EDHAR/shutterstock.comGutes Benehmen ist im Berufsleben entscheidend. Verhaltensweisen, die im privaten Umfeld völlig in Ordnung sind, können im beruflichen Kontext unangebracht sein. Nur wer souverän auftritt, empfiehlt sich für leitende Positionen. Ihre fachlichen Qualifikationen können noch so überzeugend sein, wenn Ihr Arbeitgeber fürchten muss, dass Sie das Unternehmen nicht repräsentieren können, werden Sie auch nicht für Führungspositionen in Betracht gezogen. Mit den richtigen Umgangsformen können Sie kritische Situationen charmant bewältigen und Ihre Mitmenschen für sich einnehmen. Business-Knigge-Regeln, die jeder kennen sollte, der im Job einen professionellen Eindruck hinterlassen will…

Worum es Knigge eigentlich ging

Was Benehmen und Etikette angeht, kommt man um den Namen Adolph Freiherr von Knigge nicht herum. In seinem Werk “Über den Umgang mit Menschen” findet man jedoch keine einzige Passage darüber, mit welcher Gabel Salat gegessen wird oder wie ein Weinglas richtig gehalten wird. Knigge ging es um Aufklärung. Zu seinen Lebzeiten war Deutschland in viele Fürstentümer geteilt. Die Landesfürsten bestimmten über das Wohl und Wehe der Menschen. Bürger hatten das Problem, dass sie mit den spezifischen Umgangsformen am Hof nicht vertraut waren und so leicht ausgenutzt werden konnten. Knigge wollte den Bürgern etwas an die Hand geben, das sie befähigen würde, für ihre Belange sprechen zu können.

Dem Freiherrn ging es um ein zivilisiertes und konfliktfreies Miteinander. Das gelingt, je besser man eine Situation richtig einschätzen kann und je mehr man über mehr man über sein Gegenüber weiß. Höflichkeit und Respekt gehörten genauso dazu, wie die Wahrung der eigenen Würde. Deswegen riet er seinen Lesern: “Handle selbständig! Verleugne nicht Deine Grundsätze, Deinen Stand, Deine Geburt, Deine Erziehung; so werden Hohe und Niedere Dir ihre Achtung nicht versagen können”.

Heute wird seine Botschaft leicht vergessen und sein Werk als Anstandsbibel missverstanden.

Business-Knigge-Regeln, die jeder kennen sollte

Milan Stojkovic/shutterstock.comKnigge alt und verstaubt? Ganz und gar nicht. Genau wie die Menschen Ende des 18. Jahrhunderts als Knigges Werk erschien, sind wir auch heute noch auf der Suche nach Orientierung in Situationen, die uns unbekannt sind. Das gilt insbesondere für den Job. Wie verhalte ich mich bei einem Geschäftsessen? Wie begrüße ich wichtige Kunden oder Geschäftspartner? Deswegen haben wir hier die fünfzehn wichtigsten Regeln für den Beruf:

