Fremdsprachenkenntnisse Bewerbung: So werden sie formuliert

Nicht wenige Bewerber zerbrechen sich den Kopf, wie sie Fremdsprachenkenntnisse in der Bewerbung angeben sollen. Das Problem: Nicht jeder hat außerhalb der Schule etwa in gezielten Sprachkursen seine Fremdsprachenkenntnisse erworben. In diesem Fall ist der Beleg recht einfach zu erbringen, da Sie mit Bestehen eines Kurses ein Zertifikat ausgehändigt bekommen. Was aber, wenn Sie in einer binationalen Familie aufgewachsen sind? Oder wenn Sie Englisch zuletzt in der Schule hatten, aber Ihr Abitur bereits zehn Jahre her ist? Wir helfen Ihnen bei möglichen Formulierungen in der Bewerbung

Fremdsprachenkenntnisse Bewerbung: So werden sie formuliert

Fremdsprachenkenntnisse Bewerbung: Auf die Anforderung achten

Wer plant, im Ausland zu arbeiten oder sich in Deutschland bei einem internationalen Unternehmen bewirbt, weiß, dass es ohne Fremdsprachenkenntnisse kaum eine Chance gibt.

Über Englischkenntnisse sollte jeder Bewerber verfügen, der in Deutschland zur Schule gegangen ist, da Englisch zum Fächerkanon gehört. Unterschiede gibt es höchstens darin, wie lange jemand Englischunterricht in der Schule hatte.

Für Ihr Anschreiben und Ihren Lebenslauf ist es allerdings völlig unerheblich, wie lange Sie eine Sprache erlernt haben. Von Bedeutung sind lediglich die Kompetenzniveaus Ihrer Fremdsprachenkenntnisse. Darüber hinaus ist aus Personalersicht interessant, welche Sprachen Sie sprechen.

Pflegt das Unternehmen Auslandsbeziehungen mit Japan, werden Japanischkenntnisse von wesentlich größerer Bedeutung sein als beispielsweise Spanisch. Als Bewerber müssen Sie sich daher mit den Anforderungen in der Stellenanzeige vertraut machen.

Unterschieden wird darin zwischen sogenannten Muss- und Kann-Anforderungen. Zu den Muss-Anforderungen im Bereich Fremdsprachenkenntnisse gehören Formulierungen wie:

  • gute bis sehr gute Kenntnisse in Deutsch und Englisch
  • … setzen wir verhandlungssichere Englischkenntnisse voraus
  • gute Englisch- und Französischkenntnisse in Wort und Schrift
  • Ihre guten Englischkenntnisse in Wort und Schrift haben Sie bereits erfolgreich unter Beweis gestellt

Bei solchen Formulierungen sollten Sie davon ausgehen, im Berufsalltag in einer Fremdsprache kommunizieren zu müssen. Wer im internationalen Vertrieb oder Produktmanagement arbeitet, wird häufiger per E-Mail mit Kunden im Ausland zu tun haben oder auch Nachfragen am Telefon beantworten müssen.

Andere Formulierungen lassen durchblicken, dass Fremdsprachenkenntnisse zwar willkommen, für die Stelle allerdings keine zwingende Voraussetzung sind:

  • idealerweise verfügen Sie über gute Kenntnisse der englischen und französischen Sprache
  • wünschenswert wären Sprachkenntnisse in Englisch und Spanisch
  • Japanisch- oder Russischkenntnisse wären von Vorteil

Fremdsprachenkenntnisse Bewerbung: Tatsächlich im Berufsalltag gefordert?

Manchmal stellt sich allerdings die Frage, wie viele Fremdsprachenkenntnisse in Bewerbungen wirklich erforderlich sind?

Cornelia Riechers, Inhaberin von Quality Outplacement und Outplacement- und Karriereberaterin, schildert folgenden Fall:

Es gibt auch von Unternehmensseite die eine oder andere Übertreibung bei den gewünschten Fremdsprachen. Nicht immer sind die geforderten Sprachkenntnisse im Arbeitsalltag wirklich vonnöten.

Riechers ist ein Fall bekannt, bei dem ein internationaler Computerhersteller für die Stelle der Sekretärin des Zweigniederlassungsleiters fließende Englisch- und Französischkenntnisse forderte:

Bewerberin: Sie suchen ja jemanden mit fließenden Englischkenntnissen. Wozu brauche ich denn in diesem Job Englisch?

Niederlassungsleiter: Wie bitte?

Bewerberin: Zu welchen Gelegenheiten brauche ich meine Englischkenntnisse bei der Arbeit? Gehen Briefe oder E-Mails auf Englisch ein, oder gibt es englischsprachige Anrufer?

Niederlassungsleiter: Ach so, ja, hm, Anrufe auf Englisch, das kommt schon mal vor.

Bewerberin: Wie oft denn?

