Welche Praktika gehören in den Lebenslauf?
Ein professioneller Lebenslauf ist in erster Linie vollständig, lückenlos und übersichtlich strukturiert. „Lückenlos“ bedeutet aber nicht, dass dort jedes Praktikum erwähnt werden muss, im Gegenteil: Sie dürfen und müssen auswählen und können ebenso Praktika im Lebenslauf weglassen.
Das entscheidende Kriterium für die Auswahl ist Relevanz. Ein Praktikum im Lebenslauf soll die praktischen Erfahrungen und Qualifikationen eines Bewerbers unterstreichen. Entsprechend sollten Sie im Lebenslauf nur jene Praktika angeben, deren Inhalte und Erfahrungen einen Bezug zur angestrebten Stelle haben. Irrelevantes, selbst wenn Sie das Praktikum interessant und lehrreich fanden, sollten Sie immer weglassen.
Bedeutung von Praktika sinkt mit Berufsjahren
Gleichzeitig nimmt die Bedeutung von Praktika im Lebenslauf mit steigender Berufserfahrung ab. Für Schüler, Auszubildende, Hochschulabsolventen und Berufsanfänger sind Praktika noch ein wichtiger Nachweis für erste Berufserfahrungen.
Wer jedoch schon 5-10 Berufsjahre und verschiedene Positionen inne hatte, kann die Praktika im Lebenslauf weglassen oder zu einem Block zusammenfassen, damit keine Lücken im Lebenslauf entstehen. Ausnahme: Es handelt sich zum Beispiel um ein Auslandspraktikum mit dem Sie Ihre interkultureller Kompetenz belegen wollen.
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Wo sollte ich das Praktikum im Lebenslauf angeben?
Der Aufbau eines modernen Lebenslaufs ist in Deutschland weitgehend standardisiert. Dabei werden die Inhalte nach Zwischenüberschriften gegliedert und die Abschnitte in dieser heute üblichen Reihenfolge sortiert:
- Persönliche Daten
- Kurzprofil (optional)
- Beruflicher Werdegang
- Bildungsweg
- Besondere Kenntnisse
- Interessen und Hobbys
- Ort, Datum und Unterschrift
Ein absolviertes Praktikum oder mehrere Praktika gehören dann entweder in den Abschnitt „Beruflicher Werdegang“ oder „Besondere Kenntnisse“. Ersteres kann jedoch latent großspurig wirken, wenn dort nur zwei Praktika stehen. Ausnahme: Sie wollen mit den Praktika Lücken im Lebenslauf kaschieren.
Im Schüler-Lebenslauf und bei noch jungen Berufseinsteigern lohnt es sich daher meist, die Praktika in einem eigenen Abschnitt zusammenzufassen und diesen „Berufspraxis“ zu nennen – anstelle des „Beruflichen Werdegangs“.
Wieviele Praktika gehören in den Lebenslauf?
Als Faustregel können Sie sich merken: Mehr als 3-4 Praktika sollten Sie im Lebenslauf nicht angeben. Zu viele Praktika wirken nicht mehr fokussiert oder zielstrebig, sondern orientierungslos. Oder nach jemandem, der sich von Praktikum zu Praktikum hangeln musste.
Lesetipp: Bewerbung um ein Praktikum: Tipps & Mustervorlagen
Nachweis durch Praktikumszeugnis
Besonders wichtige Praktika sollten Sie überdies mit einem Praktikumszeugnis in den Anlagen der Bewerbung nachweisen. Die Bewertung Ihres Engagements und Ihrer Leistung durch Dritte wertet die Bewerbung zusätzlich auf. Das gilt erst recht für ein absolviertes Pflichtpraktikum während des Studiums. Das sollten Sie praktisch immer im Lebenslauf angeben.
Wie Praktika im Lebenslauf richtig nennen?
Generell werden Praktika im Lebenslauf genauso erwähnt, wie berufliche Stationen auch, also mit konkreten Zeitangaben und in „antichronologischer“ Reihenfolge. Bedeutet: Zuerst nennen Sie stets das jüngste und aktuellste Praktikum und gehen dann zeitlich zurück.
Im tabellarischen Lebenslauf nutzen Sie hierfür zwei Spalten:
- Links geben Sie den Zeitraum des jeweiligen Praktikums an, nach dem Muster: „MM/JJJJ – MM/JJJJ“, wobei „MM“ für den Monat und „JJJJ“ für das Jahr steht. Haben Sie ein aktuelles Praktikum noch nicht abgeschlossen haben, schreiben Sie dort „MM/JJJJ – heute“.
