Vorstellungsgespräch Mythen: Was ist dran?

Um das Vorstellungsgespräch ranken sich zahlreiche Mythen. Viele Bewerber lassen sich davon verunsichern oder gar blockieren. Das liegt auch daran, dass einige zweifelhafte Ratgeberseiten im Internet diese Sagen und Legenden ungeprüft verbreiten. Es wird halt leider oft einfach nur kopiert und von einander abgeschrieben. Höchste Zeit, mit diesen Vorstellungsgespräch Mythen aufzuräumen…

Vorstellungsgespräch Mythen: Was ist dran?

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Vorstellungsgespräch Mythen: Nicht alles glauben!

Glauben Sie nicht alles, was Sie denken! – Schon gar nicht, wenn Sie die Quelle nicht kennen oder nicht wirklich wissen, wie fundiert und kompetent der Absender ist. Seit Jahren beobachten wir die Zunahme der Karrierecoaches und Bewerbungsratgeber im Internet. Einerseits ist das gut, weil damit das Beratungsangebot wächst und für jede(n) etwas dabei ist. Gleichzeitig sind diese Berufsbezeichnungen nicht geschützt – jeder kann sich so nennen. Auch ganz ohne professionellen Hintergrund, Erfahrungen oder Ausbildung.

Entsprechend nehmen im Netz – auf Youtube, Instagram oder Linkedin – die Bewerbungsmythen und Halbwahrheiten zu, weil Berater ihre persönlichen Erfahrungen einfach verallgemeinern, um daraus eine neue Regel abzuleiten. Wer sich positionieren will, braucht halt auch was Eigenes, Originelles, News.

Was sagt der gesunde Menschenverstand?

Nicht alles, was man hier und da findet oder liest, entspricht der Wahrheit. Oft verbergen sich dahinter lediglich, die immer wieder gleichen und kopierten Mythen zum Vorstellungsgespräch. Oder einfach nur Blödsinn. Natürlich: Auch wir könnten jetzt einfach behaupten, dass wir es besser wissen als andere. Tun wir aber nicht – und stellen Sie unsere Aussagen dazu bitte gerne auf den Prüfstand:

  • Karrierebibel ist seit rund 15 Jahren am Markt und heute mit rund 50 Millionen Lesern im Jahr das vielleicht größte Job- und Karriereportal im DACH-Raum. Wer den Markt ein bisschen länger beobachtet, weiß, dass sich längst zahlreiche Karriereseiten an uns und unseren Inhalten orientieren. Teils sogar an der blauen Farbe.
  • Das Feedback unserer Leser und Fans ist eindeutig: Viele 1000 Besucher oder Coachees haben dank unserer Artikel und Coachings ihren Traumjob bekommen, ihr Gehalt gesteigert oder Karriere gemacht. Auf diese Menschen sind wir unglaublich stolz. Denn das ist unsere Motivation und Mission.
  • Und nicht zuletzt: Was sagt Ihnen der gesunde Menschenverstand? Manche Botschaften sind vielleicht bequem, wie zum Beispiel: „Das Anschreiben braucht doch kein Mensch mehr!“ Sie sind aber falsch und reduzieren sogar Bewerbungschancen. Siehe unseren Kommentar dazu.

Deshalb widmen wir uns heute und in diesem Artikel vor allem den besonders häufigen (und gefährlichen) Vorstellungsgespräch Mythen, die wir leider immer wieder hören und die uns als Fragen von Lesern herangetragen werden…

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Vorstellungsgespräch Mythen: Was ist dran?

Zur Vorstellungsgespräch Vorbereitung gehört gründliche Recherche. Journalisten kennen das 2-Quellen- oder besser 3-Quellen-Prinzip: Jede Information sollte mindestens durch 2-3 voneinander unabhängigen Quellen bestätigt werden. Dummerweise wird im Internet viel kopiert – der perfekte Nährboden für Mythen, die anschließend ungeprüft weiter verbreitet werden und sich hartnäckig in den Köpfen festsetzen.

Wir haben uns heute mal der Aufgabe angenommen, diesen Kreislauf zu stoppen. Dazu haben wir uns einige der häufigsten Mythen genau angeschaut, nachrecherchiert und können Ihnen nun sagen, was wirklich dran ist…

Bewerber müssen die richtige Antwort geben

Wahr ist: Im Vorstellungsgespräch werden viele Fragen gestellt: Fragen zur Motivation, Stressfragen, teils sogar unzulässige Fragen. Auch Bewerber können und sollten eigene Rückfragen stellen. Es ist aber völliger Quatsch, dass es dabei immer um „richtig“ oder „falsch“ geht. Die perfekte Antwort gibt es nicht – und schon gar nicht lässt sie sich auswendig lernen.

