Befristeter Arbeitsvertrag: Checkliste bei Befristung
Vom Gesetzgeber war der befristete Arbeitsvertrag ursprünglich einmal als Einstiegs- oder Rückkehroption in das Berufsleben gedacht. Diesen Zweck erfüllt er zwar teilweise heute noch, doch werden solche Arbeitsverträge heute eher aus anderen Gründen geschlossen. Mehr als zehn Prozent aller Arbeitnehmer befinden sich aktuell in solchen Arbeitsverhältnissen, Tendenz steigend. Betroffene Arbeitnehmer sollten daher unbedingt auf einige Besonderheiten und ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen bei befristeten Arbeitsverträgen achten...

Arbeitsvertrag: Wann ist die befristete Beschäftigung erlaubt?

Befristeter Arbeitsvertrag DefinitionSagen wir es, wie es ist: Befristete Arbeitsverträge (auch zeit­lich be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag genannt) sind heute weit verbreitet. Vor allem Berufseinsteiger bekommen inzwischen kaum noch ein anderes Arbeitsverhältnis angeboten. Laut Schätzungen des Statistischen Bundesamtes sind derzeit rund 2,5 Millionen Menschen befristet beschäftigt.

Der Grund: Befristete Arbeitsverhältnisse bieten primär Vorteile für Arbeitgeber und Unternehmen.

Im Unterschied zu einem unbefristeten Arbeitsverhältnis wird das befristete Arbeitsverhältnis für eine feste Dauer ("Zeit­be­fris­tung") geschlossen, also nicht für unbestimmte Zeit.

Belegschaftsgrößen können damit flexibler wachsen und schrumpfen - je nachdem wie sich die Auftragslage im Unternehmen entwickelt. Geht die Strategie nicht auf, werden die Verträge einfach nicht verlängert und die Mitarbeiter scheiden ganz regulär nach Ablauf der Befristung aus. Das spart lange und teure Kündigungsklagen (etwa bei betrieblichen Kündigungen).

Dazu muss man wissen: Die Befristung eines Arbeitsvertrages ist in Deutschland mit und ohne Sachgrund möglich.

Sachgründe, die eine Befristung rechtfertigen, sind:

  • Der Bedarf für den Arbeitnehmer besteht nur vorübergehend.
  • Ein Angestellter soll getestet werden.
  • Ein Azubi wird übernommen, um seine Chancen zu verbessern.
  • Der Arbeitnehmer vertritt vorübergehend einen Mitarbeiter.
  • Es handelt sich um eine Saisonstelle.
  • Es ist eine Projektstelle, die mit Ende des Projekts obsolet wird.
  • Die Stelle ist haushaltrechtlich oder
  • aufgrund eines gerichtlichen Vergleichs befristet.

Ohne Sachgrund dürfen Arbeitsverträge befristet werden

Um etwa...

  • Mitarbeiter unverbindlich zu testen. Solche Verträge dürfen innerhalb von zwei Jahren höchstens drei Mal verlängert werden.
  • Existenzgründer in den ersten vier Jahren vor langfristigen Verpflichtungen zu bewahren. Sie dürfen Verträge mit Angestellten bis zu 48 Monate verlängern.
  • Älteren (mindestens 52 Jahre, sogenannte 52er-Re­ge­lung) den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Voraussetzung ist allerdings, dass Ar­beit­neh­mer un­mit­tel­bar vor Be­ginn des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses min­des­tens vier Mo­na­te beschäfti­gungs­los war. Dann dürfen solche Verträge sogar bis zu einer Dauer von fünf Jahren verlängert werden.

Befristeter Arbeitsvertrag: Wie lange darf das gehen?

Es ist ein klassischer Irrtum, dass Mitarbeiter nur maximal zwei Jahre befristet beschäftigt werden dürfen. Zwar darf ein Unternehmen seine Angestellten laut Paragraph 14, Absatz 2 TzBfG grundsätzlich nicht länger als zwei Jahre lang befristet beschäftigen, wenn kein sachlicher Grund vorliegt. Doch es gibt durchaus auch längere Fristen:

  • Arbeitsstellen in Universitäten und Forschungseinrichtungen dürfen bis zu sechs Jahren verlängert werden.
  • Im Medizinbereich dürfen Arbeitsveträge sogar ein Ablaufdatum von bis zu neun Jahren haben.

Und auf einen ohne Sachgrund befristeten Arbeitsvertrag darf wiederum nach dem Erreichen der Zwei-Jahres-Grenze ebenfalls ein mit Sachgrund befristeter Vertrag folgen.

