Vorstellungsgespräch Mythen: Was ist dran?

Um das Vorstellungsgespräch ranken sich viele Mythen. Kein Wunder, dass viele Bewerber verunsichert sind, nicht wissen, was genau sie erwartet und worauf sie sich einstellen müssen. Das kann durchaus zum Problem werden, wenn die Vorbereitung darunter leidet oder die Nervosität unnötig in die Höhe getrieben wird. Doch wie es mit Mythen so üblich ist, steckt dahinter nicht immer die volle Wahrheit. Die Schwierigkeit für Bewerber besteht darin herauszufiltern, welchen Mythen sie Glauben schenken können und in welchen Fällen Sie es mit Übertreibungen und falschen Informationen zu tun bekommen. Wir haben einige der häufigsten Mythen zum Vorstellungsgespräch unter die Lupe genommen und sagen Ihnen, was dran ist…

Vorstellungsgespräch Mythen: Was ist dran?

Vorstellungsgespräch Mythen: Nicht alles glauben!

Für Bewerber ist es nicht leicht, sich ein Bild von Vorstellungsgesprächen zu machen. Zwar gibt es überall Informationen, doch wer selbst noch nie die Erfahrung gemacht hat, kann sich meist nur schwer vorstellen, was da eigentlich auf ihn zu kommt. Viele verlassen sich deshalb auf die Informationen, die sie von anderen erhalten oder bei der eigenen Recherche gefunden haben.

Doch nicht alles, was man hier und da so findet oder liest, entspricht der Wahrheit. Oft verbergen sich dahinter lediglich, die immer wieder gleichen und kopierten Mythen zum Vorstellungsgespräch oder der Versuch, sich von anderen Ratgebern irgendwie originell abzugrenzen.

Klar, behaupten können – theoretisch – auch wir, dass wir es besser als die anderen wissen. Doch wenn Sie schon uns nicht glauben, dann glauben Sie zumindest unseren Lesern und deren Feedback. Seit rund zehn Jahren vertrauen und heute rund 3,6 Millionen Leser – jeden Monat. Und sie haben so schon einiges in Beruf und Leben erreicht. Darauf sind wir durchaus etwas stolz – denn das ist unsere Motivation.

Deshalb, daher und darum möchten wir hier und an dieser Stelle mit ein paar Mythen aufräumen, die wir leider immer noch hören und die uns als Fragen von Lesern herangetragen werden…

Was ist an diesen Mythen zum Vorstellungsgespräch dran?

Bewerber beziehen Ihre Informationen zum Vorstellungsgespräch aus unterschiedlichen Quellen. Freunde berichten von ihren Erfahrungen im Jobinterview, Eltern geben Tipps aus ihrer Zeit und im Internet finden sich unzählige weitere Hinweise, die alle erst einmal eingeordnet werden wollen.

Der perfekte Nährboden für Mythen, die anschließend immer weiter verbreitet werden und sich hartnäckig in den Köpfen festsetzen. Nicht zuletzt, weil manche Seitenbetreiber ihre Tipps einfach nur irgendwo abschreiben, um billig Content zu produzieren. So setzt sich dann ein Fehler immer weiter fort und zieht seine Kreise.

Wir haben uns daher einige der häufigsten Mythen genauer angeschaut, nachrecherchiert und sagen Ihnen, was wirklich dran ist:

  1. Im Vorstellungsgespräch muss man immer die richtige Antwort kennen.

    Es ist wahrscheinlich der Mythos, der Bewerbern die größte Sorge macht. Schon der Gedanke, auf die typischen Fragen im Vorstellungsgespräch nicht die perfekten Antwort geben zu können, treibt vielen den Schweiß auf die Handflächen. Ist aber völliger Quatsch – und eine unnötige Sorge dazu.

