Sie haben eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten? Glückwunsch! Ihr Profil und Ihre Motivation sind stimmig. Ihnen ist gelungen, mit der Bewerbung zu überzeugen. Das schaffen nur wenige. Jetzt trennt Sie nur noch ein überzeugender Auftritt vom ersehnten Traumjob. Und bei dem müssen Sie zeigen, dass Sie der richtige Kandidat für die Stelle sind. Klar, dass Sie nervös sind…

Dagegen hilft gute Vorbereitung. Tipps dafür finden Sie zum Beispiel hier auf der Karrierebibel – oder im restlichen Internet. Da aber leider – das sage ich mal ganz unbescheiden – nicht nur gute. Insbesondere in Foren finden Sie viele Legenden ums Vorstellungsgespräch, die von Interview-“Opfern” verbreitet werden.

In diesen modernen Märchen werden harmlose Personaler regelmäßig zu Monstern, die mit heimtückischen Fragen Bewerber zu entlarven versuchen, um sie aus dem Rennen um die hoch verdiente Stelle zu werfen. Das Vorstellungsgespräch wird dabei zu einer Bewährungsprobe, das von Normalsterblichen nur noch mit viel Glück und Nahkampfausbildung zu meistern ist.

Das ist natürlich Blödsinn, von dem Sie sich besser nicht verrückt machen lassen sollten. Vorstellungsgespräche sind in der Regel harmlos. Damit Sie wissen, worum’s wirklich geht, räumen wir heute mit den sieben häufigsten Mythen auf:

Interview-Mythen, von denen Sie sich besser verabschieden

Im Bewerbungsgespräch muss man Fragen richtig beantworten. Durchs Internet geistern unzählige Beiträge wie “Diese Fragen müssen Sie im Vorstellungsgespräch beantworten können” oder “Die besten Antworten auf Personaler-Fragen”. Wahr ist: Es gibt typische Personaler-Fragen. Dahinter steckt aber kein standardisierter Kanon mit “richtigen” Antworten als Jobgarantie. Denn im Jobinterview geht es um Ihre spezifische Motivation und Erfahrung im Kontext der jeweiligen Bewerbungssituation. Und dafür hilft kein Auswendig-Lernen. Diese Fragen zeigen Ihnen lediglich, welche Themengebiete im Vorstellungsgespräch üblich sind. Was Personaler mit dieser oder jener Frage in Erfahrung bringen möchten. Was eine gute Antwort ausmacht – und was eine schlechte. Ihre eigenen müssen Sie dann schon selbst finden.
Im Vorstellungsgespräch muss ich mich gegen Mitbewerber durchsetzen. Das ist richtig. Aber es heißt nicht, dass Sie die anderen aus dem Rennen werfen müssen. Schlimmstenfalls sogar, indem Sie deren Befähigung in Frage stellen. Denn das ist keine Stärke, sondern soziale Inkompetenz. Und damit ein Ausschlusskriterium. Wenn Sie bei der Arbeit genau so agieren, ist der Betriebsfrieden schnell ruiniert. Statt sich mit Anderen zu messen, sollten Sie lieber Ihre Stärken präsentieren. Überzeugen Sie mit Kompetenz und Motivation. So setzen Sie die entscheidenden Akzente.
Im Vorstellungsgespräch muss ich mich bewähren. Haben Sie etwa mit Ihrer Bewerbung die Messlatte (zu) hoch gehängt? Nein? Dann haben Sie nichts zu befürchten. Denn Sie besitzen ja alle Kenntnisse, die die Firma erwartet. Das haben Sie in der Bewerbung gezeigt. Darin konnten Sie obendrein mit Ihrer Motivation überzeugen. Dieses Level müssen Sie nur jetzt halten. Bestenfalls toppen. Eigentlich kein schwieriges Unterfangen, wenn Sie ehrlich waren. Peinlich wird’s nur, wenn Sie geschummelt haben, um in die Auswahl zu kommen – und dabei im Vorstellungsgespräch erwischt werden. In diesem Moment haben Sie verloren. Daran sind dann aber ganz alleine Sie schuld – und nicht die fiesen Personaler.
Im Vorstellungsgespräch wird meine Biografie überprüft. Selbstverständlich. Aber nicht, um Sie der Lüge zu überführen. Ihr Gegenüber will nur herausfinden, ob Sie zum Unternehmen passen und tatsächlich die erforderlichen Qualifikationen besitzen, die Sie für die neue Stelle brauchen. Deswegen stellen Personaler gerne Fragen zu Ihren bisherigen Positionen: Haben Sie dort tatsächlich das gemacht, was Sie angegeben haben? Und sie fragen besonders intensiv, wenn ihnen etwas unklar ist: Personaler haben ein gutes Gespür für verborgene Schwachpunkte – und bohren genau da nach. Wer jetzt ins Schwimmen kommt, hat meistens verloren. Und ist im Regelfall beim Schummeln ertappt worden. Wer bei der Wahrheit bleibt, auch zu seinen Schwächen steht und gute Erklärungen liefert, überzeugt durch Souveränität und Selbstkenntnis.
Im Vorstellungsgespräch muss ich immer eine Antwort parat haben. Stopp! Falsch, ganz falsch! Das Gegenteil ist richtig: Wer immer wie aus der Pistole geschossen antwortet, gerät in den Verdacht, auswendig gelernt zu haben. Nehmen Sie sich also ruhig etwas Zeit, um sich eine passende Antwort auf die jeweilige Frage zu überlegen. Gut Ding will Weile haben… Insbesondere, wenn Sie Ihr Gegenüber kalt erwischt hat. So verhindern Sie, ins Schwimmen zu kommen und sich anschließend um Kopf und Kragen zu reden. Ebenso sollten Sie einfach schweigen, wenn Sie mit Ihrer Antwort fertig sind. Und nicht weiterreden, weil Ihr Gesprächspartner (noch) nichts sagt. Denn das ist nicht zwingend ein Zeichen dafür, dass er noch mehr wissen will. Vielleicht braucht er nur einfach etwas Zeit, um Ihre Informationen zu verarbeiten. Bitte gönnen Sie ihm Ruhe dafür.
Im Vorstellungsgespräch muss ich eine gute Figur machen. Machen Sie das nicht sowieso? Oder warum, glauben Sie, hat man Sie eingeladen? Falsch liegt, wer glaubt, den idealen Kandidaten jetzt mimen zu müssen. Wer eine Rolle spielt, wirkt garantiert nicht echt. Und verspielt damit seine Chance auf den Job. Wer hingegen authentisch ist, weil er ehrlich geschildert hat, warum er sich genau auf diese Stelle bewirbt und im Vorstellungsgespräch einfach sympathisch rüberkommt, nimmt seine Gegenüber für sich ein. Und darauf kommt es letztlich an, um eingestellt zu werden.
Im Vorstellungsgespräch weiß der Personaler alles über mich. Das ist eines der hartnäckigsten Gerüchte. Der Personaler hat mich gegoogelt. Sämtliche sozialen Netzwerke nach verfänglichen Informationen über mich durchsucht. Regelanfrage beim Verfassungsschutz gestellt, CIA, KGB und Mossad eingeschaltet… Hat er natürlich nicht! Denn dafür hat er keine Zeit. Durchleuchtet wird allenfalls, wer in der Firma auf prominentem Posten stehen wird und dem Image der Firma mit Skandalen schaden kann. Über Sie weiß der Personaler nur das, was Sie ihm mitgteilt haben. Vielleicht hat er noch mit Ihrem früheren Arbeitgeber telefoniert und sich mal etwas bei Xing oder Linkedin und Facebook umgesehen. Aber auch da sollten Sie ja nichts zu befürchten haben.