Für die Zahl der Verlängerungen gibt es hier keine Obergrenze, solange jedes Mal ein Sachgrund vorliegt.

Allerdings kennen Arbeitsgerichte bei sogenannten Ket­ten­be­fris­tun­gen durchaus Schamgrenzen. Im Jahr 2012 gaben die Richter einer Justizangestellten Recht, deren befristetes Arbeitsverhältnis in elf Jahren ganze 13 Mal verlängert worden war. Das war den Richtern dann doch zu viel - die hohe Anzahl der Verlängerungen lege einen Missbrauch nahe, urteilten sie (Az.: 7 AZR 443/09).

Nach Befristung arbeitslos: Und jetzt?

Nach Befristung arbeitslos: Und jetzt?Falls Sie drei Monate vor Ende des befristeten Beschäftigungsverhältnisses noch keinen Anschlussjob sicher haben, sollten Sie sich unbedingt vorsorglich bei der Arbeitsagentur arbeitslos melden. Andernfalls droht eine dreimonatige Arbeitslosengeldsperre.

Zudem sollten Sie in diesen drei letzten Monaten mit dem Chef das Gespräch suchen und fragen, ob der Sie weiterbeschäftigen wird. Falls nicht, lassen Sie sich von der Personalabteilung ein Dokument geben, das noch einmal bestätigt, dass es der Arbeitgeber war, der den Vertrag nicht verlängert hat. Das legen Sie bei der Arbeitsagentur ebenfalls vor, damit Sie nahtlos im Anschluss Arbeitslosengeld erhalten.

Befristeter Arbeitsvertrag: Voraussetzungen und Besonderheiten

Befristeter-Vertrag-Arbeitsrecht-02Ein befristeter Arbeitsvertrag muss in Deutschland auf jeden Fall schriftlich vorliegen und vor Beginn des Arbeitsverhältnisses von Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterschrieben werden. Wichtig ist bei einem mit Sachgrund befristeten Vertrag, dass der Sachgrund explizit im Arbeitsvertrag genannt wird.

Ist der Sachgrund nicht ausreichend, können Arbeitnehmer im Nachhinein eine Entfristungsklage anstrengen. Diese muss allerdings innerhalb von drei Wochen ab dem Befristungsende bei Gericht eingereicht werden.

Im Erfolgsfall wird ihr Arbeitsvertrag in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis umgewandelt.

Das gilt auch für eine rein mündliche Jobzusage. Die ist zwar laut Arbeitsrecht bindend - vorausgesetzt, der Bewerber kann diese beweisen. Bei einem befristeten Arbeitsvertrag gilt aber eine Einschränkung: Der muss nach Paragraf 14, Absatz 4 TzBfG stets schriftlich geschlossen werden. Andernfalls wird daraus automatisch ein unbefristeter Arbeitsvertrag.

Übrigens auch wenn Sie am ersten Tag nach dem Ende Ihres befristeten Arbeitsvertrages zur Arbeit erscheinen und Ihr Arbeitgeber Sie nicht sofort wieder nach Hause schickt, wird Ihr Arbeitsvertrag unbefristet gültig.

In einem solchen Fall leidet die Arbeitsatmosphäre jedoch immer. Nicht selten greifen Arbeitgeber dann zu Mobbing beziehungsweise Bossing-Methoden, um die unliebsamen Mitarbeiter wieder loszuwerden.

Achtung Falle: Oft handeln Mitarbeiter bei einer Fristverlängerung bessere Konditionen heraus - zum Beispiel ein höheres Gehalt. Für Arbeitgeber ist das gefährlich: Solche Änderungen bewirken, dass ein "neuer" befristeter Arbeitsvertrag zustande kommt. Und da Mehrfach-Befristungen ohne Sachgrund rechtlich unwirksam sind, gilt der neue Vertrag dann als unbefristet.

Das Gehalt aufstocken oder sonstige Vergünstigungen anbieten, dürfen Arbeitgeber daher nur innerhalb der Vertragszeit.

Kündigungsschutz bei einem befristeten Arbeitsvertrag

Kündigungsschutz bei einem befristeten ArbeitsvertragDer Kündigungsschutz ist bei befristeten Arbeitsverträgen vom Gesetzgeber - im Vergleich zu unbefristeten Verträgen - deutlich gelockert. Eine außerordentliche - meist fristlose - Kündigung unterliegt zwar prinzipiell den gleichen Voraussetzungen wie bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag, doch bereits bei der ordentlichen Kündigung gibt es gravierende Unterschiede.

Der wichtigste Punkt: Werden im Arbeitsvertrag keine Regelungen für die Kündigung getroffen, gibt es für Arbeitgeber und Arbeitnehmer keine Möglichkeit zur ordentlichen Kündigung.