    Natürlich sollten Bewerber vorbereitet sein und typische Fragen beantworten können. Doch dabei geht es nie um richtig oder falsch. Personaler und Interviewer wollen Sie im Gespräch persönlich kennenlernen, Ihr Denken und Ihre Arbeitsweise. Deswegen wäre zwar Stottern und Stammeln zwar weniger förderlich. Ansonsten aber geht es eher um ein dynamisches, engagiertes Auftreten sowie ein gewinnendes Wesen. Kurz: Es geht um Sympathie und die richtige Attitüde – und nicht um einen richtigen Satz.

  2. Schwächen reduzieren die Chancen.

    Immer wieder hören und lesen wir, dass Kandidaten im Vorstellungsgespräch keine Schwächen zeigen oder diese zumindest geschickt kaschieren sollten. Schließlich ginge es darum, den Personaler mit seinen Stärken und Fähigkeiten zu überzeugen. Schwächen seien dabei nur hinderlich. Bullshit!

    Schwächen enthalten ebenfalls eine wichtige Information: Sie machen Sie menschlich und authentisch. Die eigenen Schwächen zu kennen und damit konstruktiv umgehen zu können, zeigt vielmehr, dass Sie sich Ihres Potenzials, aber auch Ihrer Grenzen bewusst sind. Entscheidend sind nicht die Schwächen, sondern was Sie daraus machen, daran arbeiten oder diese ausgleichen. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie perfekt sind (das ist Ihr Gegenüber schließlich auch nicht). Was der Personaler hier sehen will, ist vor allem die Fähigkeit zur konstruktiven Selbstreflexion. Denn nur solche Mitarbeiter entwickeln mit der Zeit ihr volles Potenzial.

  3. Der Personaler führt das Gespräch.

    An diesem Vorstellungsgespräch-Mythos ist durchaus etwas dran. Oft verlaufen die Gespräche genau so: einseitig – eher als Verhör denn als Dialog. So muss es aber nicht generell bleiben. Denn auch wenn es der Begriff „Jobinterview“ die Rollen irgendwie schon festlegt, geht es hierbei eigentlich um ein „Gespräch“, einen Dialog.

    Als Bewerber sind Sie kein Bittsteller. Sie bewerben sich schließlich, weil Sie glauben, die Aufgaben und Herausforderungen meistern und einen Mehrwert bieten zu können. Sie begegnen dem Arbeitgeber also auf Augenhöhe – und er hat Sie deshalb auch eingeladen. Verharren Sie also bitte nie in Passivität und antworten Sie nur, wenn Sie gefragt werden. Nehmen Sie stattdessen aktiv am Gespräch teil, stellen Sie eigene Fragen, zeigen Sie sich interessiert und scheuen Sie sich nicht auch ein paar kritische Gedanken zu äußern, wenn etwas unklar bleibt. Unsere Erfahrung zeigt: Wer das Gespräch auch einmal selbst führt, erntet mindestens Respekt – oft sogar den Job.

  4. Nur die richtigen Qualifikationen bringen den Job.

    Auch das ein typischer Irrglaube: Wenn die Qualifikationen stimmen und man der Beste darin ist, können die Unternehmen gar nicht anders, als einen einzustellen. Denkste! Qualifikationen, Kompetenzen und Fähigkeiten sind zwar grundsätzliche Voraussetzungen, sie reichen aber nicht, um eine Anstellung zu finden.

    Kandidaten, die eingeladen werden, haben in der Regel ähnliche Qualifikationen und entsprechen grundsätzlich dem gesuchten Profil. Die generelle Eignung steht also gar nicht mehr zur Debatte. Im Bewerbungsgespräch geht es vielmehr darum, ob der potenzielle Mitarbeiter ins Team und zur Unternehmenskultur passt; wer die größere Motivation ausstrahlt; wem man die bessere Entwicklung zutraut. Auch hier spielt es also gar nicht so sehr eine Rolle, möglichst clever zu wirken und den Überflieger raushängen zu lassen (das schreckt eher ab), sondern Offenheit, Anpassungsfähigkeit und echtes (intrinsisches) Interesse an der Arbeit und den Produkten zu zeigen. Kurz: Potenzial und Persönlichkeit sind wesentlich ausschlaggebender als Noten und Know-how.

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13. Mai 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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