Niederlassungsleiter: So etwa drei- bis viermal im Jahr.

Bewerberin: Nun ja, dann haben Sie gewiss mehr mit Französisch zu tun. Wie oft kommt das denn vor?

Niederlassungsleiter: Eigentlich überhaupt nicht.

Riechers Erfahrung:

Es kommt vor, dass Firmen bei den Sprachanforderungen ein wenig übertreiben. In den meisten Unternehmen wird auch nur mit Wasser gekocht. Wenn Sie sich in der gewünschten Sprache verständigen können und Ihre Bereitschaft zeigen, Ihre Sprachkenntnisse gegebenenfalls auch in Eigeninitiative auf Vordermann zu bringen, dann ist das schon eine gute Basis für eine mögliche Einstellung.

Bewerbung: Sprachkenntnisse formulieren

Ziel ist es, die Fremdsprachenkenntnisse in der Bewerbung beziehungsweise im Lebenslauf so anzugeben, dass man sich im Falle einer Überprüfung nicht bis auf die Knochen blamiert. Sie sollten damit rechnen, dass ein Personaler während des Vorstellungsgesprächs unvermittelt ins Englische wechselt, sofern Sie Fremdsprachenkenntnisse fließend in Ihrer Bewerbung angegeben haben.

Das Dilemma: Es ist bekannt, dass bei Lebensläufen ein wenig geschönt wird und niemand möchte angeben, dass er in Wahrheit gerade einmal drei Wörter in der Fremdsprache gerade herausbringen kann.

Die Kunst ist, sich möglichst realistisch einzuschätzen, aber wohlwollend. Riechers gibt dazu folgenden Tipp:

Wenn Sie nicht ganz sicher sind, welches Niveau Ihre Sprachkenntnisse zutreffend beschreibt, entscheiden Sie sich im Zweifel lieber für das höhere. Denn die anderen tun das auch. Und Sie möchten ja nicht, dass Sie mit Grundkenntnissen aussortiert werden und ein anderer Kandidat mit ‚gut‘ den Vorzug erhält, obwohl er die Sprache gar nicht besser spricht als Sie.

Andererseits neigen einige Menschen durchaus zur Selbstüberschätzung. Riechers dazu:

Ihre Sprachbeherrschung sollten dem angegebenen Level wenigstens ansatzweise entsprechen. Wer seine Englischkenntnisse als gut bezeichnet und dann die Frage ‚Where did you go on your last holiday?‘ weder versteht noch beantworten kann, der kommt wohl kaum in die nächste Runde.

Typische Formulierungen für Fremdsprachenkenntnisse im Lebenslauf sind folgende:

  • Grundkenntnisse

    Sie beherrschen die elementaren, alltäglichen Worte in der jeweiligen Sprache. Oft stammen diese Kenntnisse noch aus der Schulzeit und reichen dafür, sich selbst vorzustellen, im Urlaub nach dem Weg fragen und langsamen Gesprächen folgen zu können.


  • Gute Fremdsprachenkenntnisse

    Man spricht von guten oder konversationssicheren Sprachkenntnissen, wenn Unterhaltungen und Telefonate in der Fremdsprache möglich sind. Gut oder konversationssicher bedeutet allerdings auch, dass Sie im Schriftverkehr noch deutliche Lücken haben


  • Sehr gute Fremdsprachenkenntnisse

    Mit diesem Sprachniveau kann sich ein Sprecher problemlos zu komplexen Texten oder abstrakten Themen äußern. Auch fachbezogene Unterhaltungen und Diskussionen sind keine größere Herausforderung, Gespräche mit Muttersprachlern sind für beide Seiten problemlos.


  • Verhandlungssicher in Wort und Schrift

    Die Unterschiede zwischen diesem Sprachniveau und der letzten Stufe sind marginal: Wer beispielsweise Englisch verhandlungssicher in Wort und Schrift in seinem Lebenslauf angibt, ist vermutlich in einem englischsprachigen Umfeld aufgewachsen oder hat lange Zeit dort gelebt: Der Gebrauch der englischen Sprache ist in allen Kontexten problemlos möglich – im beruflichen wie im gesellschaftlichen Leben, der Sprecher sucht nicht nach Vokabeln, sondern äußert sich intuitiv.


  • Muttersprachler/muttersprachliches Niveau

    Der Begriff Muttersprachler ist Personen vorbehalten, die tatsächlich mit einer Sprache aufgewachsen sind – beispielsweise Englisch und Deutsch: Muttersprache, wenn Sie aus einer binationalen Familie stammen. Wer über wirklich exzellente Sprachkenntnisse verfügt und sämtliche aufgenommenen Informationen mühelos versteht – beispielsweise durch einen langjährigen Aufenthalt im Ausland -, kann auf Formulierungen wie muttersprachliches Niveau zurückgreifen.