  1. Wahren Sie die Distanzzone beim Gespräch. Selbst, wenn Sie privat Gespräche gerne aus nächster Nähe führen oder Ihr Gegenüber dabei berühren, sollten Sie beruflich davon Abstand nehmen. Die meisten Menschen empfinden es als unangenehm, wenn ihnen eine Person, die sie nicht gut kennen, zu nah kommt.
  2. Bleiben Sie immer höflich. Selbst in Stresssituationen sollten Sie nicht ausfällig werden und Ihre Wut an anderen auslassen. Zugegeben, in vielen Situationen stellt das eine richtige Herausforderung dar. Doch, wer eine wutverzerrte Miene zieht und schreit, macht keinen souveränen Eindruck. Bleiben Sie stattdessen ruhig und hören Sie sich den Standpunkt Ihres Gegenübers an.
  3. Kritik gehört immer in ein Gespräch unter vier Augen. Niemand wird gerne auf seine Fehler und Schwächen hingewiesen. Möchten Sie Grundsatzdiskussionen führen oder vergangene Entscheidungen in Zweifel ziehen, tun Sie dies in einem persönlichen Gespräch. Stellen Sie Ihre Kollegen oder Ihren Chef nicht vor versammelter Mannschaft bloß. Vermeiden Sie es auch Allgemeinposten anzukreiden und beispielsweise Ihren Kritikpunkt mit den Worten “nie” oder “immer” einzuleiten. Benennen Sie lieber konkrete Situationen.
  4. Achten Sie bei der Begrüßung auf die richtige Reihenfolge. Zuerst wird immer die ranghöhste Person begrüßt, auch wenn eine Dame anwesend ist. Danach gilt:Ältere Personen werden vor jüngeren und Damen vor Herren gegrüßt.
  5. Verzichten Sie auf veraltete Gepflogenheiten bei der Begrüßung. Heute ist es nicht mehr üblich eine Frau mit einem Handkuss zu begrüßen. Und in der Regel sagt man statt “angenehm” eher “Ich freue mich, Sie kennenzulernen”. Alles andere wirkt affektiert.
  6. Empfangen und begleiten Sie Ihre Gäste. Besucht Sie ein Kunde oder ein potenzieller Geschäftspartner in Ihren Räumlichkeiten, lassen Sie diese nicht allein durchs Haus irren. Nehmen Sie Ihre Gäste in Empfang und führen Sie diese zum Ort des Treffens. Begleiten Sie diese auch zur Tür nach Beendigung des Treffens.
  7. Stecken Sie die Visitenkarte nicht einfach in die Tasche. Üblicherweise werden bei Geschäftstreffen Visitenkarten ausgetauscht. Dabei ist es grob unhöflich, wenn Sie die Visitenkarte Ihres Gegenübers erhalten, diese ungesehen in die Tasche zu stecken. Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit diese zu studieren und verstauen Sie das Kärtchen sorgfältig in Ihren Unterlagen. Haben Sie Ihre eigene Visitenkarte nicht dabei, ist das nicht nur unprofessionell, Sie signalisieren damit auch, dass Sie kein Interesse an einem weiteren Austausch haben.
  8. Nehmen Sie bei Geschäftstreffen Anrufe nur in dringenden Fällen an. Wer bei einem Treffen mit einem Kunden oder Geschäftspartner ständig ans Telefon geht, zeigt damit, dass alles andere wichtiger ist, als die aktuelle Zusammenkunft. Klingelt das Mobiltelefon ständig, sorgt das auch für Unruhe und verhindert das Fortschreiten der Konversation. Auch als grob unhöflich gilt es das Smartphone demonstrativ auf dem Tisch zu platzieren. Seien Sie sich auch bewusst darüber, welchen Eindruck Ihr Klingelton erweckt.
  9. Sprechen Sie Ihren Gesprächspartner mit dem akademischen Titel an, sofern dieser einen führt. Zwar gibt es zahlreiche akademische Titel, doch in Deutschland, werden nur Träger eines Doktor- oder Professorentitels auch mit diesem angesprochen. Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. – wie soll man da noch wissen, wie die betreffende Person anzusprechen ist? Hier gilt: Verwenden Sie nur den höchsten Titel. Weglassen können Sie den Titel, wenn es Ihnen von Ihrem Gesprächspartner angeboten wird. Von sich aus sollten Sie das nicht tun.
  10. Wahren Sie auch in einer E-Mail die Höflichkeitsform. Eine E-Mail ist nicht so förmlich wie ein Brief. Doch trotzdem sollte man sich die Zeit für Höflichkeit nehmen. Steigen Sie nicht vorschnell auf das “hallo” um, sondern bleiben Sie bei “sehr geehrte/r”. Verzichten Sie auf Abkürzungen, wie Mfg. Nur in der internen Kommunikationen können E-Mails auch formloser geschrieben werden.
  11. Seien Sie bei Meetings pünktlich. Wurde eine bestimmte Zeit für ein Meeting vereinbart, sollten Sie sich bereits fünf Minuten vorher in dem entsprechenden Raum einfinden. Es ist unhöflich Ihre Kollegen warten zu lassen. Zusätzlich verhindern Sie damit, dass Sie abgehetzt in ein Meeting stürmen, die Hälfte Ihrer Unterlagen vergessen oder vor lauter Eile stolpern. So ein Verhalten lässt Sie planlos, unvorbereitet und unprofessionell wirken.
  12. Duzen Sie nicht zu vorschnell. Das “Du” wird immer vom Ranghöheren angeboten. Wird es Ihnen vom Chef auf einer Betriebsfeier unter Alkoholeinfluss angeboten, sollten Sie nur dabei bleiben, wenn er sich auch noch nach der Feierlichkeit daran erinnert.
  13. Bleiben Sie bei Komplimenten unverfänglich. Jeder wird gerne gelobt und fühlt sich geschmeichelt, wenn er Komplimente erhält. Rainer Brüderle demonstrierte eindrucksvoll, dass diese nach hinten losgehen können. Vor allem Männer sollten vorsichtig mit Komplimenten über das Aussehen einer Kollegin sein. Loben Sie stattdessen Leistungen und Charakterzüge.
  14. Bleiben Sie beim Smalltalk positiv. Beim lockeren Gespräch geht es nicht um tiefgründige Inhalte, sondern darum, einander kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und die Basis für eine gute Beziehung zu legen. Das schaffen Sie nicht, wenn Sie nörgeln oder alles schlecht machen. Vermeiden Sie auch Themen, die zu Differenzen führen könnten, wie beispielsweise politische Debatten.
  15. Bietet Ihnen ein Geschäftspartner oder ein Kollege eine Mitfahrgelegenheit an, setzen Sie sich nicht auf die Rückbank. Nur, wenn Sie chauffiert werden oder in ein Taxi steigen, nehmen Sie Platz auf der Rückbank. Bei Geschäftspartnern und Kollegen gilt das als unhöflich und erschwert das Gespräch.

