Businessideen aus den USA: Was wir von Amerika lernen können

Vom Tellerwäscher zum Millionär – der Glaube an dieses Versprechen ist in den USA tief verankert. Und hat eine unvergleichlich rege und experimentierfreudige Gründungsszene hervorgebracht. Es hängt wohl auch mit der besonderen mentalen Prägung der Menschen zusammen, dass ausgerechnet in den USA einige der erfolgreichsten Startups der Welt entstanden sind, die mit ihren Geschäftsmodellen ganze Branchen auf den Kopf gestellt haben. Europa hingegen ist in dieser Hinsicht weit abgeschlagen. Was können wir also von Amerika lernen?

Vor allem in Sachen Pioniergeist und Risikofreude können wir uns einige Scheiben abschneiden…

Businessideen aus den USA: Was wir von Amerika lernen können

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Nicht von Versagensängsten lähmen lassen!

Anders als in Europa wird in Amerika das Scheitern eines Gründungsvorhabens nicht als ultimative Katastrophe angesehen. Die Menschen haben viel eher den Mut, eine Idee in die Tat umzusetzen, als es insbesondere in Deutschland der Fall ist. Wenn etwas nicht funktioniert, dann wird eben etwas Neues ausprobiert. Und dann wieder etwas Neues. So lange, bis es irgendwann klappt. Wenn wir uns von dieser Einstellung ein wenig anstecken ließen und uns etwas weniger Sorgen machen würden, könnte die Zahl der Startups auch hierzulande sicherlich schnell gesteigert werden.

Was für kreative und neuartige Konzepte entstehen können, wenn man sich nicht von Bedenkenträgern aus der Bahn werfen und von Versagensängsten lähmen lässt, zeigt ein Blick über den Atlantik. Einige der spannendsten Trends aus den USA stellen wir Ihnen in diesem Artikel vor. Außerdem geben wir Ihnen Tipps, wie Sie sich von amerikanischen Vorbildern für Ihre eigene Gründung inspirieren lassen können.

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Was am Gründungsmythos dran ist

Geradezu legendär sind die Gründungsgeschichten vieler großer Unternehmen aus den USA. Eine Garage mit Platz zum Basteln, mehr brauchten die Sandkastenfreunde Bill Gates und Paul Allen angeblich nicht, um mit Microsoft eines der erfolgreichsten Tech-Unternehmen der Welt zu gründen und ein Milliardenimperium aufzubauen. In jüngerer Zeit kann man sogar die Garage abziehen: Die Beispiele Airbnb und UBER zeigen, dass es auch ohne geht. Anscheinend ist es ihren Gründern einzig mit einer zündenden Idee und dem genialen Einsatz der neuen Medien gelungen, weltweit erfolgreiche Geschäftsmodelle aufzuziehen, die bis dato undenkbar schienen und das Leben von Millionen von Menschen verändern sollten.

Nun sind diese Erfolgsgeschichten selbst für amerikanische Verhältnisse außergewöhnlich. Deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen naturgemäß die vielen Geschichten von Fehlschlägen und Niederlagen. Aber dennoch lohnt sich ein Blick über den großen Teich, wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen. Zum einen kann die Haltung vieler amerikanischer Gründer uns motivieren, ähnlich unverzagt an unsere Gründungsideen heranzugehen, wie sie. Und zum anderen wissen wir, dass viele Trends aus den USA früher oder später auch zu uns kommen. Warum also nicht die amerikanische Startup-Szene als reichen Fundus für Geschäftsideen nutzen, die so oder leicht abgewandelt auch in Europa funktionieren können?

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Ein Trend mit Zukunft: Teilen statt besitzen

Ein Beispiel für einen regelrechten Super-Trend, der in Amerika seinen Anfang nahm und von dort den europäischen Markt erreicht hat, ist die sogenannte Sharing Economy. Einer ihrer Prototypen ist das bereits angesprochene Startup Airbnb, bei dem Gastgeber weltweit ihre Gästezimmer mit Weltenbummlern teilen.