- Rechts wiederum schreiben Sie die Firma, bei der Sie das Praktikum gemacht haben sowie relevante Details zu Tätigkeiten dazu. Das Ergebnis kann dann zum Beispiel so aussehen:
Grundsätzlich gilt: Übertreiben Sie bei den Praktika im Lebenslauf nicht und bleiben Sie immer bei der Wahrheit! Zwar können Sie durch eine clevere Wortwahl einzelne Stationen etwas aufmotzen und positiver darstellen. Lügen dürfen Sie aber nicht! Personaler kennen die Tricks ebenfalls. Und wer beim Nachhaken im Vorstellungsgespräch ins Stottern kommt, disqualifiziert sich sofort.
Tipps und Beispiele für Formulierungen
Ein Praktikum im Lebenslauf ist vielleicht noch keine große oder einschlägige Berufserfahrung. Dennoch können Sie mit geschickter Wortwahl selbst aus einfachen Nebentätigkeiten oder Minijobs mehr machen. Als Student haben Sie zum Beispiel niemals „gekellnert“ – zu profan! Sie haben als „Servicefachkraft in der Gastronomie“ wertvolle Erfahrungen gesammelt…
Solche Formulierungen sind nur Nuancen, ja. Aber auf diese kann es in der Bewerbung ankommen! Auch wenn Personaler das nie zugeben: Unterbewusst entfaltet die richtige Wortwahl enorme Wirkung und beeinflusst mehr Entscheidungen als viele meinen.
Überlegen Sie daher nicht nur, welche Ihrer Praktika für die angestrebte Stelle relevant sind, sondern auch, was dieses so wertvoll für den neuen Job macht und für Personalverantwortliche einen Mehrwert darstellt, etwa:
- In welchem Bereich habe ich das Praktikum gemacht?
- Welche Aufgaben habe ich übernommen?
- Welche Skills habe ich in der Zeit erworben?
- Was konnte ich daraus lernen und bewirken?
- Welchen Mehrwert habe ich dem Unternehmen geboten?
Versuchen Sie anschließend Ihre Aufgaben und Tätigkeiten möglichst aktiv zu formulieren und starke Verben zu nutzen. Wer etwa ein Pfadfinderlager „organisiert“ und nicht nur „beaufsichtigt“ hat, mutiert direkt vom Begleiter zum Verantwortlichen. So wirkt Ihre Lebenslauf noch maßgeschneiderter und Sie selbst kompetenter.
Hier ein paar Formulierungsbeispiele in Ampelform: Rot = „So bitte nicht!“ Grün: „So geht es besser!“…
Praktika im Lebenslauf – Beispiel: Schlüsselbegriffe
Sie haben während Ihres Praktikums die Instagram-Seite eines Handwerksbetriebs betreut und wollen sich im Bereich Journalismus oder Online-Marketing bewerben? Dann bauen Sie in der Beschreibung des Praktikums gleich wichtige Schlüsselbegriffe ein:
🔴 „Pflege und Betreuung der Instagram-Seite.“
🟢 „Instagram Redaktion: Content Curation und Community Management.“
Praktika im Lebenslauf – Beispiel: Aktiv formulieren
Sie haben im Call-Center einen Schnupperkurs absolviert und möchten das nutzen, um sich für einen Job im Vertrieb zu empfehlen. Hier ist es wichtig, unbedingt aktive Formulierungen zu verwenden:
🔴 „Annahme von Telefonaten.“
🟢 „Kundenbetreuung und -pflege, Telemarketing.“
Praktika im Lebenslauf – Beispiel: Dreiklang
Sie waren im ASTA Ihrer Uni aktiv, haben Partys für Erstsemester und Info-Veranstaltungen organisiert. Jetzt wollen Sie ins Event-Management. „Organisation“ ist zwar schon gut, aber splitten Sie den Begriff auf und formulieren Sie besser daraus einen aktiven Dreiklang:
🔴 „Organisation von Partys und Zeltlagern.“
🟢 „Konzeption, Planung und Durchführung von Hochschul-Events.“
Praktika im Lebenslauf – Beispiel: Umsetzung
Sie haben während Ihres Praktikums Flyer und Plakate eigenständig am Rechner erstellt. Nun soll es in die Mediengestaltung gehen. Die Optionen ist wieder ein Dreiklang mit besonderem Fokus auf der Umsetzung, was Sie zu einem Realisator macht:
🔴 „Entwurf von Flyern und Plakaten.“
🟢 „Konzeption, Gestaltung und Erstellung von fertigen Werbemitteln.“
Praktika im Lebenslauf – Beispiel: Aufwertung
Sie haben während Ihres Praktikums im Konzern Dokumente kopiert, Ordner sortiert, Gäste begrüßt und feinsten Arabica-Kaffee aufgesetzt. Nicht gerade Top-Tätigkeiten. Wie umschreiben Sie das? Hierbei hilft nur Sprachkosmetik und begriffliche Aufwertung:
🔴 „Hilfsarbeiten und einfache Bürotätigkeiten.“
🟢 „Empfang, Büromanagement und Unterstützung der Geschäftsleitung.“
Das sind natürlich nur Beispiele. Gleichzeitig merken Sie, dass Sie das Praktikum im Lebenslauf schon mit einer anderen Wortwahl aufwerten und interessanter machen können. Experimentieren Sie unbedingt mit den Formulierungen und fragen Sie z.B. Ihre Freunde, wie die Beschreibungen auf sie wirken. Solange Sie grundsätzlich bei der Wahrheit bleiben, ist etwas Sprach-Schminke durchaus erlaubt!