Business-Knigge mit Persönlichkeit

Eskemar/shutterstock.comGute Umgangsformen schön und gut, doch was ist, wenn diese Regeln so gar nicht Ihrem Naturell entsprechen? Kommen Sie sich komisch vor, diese Regeln einzuhalten? Auch Elisabeth Bonneau hat sich die Frage gestellt: Wo bleibt da die Persönlichkeit?

In ihrem Ratgeber “Knigge für Individualisten” rät sie davon ab, Benimmregeln sklavisch zu befolgen und sich so zu verbiegen. Letztlich gehe es doch, wie ursprünglich bei Knigge, darum, das Miteinander leichter zu gestalten. Bonneaus Botschaft lautet: Sie können authentisch und sich selbst treu bleiben, ohne Ihren Mitmenschen auf die Füße zu treten.

Hierfür hat Sie vier verschiedene Typen identifiziert. Jeder dieser Typen geht anders mit Etikette und Benimmregeln um. Als Beispiel: Wie begrüße ich mein Gegenüber? Grundsätzlich gilt: Wer den anderen zuerst sieht, grüßt auch zuerst. In festen Hierarchien wird zuerst der Ranghöchste gegrüßt. Also der junge Vorstandschef vor der etwas älteren Abteilungsleiterin.

  1. Der Dynamische.
  2. Etikette ist für ihn ein Mittel zum Zweck. In seinem Umgang ist er direkt. Für ihn muss alles schnell gehen, auch denken und handeln. Sich groß über Formalitäten den Kopf zu zerbrechen, hält nur auf. Wenn er durch die Tür gehen will, dann tut er das, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wer zuerst gehen sollte. Den Business-Dresscode schätzt er, weil ihm so die Arbeit abgenommen wird, über seine Kleidung nachzudenken. Seine Stärken sind seine Macherart. Er nimmt Herausforderungen an und scheut auch nicht das Risiko.
    Art der Begrüßung: Zu ihm passt ein kurzes “Hi” oder ein kerniges “Tach”. Doch sollte er darauf achten, in der Eile niemanden zu übersehen. Wenigstens ein kurzes Kopfnicken sollte drin sein.

  3. Der Lockere.
  4. Dieser Typ ist locker, liebenswert und lustig. Er kleidet sich am liebsten unkonventionell. Wen interessiert schon der Dresscode? Glücklich ist er unter Menschen. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen, ist er der beliebte Netzwerker. Er schafft es die Atmosphäre mit seiner Offenheit aufzulockern. Das sind seine Stärken. Aus einem Fettnäpfchen kommt man immer irgendwie heraus, diese Erfahrung hat er gemacht. Funktioniert aber nicht immer. Denn setzt er sich über alle Konventionen hinweg, nimmt man ihn nicht für voll.
    Art der Begrüßung: Er hat auch kein Problem damit, den Bürgermeister mit einem “hallo” zu begrüßen. Das ist auch völlig in Ordnung, solange die Diskretion gewahrt wird, um nicht als Trampeltier wahrgenommen zu werden.