Das verbindende Prinzip der Sharing Economy: Statt Ressourcen alleine zu nutzen, setzen immer mehr Haushalte darauf, sie zu teilen bzw. zu mieten. Vom Lego-Raumschiff über den Minirock, vom Parkplatz bis zur Bohrmaschine – die Liste der Güter, die auf Zeit genutzt werden können, wird immer länger, auch bei uns in Deutschland. In den USA hat das Teilen allerdings schon früher begonnen und ist weiterverbreitet. In einigen Metropolen der Westküste ist man sogar schon so weit, dass man sich einen Hund mieten bzw. teilen kann. Und nicht nur im privaten Bereich ist die Sharing Economy im Kommen: Auch Institutionen und Firmen gehen immer mehr dazu über, Nutzungsrechte anstelle von Produkten zu erwerben (sie bezahlen beispielsweise für ein beleuchtetes Gebäude und nicht mehr für jede einzelne Glühbirne).

Bei der Umsetzung von Sharing-Konzepten spielt das Internet eine wichtige Rolle: Schon früher haben sich Nachbarn gegenseitig Werkzeug geliehen. Aber durch das Internet wird die Vernetzung mit einer viel größeren Menge an Menschen (und ihren Ressourcen) möglich. Zudem lässt sich online bequem bezahlen, ohne anderen peinlich berührt einen Geldschein zuschieben zu müssen. Und die Bewertungsmöglichkeiten schaffen Vertrauen trotz Anonymität.

Für Ihr eigenes Gründungsvorhaben können Sie sich jetzt die Frage stellen: Auf welche Produkte oder Dienstleistungen ließe sich der Sharing-Gedanke übertragen? Vielleicht auf Fitnessgeräte, Spielekonsolen, Hobbykeller oder Kirschbäume? Machen Sie doch einfach mal folgendes Gedankenspiel. Überlegen Sie sich mindestens zehn verschiedene Endungen für folgenden Satz: „Ich gründe eine Art Airbnb für…“

Die Sharing Economy ist nur ein Beispiel für einen Trend, der in den USA entstanden ist und von dort aus fast die ganze Welt erobert hat. Welche weiteren Entwicklungen zeichnen sich auf dem amerikanischen Markt ab, die das Potenzial haben, auch bei uns zum Hype zu werden? Recherchieren Sie im Internet, durchforsten Sie amerikanische Wirtschaftsmagazine und lesen Sie die aktuelle US-Gründungsliteratur, um Inspiration für Ihr eigenes Unternehmen zu finden und die Trends von morgen aufzuspüren.

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Drei weitere inspirierende Trends aus den USA

Egal, ob Sie sich von Ihren Recherchen einfach inspirieren lassen oder gleich eine amerikanische Geschäftsidee nach Europa importieren wollen – zum Einstieg in das Thema haben wir hier eine kleine Auswahl an amerikanischen Business-Trends, die derzeit besonders angesagt und erfolgreich sind. Vielleicht erwächst aus einem davon ja Ihr eigenes Gründungsvorhaben!

Fashion

Immer Menschen kaufen ihre Kleidung nicht mehr im Fachgeschäft, sondern bestellen sie über das Internet. Der größte Nachteil: Die persönliche Beratung fehlt. Hier setzt die Idee der Onlineberatung an, die in den USA bereits sehr beliebt ist. Per Videochat können sich Kunden bei der Auswahl des passenden Outfits und der richtigen Größe von Stylisten beraten lassen. Besonders Menschen, die nicht sehr Mode-affin sind und keine Lust zum Shoppingbummel haben, aber trotzdem Wert darauf legen, gut angezogen zu sein, nutzen diesen Service.

Noch einen Schritt weiter gehen Anbieter, die ihre Kunden regelmäßig mit angesagten und individuell abgestimmten Outfits versorgen und ihnen somit das leidige Problem „Was soll ich bloß anziehen?“ ein für allemal vom Hals halten.