Bewerber sollten sich vorbereiten und typische Fragen beantworten können, ja. Ziel des Bewerbungsgesprächs ist aber, sich gegenseitig kennenzulernen. Die Persönlichkeit, Motivation und Arbeitsweise stehen dabei im Vordergrund. Würden die Qualifikationen im Lebenslauf nicht passen, hätte man Sie gar nicht erst eingeladen. Daher ist es auch nicht sinnvoll im Interview zu schauspielern oder etwas abzuspulen. Es ist keine Prüfung! Wenn es menschlich nicht passt, werden Sie später im Job weder glücklich noch erfolgreich. Kurz: Es geht um Sympathie und die richtige Attitüde – nicht um einen richtigen Satz.

Schwächen reduzieren die Chancen

Die Frage nach den Schwächen im Vorstellungsgespräch gehört zu den unbeliebtesten. Immer wieder lesen und hören wir, sie sei überholt, unnütz und viel zu persönlich. Andere wiederum empfehlen dazu Antworten wie „Perfektionismus“ oder „Schokolade“, um die tatsächlichen Schwächen zu kaschieren. Schließlich ginge es darum, Personaler mit den eigenen Stärken zu überzeugen. Schwächen seien dabei nur hinderlich. Bullshit!

Schwächen enthalten gleich mehrere wichtige Informationen: Sie machen Bewerber menschlich und authentisch. Seine eigenen Schwächen zu kennen und damit konstruktiv umgehen zu können, zeigt zudem, dass Sie sich Ihrer Potenziale, aber auch der Grenzen bewusst sind. Entscheidend sind nicht die Schwächen, sondern der Umgang damit. Tatsächlich lernen wir aus unseren Fehlern am meisten. Kandidaten, die die emotionale Reife und mentale Stärke besitzen, zu Ihren Schwächen zu stehen, sind jene, die auch später im Job Verantwortung für sich und andere übernehmen und nichts vertuschen. Mehr noch: Sie lernen aus jedem Rückschlag mehr – und erreichen so auch mehr als andere.

Die Frage nach den Schwächen soll Bewerber nicht runtermachen (wie es viele fälschlich empfinden), im Gegenteil: Sie entlarvt die Leistungsträger und Führungskräfte von morgen. Kein Mensch ist fehlerfei. Alle haben Schwächen. Persönliches Wachstum passiert aber vor allem in dieser Schattenzone. Erfolg kann jeder.

Der Personaler führt das Gespräch

An diesem Vorstellungsgespräch Mythos ist etwas dran. Oft verlaufen die Gespräche tatsächlich so: einseitig – eher als Verhör denn als Dialog. So muss es aber bleiben. Auch wenn der Begriff „Jobinterview“ die Rollen scheinbar schon festlegt, geht es hierbei eigentlich um ein „Gespräch“ – keinen Monolog.

Als Bewerber sind Sie kein Bittsteller. Sie bewerben sich, weil Sie glauben, die Aufgaben und Herausforderungen des Jobs meistern und einen Mehrwert bieten zu können. Sie begegnen dem Arbeitgeber also auf Augenhöhe – und der hat Sie deshalb auch eingeladen. Verharren Sie also nie in Passivität und antworten nur, wenn Sie gefragt werden. Nehmen Sie selbst aktiv am Gespräch teil: Stellen Sie eigene Fragen, zeigen Sie sich interessiert und scheuen Sie sich nicht, kritische Gedanken zu äußern, wenn etwas unklar bleibt. Unsere Erfahrung zeigt: Wer das Vorstellungsgespräch auch selbst führt, erntet mindestens Respekt – oft sogar den Job.

Nur die perfekten Qualifikationen bringen den Job

Auch das ein Irrglaube: Wenn die Qualifikationen stimmen und man der Beste ist, können die Unternehmen gar nicht anders, als einen einzustellen. Denkste! Qualifikationen, Kompetenzen und Fähigkeiten sind zwar grundsätzliche Voraussetzungen. Sie reichen aber nicht, um den Job zu bekommen.

Alle Kandidaten, die eingeladen werden, haben in der Regel fachlich überzeugt und entsprechen dem gesuchten Anforderungsprofil. Die generelle Eignung steht also gar nicht mehr zur Debatte. Worum es jetzt geht, ist die Frage, ob Sie ins Team und zur Unternehmenskultur passen. Wer strahlt die größte Motivation aus? Wem traut man die bessere Entwicklung zu? Auch hierbei spielt es keine Rolle, möglichst clever zu wirken und den Überflieger raushängen zu lassen (das schreckt eher ab), sondern Offenheit, Anpassungsfähigkeit und echte intrinsische Motivation für die Arbeit und Produkte zu zeigen. Potenzial und Persönlichkeit sind wesentlich ausschlaggebender als Noten und Know-how.

[Bildnachweis: ashva by Shutterstock.com]

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