  5. Der Natürliche.
  6. Ein partnerschaftliches Miteinander liegt diesem Typen am Herzen. Doch die meisten Benimmregeln kommen ihm zu förmlich vor. Sich für ein Fest besonders schick machen? Nein, danke. Das wäre für diesen Typen verkleiden. Anstand ist für ihn eine Verpflichtung, die auf Echtheit und Einflühlungsvermögen basiert. Zu seinen Stärken gehört es, den Standpunkt anderer verstehen zu können. Doch seine moralischen Ansprüche können auch leicht die gemütliche Atmosphäre zerstören.
    Art der Begrüßung: Er bevorzugt ein “Guten Tag” oder ein regional geprägtes “Moin” oder ähnliches. Es ist neutraler. Mit der Nennung des Namens kann er zusätzlich seine zugewandte Art unterstreichen.

  7. Der Traditionelle.
  8. Dieser Typ legt Wert auf erprobte Regeln. Als Mann hält er die ritterlichen Tugenden im Umgang mit Frauen hoch. Als Frau, hat dieser Typ klare Ansprüche an die Männerwelt. Alter und Hierarchien werden im seinem Verhalten gebührend berücksichtigt. Dieser Typ ist ein Vernunftsmensch. Gefühlsausbrüche sind ihm peinlich. Eine unbedachte Ausdrucksweise und Verstöße gegen den Dresscode sind für ihn nicht Ausdruck der Persönlichkeit, sondern schlechten Benehmens. Seine Stärke ist seine sachliche Art. Er redet zwar nicht viel, aber wenn, hat er wirklich etwas zu sagen.
    Art der Begrüßung: Dieser Typ grüßt nicht immer von sich aus. Von Jüngeren und Kindern will er zuerst begrüßt werden. Dabei vergisst er jedoch leicht, dass nicht jeder sein Weltbild teilt. Ein freundliches Lächeln ermutigt das Gegenüber zu reagieren.

Wer Business-Knigge-Regeln seinen persönlichen Stempel aufdrücken will, sollte dabei drei Grundregeln beachten, um niemanden auf die Füße zu treten und durch zu viel Individualismus unangenehm aufzufallen:

  1. Seien Sie sich der Konventionen bewusst. Die Autorin rät, sich mit dem Umgang und den Regeln des eigenen Umfelds vertraut zu machen. Sie bieten Orientierung: Was ist in Ordnung? Was macht mein Gegenüber stutzig? Nur wer die Regeln kennt, kann die Reaktion seiner Mitmenschen richtig einschätzen. Sind Sie sich dieser Regeln bewusst, bleibt immer noch ein Entscheidungsspielraum. Sie können abwägen, ob Sie sich an die Regeln halten oder diese ein wenig modifizieren.
  2. Kennen Sie sich selbst. Am besten fährt man laut Bonneau, wenn man sich der Stolperfallen des eigenen Verhaltens bewusst ist. Beispielsweise, dass man dazu neigt, seinen Mitmenschen ins Wort zu fallen. Im Umgang miteinander kann man auf diese Stolperfallen achten, ohne sich unnötig zu verbiegen.
  3. Sprechen Sie den Regelbruch an. Entscheiden Sie sich dafür, eine gängige Konvention zu brechen, sollten Sie das nicht unkommentiert lassen. Erklärt man den Regelbruch, zeigt man den anderen, dass dieser nicht aus Gedankenlosigkeit und damit aus mangelndem Respekt geschehe. Ihr Verhalten wird dadurch nachvollziehbarer. Beispielsweise, wenn Sie bei Hitze das Jackett ausziehen oder bei einem Geschäftsessen bereits anfangen möchten zu essen, damit Ihr Gericht nicht kalt wird.

Das Knigge-ABC für fast alle Lebenslagen

Gute Manieren sind eine Haltung, die man nicht einfach nur im Bedarfsfall an- oder ablegt. Deshalb heute ein Knigge-ABC für typische Situationen, in die wir alle einmal kommen. Wer sich daran hält, beweist nicht nur Parkettsicherheit, sondern auch Kinderstube von A bis Z. Den Knigge finden Sie HIER als PDF zum Download.

[Bildnachweis: EDHAR, Milan Stojkovic, Eskemar by Shutterstock.com]