Fitness

Ungebrochen ist der Fitnesstrend – in den USA ebenso wie in Deutschland. Dabei zeichnet sich ab, dass immer häufiger modernste Digitaltechnik eingebunden wird. Ein Beispiel sind Onlinekurse, mit denen man ganz bequem von zu Hause aus trainieren kann, wenn man keine Zeit oder Lust hat, ins Fitnessstudio zu gehen. Zudem setzen sich immer mehr smarte Fitnessgeräte durch, etwa Fitnesstracker fürs Smartphone oder Fitnessarmbänder.

Der Erfindungsreichtum amerikanischer Gründer in der Sport- und Gesundheitsbranche ist riesig. Wenn Sie sich auf diesem Feld selbstständig machen möchten, sollten Sie unbedingt den amerikanischen Markt als Inspirationsquelle für Ihre Geschäftsidee nutzen.

Food

Gerade im Food-Bereich entstehen viele neue Trends in den USA, von wo aus sie dann auch die europäische Gastro-Szene aufmischen. Viele traditionelle Leckereien werden zum Verkaufshit, sobald sie mit neuen Geschmacksrichtungen aufgepeppt werden. Popcorn etwa ist in den USA schwer angesagt, seitdem die Kunden zwischen Geschmacksrichtungen wie Thai Curry oder Bittere Orange wählen können.

Auch gesunde Ernährung ist und bleibt ein Thema. Anbieter von Kochkisten haben längst erkannt, dass viele Menschen zwar gerne mehr selbst kochen würden, aber schon allein der Aufwand für Planung und Einkauf sie davon abhält. Die Lösung: Fertig abgepackte und abgewogene Zutaten samt Rezept per Abo ins Haus.
Zugegeben: Ganz neu ist dieser Trend nicht. Auch in Deutschland gibt es einige Kochkisten-Anbieter. Aber die wenigsten sind auf bestimmte Foodtrends spezialisiert. Das kann eine passende Nische für Ihre Gründung sein. Achten Sie aber darauf, dass diese Nische nicht zu eng wird: Der deutsche Markt ist einfach viel, viel kleiner als der amerikanische. Daher kann eine Spezialisierung, die drüben funktioniert, hier einfach zu wenig Profit abwerfen.

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Bewährte Ideen testen und anpassen

Halten wir fest: Die Idee für Ihre Unternehmensgründung müssen Sie nicht unbedingt selbst haben. Mindestens ebenso erfolgversprechend kann es sein, einen Trend oder ein Konzept, aus den USA zu übernehmen und in ein für Deutschland passendes Geschäftsmodell zu übertragen. Wenn Sie also bei Ihren Marktrecherchen auf ein junges US-Startup stoßen, das Sie begeistert und dessen Konzept Sie gerne umsetzen würden, machen Sie sich frisch ans Werk. Wenn Sie keine Zeit verlieren, können Sie vielleicht sogar einer der Ersten sein, die einen neuen Trend aufgreifen.

Bei aller Begeisterung sollten Sie aber nicht vergessen: Nicht alles, was in den USA funktioniert, wird auch auf dem europäischen bzw. deutschen Markt ein Kassenschlager. Manchmal sind die kulturellen und gesellschaftlichen Unterschiede eben doch zu groß. Prüfen Sie gründlich, ob bzw. unter welchen Bedingungen sich ein Geschäftsmodell aus den USA hierzulande umsetzen ließe, bevor Sie sich an die Umsetzung machen. Sprechen Sie mit Ihrer deutschen Zielgruppe oder probieren Sie einfach mal aus, ob Sie mit einer Werbekampagne über Google Ads eine vielversprechende Resonanz erzielen. Die Probleme der Menschen mögen hier wie dort dieselben sein – aber die Lösungen, die sie überzeugen und begeistern, können sich deutlich unterscheiden.

Ihr Erfolg hängt davon ab, wie gut Ihr Angebot die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe trifft. Und die sind eben nicht unbedingt mit denen der amerikanischen Kundschaft identisch.