Sie sehen: Alles halb so wild! Wichtig ist nur, dass Sie sich gut aufs Vorstellungsgespräch vorbereiten. Damit Sie…

  • Ihre Qualifikationen nennen und belegen können.
  • plausibel erklären können, warum Sie sich auf die Stelle bewerben.
  • in der Lage sind, überzeugend darzustellen, was das Unternehmen gewinnt, wenn es Sie einstellt.
  • über die Firma informiert sind und gezielt nachfragen können.

Dann ist so ein Vorstellungsgespräch keine Hürde mehr.

Denn wie gesagt: Überzeugt haben Sie schließlich schon. Sonst wären Sie nicht eingeladen worden. Jetzt geht es ums nähere Kennenlernen. Um die Feststellung, ob die gegenseitigen Erwartungen wirklich erfüllt werden. Dabei wird man Ihnen mit Sympathie und Wohlwolen begegnen – und nicht mit Ablehnung und Misstrauen. Schließlich will man ja auch Sie von der Firma überzeugen und Sie nicht dazu bringen, von einer Anstellung dankend Abstand zu nehmen.

Trotzdem, das will ich nicht verschweigen, gibt es natürlich auch jene Personaler aus der Hölle, die sich in den Foren wiederfinden. Ebenso wie die entsprechenden Bewerber. Beide Spezies zählen aber zu den Ausnahmen. Und wenn Ihnen wirklich Mal so ein Exemplar über den Weg läuft, gibt’s nur eins: abhaken – und woanders weiter machen. Im nächsten Vorstellungsgespräch läuft es dann bestimmt umso besser.

Jetzt zwei Bücher gewinnen!

Gewinnen Sie jeden Tag zwei Bücher auf Karrierebibel! In unserem Adventskalender verlosen wir vom 1. bis 24. Dezember täglich zwei Überraschungsbücher – Sachbücher, Romane, Biografien, mutmachende und nützliche Bücher. Alles was Sie dazu machen müssen, ist in diesem Beitrag einen Kommentar zu hinterlassen (und eine E-Mail-Adresse zu hinterlegen – die nicht angezeigt wird). Unter allen Teilnehmern verlosen wir dann jeden Abend um 20 Uhr zwei Überraschungsbücher aus dem unten abgebildeten Pool an einen glücklichen Gewinner. Sie können zwar Wünsche äußern – eine Garantie, dass Sie auch die Bücher bekommen, die Sie wollen, gibt es aber nicht. Ebenso werden Umtausch oder Reklamationen ausgeschlossen. Einem geschenkten Gaul… und so. Und wer binnen 24 Stunden nicht auf unsere Mail mit der Frage nach seiner Adresse reagiert, dessen Gewinn verfällt leider zugunsten eines neuen Gewinners, der dann erneut gelost wird. Viel Glück beim Mitmachen!