientierung und nicht als Berufsschablone verstanden werden. Besonders aussagekräftig wird ein RIASEC-Profil, wenn Sie es mit Ihren Fähigkeiten, Werten, bisherigen Erfahrungen und konkreten Vorstellungen vom Arbeitsleben verbinden.


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