Extra-Tipp: Muttersprache nicht angeben

Muttersprache nicht angebenBei Bewerbern, die einen deutschen Vor- und Nachnamen tragen, also etwa Heinz Müller, die immer in Deutschland gelebt und gearbeitet haben und die sich in Deutschland bewerben, ist die Angabe „Deutsch“ bei den Sprachkenntnissen in der Regel überflüssig.

Der verständige Leser geht davon aus, dass ein Deutscher, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, seine Muttersprache beherrscht. Und Selbstverständliches braucht man in der Bewerbungsmappe nicht zu erwähnen.

Lebenslauf: Abstufungen der Sprachkenntnisse

Eine deutlich genauere Einschätzung Ihrer Fremdsprachenkenntnisse ermöglichen Sie dem Arbeitgeber, wenn Sie anhand von Zertifikaten nachweisen können, welche Sprachen Sie beherrschen. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER) hat es sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene Einstufungen von Sprachtests untereinander vergleichbar zu machen.

Nach dieser Kategorisierung gibt es drei Kompetenzniveaus von A bis C, die jeweils in zwei Niveaustufen unterteilt sind. Das geringste Kompetenzniveau ist bei A, das höchste bezeichnet mit C den kompetenten Umgang mit einer Sprache:

  • Kompetenzniveau A: Elementarer Gebrauch der Sprache

    • Niveaustufe A1: Diese Stufe kennzeichnet die Anfänger, die sich rudimentär verständigen können, beispielsweise die Tageszeit nennen und sich vorstellen können. Voraussetzung dafür sind Gesprächspartner, die ihr Sprachtempo und Vokabular entsprechend anpassen.
    • Niveaustufe A2: Hier sind bereits grundlegende Kenntnisse vorhanden; der Sprecher kann sich in einfachen, routinemäßigen Situatinen verständigen. Häufig gebrauchte Sätze und Begriffe werden verstanden.
  • Kompetenzniveau B: Selbständiger Gebrauch der Sprache

    • Niveaustufe B1: Der Sprecher hier ist bereits fortgeschritten in seiner Sprachverwendung; die Verständigung im Urlaub ist weitgehend problemlos, eine Verständigung über vertraute Themen wie Arbeit oder Freizeit ist möglich.
    • Niveaustufe B2: In dieser Niveaustufe können Sprecher bereits die Hauptinhalte komplexer Texte und Themen verstehen. Er ist in der Lage, sich spontan und fließend zu verständigen, auch Fachdiskussionen in seinem Fachgebiet sind möglich.
  • Kompetenzniveau C: Kompetenter Gebrauch der Sprache

    • Niveaustufe C1: Jemand, der in C1 eingeordnet wird, besitzt bereits fachkundige Sprachkenntnisse und ein noch umfangreicheres Textverständnis, das auch das Verstehen impliziter Bedeutungen beinhaltet. Ohne Probleme kann er sich spotan und fließend verständigen und auch ausführlich zu komplexeren Themen äußern.
    • Niveaustufe C2: Wer einen Sprachtest mit C2 abschließt, darf sich rühmen, annähernd muttersprachliche Kenntnisse zu besitzen. Das bedeutet, dass er oder sie Texten oder Unterhaltungen mühelos folgen und sie verstehen kann. Die eigene Ausdrucksweise kann je nach Sachverhalt spontan, nuanciert und sehr flüssig sein.

Sprachkenntnisse im Anschreiben erwähnen

Fremdsprachenkenntnisse erweitern den Horizont, keine Frage. Mit einer Sprache erlernen Sie nicht nur Worte, sondern Sie erfahren etwas über die Kultur und Gedankenwelt der Sprecher. Die Frage ist nur, inwieweit dieses Wissen für die Stelle von Relevanz ist, auf die Sie sich bewerben?

Sind bestimmte Sprachen unabdingbar, sollten diese Kenntnisse unbedingt erwähnt werden, beispielsweise:

Während meines dreijährigen Studiums in Brüssel hatte ich die Gelegenheit, meine Sprachkenntnisse in Niederländisch und Französisch deutlich zu vertiefen.

Werden für die Stelle keinerlei weiteren Sprachkenntnisse gefordert, können Sie sich den Platz im Anschreiben sparen. Ebenso sollten Sie darauf verzichten, mit Ihren Lateinkenntnissen oder Kenntnissen in Altgriechisch beziehungsweise Hebräisch zu prahlen, sofern Sie nicht eine Stelle als Altphilologe, Historiker oder Theologe anvisieren.

Diese Sprachen werden im Lebenslauf übrigens ohne Kompetenzstufen angegeben, hier genügen dann die Examensbezeichnungen Latinum / Greacum / Hebraicum.

[Bildnachweis: Elena Kharichkina by Shutterstock.com]

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28. Februar 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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