eindruckRund 700 Millionen Menschen weltweit nutzen heute soziale Netzwerke im Internet. Sie stellen ihre persönlichen Daten ins Netz, laden Fotos von sich hoch, vernetzen sich mit Freunden – und hinterlassen einen Eindruck. Der kann so oder so ausfallen. Und wie hier schon oft beschrieben wurde, lässt sich das dabei entstehende Image zum Teil sogar beeinflussen. Entscheidender ist aber der sprichwörtliche erste Eindruck.

Ihm haftet mitunter die unerträgliche Bedeutungsschwere eines Finals an. Studien zufolge benötigt er allenfalls rund 150 Millisekunden, um sich zu manifestieren. Danach steht für uns nahezu unveränderlich fest, wie wir eine Person einschätzen, wer uns als attraktiv, sympathisch, vertrauenswürdig erscheint und wer nicht. Das Bemerkenswerte daran ist: Der digitale erste Eindruck – er stimmt. Wie wir die anderen auf Facebook, Xing, StudiVZ und Co. spontan (und überwiegend anhand ihrer Fotos) einschätzen, kommt der Realität erstaunlich nahe.

Dazu gibt es ein beängstigendes Experiment, über das die Newsweek kürzlich berichtete: Die Forscher zeigten ihren Probanden Ganzkörper-Fotos von Unbekannten aus Profilen der Personensuchmaschine 123people.

Die Aufnahmen unterschieden sich in zwei Kategorien: einmal zeigten sie eine Person in natürlicher Pose, ein anderes Mal dieselbe Person in einer kontrollierten (und damit neutralen) Pose. Anschließend sollten die Probanden die gezeigten Personen anhand von zehn Merkmalen charakterisieren, darunter Extraversion, Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität, Offenheit, Selbstvertrauen, Einsamkeit, Religiosität (!), politische Orientierung. Also durchaus Eigenschaften, die man auf einem Foto gar nicht ablesen kann – sollte man meinen.

Die Abgebildeten waren den Forschern jedoch nicht unbekannt: Die baten sie ebenfalls sich mittels derselben Merkmale zu beschreiben und glichen das das Ganze obendrein noch durch Befragungen des Bekanntenkreises ab. Kurz: Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie sehr das (Fremd-)Bild, das ihre Probanden von den Porträtierten zeichneten, auf das Selbstbild und die Realität zutraf.

Das erschreckende Ergebnis der Studie: Selbst in der neutral-kontrollierten Pose waren die Probanden in der Lage, zutreffende Aussagen – etwa zu Selbstvertrauen, Extraversion oder Religiosität – über die abgebildeten Unbekannten zu machen. Zeigten sich diese gar in einer natürlichen Haltung, konnten die Teilnehmer sogar neun von zehn Merkmalen treffend zuordnen.

Sie ahnen natürlich längst, worauf ich hinaus will: Wie zeigen sich die meisten Menschen auf Facebook & Co.? Genau – in ihren natürlichen Posen. Und das macht Sie, mich, uns beängstigend transparent. Sie können sich zwar die Mühe machen und 500 Freunde in ihr Netzwerk integrieren, um möglichst offen und kontaktfreudig zu erscheinen – aber schon ein einziges Profilfoto könnte ausreichen, dieses intendierte Image zu zerstören (beziehungsweise erst gar nicht entstehen zu lassen). Oder in den Worten von Samuel Gosling, Psychologie-Professor an der Universität von Texas und Autor der obigen Studie:

If I want to appear extroverted, I can’t just suddenly create 450 friends and have them post on my wall and have photos of me yelling drunkenly at the camera at yet another party. You can’t just fabricate those.

Bekräftigt wird das durch eine ältere Studie, in der sich die Wissenschaftler ebenfalls mit den Erstimpressionen, die Online-Profile auslösen, beschäftigt haben. Auch hier gab es signifikante Parallelen zwischen realer und virtueller Welt. Wer online als sympathisch eingestuft wurde, machte auch vis-à-vis einen sympathischen ersten Eindruck. Und umgekehrt. Bei seinen Versuchen stellte der Psychologe Max Weisbuch von der Tufts Universität zudem fest, dass Profile in Sozialen Netzen eine Menge Informationen enthalten, die wir unbewusst sofort wahrnehmen und die Person entsprechend einordnen. So wurden etwa expressive Facebook-Nutzer, die viele Fotos von sich darboten, deutlich öfter als sympathisch eingestuft. Und auch im realen Leben fielen sie als ebenso expressive wie durchaus sympathische Zeitgenossen auf.

In anderen Worten: Du bist dein Netzwerk-Profil.

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