Vergebung-Paar
Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe - oft ist es auch ein guter Anlass zur Versöhnung. Zum Vergeben und Verzeihen. Das fällt allerdings vielen nicht gerade leicht. Zumal richtiges Um-Verzeihung-Bitten gekonnt sein will. Schon die Formulierung macht klar: Es ist eine Bitte, kein Befehl. Wer um Verzeihung bittet, appelliert an die Milde und Güte desjenigen, den er verletzt oder verärgert hat. Das schließt allerdings mit ein, dass der- oder diejenige die Wahl hat, zu verzeihen oder eben auch nicht. Die gute Nachricht: Man kann verzeihen lernen...

Vergeben und vergessen: Die Bitte um Verzeihung

Verzeihen-lernen-SorryEine Pflicht zur Vergebung gibt es nicht. Wer dabei zu viel Druck macht - Motto: Du musst mir das verzeihen -, der pervertiert das Täter-Opfer-Schema und verkehrt es ins Gegenteil: Aus dem Opfer wird ein Täter, der sich schuldig macht, wenn er oder sie nicht verzeiht.

Das ist nicht nur hochgradig manipulativ, sondern auch doppelt gemein:

  • Erst eine Missetat begehen, für die man sich entschuldigen sollte
  • dann seinem Opfer auch noch ein schlechtes Gewissen machen... Unverschämt!

Gesteigert wird das womöglich noch durch ein anglophon ventiliertes "Sorry!", das mit dem lapidaren "Tschulljung!" oder jovialem "Schuldigänse" nahezu auf einer Ebene steht. Dass einem so tatsächlich vergeben wird, kann man wohl getrost ausschließen.

Wenn überhaupt gehört zu der Bitte um Verzeihung auch ein wahrhaft zerknirschtes "Entschuldigung". Denn wer einen Fehler macht, ein Versprechen bricht oder sonstwie versagt, lädt moralische Schuld auf sich. Das gilt im Kleinen wie im Großen und kann letztlich jedem von uns passieren. Nobody is perfect und so. Zurück bleibt dennoch - hoffentlich - ein schlechtes Gewissen. Und das wollen wir möglichst bald loswerden.

Dazu gibt es allerlei Mittel und Wege: Wiedergutmachung leisten etwa. Oder ein trauriges Gesicht aufsetzen und Blumen überreichen. Barfuß nach Canossa gehen kann man natürlich auch. Oder aber man bittet um Pardon, verbal, voller Reue und das möglichst glaubwürdig.

Das geht am schnellsten, wirkt am nachhaltigsten und kostet nur zwei Dinge:

  • Überwindung
  • und unseren Stolz.

Sorry!

PS. Es gibt eine schon etwas ältere Seite, die Bilder mit diversen Sorrys gesammelt und zu einem Buch verarbeitet hat... Sorry Everybody

Verzeihen lernen: Ein Scheinkampf um das verlorene Gesicht?

Verzeihung-Vergebung-PaarGenau darin aber liegt das Problem am Entschuldigen und Verzeihen lernen: Viele Menschen hassen es, mit ihrer eigenen Imperfektion konfrontiert zu werden.

Noch schlimmer: sie öffentlich eingestehen zu müssen. Unser Ego mag so etwas gar nicht.

Wobei es da ein interessantes Phänomen gibt:

  • Je egaler einem die Leute sind, desto leichter fällt die Entschuldigung.
  • Je wichtiger uns diese Leute sind (oder die Gunst des Publikums), desto verbissener kämpfen wir um unser verlorenes Gesicht - und machen es nur noch schlimmer.

Wie schwer fällt es beispielsweise vielen Menschen gegenüber ihrem Partner zuzugeben, dass sie einen dummen Fehler gemacht haben?

Ich denke da etwa an Männer, die sich hoffnungslos verfahren haben, aber dennoch darauf pochen den Weg zu kennen, statt einen Passanten nach selbigem zu fragen. Oder an Frauen, die zwoundtrölfzig Gründe dafür (er)finden, warum sie dieses Paar Schuhe auch noch kaufen mussten, obwohl sie nicht einen Fetzen im Kleiderschrank haben, der dazu passt (oder bereits sieben andere Paar Schuhe, die noch besser passen).

Im Job ist es nicht viel anders: Gegenüber dem Chef oder (als Chef) vor dem Team zuzugeben, Mist gebaut zu haben, fällt ungleich schwerer als das einem Kollegen einzugestehen, den wir weder als Konkurrenten noch als ebenbürtig betrachten. Wie dumm!

Wer einen Fehler macht, sollte um Verzeihung bitten. Und zwar ziemlich zügig und unabhängig von der Person. Das beweist nicht nur menschliche Größe (und ein normalgroßes Ego), sondern ist auch Balsam für Beziehungen aller Art.

Leugnen wäre absolut verkehrt, das macht es nur noch schlimmer.

Vergebung: Darum ist es besser zu verzeihen

Bleibt noch die Frage: Vergeben oder nicht?

Der Psychologie-Professor an der Concordia Universität in Kanada, Carsten Wrosch, erforscht seit mehr als 15 Jahren negative Emotionen. Vor allem aber interessiert ihn, welchen Effekt Bitterkeit auf unsere Gesundheit hat. Denn es ist ja nun mal so, dass die einen Menschen nach ärgerlichen Ereignissen bitterer als eine Grapefruit werden, während andere locker bleiben, Motto: Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, mach Limonade draus!

Um es kurz zu machen: Seine Untersuchungen zeigen deutlich, dass wer nachtragend ist, seiner Gesundheit schadet: "Bitterkeit", so Wrosch, "insbesondere wenn sie chronisch wird, kann erheblichen Einfluss auf biologische Funktionen haben, unser Immunsystem schwächen oder regelrecht krank machen, nicht nur mental."

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, empfiehlt der Psychologe los- und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Das sei eine wichtige Fähigkeit zur Selbstkontrolle und Selbstregulierung, die sich trainieren lässt - und im Leben Vieles leichter macht.

Nicht verzeihen zu können, verrät letztlich auch nichts anderes als eine narzisstische Kränkung. Womöglich sogar eine, die auf Rache sinnt - etwa in der Form, den anderen in seinen Schuldgefühlen schmoren zu lassen. Doch Rache rächt sich immer - vor allem an uns selbst.

Der Psychologe Kevin Carlsmith von der Colgate Universität in Hamilton absolvierte dazu diverse Experimente. Doch obwohl seine Probanden versicherten, sie würden sich nach der Sühne besser fühlen, passierte jedes Mal das genaue Gegenteil.

So süß die Rache zunächst auch schmeckt, so bitter und lange wirkt ihr Nachgeschmack.

Klüger ist indes die Haltung, die schon der englische Staatsmann und Philosoph Francis Bacon auf den Nenner brachte: "Wer Rache nimmt, ist nicht besser als sein Feind; verzichtet er aber darauf, dann ist er ihm überlegen."

Auch wenn es schwer fällt: Bitten Sie um Verzeihung - und vergeben Sie umgekehrt genauso. Schon im ganz eigenen Interesse.

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