Welches Praktikum im Lebenslauf sollte ich weglassen?
Welche Praktika Sie im Lebenslauf angeben oder weglassen, hängt maßgeblich von drei Kriterien ab:
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Weglassen, wenn fachlich irrelevant
Hat Ihr Praktikum keinerlei Bezug zur Stelle, und Sie haben bereits andere und relevantere Erfahrungen gesammelt, sollten Sie es streichen. Beispiel: Bei einer Bewerbung im Marketing tut ein früheres Praktikum in der Kinderbetreuung nichts zur Sache – also weglassen.
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Weglassen, wenn schon veraltet
Praktika, die mehr als 5-7 Jahre zurückliegen, können Sie in der Regel sofort auslassen. Einzige Ausnahme: Sie haben noch immer eine besondere Bedeutung für die Stellen – z.B. bei einer Quereinsteiger Bewerbung.
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Weglassen, wenn es das Profil verwässert
Viel hilft nicht immer viel. Falls Sie schon mehrere Praktika absolviert haben, sollten Sie genau auswählen, welche Sie im Lebenslauf angeben. Die Auswahl sollt Ihr Profil stets fokussieren und nicht verwässern.
Weniger ist oft mehr. Deshalb reichen bei den üblichen Bewerbungsunterlagen oftmals 2-3 Praktika vollkommen aus. Sie spielen im Lebenslauf auch nur eine größere Bedeutung, wenn es sich um eine Bewerbung ohne Berufserfahrung handelt.
Ehrenamtliche Aktivitäten und Projekte
Eine wertvolle Alternativ zu Praktika können ebenso ehrenamtliche Tätigkeiten und private Projekte sein, die natürlich wieder einen Bezug zum angestrebten Job haben. Auch hieraus können Sie einen eigenen Abschnitt mit der Überschrift „Projekte“ machen oder im Teil „Berufspraxis“ ergänzen. Freiwilligenarbeit und Ehrenamt sind überdies ein Symbol für soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Organisationstalent oder Empathie, die ebenfalls den Lebenslauf aufwerten und Ihr Profil abrunden.
Tipps für das Vorstellungsgespräch
Den Lebenslauf nach obigem Muster pimpen, abschicken, Finger kreuzen, fertig? Nicht ganz. Die oben genannten Tipps helfen Ihnen, die erste Hürde der Bewerbung zu überspringen und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu bekommen. Danach geht es aber weiter.
Je weniger Praxiserfahrungen Sie im Lebenslauf angeben, desto wichtiger wird jede einzelne Station. Nachfragen hierzu sind also wahrscheinlich. Machen Sie sich deshalb während der Vorstellungsgespräch Vorbereitung schon Gedanken dazu, was Sie Ihrem Gesprächspartner über Ihre Praktika erzählen können:
- Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt (Beispiele!)?
- Welches Ereignis war besonders prägend?
- Welche fachlichen und persönlichen Lehren haben Sie mitgenommen?
Überlegen Sie sich vorab ein paar schöne und emotionale Anekdoten, die Sie im Vorstellungsgespräch erzählen können. Auch hier gilt: Nichts ausdenken! Ausschmücken ist erlaubt, noch wichtiger aber ist der erkennbare Unternehmensbezug und Zusammenhang mit der angestrebten Stelle.
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