Das befristete Arbeitsverhältnis endet also erst zum im Arbeitsvertrag festgelegten Datum. Die gesetzliche Kündigungsfrist liegt bei lediglich vier Wochen und ist nur gültig, wenn im Arbeitsvertrag auf sie verwiesen wird.

Auch für Menschen mit einer Behinderung oder Schwangere (siehe unten) sieht der Gesetzgeber bei befristeten Arbeitsverträgen keinen besonderen Kündigungsschutz vor.

Befristeter Arbeitsvertrag: Vorteile für Arbeitnehmer?

Angesichts dieser Rahmenbedingungen liegt die Frage nahe, ob Arbeitnehmer überhaupt von befristeten Arbeitsverträgen profitieren. Die Antwort lautet: Ja.

Auch wenn die Vorteile nicht zahlreich sind, so sind sie doch vorhanden. Befristete Arbeitsverträge können...

  • die Vorstufe zu einem unbefristeten Arbeitsverhältnis darstellen.
  • eine Möglichkeit sein, um ein Unternehmen kennenzulernen.
  • dabei helfen, Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen zu sammeln.

Diesen Vorteilen stehen natürlich auch Nachteile wie fehlende Planungssicherheit, eine unklare Perspektive und der gelockerte Kündigungsschutz gegenüber.

Befristete Arbeitsverträge bieten daher vor allem jüngeren und ungebundenen Arbeitnehmern Chancen. Sie können so ihre Berufserfahrung erweitern und verschieden Firmen testen. Für Arbeitnehmer mit Familie überwiegen bei befristeten Jobs eher die Nachteile.

Checkliste für befristete Arbeitsverträge

Bevor Sie einen befristeten Arbeitsvertrag unterschreiben, sollten Sie folgende Punkte mithilfe der folgenden Checkliste kritisch prüfen. Sie können diese - wie gewohnt - kostenlos als PDF herunterladen:

  • Werden Regelungen für eine ordentliche Kündigung oder zumindest die gesetzlichen Kündigungsfristen erwähnt?
  • Werden der Sachgrund und/oder die Dauer der Befristung im Arbeitsvertrag explizit benannt?
  • Ist der genannte Sachgrund stichhaltig?
  • Gibt es im Arbeitsvertrag Aussagen zu einer erneuten Befristung?
  • Denken Sie bitte daran, sich spätestens drei Monate vor Ende Ihres befristeten Vertrages bei der Arbeitsagentur zu melden.
  • Die Zusage für eine erneute Befristung befreit Sie nicht von Ihrer Meldepflicht. Versäumen Sie die Meldung, droht eine temporäre Sperre des Arbeitslosengeldes.
  • Fragen Sie bitte rechtzeitig - mindestens sechs bis acht Wochen - vor Ende des Arbeitsvertrages beim Unternehmen wegen einer erneuten Befristung oder Übernahme an.
  • Ist diese unklar, sollten Sie sich spätestens ab diesem Zeitpunkt auch bewerben und nach einem neuen Job umsehen.
  • Vermerken Sie in Lebenslauf und Bewerbung, dass es sich bei Ihrer letzten Stelle um einen befristeten Job gehandelt hat.
  • Bemühen Sie sich rechtzeitig um ein Arbeitszeugnis. Das steht Ihnen auch bei einem befristeten Vertrag zu.

Mutterschutz bei Befristung: Besteht Kündigungsschutz bei einer Schwangerschaft?

Mutterschutz bei Befristung: Besteht Kündigungsschutz bei Schwangerschaft?
Angenommen, Sie haben einen befristeten Arbeitsvertrag und werden dann schwanger: Kann Sie der Arbeitgeber dann kündigen? Die Frage wird immer wieder gestellt. Tatsächlich ist es so, dass laut §9 des Mutterschutzgesetzes ein sogenanntes Kündigungsverbot während der Schwangerschaft besteht. Hat der Arbeitgeber also Kenntnis von der Schwangerschaft, darf die betreffende Arbeitnehmerin "bis zum Ablauf von 4 Monaten nach der Entbindung" nicht gekündigt werden.

Bei einem befristeten Vertrag besteht jedoch der Sonderfall, dass dieser womöglich noch während der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung ausläuft. Und das wiederum ist zulässig. Bei einem befristeten Arbeitsvertrag besteht der Mutterschutz also nur theoretisch. Die einzige Chance besteht dann darin, die Rechtmäßigkeit der Befristung zu prüfen: Sie darf maximal zwei Jahre betragen und kann innerhalb dieser Zeit nur drei Mal verlängert werden.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]