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Ideen-Import: Das sind die Vor- und Nachteile

Wenn Sie die Idee für Ihre Unternehmensgründung aus den USA importieren, bringt dies einige Vorteile mit sich:

  • Sie wissen bereits, dass das geplante Geschäftsmodell funktioniert. Seinen ersten Proof of Concept hat es auf dem amerikanischen Markt ja bereits bestanden.
  • Diese Tatsache wiederum erhöht die Bereitschaft Ihrer Geldgeber, in das Vorhaben einzusteigen. Das dürfte es Ihnen erleichtern, das nötige Startkapital zusammenzubekommen.
  • Sie können von den Erfahrungen Ihres Vorbildes lernen und müssen nicht alle Umwege wiederholen, die Ihre amerikanischen Gründerkollegen vielleicht hinter sich bringen mussten.
  • Sie sparen vor allem am Anfang Zeit, Nerven und Geld, weil Sie bei der Konzeptarbeit nicht bei null anfangen, sondern auf den Überlegungen anderer aufbauen können.

Wir wollen aber nicht verschweigen, dass das „Abkupfern“ und Importieren von Ideen auch Nachteile haben kann:

  • Ihre Gründungsidee ist nicht wirklich neu. Gut möglich, dass die Kunden das Original der Kopie vorziehen.
    Die Idee ist nicht einmalig. Das Risiko ist hoch, dass das Original-Unternehmen international expandiert. Dann wird es schwer für Sie, sich gegenüber der bereits am Markt etablierten Konkurrenz zu behaupten.
  • Es kann auch passieren, dass andere Gründer in Deutschland dieselbe Strategie verfolgen wie Sie. Auch das kann dazu führen, dass Sie sich schneller als gedacht einer starken Konkurrenz gegenübersehen.
  • Wahrscheinlich haben sich die Urheber vor Ideenklau rechtlich abgesichert. Prüfen Sie daher rechtzeitig, ob Sie internationale Patent- oder Markenrechte verletzen. Denn das kann teuer werden und sogar das Aus für Ihre Gründung bedeuten.
  • Und schließlich hängt alles davon ab, ob Ihre Zielgruppe Ihre Begeisterung teilt. Testen Sie so früh wie möglich, ob Ihre Import-Lösung wirklich ankommt.
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Besser als das Original?

Wenn Sie eine in den USA erprobte Geschäftsidee schlicht und einfach kopieren, können Sie damit durchaus Erfolg haben. Sie müssen aber womöglich damit leben, dass Ihr Unternehmen als Copycat geschmäht wird und Sie nicht nur das Original-Unternehmen, sondern auch weitere Nachahmer zur Konkurrenz haben.

Diese Gefahr können Sie minimieren, indem Sie ein Geschäftsmodell nicht einfach nur importieren, sondern verändern und sowohl an den Markt in Deutschland als auch an Ihre individuelle Situation anpassen. Eine Idee mag wirtschaftlich sinnvoll sein – wenn sie nicht zu Ihnen und Ihren Fähigkeiten, Interessen und Mitteln passt, werden Sie damit nicht glücklich werden. Hinzu kommt: Je mehr Sie Ihr Vorbild abwandeln und zu Ihrer eigenen Idee machen, desto weniger bedeutsam werden die Nachteile des Kopierens sein.

Wenn Sie auf dem amerikanischen Markt eine spannende Idee entdeckt haben, die es Ihnen angetan hat, sollten Sie also überlegen, wie Sie diese verfeinern und an die kulturellen Besonderheiten des deutschen Marktes einerseits und an Ihre individuellen Neigungen und Kompetenzen andererseits anpassen können. Ihnen fällt nichts ein? Machen Sie sich bewährte Methoden aus der Gründungsliteratur zunutze: Auf der Gründerplattform finden Sie eine Reihe von praktischen Tipps, wie Sie Geschäftsideen finden und systematisch weiterentwickeln können.


Über den Autor

Jan Evers hat sich mit Leib und Seele moderner Gründungsförderung verschrieben. Er ist Geschäftsführer des Startups BusinessPilot, das gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und der KfW die Gründerplattform aufgesetzt hat, um Gründen in Deutschland einfacher und digitaler zu machen. Die Gründerplattform wird öffentlich gefördert und ist daher für alle kostenfrei.

[Bildnachweis: Grumpy Old Man Studios by Shutterstock.com]
21. August 2020 Anzeige Autor: Anzeige

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